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Kopfhautpilz

Die Scherpilzflechte, Tinea capitis, tritt am häufigsten bei Kindern auf.

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Was ist die Scherpilzflechte?

Definition

Tinea bedeutet Pilz, capitis bezieht sich auf den Kopf. Bestimmte Pilzorganismen, sog. Dermatophyten, infizieren die behaarte Kopfhaut, Wimpern und Augenbrauen und lösen schuppige, kahle Stellen mit oder ohne Entzündung aus.

Symptome

Die Erkrankung beginnt als kleines rötliches Knötchen um ein Haar. Im Laufe einiger Tage wird das rote Knötchen blasser und schuppig, und das Haar wird farb- und kraftlos, spröde und es bricht. Die Stelle breitet sich aus und bildet weitere Knötchen mit einer typischen Ringform. Einzelne Stellen können nach und nach miteinander verschmelzen. Meist besteht nur geringer Juckreiz, bei einigen Patient*innen kann der Juckreiz jedoch stark ausgeprägt sein. Tinea capitis führt stellenweise zu Haarausfall. Eine etwaige Entzündung kann, wenn vorhanden, leicht oder stark sein.

Tinea capitis profunda ist eine ungewöhnliche Form der Tinea capitis, bei der sich eine stark entzündete, eiternde, bienenwabenartige Stelle auf der Kopfhaut bildet.

Ursachen

Die Scherpilzflechte wird von Menschen oder Haustieren übertragen, durch direkten Kontakt oder über Mützen, Haarbürsten, Bettwäsche oder Kleidung. Da die Erkrankung ansteckend ist, können in Kindergärten und Schulen kleinere Epidemien auftreten.

Kälberflechte ist eine Infektion mit einem bestimmten Pilz bei Rindern und Kälbern, die vor allem bei Landwirt*innen auftritt und relativ schwer verlaufen kann. Seltener wird sie auch durch Hunde, Schweine, Schafe, Katzen, Ziegen oder Pferde übertragen.

Häufigkeit

Tinea capitis ist die weltweit häufigste Pilzinfektion bei Kindern. Sie tritt meist bei Kindern unter 10 Jahren auf.

Untersuchungen

  • Ein Kind mit juckender Kopfhaut, schuppigem Ausschlag und Haarausfall sollte ärztlich untersucht werden, ob eine Pilzinfektion vorliegt.
  • Dabei sollten andere Hautkrankheiten wie Schuppenflechte ausgeschlossen werden.
  • Die Diagnose ist in der Regel einfach anhand des charakteristischen Aussehens zu stellen.
  • Hautabschabungen, Haare und Gewebeproben können entnommen werden und mikroskopisch untersucht werden. Aus den Proben wird versucht, die verursachenden Pilze im Labor nachwachsen zu lassen.
  • Eine Untersuchung von entnommenem Genmaterial ist meist genauer und schneller.
  • Familienmitglieder und andere Personen, die in engem Kontakt mit der infizierten Person gewesen sind, sollten ebenfalls auf eine Pilzinfektion untersucht werden.

Behandlung

  • Ziel der Behandlung ist es, die Pilzinfektion zu entfernen und Rückfälle zu verhindern.
  • Eine Scherpilzflechte wird in der Regel medikamentös mit Tabletten behandelt, eventuell in Kombination mit einer Antipilzcreme oder einem Antipilzshampoo.
  • Die Behandlung sollte bis zur vollständigen Heilung fortgesetzt werden. Ab der 4. Behandlungswoche sollte 14-tägig eine Untersuchung erfolgen und die Therapie ggf. verlängert werden. Dies kann je nach Pilzart 1–3 Monate dauern.
  • Bei Kindern wird die Scherpilzflechte häufig in Zusammenarbeit mit Spezialist*innen für Hauterkrankungen behandelt.
  • Kinder, bei denen eine Behandlung begonnen wurde, können die Schule oder den Kindergarten besuchen, bei bestimmten Pilzarten nach einer Unterbrechung von 1 Woche.
  • Bürsten und Kämme müssen entsorgt werden. Bettwäsche, Mützen und dergleichen sind zu waschen.
  • Die Haare abzurasieren oder zu kürzen, kann die Behandlungsdauer erheblich verkürzen.
  • Die übertragenden Tiere, etwa bei der Kälberflechte, sind zu identifizieren und möglichst mitzubehandeln. In den Ställen sind entsprechende Hygienemaßnahmen durchzuführen.

Prognose

  • Die Behandlung der Scherpilzflechte ist langwierig, und es bedarf einer Verlaufskontrolle.
  • Es kann zu Resistenzen der Pilze gegenüber den Medikamenten kommen. Zusätzlich können sich die Patient*innen über Familienmitglieder neu infizieren.

Vorbeugung

  • Vermeiden Sie den direkten Kontakt mit infizierten Personen.
  • Benutzen Sie keine Haarbürsten, Kämme oder Kopfbedeckungen von infizierten Personen.

Weitere Informationen

Autor

  • Markus Plank, MSc BSc, Medizin- und Wissenschaftsjournalist, Wien

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Tinea capitis. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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