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Behandlung des Bluthochdrucks

Bluthochdruck (Hypertonie) verursacht oftmals keine Beschwerden und ist keine Erkrankung im eigentlichen Sinne. Er erhöht aber langfristig das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkte und Schlaganfälle, weshalb eine Behandlung empfohlen wird.

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Fakta

  • Beim Bluthochdruck (arterielle Hypertonie) ist der Druck in den arteriellen Blutgefäßen des Körpers erhöht.
  • Bluthochdruck verursacht oft keine Beschwerden und gilt nicht als Erkrankung im eigentlichen Sinne, sondern als Risikofaktor für die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Je höher der Blutdruck, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, später einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. Allerdings ist der Blutdruck nicht der einzige Faktor, der dieses Risiko beeinflusst.
  • Die Ursachen für Bluthochdruck sind nicht vollständig geklärt. Erbliche Veranlagung, Übergewicht, Stress und Ernährung können bei der Entstehung von Bluthochdruck von Bedeutung sein. Auch einige Nieren- und hormonelle Erkrankungen führen mitunter zu einer Erhöhung des Blutdrucks.
  • Derzeit ist Bluthochdruck in Deutschland definiert als ein Blutdruck höher als 140/90 mmHg. Die Diagnose erfolgt durch wiederholte Messungen des Blutdrucks.
  • Der Blutdruck lässt sich durch Lebensgewohnheiten beeinflussen.
  • Je nach Höhe des Blutdrucks und anderen Risikofaktoren kann eine Einnahme von Medikamenten sinnvoll sein, um spätere schwerwiegende Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu verhindern. Ab wann eine Behandlung erfolgen sollte, hängt vom Alter sowie anderen Erkrankungen (z. B. Diabetes) und Risikofaktoren (z. B. Rauchen) ab.

Was ist Bluthochdruck?

Als Blutdruck wird der Druck bezeichnet, der entsteht, wenn das Blut vom Herzen in den Körper und wieder zurück gepumpt wird. Der Blutdruck wird in Form von zwei mittels Schrägstrich voneinander getrennten Werten angegeben. Der erste Wert gibt den Druck in den Arterien bei Kontraktion der Herzmuskulatur an (systolischer Druck). Der zweite Wert bezeichnet den arteriellen Druck in der Entspannungsphase zwischen den Herzschlägen (diastolischer Druck). Ein Blutdruck von 140/90 bedeutet also, dass der höchste Blutdruckwert bei 140 liegt und der niedrigste bei 90. Der Blutdruck wird in Millimeter Quecksilbersäule (mmHg) angegeben.

Bei dauerhaft erhöhtem Blutdruck verändern sich die Gefäßwände der Blutgefäße und sie verlieren langfristig ihre Elastizität. Dies wiederum beeinträchtigt die Pumpfähigkeit des Herzens und erhöht das Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt.

Bluthochdruck kommt häufig vor. Studien zufolge sind etwa 28 % der Bevölkerung in Deutschland betroffen.

Normaler vs. erhöhter Blutdruck

Welcher Blutdruck als normal gilt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Mit zunehmendem Alter steigt der Blutdruck, weshalb im Alter höhere Werte als normal gewertet werden als in der Jugend. Allgemein lässt sich sagen, dass der Blutdruck dann erhöht ist, wenn der obere Wert (systolischer Druck) über 140 und/oder der untere Wert (diastolischer Druck) über 90 liegt. Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass dann eine medikamentöse Behandlung zur Senkung des Blutdrucks notwendig ist. Welche Bedeutung dem erhöhten Blutdruck zuzumessen ist, hängt von weiteren Risikofaktoren ab:

Je mehr dieser Risikofaktoren vorliegen, desto wichtiger ist eine frühzeitige Behandlung eines leicht bis mäßig erhöhten Blutdrucks. Können weitere Risikofaktoren hingegen ausgeschlossen werden, besteht bei leichtem Bluthochdruck unter Umständen kein Bedarf an einer medikamentösen Therapie. Eine Änderung der Lebensgewohnheiten wird in jedem Fall empfohlen.

Die Summe sämtlicher Risikofaktoren wird als kardiovaskuläres Gesamtrisiko bezeichnet (siehe weiter unten auf dieser Seite).

Symptome

Bluthochdruck verursacht nur selten selbst Beschwerden und gilt nicht als Erkrankung im eigentlichen Sinne. Allerdings steckt darin auch eine Gefahr. Viele der Patient*innen, die von Bluthochdruck betroffen sind, wissen dies nicht und können deshalb den negativen Folgen des erhöhten Blutdrucks nicht vorbeugen.

Sehr hoher Blutdruck kommt äußerst selten vor und kann sich durch Begleitsymptome wie Schwindel und Kopfschmerzen äußern.

Ursachen

Die Ursachen für Bluthochdruck sind nicht vollständig geklärt. In ca. 90 % der Fälle lässt sich keine eindeutige Ursache nachweisen – man spricht von einer essenziellen Hypertonie. Vermutlich resultiert der Bluthochdruck bei diesen Patient*innen aus einem Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Oft scheint eine erbliche Veranlagung vorzuliegen, auch die Ernährung ist von gewisser Bedeutung. Regelmäßige Bewegung und körperliche Aktivität scheinen einer Erhöhung des Blutdrucks entgegenzuwirken, während Übergewicht und möglicherweise auch Stress zu einem Anstieg des Blutdrucks führen. Auch einige Nieren- und hormonelle Erkrankungen erhöhen das Risiko für die Entstehung von Bluthochdruck. Vor der Menopause sind Frauen seltener als Männer betroffen, anschließend steigt ihr Risiko an. Des weiteren erhöhen Atempausen während des Schlafes, auch Schlafapnoe-Syndrom genannt, den Blutdruck.

Diagnostik

Der Blutdruck des Menschen ist täglich starken Schwankungen unterworfen. Daher ist eine sichere Diagnose von Bluthochdruck erst möglich, wenn sich bei wiederholten Messungen über Wochen und Monate ein erhöhter Blutdruck nachweisen lässt. Handelt es sich lediglich um eine mäßige Erhöhung, so wird eine Beobachtung des Verlaufs über einen Zeitraum von einigen Wochen bis Monaten empfohlen, um beurteilen zu können, ob eine medikamentöse Therapie erforderlich ist.

Anhand von Blutuntersuchungen werden zudem Risikofaktoren wie Nieren- oder hormonelle Erkrankungen und eine Fettstoffwechselstörung ausgeschlossen. Auch ein EKG (Elektrokardiogramm) zum Ausschluss von Störungen der Herzfunktion wird üblicherweise durchgeführt. Bei Unklarheit erfolgt gelegentlich eine Überwachung des Blutdrucks über einen Zeitraum von 24 Stunden (Langzeit- oder 24-Stunden-Blutdruckmessung).

Kardiovaskuläres Gesamtrisiko

Da es sich bei Bluthochdruck nur um einen von mehreren Risikofaktoren für die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen handelt, kommt der Beurteilung des kardiovaskulären Gesamtrisikos entscheidende Bedeutung zu. Zusätzliche Risikofaktoren sind Rauchen, hohe Blutfettwerte, Diabetes Typ 1 und Diabetes Typ 2, Übergewicht, Nierenerkrankungen und bestehende oder zurückliegende Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems. Zu den nicht beeinflussbaren Risikofaktoren gehören Alter, Geschlecht (Männer sind häufiger von Bluthochdruck betroffen als Frauen) und die erbliche Veranlagung für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Je mehr der genannten Risikofaktoren auf eine Person zutreffen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, schwerwiegende Folgeerkrankungen wie einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden, und desto wichtiger ist eine wirkungsvolle Behandlung des Bluthochdrucks. 

Therapie

Ziel der Behandlung von Bluthochdruck ist es, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu minimieren. Bluthochdruck ist lediglich einer von mehreren Risikofaktoren – andere Risikofaktoren zu bekämpfen, ist deshalb ebenso wichtig, wie den Blutdruck zu senken.

Was können Sie selbst tun?

Sie können viel selbst dazu beitragen, Ihr Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu senken:

  • Hören Sie auf zu rauchen! Dies ist die wichtigste Maßnahme, die Sie durchführen können, und ähnlich nützlich wie die Einnahme von Medikamenten. Dabei ist Passivrauchen fast genauso schädlich wie aktives Rauchen. Falls Sie Hilfe benötigen, informieren Sie sich bei Ihrer Krankenkasse über Raucherentwöhnungsprogramme oder suchen Sie ärztlichen Rat.
  • Bleiben Sie in Bewegung! Regelmäßige Bewegung trägt zu einer Senkung des Blutdrucks, einer Zunahme des „guten" Cholesterins (HDL-Cholesterin) und zu einem gesunden Körpergewicht bei. Außerdem steigert Bewegung erwiesenermaßen das Wohlbefinden. Ausreichend körperliche Aktivität, z. B. in Form von regelmäßigem Ausdauertraining, kann Herz-Kreislauf-Erkrankungen vermutlich ähnlich effektiv vorbeugen wie Medikamente. Förderlich ist insbesondere mildes Ausdauertraining wie Spaziergänge oder Fahrrad fahren. Empfohlen werden mindestens 30 Minuten Training an 5–7 Tagen pro Woche. Bauen Sie dieses in Ihren Alltag ein: Nehmen Sie die Treppe anstatt den Aufzug, fahren Sie zur Arbeit mit dem Rad oder gehen Sie zu Fuß einkaufen. Suchen Sie sich einen Sport, der Ihnen Freude bereitet, beispielsweise auch gemeinsam mit Freund*innen.
  • Ernähren Sie sich gesund! Nehmen Sie so oft wie möglich frisches Obst und Gemüse zu sich. Außerdem werden reichlich Ballaststoffe empfohlen, wie sie in Produkten aus Vollkorngetreide und Hülsenfrüchten zu finden sind, mindestens zweimal pro Woche Fisch und nur wenig gesättigte Fettsäuren, enthalten in Fleisch, Fertiggerichten und süßen Backwaren. Meiden Sie Softdrinks wie Cola und Fruchtsäfte möglichst ganz. Trinken Sie stattdessen Wasser oder ungesüßte Tees. Seien Sie sparsam mit Kochsalz (die tägliche Zufuhr sollte idealerweise nicht mehr als 5 g Salz pro Tag betragen).
    Trinken Sie täglich nicht mehr als 1 Glas (Frauen) oder 2 Gläser (Männer) alkoholhaltiger Getränke.
  • Falls Sie an Übergewicht leiden: Nehmen Sie ab! Übergewicht trägt zu einer erhöhten Belastung von Herz und Blutgefäßen bei. Eine ballaststoffreiche und zugleich kalorienarme Ernährung kann in Kombination mit regelmäßiger körperlicher Bewegung beim Abnehmen und Halten des Idealgewichts helfen. Schon wenige Kilogramm Körpergewicht weniger haben einen positiven Effekt. Vermeiden Sie „Blitz-Diäten", sie führen selten zu langfristigen Erfolgen.
  • Messen Sie Ihren Blutdruck! Viele Patient*innen, die von Bluthochdruck betroffen sind, wissen dies nicht. Und bei vielen Patient*innen mit bekanntem Bluthochdruck ist dieser trotz Behandlung noch immer erhöht. Eine selbstständige Messung kann helfen, Ihren Blutdruck zu kennen und die Therapie anzupassen.

Setzen Sie sich Ziele, die Sie erreichen können, und belohnen Sie sich für erreichte Erfolge. Krankenkassen bieten zahlreiche Angebote, die Sie bei Änderungen Ihres Lebensstils unterstützen. Zögern Sie auch nicht, diesbezüglich ärztlichen Rat einzufordern.

Medikamentöse Therapie

Es gibt eine Reihe von Arzneimitteln, die den Blutdruck und so erwiesenermaßen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken. Die wichtigsten und am häufigsten verwendeten sind die folgenden:

  • ACE-Hemmer: Sie hemmen das Angiotensin Converting Enzyme (ACE) und erniedrigen hierdurch den Spiegel von blutdrucksteigernden Hormonen im Blut. Bei vielen Patient*innen sind sie das Mittel der 1. Wahl, insbesondere wenn Begleiterkrankungen der Niere oder des Herzens vorliegen. Bei Frauen mit geplanter oder bestehender Schwangerschaft dürfen sie nicht verschrieben werden. In diesen Fällen wählt man meist ein verwandtes Medikament, sogenannte Angiotensinrezeptorblocker (Sartane).
  • Kalziumkanalblocker: Diese hemmen die Kalziumkanäle in der Muskulatur der Gefäßwand, wodurch sich diese entspannt, das Gefäß sich erweitert und der Blutdruck sinkt.
  • Harntreibende Medikamente (Diuretika): Diese umgangssprachlich auch Wassertabletten genannten Medikamente, zu denen beispielsweise die Thiazide gehören, wirken auf die Niere und erhöhen die Urinausscheidung.
  • Betablocker: Sie senken neben dem Blutdruck auch den Puls und wirken sich damit günstig auf das Herz aus, weshalb sie bei Patient*innen mit Herzerkrankungen eingesetzt werden. Bei Asthma sollten sie nur mit Vorsicht verabreicht werden, da sie dieses verschlechtern können.

Einige dieser Medikamente entfalten ihre volle Wirkung erst nach einigen Tagen oder Wochen. Auch sollten sie nicht plötzlich abgesetzt werden. Ist der Effekt von einem einzelnen Medikament zu gering, so kombiniert man verschiedene Medikamente. Zum Teil gibt es diese auch als fertige Kombination in einer Tablette. 

Viele Patient*innen gewöhnen sich nur schwer an den Gedanken einer jahrelangen Medikamenteneinnahme, zumal sie Bluthochdruck oft nicht einmal bewusst wahrnehmen. Die korrekte Einnahme der Medikamente ist allerdings wichtig, um das Risiko für später auftretende schwere Komplikationen zu verringern. Auch vertragen die meisten Patient*innen die eingesetzten Medikamente gut und profitieren so langfristig von ihnen.

Prognose

Ein über viele Jahre bestehender Bluthochdruck führt zu mehr Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkten und Schlaganfällen. Medikamente zur Senkung des Blutdrucks sind deshalb oftmals ein Leben lang einzunehmen. Ähnlich wichtig sind aber auch Änderungen der Lebensgewohnheiten wie ein Rauchstopp und ausreichend Bewegung. Bei einigen Patient*innen können diese sogar einen derart positiven Effekt zeigen, dass der Blutdruck ohne medikamentöse Behandlung ausreichend gesenkt wird.

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Markus Plank, MSc BSc, Medizin- und Wissenschaftsjournalist, Wien
  • Dietrich August, Dr. med., Arzt, Freiburg im Breisgau