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Übermäßiger Hand- und Fußschweiß (Hyperhidrose)

Übermäßiges Schwitzen, das unabhängig von der natürlichen Temperaturregulation auftritt, wird als Hyperhidrose bezeichnet. Bei der primären Form ist die Ursache weitgehend unbekannt. Bei der sekundären Form lässt sich die vermehrte Schweißproduktion auf Erkrankungen, Medikamente oder andere Substanzen wie Alkohol zurückführen.

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Was ist übermäßiges Schwitzen?

Beim Schwitzen geben unterschiedliche Schweißdrüsentypen ein wässriges Sekret ab. Die Drüsen sind über den ganzen Körper verteilt, aber kommen besonders im Bereich der Achseln, Handflächen, Fußsohlen und Urogenitalregion vor. Die meisten Menschen schwitzen während des Trainings oder bei Anstrengung sowie in einer warmen Umgebung oder bei Nervosität, Angst und Stress. Das übermäßige Schwitzen tritt jedoch in stärkerem Ausmaß als normales Schwitzen auf und hat nichts mit der natürlichen Wärmeregulation zu tun. Hyperhidrose ist ein verbreitetes Problem. Etwa 2–4 % der Allgemeinbevölkerung ist betroffen.

Ursachen und Einteilung

Man unterscheidet die primäre von der sekundären Hyperhidrose. Die primäre Form tritt meist lokalisiert an bestimmten Körperstellen auf, wie den Achselhöhlen, Handflächen, Fußsohlen, der Stirn oder Leistengegend. Häufig beginnt sie in der Pubertät, und es scheint eine erbliche Komponente zu existieren. Ein vermehrtes nächtliches Schwitzen fehlt. Das ist auch wichtig zur Unterscheidung von der sekundären Hyperhidrose, die eher mit vermehrtem Schwitzen am gesamten Körper einhergeht. Die Liste der möglichen Ursachen der sekundären Hyperhidrose ist lang. Sie reicht von vermehrtem Schwitzen bei Infektionen und Fieber, über hormonelle und neurologische Störungen, Tumorerkrankungen, Medikamenten (z. B. Antidepressiva), Vergiftungen, Alkohol oder anderen Substanzen.

Diagnostik

Bei der ärztlichen Untersuchung wird bevorzugt die Krankengeschichte ausgewertet und eine körperliche Untersuchung durchgeführt. Wenn die Symptome offensichtlich sind, ist die Hyperhidrose leicht zu diagnostizieren.

In der Regel werden Blutuntersuchungen durchgeführt, um festzustellen, ob dem übermäßigen Schwitzen eine Erkrankung zugrunde liegt. Hierfür werden z. B. Blutbild, Entzündungsparameter und Schilddrüsenwerte bestimmt. Ggf. wird eine Röntgenuntersuchung der Lungen empfohlen. Außerdem gibt es spezielle Tests zur Schwitzdiagnostik. Der Jod-Stärke-Test nach Minor ermöglicht eine farbliche Abgrenzung des aktiven schweiß-sezernierenden Areals. Bei der Gravimetrie wird per Filterpapier Schweiß aufgenommen und gewogen. So erhält man die freigesetzte Schweißmenge in mg/Zeit. An der Handfläche sind Werte < 20 mg/min und in der Achselhöhle < 50 mg/min als normal anzusehen.

Behandlung

Bei einer sekundären Hyperhidrose sollte die Grundkrankheit behandelt werden.

Zur Behandlung der primären Hyperhidrose stehen verschiedene Maßnahmen zur Verfügung, die individuell und idealerweise stufenweise eingesetzt werden sollten, ggf. aber auch kombiniert werden.

Achselhöhlen

Die Leitlinien empfehlen Betroffenen die Anwendung von Antiperspiranzien, also Produkten wie z. B. Deodorants. Sie enthalten in der Regel Aluminiumchloridhexahydrat und vermindern nachweislich die Schweißproduktion. Bezüglich der Diskussion von möglichen Nebenwirkungen sei an dieser Stelle gesagt, dass es aktuell keine gesicherten Daten über den Zusammenhang von Aluminiumaufnahme und Entstehung von Brustkrebs und Morbus Alzheimer gibt. Dennoch kann es durch den Gebrauch von diesen Produkten zu einer Überschreitung der wöchentlich tolerierbaren Aufnahmemenge von Aluminium kommen. Das Bundesamt für Risikobewertung empfiehlt den Einsatz nur bei intakter (unrasierter) Haut und rät dazu, den Verbrauch von aluminiumhaltigen Antitranspiranzien zu reduzieren.

Eine andere Empfehlung für axilläre Hyperhidrose ist die Leitungswasser-Iontophorese mit Schwämmchen. Hierbei wird ein schwacher elektrischer Strom in einem Wasserbad durch Ihre Haut geleitet. Sie wird als Dauertherapie angewandt, allerdings kann sich die Anzahl der Anwendungen im Verlauf zumindest reduzieren. Sie gilt als eine sichere, wirksame und kostengünstige Therapiemethode.

Falls die o. g. Behandlungen nicht ausreichen, kann Botulinumtoxin A in die betroffenen Hautareale injiziert werden. Diese Therapiemethode ist mehrere Monate wirksam.

Radiofrequenz, Mikrowellen und fokussierte Ultraschalltherapie können, in mehreren Sitzungen durchgeführt, die Schweißdrüsen zerstören und so die Schweißbildung reduzieren. Hierbei sind aber auch Hitzeschäden des umliegenden Gewebes, insbesondere Nervenschädigungen möglich.

Medikamentöse Therapieansätze umfassen die Wirkstoffgruppen der Anticholinergika bzw. Neuroleptika oder Psychopharmaka, die das Schwitzen zumindest zeitweise reduzieren. Nachteile sind Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit, Sehstörungen, erhöhte Herzfrequenz, Störungen beim Wasserlassen und Konzentrationsstörungen.

Als operative Maßnahmen können Schweißdrüsen mittels Ausschabung (Kürettage) oder Fettabsaugung entfernt werden. Eine radikale chirurgische Entfernung von betroffenem Gewebe wird nur in seltenen Einzelfällen empfohlen.

Handinnenflächen und Fußsohlen

Wie beim vermehrten Schwitzen unter den Achseln wird der Einsatz von Antiperspiranzien, der Leitungswasser-Iontophorese, Botulinumtoxin A und/oder Medikamente empfohlen. Zusätzlich wird in den Leitlinien die sog. Sympathektomie aufgezählt. Dabei werden bestimmte Nerven, die für die Schweißproduktion verantwortlich sind, durchtrennt. Diese Therapie wird allerdings kontrovers bewertet, weil es zu schweren unerwünschten Schäden kommen kann.

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Hannah Brand, cand. med., Berlin