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Lichen planus in der Mundhöhle

Lichen planus ist eine chronisch entzündliche Erkrankung. Es handelt sich um eine Haut- und Schleimhauterkrankung, die in einigen Fällen in der Mundhöhle auftritt – in der Fachsprache wird die Erkrankung in diesem Fall als oraler Lichen planus (OLP) bezeichnet.

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Was ist Lichen planus in der Mundhöhle?

Lichen planus ist eine chronisch entzündliche Autoimmunerkrankung. Es handelt sich um eine Haut- und Schleimhauterkrankung, die in einigen Fällen in der Mundhöhle auftritt – in der Fachsprache wird die Erkrankung in diesem Fall als oraler Lichen planus (OLP) bezeichnet. Im Gegensatz zu der Variante der Erkrankung, die Hautveränderungen bewirkt, halten die Veränderungen in der Mundhöhle deutlich länger an und können schwierig zu behandeln sein. Der orale Lichen planus kann alleine oder gleichzeitig mit Lichen planus der Haut oder Genitalschleimhaut auftreten.

Die Veränderungen der Schleimhäute in der Mundhöhle können unterschiedliches Aussehen aufweisen. Sie treten meist beidseitig auf. Am häufigsten zeigt sich die Erkrankung als ein Netz von weißen Linien (netzartige Form) oder Flecken an der Innenseite der Wangen oder auf der Zunge. Gleichzeitig können in der Mundhöhle rote Bereiche (erythematöse Form) und/oder wunde Stellen (erosive Form) vorkommen. Die netzartige Form ist am leichtesten zu erkennen und verursacht am wenigsten Beschwerden. Die erosive Form ist dagegen am schmerzhaftesten. 

Oraler Lichen planus tritt bei 0,1–4 % der Bevölkerung auf, am häufigsten bei Frauen im mittleren und höheren Alter.

Ursache

Die eigentliche Ursache des oralen Lichen planus ist nicht bekannt, es handelt sich aber um eine Autoimmunerkrankung. Oraler Lichen planus kann bei Patienten mit anderen Autoimmunerkrankungen auftreten, wie z. B. kreisrundem Haarausfall, Lichen sclerosus, Dermatomyositis, Myasthenia gravis, primär biliärer Zirrhose, Colitis ulcerosa und Vitiligo. Zudem besteht eine Verbindung zu Typ-1- und Typ-2-Diabetes. Auch bestimmte Medikamente (z. B. Betablocker, NSAR) können Lichen planus auslösen.

Diagnose

Zur Diagnose begutachtet Ihr Arzt die Schleimhautveränderungen, evtl. auch unter dem Mikroskop.

Die Erkrankung entwickelt sich oft langsam und kann lange Zeit ohne Symptome verlaufen. Die Veränderungen in der Schleimhaut werden häufig bei einem Zahnarztbesuch festgestellt. Die Veränderungen können weiße Streifen oder kleine Knötchen, Rötungen oder wunde Stellen sein, die meist an der Innenseite der Wangen auftreten. Schleimhautveränderungen können auch auf der Zunge, dem Zahnfleisch, den Lippen, dem Mundboden und am Gaumen vorkommen. Schmerzen und brennende Beschwerden können auftreten. Die Beschwerden verschlimmern sich häufig, wenn der Patient stark gewürzte Speisen konsumiert. 

Bei vielen Patienten mit oralem Lichen planus treten auch Flechten an anderen Schleimhäuten oder auf der Haut auf. Am häufigsten ist dabei die Genitalschleimhaut betroffen, seltener auch die Kopfhaut, die Speiseröhre oder die Bindehaut des Auges.

Zur Bestätigung der Diagnose kann ein Stück Gewebe aus dem betroffenen Bereich der Schleimhaut entnommen werden (Biopsie), um die Erkrankung von anderen Krankheiten unterscheiden zu können.

Behandlung

Das Ziel der Behandlung ist es, die Beschwerden zu lindern. Da die Erkrankung bei weniger als 20 % der Patienten vollständig verschwindet, ist die Behandlung von oralem Lichen planus langwierig. Patienten mit oralem Lichen planus sollten auslösende Faktoren meiden, die die Beschwerden verschlimmern. Gute Mundhygiene und regelmäßige Zahnpflege sind wichtig, um die Beschwerden zu reduzieren. Lassen Sie ggf. Zahnprothesen anpassen, um eine Reizung der Schleimhaut zu vermeiden.

Sie können die Mundschleimhaut mit lokal wirksamen, entzündungshemmenden und adstringierenden („zusammenziehenden") Arzneimitteln, z. B. Mundspüllösungen oder Mundgelen, behandeln.

Die erste Wahl bei der Therapie ist lokal angewandtes Kortison als Gel, Creme oder Lösung. Andere auf das Immunsystem wirkende Medikamente, die lokal angewendet werden können, sind Tacrolimus, Pimecrolimus und Ciclosporin A. Wenn die Entzündung nicht zu stark ist, kann die Mundschleimhaut auch mit Vitamin-A-Säure-Lösung oder -Gel behandelt werden. Bei starken Beschwerden kann Ihr Arzt Kortisontabletten zum Einnehmen verschreiben.

Wenn die Schleimhautveränderungen mit Hefepilzen (Candida) infiziert sind, sollten sie zusätzlich mit antimykotischen Salben behandelt werden.

Vermeiden Sie Nahrungsmittel und Getränke, die die Beschwerden verschlimmern!

Prognose

Die Veränderungen der Schleimhaut bei oralem Lichen planus können über viele Jahre bestehen bleiben. Zeiten verstärkter Symptome können sich mit Perioden reduzierter Symptome abwechseln. Eine Verschlimmerung kann mit erhöhtem psychischem Stress oder Angst in Zusammenhang stehen.

Bei 1 % der Patienten mit oralem Lichen planus besteht das Risiko einer Entwicklung von Schleimhautkrebs in der Mundhöhle. Aus diesem Grund sind regelmäßige Kontrollen der Mundschleimhaut alle 6–12 Monate wichtig. Bemerken Patienten selbst Veränderungen, sollten diese von Ärzten oder Zahnärzten untersucht werden.

Der orale Lichen planus ist eine chronische entzündliche Erkrankung, die schubweise auftritt. Während Ausschläge bei Lichen planus der Haut in der Regel nach 1–2 Jahren abklingen, bleiben die Veränderungen bei oralem Lichen planus bestehen und können 20 Jahre oder länger andauern.

Weitere Informationen

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden