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Vergrößerte Talgdrüsen (Atherom)

Haarfollikel sind winzige Beutel, die sich überall in der Haut befinden und aus denen Haare wachsen können. Um die Haarfollikel herum befinden sich Talgdrüsen, die Talg (Sebum) aussondern, der sowohl das Haar als auch die Haut schmiert. Wenn dieser Talg nicht nach draußen gelangt, verstopft die Drüse, und es bildet sich ein Knoten unter der Haut, eine sogenannte Talgzyste (Atherom).

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Haarfollikel und Talgdrüsen

In der Haut befinden sich die sogenannten Haarfollikel. Sie sind kleine, beutelförmige Teile der Haut, die man – mit Ausnahme von Lippen, Handflächen und Fußsohlen – überall am Körper findet. Aus jedem Haarfollikel kann ein Haar wachsen. Der Haarfollikel wird in einer tieferen Hautschicht gebildet, sitzt fest in der Unterhaut und verläuft durch die oberen Hautschichten bis an die Hautoberfläche.

Die Talgdrüsen befinden sich außerhalb der Haarfollikel und sondern einen Talg namens Sebum ab. Dieser Talg wird im Haarfollikel abgesondert und schmiert sowohl das Haar als auch die umgebende Haut. Der Talg schützt vor Reibung und macht Haut und Haar etwas „wasserfester“. Diese Talgdrüsen befinden sich überall in der Haut, am meisten jedoch auf der Kopfhaut, im Gesicht, auf der Brust und im Schambereich. Fußsohlen und Handinnenflächen sind frei von Talgdrüsen.

Was ist ein Atherom?

Atherom ist ein Überbegriff für verschiedene Zysten in der Haut, die aus den Talgdrüsen der Haarfollikel hervorgehen. Im allgemeinen Sprachgebrauch werden Atherome auch als Grützbeutel bezeichnet.

Es entsteht ein Knoten unter der Haut. Dieser ist relativ fest, oft gelblich, breit und ein wenig uneben und kann gelegentlich eine mittige Vertiefung haben. Mit Ausnahme von kosmetischen Aspekten erfordert diese Hautveränderung keine Behandlung, außer wenn eine Entzündung entsteht.

Atherome sind häufig, schätzungsweise 20 % der Bevölkerung sind betroffen. Sie treten insbesondere bei Jugendlichen und Erwachsenen im jungen oder mittleren Alter auf.

Ursachen

Die Entstehung von Atheromen unterscheidet sich je nach Typ.

Manchmal können die Ausgänge der Talgdrüsen oder Haarfollikel verstopfen. Der Grund dafür ist nicht bekannt. Der Talg gelangt nicht mehr an die Hautoberfläche. Die Drüse produziert weiterhin Talg und allmählich bildet sich ein Knoten oder eine kleine Beule unter der Haut. In der Fachsprache wird dies als Epidermalzyste bezeichnet. Bei Akne treten häufig mehrere solcher Talgzsten am Oberkörper auf.

Bei Atheromen auf der Kopfhaut handelt es sich meistens um sogenannte Trichilemmalzysten. Diese treten häufiger bei Frauen auf, und es kann eine erbliche Veranlagung bestehen. Ursache ist ein gestörter Verhornungsmechanismus.

Diagnose

Die Diagnose ist auf Grundlage des Aussehens leicht zu stellen. Man findet unter der Haut relativ feste, runde Knoten. Teilweise ist in der Mitte eine verstopfte Öffnung zu erkennen. Häufig treten die Talgzysten auf der Kopfhaut, im Gesicht, an Hals, Genitalien und Rücken auf. Die meisten Knoten sind 2–4 mm im Durchmesser, aber sie können bis auf 5 cm anwachsen. Bei Infektionen können Furunkel entstehen.

Therapie

Oft ist keine Behandlung erforderlich. In vielen Fällen wird die Talgzyste kaum sichtbar und auch nicht entstellend. Manchmal kann der Knoten auffälliger sein. Manche Personen möchten eine Talgzyste dann entfernen lassen. Der dabei notwendige Eingriff ist klein und wird mit örtlicher Betäubung durchgeführt. Die Ärztin/der Arzt versucht, den gesamten Knoten herauszuschneiden. Dieser ist durch eine Kapsel abgegrenzt und kann eventuell ohne Durchschneiden der Kapsel entfernt werden. Wenn die gesamte Kapsel entfernt wird, ist auch die Drüse für immer entfernt. Wenn Teile der Kapsel unter der Haut bleiben, besteht ein größeres Risiko für eine wiederholte Knotenbildung. Der Inhalt der Talgdrüse hat ein käsiges Aussehen.

Ein infiziertes Atherom sollte chirurgisch entfernt werden. Eine Behandlung mit Antibiotika ist in der Regel nicht notwendig.

Prognose

Atherome können über Jahre wenige Millimeter klein bleiben oder schnell einige Zentimeter groß werden.

Talgzysten können sich entzünden. Dabei treten typische Anzeichen einer Infektion wie Rötung, Schwellung, Empfindlichkeit und lokale Erhitzung auf. Oft wird daraus ein Eitergeschwür (Abszess), das chirurgisch geöffnet werden sollte, um den Eiter herauszulassen.

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden

 

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Atherom. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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