Zum Hauptinhalt springen

Psoriasis (Schuppenflechte)

Psoriasis ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die zu einem Ausschlag über große Teile des Körpers führen kann. Etwa zwei Prozent der Bevölkerung in Deutschland sind von der Krankheit, die zu einem gewissen Grad erblich veranlagt sein kann, betroffen.

Zuletzt aktualisiert:

Zuletzt überarbeitet:



Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiemann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Was ist Psoriasis (Schuppenflechte)?

Psoriasis (Schuppenflechte) ist eine chronische Hautkrankheit mit einer Entzündung der Haut und rotem, schuppigem Hautausschlag. Die Erkrankung variiert von Person zu Person, sowohl was die Intensität als auch die Verbreitung auf dem Körper betrifft.

Typisch ist ein roter Hautausschlag, der von silbrig-weißen, schuppigen Krusten (Plaques) bedeckt ist. Einzelne Hautareale können auch einen eher ekzemähnlichen Ausschlag ohne Schuppen aufweisen. In einigen Fällen enthält der Ausschlag mit Flüssigkeit gefüllte Bläschen. Psoriasis kann in großen, zusammenhängenden Flächen, als kleinere (münzgroße) Flecken oder als kleine, verstreute Pünktchen auftreten. Die meisten Patienten haben einen leichten Juckreiz. Bei bis zu 50 % der Patienten kommen Nagelveränderungen vor.

Der Hautausschlag kann überall auf der Haut, einschließlich der Kopfhaut, Nägel, Ohren und Geschlechtsorgane auftreten. Am häufigsten betroffen sind die Streckseiten von Ellbogen und Knien sowie die Kopfhaut. Psoriasis im Gesicht ist selten.

Die Krankheit verläuft in aller Regel chronisch oder in wiederkehrenden Schüben, wobei kürzere oder längere akute Phasen mit Perioden ohne oder mit wenigen Symptomen wechseln können. Die Gefahr eines erneuten Ausbruchs besteht während des gesamten Lebens. Etwa 5–40 % der Patienten mit Psoriasis entwickeln eine Gelenkentzündung, eine sogenannte Psoriasis-Arthritis, die in der Regel etwa 10 Jahre nach Beginn der Hauterkrankung beginnt.

In den westlichen Industrieländern tritt die Erkrankung bei 1,5–2 % der Bevölkerung auf. Ungefähr 80 % davon sind an einer Psoriasis vulgaris erkrankt. In Deutschland leben 2 Mio. Menschen, davon ca. 350.000 Kinder, mit einer Psoriasis. Psoriasis kann in jedem Alter beginnen, das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt bei 28 Jahren. Die Krankheit kommt bei Männern und Frauen gleich häufig vor.

Ursachen

Psoriasis ist eine chronische, immunvermittelte, entzündliche Hauterkrankung, an deren Entstehung verschiedene Faktoren beteiligt sind.

Es gibt eine deutliche genetische Veranlagung für Psoriasis. Leiden beide Elternteile an Schuppenflechte, liegt das Risiko auf Vererbung bei ca. 50–60 %. Etwa ein Drittel der Patienten mit Psoriasis geben an, dass es Personen mit dieser Krankheit in der nahen Verwandtschaft gibt.

Zudem gibt es verschiedene auslösende Faktoren, die zum Ausbruch oder zur Verschlimmerung der Krankheit führen können. Zu diesen zählen Stress, Infektionen, Alkoholkonsum, bestimmte Medikamente, Sonnenbrand und äußerlich irritierende Stoffe und Allergene. Psychische Belastungen und eine negative Krankheitsverarbeitung können die Erkrankung ungünstig beeinflussen, sodass Schübe schneller und schwerer auftreten.

Diagnostik

Oft ist die Ärztin/der Arzt in der Lage, die Diagnose anhand der Krankengeschichte und der typischen Symptomatik zu stellen. In Fällen, bei denen der Ausschlag nicht so typisch erscheint und die Diagnose unsicherer ist, ist es angebracht, eine Gewebeprobe zu entnehmen, um eine definitive Diagnose stellen zu können.

Behandlung

Sie können selbst eine Menge tun, um die Symptome zu lindern. Mit der Vermeidung von Stress, Alkohol oder sonstigen Belastungen des Körpers können Sie dazu beitragen, den Ausbruch einzuschränken. Sonne und Salzwasserbäder, beispielsweise in Form eines Strandurlaubs im Süden, helfen ebenfalls oft. Vermeiden Sie jedoch Sonnenbrand, die Beschwerden können sich dadurch verschlimmern.

Die Krankheit erfolgt oftmals in Schüben mit akuten Phasen und Perioden mit weniger Beschwerden. Einige Behandlungen können eine länger andauernde Symptomfreiheit bewirken, jedoch kommt die Erkrankung in der Regel zurück. Es gibt keine Medikamente, die Psoriasis heilen können. Dagegen gibt es eine Reihe verschiedener Behandlungsformen, um die Beschwerden zu lindern und die Dauer der akuten Phasen zu verkürzen.

Zur Therapie gehört eine gute Basis-Hautpflege mit Feuchtigkeitscremes und Ölbädern – als Vorbeugung auch in beschwerdefreien Zeiten. Sie können Cremes mit Zusätzen von Harnstoff oder Salizylsäure verwenden. In den meisten Fällen ist eine lokale Therapie ausreichend mit wirkstoffhaltigen Salben und Cremes, die in Fällen, in denen die Lokalbehandlung keine Wirkung zeigt, durch eine Lichttherapie oder eine medikamentöse Behandlung ergänzt wird. Vor der Therapie sollten Sie die Schuppen entfernen, damit diese wirken kann.

Bei der äußerlichen Behandlung werden häufig Kortisonsalben mit Vitamin-D-Analoga kombiniert. Damit können die Entzündungen gelindert, die Schuppen und Hautrötungen reduziert und die Beschwerden verbessert werden. Weiterhin werden Dithranol, Retinoide und Calcineurininhibitoren zur lokalen Behandlung eingesetzt. Früher wurden oft Teer-Produkte verwendet. Diese werden aber nur noch selten eingesetzt, da die Stoffe krebserregend sein können.

Psoriasis der Kopfhaut wird mit speziellen Shampoos oder kortisonhaltigen und schuppenlösenden Präparaten behandelt. In leichteren Fällen kann die Behandlung mit einem Anti-Schuppen-Shampoo helfen. Am wirksamsten ist eine Kombinationstherapie mit einem starken Kortisongel und einem Vitamin-D-Analogon.

Psoriasis der Nägel wird mit Kortisonsalben, Calcipotriol-Salbe oder harnstoffhaltigem Nagellack behandelt.

Ein wichtiger Teil der Psoriasis-Behandlung ist eine Lichttherapie mit UVB-Licht. Sie wird in der Hautarztpraxis durchgeführt. Auch eine PUVA-Therapie aus Psoralen (zur Erhöhung der Fotosensitivität) in Kombination mit UVA-Bestrahlung ist wirksam. 

In schweren Fällen kann eine systemische Therapie mit Medikamenten notwendig sein, die eine starke und gute Wirkung zeigt, aber eine Reihe von unerwünschten Nebenwirkungen haben kann. Am häufigsten eingesetzt werden Methotrexat, Ciclosporin A, Retinoide und Fumarsäureester. Kortisontabletten dürfen nur sehr kurzfristig (2–3 Tage) bei einem akuten Schub der Psoriasis angewendet werden. Wenn Sie Kortison über längere Zeit einnehmen, kann es beim Absetzen der Medikamente zu einer explosionsartigen Entwicklung der Psoriasis kommen. In den letzten Jahren sind auch völlig neue Medikamente verfügbar geworden, sogenannte Biologika (meist TNF-Alpha-Blocker). Hierbei handelt es sich um immunsuppressive Medikamente, die zwar wirksam, aber auch teuer sind und das Immunsystem schwächen und damit schwere Nebenwirkungen haben können. Bei starken Beschwerden können diese Medikamente aber zu einer deutlichen Verbesserung führen. Dazu gehören die Wirkstoffe Adalinumab, Secukinumab, Ustekinumab, Infliximab, Ixekizumab und Etanercept.

Begleitend kann eine psychosoziale Therapie hilfreich sein. Entspannungsübungen können helfen, einen erneuten Schub hinauszuzögern.

Prognose

Psoriasis ist eine chronische Krankheit. Auch wenn Sie lange, beschwerdefreie Perioden erleben, besteht immer das Risiko von neuen Ausbrüchen.

Eine Eigenbehandlung mit der Vermeidung von Stress und das Sorgen für eine gute Lebensqualität haben einen positiven Effekt auf die Erkrankung. Badeurlaube mit viel Sonne und Salzwasser helfen ebenfalls oft. Um die Krankheit einzudämmen, muss viel Zeit investiert werden, was sich aber in Form einer besseren Funktion im Alltag, von Wohlbefinden und höherer Lebensqualität auszahlt. 

Der Psoriasis-Ausschlag hinterlässt keine Narben.

In schweren Fällen kann Psoriasis eine schwere Belastung darstellen und starke Beschwerden mit häufigen Krankenhausaufenthalten und Nebenwirkungen durch starke Medikationen mit sich führen. In solchen Fällen kann sowohl die Unterstützung von nahestehenden Personen als auch professionelle Hilfe hilfreich sein.

Auch bei weniger schweren Krankheitsverläufen können psychische Reaktionen wie geringes Selbstwertgefühl, Depression und Angst auftreten.

In jüngster Zeit wurde festgestellt, dass Psoriasis das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht. Eine dänische Studie zeigte, dass das Risiko bei Patienten über 65 Jahren mit leichter Psoriasis um ca. 20 % höher war. Eine gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung sowie Abnehmen bei Übergewicht reduzieren das Risiko von Herz-Kreislauf-Komplikationen und wirken sich wahrscheinlich auch positiv auf die Hautkrankheit aus.

Zudem besteht ein leicht erhöhtes Risiko, an bestimmten Hautkrebsformen und Lymphomen zu erkranken.

Ein Teil der Patienten entwickelt zusätzlich eine Gelenkentzündung (Psoriasis-Arthritis).

Selbsthilfeorganisationen für Psoriasis-Patienten (siehe unten) können psychologische Hilfeleistung geben und zu einem besseren Wissen und Verständnis der Krankheit beitragen.

Weitere Informationen

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden