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Lichen sclerosus (LS)

Lichen sclerosus ist eine relativ seltene Hautkrankheit, die vor allem im Genitalbereich von Frauen und Männern auftritt. Symptome der Erkrankung sind Jucken, Schmerzen und Hautveränderungen im Genitalbereich und Anus. Die Haut am übrigen Körper ist nur sehr selten betroffen.

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Was ist Lichen sclerosus?

Lichen sclerosus ist eine relativ seltene Hautkrankheit, die vor allem im Genitalbereich von Frauen und Männern auftritt. Die Erkrankung kennzeichnet sich durch Jucken, Schmerzen und Hautveränderungen im Genitalbereich und am Anus. Die Beschwerden können Schwierigkeiten beim Geschlechtsverkehr verursachen. Die Hautveränderungen erscheinen als weiße oder rötliche, pigmentierte, erhabene Ausschläge, die manchmal kleine Wunden aufweisen.

Die genaue Häufigkeit ist nicht bekannt, aber die Erkrankung ist sehr selten. Kinder sind schätzungsweise zu 0,1 % betroffen, hingegen rund 3 % der über 80-jährigen Frauen. Die meisten Fälle treten bei Frauen nach den Wechseljahren auf, und Frauen sind insgesamt 3- bis 10-mal häufiger betroffen als Männer. Die Erkrankung kann jedoch grundsätzlich Männer und Frauen aller Altersgruppen betreffen. Bei Männern zeigt sich die Erkrankung in Form von Hautveränderungen und möglichen Geschwüren an den äußeren Teilen des Penis.

Ursachen

Die Ursache ist nicht ganz geklärt, wahrscheinlich handelt es sich um eine Autoimmunkrankheit (bei diesen Krankheiten greift das Immunsystem fälschlicherweise körpereigene Zellen an). Möglicherweise spielen Auslöser wie Hautverletzungen (auch durch wiederholtes Kratzen) und -infektionen, manche Medikamente sowie Hormone eine Rolle für die Entstehung des Lichen sclerosus. Bleiben die Hautveränderungen über längere Zeit bestehen, kann die Haut vernarben, und es kann sich Hautkrebs (Plattenepithelkarzinom) entwickeln.

Symptome und Beschwerdebilder

Typische Symptome sind Juckreiz und Schmerzen. Die Hautveränderungen sind zunächst wenige Zentimeter große, rötliche oder weiße, später großflächigere weiße Flecken oder Hautbeläge. Beim Mann sind meist die Eichel oder Vorhaut betroffen, oft erscheint zunächst ein dünner weißlicher Ring. Zunächst kann der betroffene Bereich etwas geschwollen erscheinen. Manche Patienten spüren Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Im Verlauf wird die betroffene Haut zunehmend dünn und runzlig („Zigarettenpapierhaut“) und reißt leicht ein.

Im fortgeschrittenen Stadium kann sich durch Ausdehnung der Hautveränderungen und Vernarbungen der Eingang der Vagina verengen und „zusammenwachsen“. Auch die Vorhaut am männlichen Glied kann sich verengen und lässt sich nur schwer zurückziehen. Äußerst selten ist hiervon auch der Anus betroffen. Die Folge sind neben Schmerzen beim Geschlechtsverkehr manchmal auch Schwierigkeiten beim Wasserlassen und/oder Stuhlgang.

Hautveränderungen an anderen Stellen des Körpers treten bei 6–20 % der Erkrankten auf (extragenitaler Lichen sclerosus). Einige Patienten leiden gleichzeitig an einer (anderen) Autoimmunkrankheit wie eine bestimmte Variante des Haarausfalls (Alopecia areata), Weißfleckenkrankheit oder autoimmun bedingten Krankheiten der Schilddrüse.

 

Diagnose

Die Diagnose kann häufig aufgrund der Krankengeschichte und der typischen Hautveränderungen (Läsionen) gestellt werden. In einigen Fällen kann die Erkrankung irrtümlich als Pilzinfektion gedeutet werden, bei der aber eine Pilz-Behandlung keine Wirkung zeigt. Wenn die Diagnose ungewiss ist, muss die Ärztin/der Arzt eine Gewebeprobe (Biopsie) entnehmen. Daraufhin werden Sie oftmals an eine Fachärztin/einen Facharzt aus dem Gebiet Dermatologie oder Frauenheilkunde überwiesen. Nach der mikroskopischen Untersuchung der Gewebeprobe und möglicherweise auch dem Nachweis von bestimmten Antikörpern (Hinweis auf eine Autoimmunkrankheit) können die Ärzte mit großer Sicherheit eine Diagnose stellen.

Behandlung

Die Behandlung zielt darauf ab, die Beschwerden zu heilen oder zu lindern und das Fortschreiten der Hautveränderungen zu stoppen.

Da die Haut bei Lichen sclerosus dünner, trockener und pergamentartig wird, sollte sich die persönliche Hygiene gut daran orientieren. Sie sollten die Haut nach dem Waschen oder Baden (wenig Seife) sanft und vorsichtig trocknen. Verwenden Sie täglich eine Feuchtigkeitscreme oder Emulsion. Vermeiden Sie Reizstoffe und Allergene. Verwenden Sie Unterwäsche aus Baumwolle und vermeiden Sie eng anliegende Kleidung. Möglicherweise sollte zu Beginn der Behandlung zeitweilig auf Sex verzichtet werden, da dies den Juckreiz und die Beschwerden verschlimmert.

In der Regel wird die Erkrankung mit einem Kortisonpräparat behandelt. Die Salbe wird regelmäßig täglich mehrere Wochen (häufig etwa 3 Monate) lang aufgetragen. Die Dosis wird dann langsam verringert. Es gibt verschiedene Dosierungsschemata. Wenn die Erkrankung erneut ausbricht, kann die Dosis für ein paar Wochen erhöht werden. Östrogen- oder Testosteron-Cremes werden nicht empfohlen. Als alternative Mittel können sehr spezielle Wirkstoffe (Tacrolimus oder Pimecrolimus) infrage kommen. In einigen Fällen ist die Erkrankung so hartnäckig, dass die Ärztin/der Arzt eine Therapie in Tablettenform vorschlägt.

Bei Patienten mit nachgewiesenen Zellveränderungen ist die Operation eine meist sinnvolle Option, bevor sich möglicherweise Hautkrebs entwickelt. In Fällen, in denen die Vagina zusammengewachsen ist, kann ein chirurgischer Eingriff erforderlich sein, um die Öffnung wieder herzustellen. Dies gilt auch für Jungen und Männer mit Lichen sclerosus im Bereich der Eichel bzw. verengter Vorhaut; hier wird eine Zirkumzision (Beschneidung) empfohlen.

Prognose

Die Erkrankung führt nur in sehr seltenen Fällen zu Hautkrebs. Diese Art von Krebs lässt sich meist erfolgreich behandelt werden.

Lichen sclerosus ist jedoch eine meist chronische oder wiederkehrende Hautkrankheit. Die Heilungschancen sind gut, aber die intensiven Beschwerden können für die Betroffenen sehr belastend sein. Mit der richtigen Behandlung verbessert sich die Erkrankung in der Regel nach einigen Wochen. In manchen Fällen genügt eine Therapie, aber die Erkrankung kann auch wieder ausbrechen und eine erneute Behandlung notwendig machen. Zu empfehlen ist eine regelmäßige ärztliche Kontrolle der Haut, um ggf. neue Veränderungen frühzeitig zu erkennen.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen