Hautblasen (Vesikel und Bullae)

Alle Arten von Hautblasen werden unabhängig von ihrer Größe durch Verletzungen am Gewebe der Haut verursacht. In diesem Artikel erfahren Sie mehr über die verschiedenen Ursachen für die Entstehung von Hautblasen.

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Was sind Hautblasen?

  • In der medizinischen Fachsprache werden Hautblasen in Vesikel (kleine Bläschen, Durchmesser weniger als 1 cm) und in Bullae (größere Blasen) unterschieden.
  • Die Bildung von Vesikeln und Bullae kann Ausdruck einer lokalen Hauterkrankung sein, oder sie kann auf eine allgemeine Erkrankung des Körpers hindeuten.

Wie entstehen Hautblasen?

  • Alle Arten von Hautblasen werden unabhängig von ihrer Größe durch Verletzungen am Gewebe der Haut verursacht. Aufgrund der Verletzungen reichert sich in den Hohlräumen oder unter der obersten Hautschicht Flüssigkeit an.
  • Verschiedene Arten von Hautverletzungen können zu Blasenbildung führen:
    • mechanische Verletzungen wie Druck, Schläge o. Ä.
    • temperaturbedingte Verletzungen, d. h. Verbrennungen oder Erfrierungen
    • Infektionen können zu Hautverletzungen mit Blasenbildung führen.
    • Chemische Einflüsse können die gleiche Wirkung haben.
    • immunologische Erkrankungen, d. h. Krankheiten oder körperliche Reaktionen des Immunsystems.

Häufigkeit

  • Lokale, vereinzelt auftretende Blasen haben sehr oft eine lokale Ursache.
  • Eine höhere Anzahl der Blasen und eine ausgebreitete Region bei der Blasenbildung können auf eine allgemeine Grunderkrankung hindeuten.
    • Die Häufigkeit von blasenbildenden Erkrankungen der Haut beträgt ca. 25 Neuerkrankungen pro 1 Mio, Einw./Jahr.

Was sind mögliche Ursachen?

  • Einzelne Blasen können durch lokale Irritation entstehen: Das häufigste Beispiel sind Blasen an den Füßen durch lange Wanderungen, aber auch repetitives Benutzen von z. B. Gartengeräten kann durch Druck und Reibung zu lokaler Blasenbildung führen.
  • Auch Verbrennungen, Erfrierungen oder Verätzungen können zu Blasen führen.
  • Dann gibt es einige Hauterkrankungen, die mit Bläschenbildung einhergehen:
  • Auch Arzneimittel können zu Blasenbildung an der Haut führen:
  • Darüber hinaus gibt es eine Reihe von blasenbildenden Autoimmunerkrankungen der Haut (bullöser Autoimmundermatosen), wozu die Pemphigus- Gruppe, die Dermatitis herpetiformis, das Pemphigoid und die Epidermolysis bullosa gehören.

Beispiele

Druckverletzungen und Blasen am Fuß

 

Blase am Fuß

 

Verbrennung und Erfrierung

 

Erfrierung
Erfrierung

 

Borkenflechte (Impetigo contagiosa)

  • Oberflächliche bakterielle Hautinfektion
  • Häufig bei Kindern
  • Eitergefüllte Bläschen bzw. Blasen und honiggelber Schorf
Borkenflechte

Insektenstiche

  • Manchmal kann es nach Insektenstichen zu Blasenbildung kommen.

 

Mückenstiche
Mückenstiche

 

Arzneimittelexanthem

  • Durch Medikamenteneinnahme hervorgerufener Hautausschlag

 

Arzneimittelexanthem

 

Dermatitis herpetiformis

  • Relativ selten
  • Meist bei jüngeren Personen
  • Häufig liegt gleichzeitig eine Zöliakie vor.
  • Stark juckend
  • Meist an den Streckseiten der Ellbogen und Knie (symmetrisch), am Rücken, am Nacken und auf der Kopfhaut

 

Dermatitis herpetiformis

 

Porphyria cutanea tarda (PCT)

  • PCT kann durch eine Lebererkrankung ausgelöst werden, aber sie ist in den meisten Fällen eine Erbkrankheit.
  • Blasen entstehen an sonnenexponierter Haut, vor allem am Handrücken.

 

Porphyrie

 

Bullöses Pemphigoid

  • Vor allem bei älteren Menschen
  • Das Erscheinungsbild ist vielfältig.
  • Häufig besteht Juckreiz.
  • Die prallgefüllten, runden Blasen befinden sich auf roter oder normal aussehender Haut.

 

Pemphigoid

Pemphigus

  • Autoimmunerkrankung mit verschiedenen Typen
  • Selten besteht Juckreiz.
  • An der Haut und an den Schleimhäuten bilden sich Blasen.

 

Pemphigus

 

Herpes simplex

  • Wiederkehrende Ausbrüche mit kleinen gruppierter Bläschen auf geröteter Haut.
  • Ursächlich sind Herpes-simplex-Viren (HSV-1 und HSV-2).
  • Häufig im Mund- und Genitalbereich

 

Herpes simplex labialis
Herpes simplex, Lippenbläschen

 

Hand-Fuß-Mundkrankheit

  • Meist im vorderen Bereich des Mundes, Kinn und Zunge
  • Ursächlich ist der Coxsackievirus.
  • Oft besteht gleichzeitig ein Hautausschlag an Händen und Füßen.

 

Die Hand-Fuß-Mund-Krankheit ist hochansteckend und kann zu kleineren Epidemien führen. Die Erkrankung kommt vor allem bei Kindern unter 10 Jahren vor.
Hand-Fuß-Mund-Krankheit

 

Gürtelrose (Zoster)

  • Verursacht durch das Windpocken-Virus (Varizella-Zoster-Virus)
  • Die Windpocken-Erkrankung liegt meist jahrzehntelang zurück.
  • Zuerst Abgeschlagenheit, Juckreiz, Kribbeln, Brennen und Schmerzen. Nach etwa 2–3 Tagen Hautausschlag mit Bläschen.
Zoster: Typisch sind Schmerzen, Bläschen und Hautrötung.
Zoster: Typisch sind Schmerzen, Bläschen und Hautrötung.

Dyshidrosis

  • Die Ursache ist unbekannt. Möglich Auslöser sind Hitze oder Erregung.
  • Die Beschwerden können über einige Wochen anhalten.
  • Größere Bläschen und Blasen in der Handfläche und an den Fingern, evtl. auch an den Fußsohlen.
  • Manchmal entwickelt sich im Verlauf eine Infektion.
Dyshidrosis
Dyshidrosis

Sonnenekzem/Sonnenallergie

  • V. a. bei hellen Hauttypen nach dem ersten Sonnenbad im Frühjahr.
  • Die UV-A-Strahlung ruft eine Immunreaktion der Haut hervor.
  • Medikamente können die Ursache sein.
  • Das Erscheinungsbild ist sehr variabel.
Sonnenekzem (polymorphe Lichtdermatose)
Sonnenekzem

Erythema multiforme

  • Mögliche Ursachen sind: Infektion, Allergie, Medikament, Krebserkrankung.
  • Symmetrische Hautveränderung auf Streckseiten der Extremitäten, Handflächen, Fußsohlen und Schleimhäuten
  • Typisch ist die sog. Schießscheibenläsion mit dunkelroten Farbänderungen.
Erythema multiforme
Erythema multiforme

Stevens-Johnson-Syndrom und toxische epidermale Nekrolyse

  • Verschiedene Entwicklungsstadien der gleichen Erkrankung
  • Potenziell lebensbedrohlich
  • Fast immer sind Arzneimittel die Ursache, z. B. Allopurinol.
  • Intensivmedizinische Behandlung
Das Stevens-Johnson-Syndrom ist gekennzeichnet durch schwere Krankheitsauswirkungen mit Erythrodermie und Epidermolysis sowie Beteiligung der Schleimhäute.
Stevens-Johnson-Syndrom

Epidermolysis bullosa

  • Eine Gruppe von teils schweren Erbkrankheiten, die von Geburt an vorliegen.

Wann ist die Schleimhaut betroffen?

Bei den folgenden Erkrankungen kann die Schleimhaut betroffen sein:

  • Schleimhautpemphigoid
  • Pemphigus vulgaris
  • paraneoplastischer Pemphigus
  • bullöses Pemphigoid
  • Erythema multiforme
  • Stevens-Johnson-Syndrom und toxisch epidermale Nekrolyse
  • Herpes-simplex-Virusinfektion.

Diagnostik

Anamnese

Beim Anamnesegespräch werden Ihnen möglicherweise folgende Fragen zu den Hautblasen gestellt, um die Ursache Ihrer Erkrankung zu finden und die richtige Diagnose zu stellen:

  • Wann und wo haben sich die ersten Blasen gebildet? Wie war der Verlauf?
  • Bestehen Begleitsymptome wie Juckreiz, Schmerzen oder Fieber?
  • Gibt es ähnliche Hauterscheinungen bei Ihren Familienmitgliedern?
  • Bestehen andere Erkrankungen?
  • Welche Medikamente nehmen Sie ein?

Untersuchung

Bei der ärztlichen Untersuchung werden die Lokalisation und Größe der Blasen beurteilt. Es wird auf Hinweise für eine Grunderkrankung geachtet. Relevant sind auch mögliche Schuppen- oder Narbenbildung.

Je nach Verdachtsdiagnose können weitere Untersuchungen folgen, u. a. die mikroskopische Untersuchung einer Gewebeprobe oder Blutuntersuchungen mit Infektions- und Entzündungsparametern oder Leberwerten. Bei dem Vorliegen von autoimmunologisch blasenbildenden Erkrankungen sollten im Verlauf Autoimmunerkrankungen und möglicherweise auch Tumorerkrankungen ausgeschlossen werden.

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Hannah Brand, Ärztin, Berlin

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Vesikel und Bullae. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. P. Altmeyer.E. Die Online Enzyklopädie der Dermatologie, Venerologie, Allergologie und Umweltmedizin. Vesikel. Zugriff 19.01.2020 www.enzyklopaedie-dermatologie.de
  2. P. Altmeyer.E. Die Online Enzyklopädie der Dermatologie, Venerologie, Allergologie und Umweltmedizin. Blase. Zugriff 19.01.2020 www.enzyklopaedie-dermatologie.de
  3. Schmidt E, Zillikens D: The diagnosis and treatment of autoimmune blistering skin diseases. Dtsch Arztebl Int 2011; 108(23): 399–405 www.aerzteblatt.de
  4. Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) und Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie e. V. (PEG). Diagnostik und Therapie des Zoster und der Postzosterneuralgie. AWMF-Leitlinie Nr. 013-023. S2k, Stand 2019 www.awmf.org
  5. Mempel M, Schnopp C, Ausgewählte bakterielle Infektionen der Haut im Kindesalter: Der Hautarzt 2015, 66: 252-257 www.deepdyve.com
  6. Deutsche Dermatologische Gesellschaft. Diagnostik und Therapie des Pemphigus vulgaris/foliaceus und des bullösen Pemphigoids. AWMF-Leitlinie Nr. 013-071. S2k, Stand 2019. www.awmf.org www.awmf.org
  7. Santi C, Gripp A, Roselino A. Consensus on the treatment of autoimmune bullous dermatoses: bullous pemphigoid, mucous membrane pemphigoid and epidermolysis bullosa acquisita - Brazilian Society of Dermatology. An. Bras. Dermatol. 2019. www.scielo.br
  8. Gerull R, Nelle M, Schaible T. Toxic epidermal necrolysis and Stevens-Johnson syndrome: a review. Crit Care Med 2011; 39:1521. PubMed
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  10. Fine JD, Bruckner-Tuderman L, Eady RA, et al. Inherited epidermolysis bullosa: updated recommendations on diagnosis and classification. J Am Acad Dermatol. 2014;70:1103-1126. PubMed
  11. Ioannides D, Lazaridou E, Rigopoulos D. Pemphigus. J Eur Acad Dermatol Venereol 2008; 22:1478. PubMed
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  13. van Beek N, Zillikens D, Schmidt E. Diagnosis of autoimmune bullous diseases. J Dtsch Dermatol Ges. (2018) 16:1077–91. www.ncbi.nlm.nih.gov
  14. Schmidt E, Zillikens D. Modern diagnosis of autoimmune blistering skin diseases. Autoimmun Rev. 2010;10:84-89. PubMed