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Schwitzen, übermäßiges (Hyperhidrose)

Schwitzen ist eine normale Reaktion auf körperliche Aktivität, Wärme oder auf eine Erkrankung. Schwitzen ist wichtig, um die Körpertemperatur zu regulieren und um den Körper gegen Überhitzung zu schützen.

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Was ist übermäßiges Schwitzen?

  • Die Tendenz zum Schwitzen bei körperlicher Aktivität ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich, und die Schweißmenge, die bei körperlicher Aktivität produziert wird, variiert auch erheblich.
  • Infektionskrankheiten verursachen Fieber und Schwitzen.
  • Verschiedene Erkrankungen können zu übermäßigem Schwitzen führen.

Über Schweißdrüsen

  • Es gibt zwei Arten von Schweißdrüsen:
  • Die ekkrinen Schweißdrüsen
    • Sie befinden sich unter der Haut, vor allem an den Händen, Füßen und Achselhöhlen. Diese Drüsen scheiden Schweiß durch kleine Gänge aus, die von der Drüse an die Hautoberfläche führen. Sie tragen zur Temperaturregulierung, zum Flüssigkeitsausgleich und zum Ausscheiden von Abfallstoffen bei.
  • Die apokrinen Schweißdrüsen
    • Sie befinden sich in erster Linie in den Achselhöhlen und im Schritt. Sie sondern geringere Schweißmengen aus, und ihre eigentliche Aufgabe ist nicht vollständig geklärt. Die Drüsen haben Öffnungen zur Haut, und der Schweiß wird zusammen mit Zellen aus diesen Schweißdrüsen ausgeschieden. Wenn diese durch Bakterien auf der Haut abgebaut werden, kann ein erhebliches Geruchsproblem entstehen.
      Eine übermäßige Schweißproduktion der apokrinen Drüsen kommt vor allem während der Pubertät und im jungen Erwachsenenalter vor.

Was sind mögliche Ursachen?

Häufige Ursachen

  • Übermäßiges Schwitzen an den Händen und Füßen (Hyperhidrose)
    • Wird an den Handflächen, Fußsohlen und in den Achselhöhlen aufgrund einer erhöhten Aktivität der ekkrinen Drüsen verursacht.
    • Wird durch Stress und emotionale Reaktionen und nicht durch Wärme ausgelöst.
    • Der Zustand weist nicht auf eine Erkrankung hin, steht aber oft mit psychischen Problemen wie z. B. Angststörungen in Verbindung.
  • Übermäßiges Schwitzen in den Achselhöhlen und im Schritt
    • Der Zustand kann durch Stress ausgelöst werden.
    • Übermäßiges Schwitzen aus den apokrinen Drüsenbereichen ist während der Pubertät und im jungen Erwachsenenalter am ausgeprägtesten.
    • Apokriner Schweiß kann unangenehm riechen, wenn er von Bakterien auf der Haut abgebaut wird.
  • Infektionskrankheiten mit Fieber
    • Wenn das Fieber sinkt, entsteht starkes Schwitzen.
  • Erhöhter Stoffwechsel (Hyperthyreose)
    • Dies ist eine Erkrankung, von der bis zu 2 % aller Frauen betroffen sind. Häufig tritt sie im Alter von 20–40 Jahren auf.
    • Die Symptome sind Herzklopfen, Müdigkeit, Nervosität, Reizbarkeit, Gewichtsabnahme trotz gutem Appetit, Schwitzen und Wärmeintoleranz.
  • Wechseljahrebeschwerden
    • Übermäßiges Schwitzen und Hitzewallungen treten in den Wechseljahren oft auf.
  • Nebenwirkungen von Medikamenten
    • Der Gebrauch von Medikamenten gegen Depressionen, vor allem sogenannte trizyklische Antidepressiva

Seltenere Ursachen

  • Niedriger Blutzucker bei Diabetes
    • Eine „Unterzuckerung” kann neben anderen Symptomen übermäßiges Schwitzen verursachen.
  • Hodgkin-Lymphom
    • Die Erkrankung kann in manchen Fällen zu weit übermäßigem Schwitzen führen.
  • Phäochromozytom
    • Wird durch einen Tumor des Nebennierenmarks verursacht, das Adrenalin produziert.
    • Es verursacht bei 80 % der Patienten oft episodische und intensiv/erdrückende Kopfschmerzen, bei 70 % Herzklopfen und bei 60 % übermäßiges Schwitzen.
    • Weitere Symptome können Diarrhö, Zittern, nervöse Beschwerden, Übelkeit und Krankheitsgefühl sein.
  • Karzinoid-Syndrom 
    • Die Tumoren können Anfälle mit Erröten („Flushing”) und Schwitzen, Diarrhö und Bauchschmerzen verursachen.

Was können Sie selbst tun?

Vermehrtes Schwitzen in den Achselhöhlen ohne Grunderkrankung

  • Entfernen Sie den Schweiß mit Wasser und Seife, d. h. waschen Sie sich mindestens einmal am Tag; evtl. wird die Verwendung antiseptischer Mittel empfohlen.
  • Die Entfernung der Achselbehaarung kann eine günstige Wirkung haben.
  • Parfümieren kann den Körpergeruch teilweise überdecken.
  • Es gibt mehrere mögliche medizinische Maßnahmen gegen übermäßiges Schwitzen.

Deodorants

Deodorants enthalten in der Regel Aluminiumchloridhexahydrat und vermindern nachweislich die Schweißproduktion. Bezüglich der Diskussion von möglichen Nebenwirkungen sei an dieser Stelle gesagt, dass es aktuell keine gesicherten Daten über den Zusammenhang von Aluminiumaufnahme und Entstehung von Brustkrebs und Morbus Alzheimer gibt. Dennoch kann es durch den Gebrauch von diesen Produkten zu einer Überschreitung der wöchentlich tolerierbaren Aufnahmemenge von Aluminium kommen. Das Bundesamt für Risikobewertung empfiehlt den Einsatz nur bei intakter (unrasierter) Haut und rät dazu, den Verbrauch von aluminiumhaltigen Antitranspiranzien zu reduzieren.

Medizinische Maßnahmen

Eine andere Empfehlung für axilläre Hyperhidrose ist die Leitungswasser-Iontophorese mit Schwämmchen. Hierbei wird ein schwacher elektrischer Strom in einem Wasserbad durch Ihre Haut geleitet. Sie wird als Dauertherapie angewandt, allerdings kann sich die Anzahl der Anwendungen im Verlauf zumindest reduzieren. Sie gilt als eine sichere, wirksame und kostengünstige Therapiemethode.

Falls die o. g. Behandlungen nicht ausreichen, kann Botulinumtoxin A in die betroffenen Hautareale injiziert werden. Diese Therapiemethode ist mehrere Monate wirksam.

Radiofrequenz, Mikrowellen und fokussierte Ultraschalltherapie können, in mehreren Sitzungen durchgeführt, die Schweißdrüsen zerstören und so die Schweißbildung reduzieren. Hierbei sind aber auch Hitzeschäden des umliegenden Gewebes, insbesondere Nervenschädigungen möglich.

Medikamentöse Therapieansätze umfassen die Wirkstoffgruppen der Anticholinergika bzw. Neuroleptika oder Psychopharmaka, die das Schwitzen zumindest zeitweise reduzieren. Nachteile sind Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit, Sehstörungen, erhöhte Herzfrequenz, Störungen beim Wasserlassen und Konzentrationsstörungen.

Als operative Maßnahmen können Schweißdrüsen mittels Ausschabung (Kürettage) oder Fettabsaugung entfernt werden. Eine radikale chirurgische Entfernung von betroffenem Gewebe wird nur in seltenen Einzelfällen empfohlen.

Wann wird ein Arztbesuch empfohlen?

  • Bei starken, Befangenheit verursachen Beschwerden wird empfohlen, ärztlichen Rat einzuholen.
  • Wird das übermäßige Schwitzen von anderen Symptomen begleitet, ist dies ein weiterer Grund, ärztlichen Rat einzuholen.

Was geschieht bei der ärztlichen Kontrolle?

Anamnese

Die Ärzt*innen können Ihnen folgende Fragen stellen:

  • Seit wann leiden Sie unter den Beschwerden?
  • Sind die Beschwerden mit Stress verbunden? Mit Angst?
  • Haben Sie weitere, gleichzeitig auftretende Symptome?
  • Nehmen Sie regelmäßig Medikamente ein?

Ärztliche Untersuchung

  • Eine allgemeine ärztliche Körperuntersuchung kann indiziert sein.

Andere Untersuchungen

  • Spezielle Untersuchungen scheinen keinen Wert zu haben.

Überweisung

  • Bei schweren Beschwerden kann es sinnvoll sein, Sie an Spezialist*innen zu überweisen, um eine Strombehandlung (Iontophorese) oder eine Operation in Erwägung zu ziehen.

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln



Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Hyperhidrose. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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