Zum Hauptinhalt springen

Muttermale

Muttermale, die von Blutgefäßen ausgehen, und angeborene pigmentierte Muttermale (kongenitale Pigmentnävi) kommen bei Neugeborenen häufig vor. Die meisten sind gutartig und selbstbegrenzend.

Zuletzt überarbeitet:



Willkommen auf unseren Patientenseiten!

Wir freuen uns, dass Sie sich für die aktuellen und unabhängigen Informationen von Deximed interessieren. Sie können sich kostenlos auf allen Patientenseiten umschauen. Eine Übersicht aller Themen finden Sie unter https://deximed.de/patienten .

Ärzt*innen empfehlen wir unsere unabhängigen Arztinformationen zu allen relevanten Themen der Hausarztmedizin.

Gutes Arbeiten mit Deximed!

Mehr Infos für Ärzt*innen!

Was sind Muttermale?

Muttermale können in drei Hauptgruppen unterteilt werden:

  • Pigmentierte Muttermale
  • Muttermale, die von Blutgefäßen ausgehen (vaskuläre Muttermale)
  • Muttermale aufgrund einer anomalen Entwicklung.

Muttermale, die von Blutgefäßen ausgehen und angeborene pigmentierte Muttermale (kongenitale Pigmentnävi) kommen bei Neugeborenen häufig vor. Die meisten dieser Muttermale sind gutartige Hautveränderungen.

Pigmentierte Muttermale

Angeborene Muttermale (Pigmentnävi)

Es wird angenommen, dass diese Muttermale infolge einer Störung in den Vorstufen der Pigmentzellen (Melanozyten) der Haut entstehen. Angeborene oder kongenitale Pigmentnävi kommen bei 0,2-2,1 % aller Neugeborenen vor. Einige dieser Muttermale sind pigmentfrei und deshalb bei der Geburt noch nicht sichtbar, werden aber mit der Zeit sichtbar, wenn sich Pigmente herausbilden.

Die Farbe variiert von braun bis schwarz und die Pigmentierung kann auch innerhalb des gleichen Muttermals variieren. Die meisten pigmentierten Muttermale sind eben, es kommen aber auch erhabene Muttermale vor. Ein Teil ist sehr groß und/oder behaart. Zwar ist es normal, dass Muttermale sich mit dem Wachstum des Kindes verändern, jedoch sollten alle Muttermale, die sich in Farbe, Form oder Größe verändern im Hinblick auf das Risiko einer Tumorentwicklung untersucht werden.

Kinder mit großen angeborenen Muttermalen sollten sorgfältig kontrolliert werden. Eine vorbeugende Entfernung angeborener Pigmentnävi bedeutet keinen sicheren Schutz vor einer möglichen Entwicklung von Krebs. Auch wenn Sie sich für eine Entfernung entscheiden, müssen die übrigen Muttermale weiterhin aufmerksam beobachtet werden.

Bei großen Muttermalen liegt das Risiko der Entwicklung von Hautkrebs (malignes Melanom ) bei 0,5–0,7 %. Eine größere Anzahl von Satelliten-Muttermalen im Umkreis eines großen Muttermals erhöht das Krebsrisiko. Ein Drittel aller Melanome entsteht an einer anderen Stelle als das ursprüngliche Muttermal.

Mongolenflecken

Diese Flecken entstehen, wenn die Pigmentzellen in den tieferen Hautschichten verbleiben und sich nicht, wie im Normalfall, näher an der Oberfläche befinden. Dies ist die häufigste Pigmentveränderung der Haut bei Neugeborenen. Die Häufigkeit fällt bei verschiedenen ethnischen Gruppen unterschiedlich aus und ist bei dunkelhäutigen, asiatischen und lateinamerikanischen Bevölkerungsgruppen am höchsten.

Die Flecken sind flache, blau-graue oder braune Hautveränderungen. Sie können einen Durchmesser von über 10 cm aufweisen. Sie finden sich meist am Rücken oder am Gesäß und können leicht fälschlicherweise für Blutergüsse gehalten werden, wodurch ein falscher Verdacht auf Kindesmissbrauch entstehen kann. Die meisten Flecken verblassen mit der Zeit und sind bis zum Ende des zweiten Lebensjahres verschwunden, so dass keine Behandlung erforderlich ist.

Muttermale, die von Blutgefäßen ausgehen

Blutschwämmchen (Hämangiome)

Hämangiome (Blutschwämmchen) sind gutartige Blutgefäßtumoren in der Haut. Ihre Entwicklung hat einen charakteristischen Verlauf, mit schnellem Wachstum zu Beginn, gefolgt von einer langsameren spontanen Rückbildung. Hämangiome treten bei 1,1–2,6 % aller Neugeborenen auf. Am Ende des ersten Lebensjahres kommen sie bei etwa 10 % aller Kinder vor.

Hämangiome sind bei der Geburt häufig nicht sichtbar oder erscheinen nur als ein blasser Fleck. Während der ersten Lebensmonate können sich bei Säuglingen zu jedem Zeitpunkt Hämangiome entwickeln.

Meist bilden sich Hämangiome von selbst zurück und verschwinden nach dem Säuglingsalter ganz. Im Alter von 5 Jahren sind 50 % aller Hämangiome verschwunden, im Alter von 7 Jahren sind es 70 % und im Alter von 10 Jahren 90 %. Durch eine Behandlung mit gepulstem Farbstofflaser lässt sich diese Rückbildung bei Kindern im Alter von 6–7 Jahren eventuell beschleunigen, der Nutzen dieser Behandlung ist bislang jedoch nur unzureichend dokumentiert. Bei Hämangiomen, die Augen, Atemwege oder lebenswichtige Organe beeinträchtigen, ist bereits unmittelbar nach der Geburt eine schnelle Behandlung erforderlich. Bei diesen Hautveränderungen ist eine Thearpie mit Betablockern (Propranolol) wirksam.

Bei Hämangiomen können kleine Hautveränderungen oder Narben zurückbleiben.

Feuermale (Naevus flammeus)

Diese Muttermale sind auf Veränderungen in den kleinen Blutgefäßen der Haut (Kapillaren) zurückzuführen. Diese Hautveränderung kommt bei 0,3 % aller Neugeborenen vor und ist in 85 % der Fälle einseitig.

Die Hautveränderung ist flach und weist eine dunkelrote bis violette Färbung auf. Sie ist bereits bei der Geburt leicht zu sehen. Im Gegensatz zu Hämangiomen verblassen Feuermale im Lauf der Zeit nicht, vielmehr verdunkelt sich die Farbe häufig. Die Größe von Feuermalen nimmt mit dem Wachstum des Kindes zu. Im Lauf der Zeit können sich Knötchen und Narbengewebe innerhalb des Mals bilden.

Die Hautveränderung erfordert keine Behandlung, mit einem gepulsten Farbstofflaser kann jedoch eine Aufhellung erzielt werden, wenn das Feuermal als kosmetisch störend empfunden wird. Die Behandlung zeigt bei 50-70 % der Patienten Erfolge. Der beste Zeitpunkt für die Behandlung ist vor dem Ende des ersten Lebensjahres. Die Behandlung wirkt bei Flecken auf der Stirn besser als im übrigen Gesicht und umso besser, je kleiner der Fleck ist.

Die Ergebnisse der Langzeitkontrollen nach erfolgter Laserbehandlung deuten darauf hin, dass einige der zuvor behandelten Feuermale erneut dunkler werden, dabei aber heller bleiben als vor der Behandlung.

Komplikationen einer Laserbehandlung können Narbenbildung und eine vorübergehende verstärkte Pigmentierung sein.

Bei einem Feuermal in Augennähe sollten Sie zusätzlich einen Augenarzt aufsuchen, da es in Verbindung mit einem Glaukom auftreten kann.

Storchenbisse

Diese Muttermale entstehen durch Veränderungen in den kleinen Blutgefäßen der Haut, die sich ausdehnen. Storchenbisse kommen bei etwa einem Drittel aller Neugeborenen vor.

Es handelt sich dabei um flache, lachsfarbene Hautveränderungen. Sie befinden sich am häufigsten im Nacken, können aber auch auf der Stirn, oberhalb der Augen oder auf der Kopfhaut zu finden sein. Die Bereiche werden heller, wenn man auf sie drückt. Im Gegensatz zu Feuermalen treten sie meist auf beiden Seiten des Gesichts in einem symmetrischen Muster auf.

Es handelt sich um gutartige Hautveränderungen. 40 % aller Storchenbisse verschwinden bereits kurz nach der Geburt und die meisten sind bis zum Alter von 18 Monaten nicht mehr sichtbar.

Andere Muttermale

Überzählige Brustwarzen

Während des embryonalen Stadiums können sich in einer Linie von der Mitte der Armhöhle bis hinunter zur Leiste mehr Brustwarzen entwickeln als normal. Solche zusätzlichen Brustwarzen können einseitig oder auf beiden Seiten vorkommen. Sie können den dunkel pigmentierten Bereich um die Brustwarze (Warzenhof), die Brustwarze selbst oder beides umfassen. Aufrund ihrer Pigmentierung können sie manchmal fälschlicherweise als Pigmentnävi (pigmentierte Muttermale) interpretiert werden. Eine Studie ergab, dass 5,6 % aller Kinder eine zusätzliche Brustwarze oder Warzenhof haben. Meistens sind diese sehr klein.

Die Hautveränderung ist gutartig. Es gibt widersprüchliche Daten zu einem möglichen Zusammenhang mit angeborenen Veränderungen der Nieren, Harnwege oder Geschlechtsorgane.

Hautmarker für angeborene Defekte im Rücken

Manchmal kommt es vor, dass der untere Teil des Rückenmarkskanals (Neuralrohr) während des embryonalen Stadiums nicht normal zusammenwächst. Rückenmark und Nervenwurzeln sind dadurch relativ ungeschützt, was zu ernsten Nervenschädigungen in Unterleib und Beinen führen kann. Während einige dieser angeborenen Neuralrohrdefekte, z. B. eine offene Wirbelsäule wie bei einer Myelomeningozele, bei der Geburt deutlich sichtbar sind, können andere Defekte, die durch die Haut verdeckt werden, nur schwer zu erkennen sein (z. B. Spina bifida occulta). Studien deuten darauf hin, dass in etwa der Hälfte der Fälle solcher Wirbelsäulendefekte auch Hautveränderungen auftreten.

Hautveränderungen an der Körpermittellinie im unteren Bereich des Rückens – dies können kleine, gutartige Fettgeschwulste (Lipome) sein, kleine Vertiefungen, kleine Kanäle in der Unterhaut (Sinus), kleine Wucherungen, Hämangiome oder starker Haarwuchs – sind Hautmarker für eine unvollständige Fusion der Wirbelsäule. Wenn zwei oder mehr angeborene Hautveränderungen an der Körpermittellinie festgestellt werden, ist dies ein starker Indikator für einen angeborenen Defekt im Rücken.

Bei Verdacht auf zugrundeliegende Erkrankungen sollten bildgebende Untersuchungen durchgeführt werden. Eine MRT ist die beste Untersuchungsmethode, sie setzt jedoch eine Narkose voraus. Unklar ist, ob eine Ultraschalluntersuchung des Rückens so aussagekräftig ist wie eine MRT.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden