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Blutverdünnende Medikamente und Vitamin K in Lebensmitteln

Vitamin K spielt eine wichtige Rolle für die Gerinnungsfähigkeit des Bluts (Koagulation). Die Leber benötigt Vitamin K, um aktive Gerinnungsfaktoren zu bilden.

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Vitamin-K-Antagonisten (Blutverdünnungsmittel)

Die blutverdünnenden Medikamente aus der Gruppe der Vitamin-K-Antagonisten, wie etwa Phenprocoumon (Cumarin, in Europa üblich) und Warfarin (in den USA üblich) verhindern bzw. verringern die Bildung von verschiedenen aktiven Blutgerinnungsfaktoren in der Leber. Denn Vitamin K ist notwendig, damit die Leber bestimmte Gerinnungsfaktoren produzieren kann.

Bei gesunden Menschen stehen bestimmte Substanzen, die die Blutgerinnung fördern (damit im Fall einer Blutung diese gestillt wird), und solche, die die Gerinnung hemmen (damit keine gefährlichen Gerinnsel entstehen) im Gleichgewicht. Vitamin-K-Antagonisten sind wichtig für Personen, die ein erhöhtes Risiko für Komplikationen durch Blutgerinnsel haben (etwa bei Vorhofflimmern oder nach dem Einsatz einer künstlichen Herzklappe); die Medikamente sollen die Blutgerinnung erschweren. Vitamin-K-Antagonisten wirken, indem sie die Bildung aktiver Gerinnungsfaktoren in der Leber reduzieren, „blutverdünnend“: Das Blut gerinnt nicht so leicht, die Gefahr einer Thrombose/eines Blutgerinnsels sinkt.

Wie gut Vitamin-K-Antagonisten Blutgerinnsel verhindern, hängt natürlich davon ab, wie viel Vitamin K der Leber zur Verfügung steht. Gibt es ein Überangebot an Vitamin K, dann können die Medikamente in der verschriebenen Dosis nicht ausreichend wirken. Ist zu wenig Vitamin K im Körper, so hemmen schon geringe Mengen der Vitamin-K-Antagonisten die Blutgerinnung; möglicherweise also zu stark. Dies würde dann das Risiko für Blutungen erhöhen. Da Vitamin K in unterschiedlichen Mengen in vielen Lebensmitteln enthalten ist, sollten Betroffene sich hier auskennen und entsprechend auf ihre Ernährung achten.

INR-Wert

Daher gilt: Wenn Sie Vitamin-K-Antagonisten verwenden, ist es zum einen notwendig, regelmäßig einen bestimmten Blutwert kontrollieren zu lassen, der die Gerinnungsfähigkeit des Bluts betrifft: der INR-Wert. Ist dieser mit einer bestimmten Dosierung des Medikaments auf den gewünschten Wert eingestellt, so ist es wichtig, Ihre Ernährungsgewohnheiten nicht plötzlich umzustellen, vor allem nicht plötzlich ungewohnt große Mengen an Vitamin-K-reichen Nahrungsmitteln zu sich zu nehmen. Eine plötzliche, größere Aufnahme von Vitamin K kann schnell das Risiko erhöhen, dass sich doch Blutgerinnsel bilden und dies zu Komplikationen wie einem Schlaganfall oder Herzinfarkt führt.

Bei der Bestimmung des INR-Werts gilt: Je höher der Wert ist, desto dünnflüssiger ist das Blut, d. h. dass sich die Tendenz zur Blutgerinnung (Koagulation) verringert. Ein hoher INR-Wert bedeutet deshalb aber auch ein erhöhtes Blutungsrisiko. Im Gegensatz dazu gilt: Je niedriger der INR-Wert ist, desto höher wird das Risiko, dass das Blut gerinnt bzw. sich gefährliche Blutgerinnsel bilden. Gleichzeitig bedeutet ein niedriger INR-Wert natürlich auch, dass der Körper im Fall einer Blutung diese schnell stoppen kann. Bei der Therapie ist es also entscheidend, den INR-Wert möglichst konstant in dem passenden Bereich zu halten.

Um möglichst stabile INR-Werte beizubehalten, ist es vor allem wichtig, sich bei den verschiedenen Gemüsesorten auszukennen, da einige sehr viel Vitamin K enthalten, also nur in sehr kleinen Mengen verzehrt werden sollten.

Welche Lebensmittel enthalten Vitamin K?

Besonders viel Vitamin K befindet sich in dunkelgrünen Blattgemüsen, wie Spinat, Grünkohl, Brokkoli, Lauch und Blattsalat. Auch andere Kohlsorten und Spargel enthalten viel Vitamin K. Diese Gemüsesorten sind jedoch zugleich wichtig für eine ausgewogene Ernährung, daher sollten sie in Maßen auf Ihrem Speiseplan stehen.

Frische Kräuter wie Petersilie, Schnittlauch und Brunnenkresse enthalten viel Vitamin K. Meist nimmt man diese aber in so kleinen Mengen zu sich, dass sie kaum eine Auswirkung haben.

Mayonnaise, einige Speiseöle, wie Olivenöl und Maiskeimöl sowie Margarine aus diesen Ölen, enthalten auch recht viel Vitamin K. Wenn Sie diese aber in Maßen zu sich nehmen, hat auch das keine negative Auswirkung.

Getrocknete Linsen und Kichererbsen können recht große Mengen Vitamin K enthalten, während frische Erbsen im Vergleich wenig Vitamin K enthalten. Alle Hülsenfrüchte sind aber Bestandteil einer gesunden Ernährung. Wenn Sie getrocknete Linsen, Kichererbsen oder andere Hülsenfrüchte essen möchten, wird eine gleichmäßige, tägliche Einnahme empfohlen.

Arm an Vitamin K sind viele Obstarten, mit Ausnahme von z. B. Kiwi und Hagebutte. Fisch enthält meist wenig Vitamin K; hier bildet jedoch Aal eine Ausnahme. Fleisch enthält meist wenig Vitamin K, z. B. Schweinleber aber natürlich recht viel. Nüsse liefern meist wenig Vitamin K, außer Cashew und Pistazien.

Milchprodukte und Ei enthalten kaum Vitamin K, Weizenmehl auch eher wenig. Haferflocken und Weizenkleie hingegen sind reich an Vitamin K.

Gleichmäßige Einnahme von Vitamin K

Bei dunkelgrünen Blattgemüsesorten kann der Vitamin-K-Gehalt variieren, je nachdem, woher sie stammen. Besonders große Unterschiede bestehen bei japanischen Algen (die z. B. für Sushi verwendet werden), die manchmal sehr große Mengen Vitamin K enthalten können. Diese sollten Patient*innen, die Vitamin-K-Antagonisten einnehmen, also eher meiden.

Vitamin K scheint sich beim Kochen recht stabil zu halten. Deshalb enthalten gekochte und gefrorene Lebensmittel ungefähr die gleichen Mengen Vitamin K wie frische Lebensmittel.

Grundsätzlich gilt, dass die tägliche Einnahme von Vitamin K 60–80 µg nicht übersteigen sollte (für Kinder und Jugendliche gilt hier 15–50 µg). In der Tabelle ist der ungefähre Vitamin-K-Gehalt von einige Gemüsesorten genannt; diese Werte können jedoch schwanken.

Lebensmittel mit hohem Vitamin-K-Anteil (Schätzwerte, Auswahl)

Gemüseart

Menge Vitamin K: µg/100 g

Brokkoli

150–270

Rosenkohl

160–230

Grünkohl

650–840

Spinat

300–500

Blattsalat

100–130

Blumenkohl

50–100

Lebensmittel mit mäßigem Vitamin-K-Anteil (Auswahl)

  • Spargel
  • Sojabohnen
  • grüne Erbsen
  • Lauch
  • Rotkohl

Eine Portion (100 g) dieser Lebensmittel enthält ca. 30–50 µg Vitamin K.

Gesunde Ernährung

Andere Gemüsesorten (Wurzelgemüse, Kartoffeln, Tomaten, Gurke, Paprika etc.), die meisten Obstsorten, Beeren, viele Getreidesorten, Milchprodukte, Eier, Fisch, Fleisch (außer Leber) und Getränke (auch grüner Tee) enthalten so geringe Mengen Vitamin K, dass man sie ohne Einschränkung zu sich nehmen kann.

Grapefruit und Gojibeeren können, im Gegensatz zu den meisten anderen Obstsorten, die gerinnungshemmende Wirkung der Vitamin-K-Antagonisten noch verstärken.

Patient*innen, die Vitamin-K-Antagonisten einnehmen, können sich bei ihrer Ernährung weiterhin nach dem Prinzip „fünf am Tag“ (mindestens fünf Portionen Obst und Gemüse jeden Tag) richten, wenn Sie auf die Lebensmittel achten, die große Mengen Vitamin K enthalten, und diese in gleichmäßigen (eher geringen) Mengen zu sich nehmen.

Am wichtigsten ist es, plötzliche Veränderungen in der Ernährung, wie z. B. ungewöhnlich große Mengen dunkelgrüne Salate, zu vermeiden.

Vorsicht: Neben Nahrungsmitteln haben sehr viele verschiedene andere Medikamente einen Einfluss auf die Wirkung von Vitamin-K-Antagonisten, darunter auch häufig verwendete Medikamente wie manche Antibiotika, Schmerzmittel (NSAR), Mittel gegen erhöhte Blutfettwerte oder harntreibende Mittel (Diuretika) und viele andere. Es ist daher wichtig, Ihren Ärzt*innen genau mitzuteilen, welche Medikamente Sie zusätzlich einnehmen oder bei der Neuverordnung eines Präparats darauf hinzuweisen, dass Sie mit Vitamin-K-Antagonisten behandelt werden. Sonst kann es leicht zu einer verstärkten oder abgeschwächten Wirkung auf die Blutgerinnung kommen.

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden
  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen