Zum Hauptinhalt springen

Weißfleckenkrankheit (Vitiligo)

Vitiligo ist eine Hautveränderung, die durch weiße Flecken auf der Haut gekennzeichnet ist. In der europäischen Bevölkerung sind ca. 1–2 % von der Erkrankung betroffen, weltweit etwas mehr.

Zuletzt aktualisiert:

Zuletzt überarbeitet:



Willkommen auf unseren Patientenseiten!

Wir freuen uns, dass Sie sich für die aktuellen und unabhängigen Informationen von Deximed interessieren. Sie können sich kostenlos auf allen Patientenseiten umschauen. Eine Übersicht aller Themen finden Sie unter https://deximed.de/patienten .

Ärzt*innen empfehlen wir unsere unabhängigen Arztinformationen zu allen relevanten Themen der Hausarztmedizin.

Gutes Arbeiten mit Deximed!

Mehr Infos für Ärzt*innen!

Was ist Vitiligo?

Vitiligo ist eine Hautveränderung, bei der sich stellenweise deutlich abgegrenzte, milchig weiße Hautpartien ausbilden. An den betroffenen Stellen entfärben sich manchmal auch die Haare und werden weiß. Die Ursache liegt in einer Zerstörung der Hautzellen, die die Farbpigmente in der Oberhaut und den Haarwurzeln produzieren, also die Melanin produzierenden Melanozyten.

Es gibt verschiedene Varianten der Vitiligo: Zunächst einmal lässt sich eine lokale und eine generalisierte Form unterscheiden. Bei der generalisierten Form (sog. Vitiligo vulgaris) fehlen die Pigmente in vielen Hautbereichen, auf beiden Seiten des Körpers. Diese Form beginnt häufig im Bereich um den Mund und kommt unter allen Patienten mit Vitiligo am häufigsten vor (ca. 80 %). Die lokale Form tritt hingegen meist auf nur einer Körperseite auf und ist auf einen oder wenige Hautbereiche begrenzt.

Es gibt seltene Formen mit nur wenigen betroffenen Menschen, bei denen z. B. nur das Gesicht und die Hände und/oder Füße oder nur die Schleimhäute betroffen sind. Sehr selten ist fast die gesamte Haut weiß gefärbt (Vitiligo universalis).

Zusätzlich zu dieser Unterteilung wird noch unterschieden, ob die Hautveränderungen erstmals vor (meist Rumpf und Gliedmaßen betroffen) oder nach der Pubertät (eher Gesicht und Hände/Füße betroffen) auftraten.

Bei manchen Betroffenen bleiben die Flecken über längere Zeit stabil oder sie breiten sich mit der Zeit schubweise oder auch fortschreitend immer weiter (instabile bzw. progrediente Vitiligo).

Einer Schätzung zufolge sind 1–2 % der Bevölkerung in Europa von Vitiligo betroffen; weltweit liegt die Häufigkeit bei bis zu 4 %. Frauen sind dabei genauso häufig betroffen wie Männer. Die Erkrankung bricht oft im Alter zwischen 10–30 Jahren aus, kann aber in jedem Alter auftreten; etwa ein Viertel der Patienten bemerkt die ersten Symptome als Kind. Bei ca. 30 % der Erkrankten geht die Vitiligo auf eine erbliche Veranlagung zurück.

Ursachen

Die weißen Flecken entstehen, weil die pigmentbildenden Zellen der Haut (Melanozyten) zerstört werden und kein Melanin mehr bilden. Daher entfärbt sich die Haut. Warum diese Zellen zerstört werden, konnte bisher nicht ganz genau geklärt werden, aber es gibt mehrere Theorien.

Die meist verbreitete und am besten untermauerte Theorie besagt, dass Vitiligo eine Autoimmunerkrankung ist. Die Erkrankung tritt bei auffällig vielen Personen zusätzlich zu anderen Autoimmunerkrankungen wie Diabetes mellitus, Erkrankungen der Schilddrüse und Lupus erythematosus auf.

Zudem wird auch eine erbliche Veranlagung angenommen, zumindest bei den etwa 30 % der Patienten, bei denen die Hautkrankheit familiär gehäuft auftritt.

Bei manchen Patienten gibt es Auslöser für die Hautveränderungen, darunter bestimmte Medikamente, Sonneneinstrahlung oder auch Stress.

Diagnostik

Die deutlich abgegrenzten und pigmentfreien Hautstellen ohne Schuppen unterschiedlicher Größe erlauben in der Regel eine zweifelsfreie Diagnose.

Im Anfangsstadium erkennt man einen teilweisen Pigmentausfall, und die Flecken können manchmal etwas jucken. Der pigmentfreie Bereich zeichnet sich oftmals zuerst um Muttermale herum ab. Der weitere Verlauf ist sehr variabel. Im Laufe der Zeit entwickeln sich weiße Flecken, die sich noch deutlicher von der übrigen Haut abheben, wenn der Körper sonnengebräunt ist. Zu Beginn sind die Flecken oft deutlich abgegrenzt und klein. Sie nehmen dann in Umfang und Größe zu und wachsen allmählich mit anderen Flecken zusammen und bedecken letztlich größere Hautpartien.

Die Flecken sind oft über große Bereiche verteilt, können sich aber auch sehr lokal zeigen. Die am häufigsten betroffenen Stellen sind Gesicht, Kopfhaut, Hals, Hände und Finger. Weitere häufige Stellen sind die Lippen, Geschlechtsorgane und Brustwarzen. Sogar Flecken auf Schleimhäuten sind möglich. Die Haare im betroffenen Bereich verlieren oft ebenfalls ihre Farbe.

Wichtig ist es auch, den zeitlichen Verlauf der Hautveränderungen zu beschreiben. Bei einigen Patienten entstehen solche weißen Flecken, bleiben dann aber über viele Monate stabil bzw. vergrößern sich nicht. Bei anderen kommen nach und nach immer mehr Flecken hinzu, und die vorhandenen vergrößern sich kontinuierlich immer weiter. Solche Veränderungen können auch schubweise auftreten. Manchmal erscheinen die Räder der weißen Flecken etwas gerötet bzw. leicht entzündet.

Anhand einer Blutuntersuchung lässt sich feststellen, ob bestimmte Antikörper vorliegen oder eine Schilddrüsenkrankheit besteht (die bei manchen Patienten vorkommt und dann behandelt werden müsste).

Behandlung

Die Hautveränderungen sind nicht gesundheitsgefährdend und müssen daher nicht behandelt werden. Wenn Sie kleinere Flecken gut mit einer abdeckenden Creme kaschieren können, ist das eine gute Option.

Bei einigen Patienten stört das kosmetische Hautbild jedoch sehr; dann ist eine Therapie sinnvoll. Es gibt verschiedene Möglichkeiten hierfür; allerdings sind alle Behandlungen langwierig und der mögliche Erfolg lässt sich individuell nicht genau vorhersagen.

Das üblichste Medikament ist Kortison, entweder als Creme für einige Monate oder als Tablette für eine kurze Zeit, z. B. um einen Schub der Hautveränderungen abzubremsen.

Eine weitere Therapiemöglichkeit bei Vitiligo ist die Lichttherapie: die Bestrahlung mit kurzwelligem Schmalspektrum-UV-Licht (UV-B). Diese Bestrahlung ist die aktuell beste Therapieform bei generalisierter, ausgedehnter oder progredienter Vitiligo. Die Strahlen haben wahrscheinlich eine immunsuppressive Wirkung, regen jedoch vor allem über die Stimulation bestimmter körpereigener Substanzen die Melanozyten wieder zur Vermehrung an. Daher bildet sich bei bis zu 75 % der behandelten Patienten an den weißen Hautstellen wieder dunkles Pigment, das Hautbild verbessert sich also deutlich.

Bei sehr begrenzten stabilen weißen Flecken ist auch eine chirurgische Transplantation von gesunden Melanozyten in den erkrankten Bereich möglich.

Prävention

Die Vitiligoflecken müssen vor der Sonne geschützt werden, damit keine Sonnenschäden entstehen. Decken Sie daher die Haut mit passender Kleidung ab, verwenden Sie eine Sonnencreme mit hohem Schutzfaktor und vermeiden Sie die heiße Mittagssonne. Indem Sie die gesunde Haut vor der Sonne schützen, treten auch die weißen Flecken weniger deutlich hervor. Eine gute Alternative ist die Verwendung einer abdeckenden Hautcreme.

Prognose

Die Hautveränderungen beginnen oftmals mit einem kleinen Fleck. Allmählich bilden sich mehrere ähnliche Flecken im gleichen Hautbereich und an anderen Körperstellen. Selten geht eine Vitiligo vollständig wieder zurück.

Die Heilungschancen für die lokale Variante der Vitiligo sind gut. Die Hautveränderungen stabilisieren sich oft. Die generalisierte Vitiligo jedoch breitet sich über einen längeren Zeitraum von bis zu mehreren Jahren hin aus, bevor sich der Zustand meist stabilisiert. Die Hautveränderungen können danach über Jahre unverändert bleiben oder sich weiter verschlechtern. In seltenen Fällen beobachtet man eine Form einer aggressiven allgemeinen Vitiligo, bei der fast die gesamte Haut (mehr als 80 %) ihre Pigmente innerhalb von 6–12 Monaten nach Ausbruch verliert.

Falls die Melanozyten im Innenohr oder Auge mitbetroffen sind, was jedoch selten vorkommt, kann es zu einer leichten Schwerhörigkeit oder Entzündung der Uvea kommen (mittlere Augenhaut, die dem Auge die Augenfarbe verleiht).

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen