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Verengung der Halsschlagader (Karotisstenose)

Eine Verengung der Halsschlagader (Karotisstenose) kommt gerade bei älteren Menschen relativ häufig vor. Die Krankheit kann ohne Beschwerden bestehen, aber auch zu schweren Folgekrankheiten führen, z. B. einem Schlaganfall.

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Anatomie der Halsschlagader

 


Die Halsschlagader (Arteria carotis, Karotis) führt vom Herzen am Hals entlang und verzweigt sich in zwei größere Blutgefäße, die zum einen das Gewebe außen am Schädel (Karotis externa), zum anderen das Gehirn versorgen (Karotis interna). Auf jeder Seite des Halses verläuft eine Halsschlagader. Das transportierte Blut ist sauerstoffreich.

Was ist eine Karotisstenose?

Wie grundsätzlich in jedem Blutgefäß können sich in der Karotis kleine Ablagerungen aus dem Blut ansammeln, wobei hier v. a. die Teilungsstelle der Karotis unterhalb des Unterkiefers besonders betroffen ist. Durch ungleichmäßige Strömung an der Karotisgabel kommt es zu kleinen oder größeren Ablagerungen – das Blutgefäß verkalkt (Atherosklerose). Im Fall der Karotis führt diese Verengung je nach Ausprägung zu einer verringerten Blutversorgung des Gehirns, im schlimmsten Fall zu einem Schlaganfall.

Häufigkeit

4 % der Gesamtbevölkerung weisen eine deutliche Verringerung der Gefäßöffnung auf. Ältere Menschen sind häufiger betroffen als jüngere. Die Häufigkeit wird mit mehr als 5 % bei den über 65-Jährigen und mit mehr als 10 % bei den über 80-Jährigen angegeben. Männer sind doppelt so häufig betroffen wie Frauen.

Ursachen

Die Verkalkungen (Arteriosklerose) in den Halsschlagadern beruhen auf Ablagerungen von Fett und Kalk an den Innenwänden der Halsschlagader. Eine größere Fettablagerung wird als Plaque bezeichnet.

Der Körper versucht, diese Verletzung zu reparieren. Es bildet sich Narbengewebe, das die Gefäßwände dicker und unbeweglicher und das Blutgefäß enger macht. Je mehr Cholesterin sich ablagert, desto dicker werden die Wände der Blutgefäße und desto weniger Blut kann durch das Gefäß fließen.

Die Arteriosklerose ist die häufigste Ursache für eine Karotisstenose; es können jedoch auch entzündliche Gefäßkrankheiten, Bindegewebskrankheiten oder eine Reaktion auf eine Bestrahlung bzw. Strahlenschäden zugrunde liegen.

Prädisponierende Faktoren für die Entstehung einer Karotisstenose sind ähnlich wie für die koronare Herzerkrankung und die periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK). Wichtige Risikofaktoren sind: Rauchen, hohe Blutfettwerte, Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Adipositas, Bewegungsmangel, Alter, männliches Geschlecht und eine frühere Gefäßerkrankung.

Klassifikation

Die Einteilung der Karotisstenose erfolgt anhand von Kriterien, die beschreiben, wie weit das Gefäß verengt (stenosiert) ist. Bei einer Stenose von weniger als 50 % des Gefäßdurchmessers spricht man von einer geringgradigen Karotisstenose. Bei einer Einengung von 50‒69 % von einer mäßiggradigen und ab 70 % von einer hochgradigen Stenose.

Symptome

Viele Betroffene haben trotz der Verengung keine Beschwerden. Dies wird dann als asymptomatische Karotisstenose bezeichnet. Gerade bei höhergradiger Stenose der Karotis können jedoch vorübergehende oder auch bleibende Symptome infolge der Durchblutungsstörungen im Gehirn die Folge sein.

In seltenen Fällen können sich kleine Teile der Verkalkung lösen und mit dem Blutstrom ins Gehirn gelangen. Dort können sie vorübergehende neurologische Ausfallerscheinungen, sogenannte transitorische ischämische Attacken (TIA) oder einen Schlaganfall mit bleibenden neurologischen Schäden verursachen. Dies wird dann als symptomatische Karotisstenose bezeichnet.

Sowohl die TIA als auch der Schlaganfall können sich auf viele verschiedene Arten äußern. TIA dauern nur relativ kurze Zeit (weniger als 24 Stunden), und die Symptome gehen vollständig zurück. Bei einem Schlaganfall bleiben die Symptome länger bestehen und können auch dauerhaft bleiben. Häufige Symptome sind einseitige Lähmungen, plötzliche Sehstörungen, einseitige Gefühlsstörungen, Sprachstörungen; hingegen sind Schwindel, Doppelbilder oder Gedächtnisstörungen eher untypische Beschwerden bei einer Karotisstenose. Manchmal liegt nur eines der Symptome vor.

Diagnostik

Die Karotisstenose kann als Zufallsbefund bei der ärztlichen Untersuchung der Halsgefäße mit dem Stethoskop auffallen. In manchen Fällen ist ein typisches Geräusch zu hören, wenn das Blut durch den verengten Bereich strömt. Das Abhören der Halsgefäße sagt jedoch wenig über den Umfang der Verengung aus. Das wichtigste Untersuchungsverfahren ist eine Ultraschalluntersuchung der Halsgefäße durch Spezialist*innen. In ausgewählten Fällen erfolgt eine Angiografie mithilfe einer Computertomografie (CT) oder einer Magnetresonanztomografie (MRT). Wenn durch die genannten Verfahren kein eindeutiges Ergebnis erzielt werden konnte, kann auch die digitale Subtraktionsangiografie durchgeführt werden. Dies ist allerdings ein invasives Verfahren und wird daher eher zurückhaltend eingesetzt.

Hinzu kommt eine sorgfältige körperliche Untersuchung, bei der auch die neurologischen Funktionen genau geprüft werden. In Bezug auf das Herz wird der Blutdruck gemessen und meist ein EKG abgeleitet. Blutuntersuchungen können Hinweise auf entzündliche Krankheiten geben, zudem lassen sich die Blutfettwerte, Zuckerwerte etc. bestimmen.

In anderen Fällen entsteht der Verdacht auf eine Verengung der Halsschlagader erst, nachdem es bereits zu einem Schlaganfall oder mehreren TIA gekommen ist. Liegt ein akuter Schlaganfall vor, werden die Betroffenen sofort in ein Krankenhaus eingewiesen.

Therapie

Die Behandlung der Karotisstenose umfasst folgende Elemente: Änderung des Lebensstils, Medikamente, operative oder interventionelle Verfahren.

Änderung des Lebensstils

Wichtige Maßnahmen, die Sie selbst ergreifen können:

Medikamente

Bei der medikamentösen Behandlung werden verschiedene Wirkstoffgruppen eingesetzt.

Blutverdünnende Medikamente wie ASS oder Clopidogrel verringern das Schlaganfall- und TIA-Risiko. Die meisten Patient*innen mit Karotisstenose nehmen solche Medikamente ihr Leben lang ein.

Außerdem profitieren Betroffene auch von Cholesterinsenkern, sogenannten Statinen. Sie werden heute routinemäßig allen Betroffenen empfohlen.

Bei erhöhtem Blutdruck sind zudem blutdrucksenkende Medikamente angezeigt (in der Regel sog. ACE-Hemmer oder AT-Antagonisten).

Bei gleichzeitigem Vorliegen von Diabetes mellitus sollte auch dieser etsprechend behandelt werden, z. B. mit Metformin.

Operation oder Intervention

Bei einigen Betroffenen wird eine operative Behandlung empfohlen. Bei der Operation werden über einen Schnitt am Hals die Plaques aus dem Gefäß entfernt (Endarteriektomie).

Alternativ wird über ein Blutgefäß in der Leiste ein Ballonkatheter eingeführt, der die Halsschlagader weitet. Anschließend wird ein Röhrchen (Stent) eingesetzt. Diese Methode kommt eher seltener zum Einsatz, ist aber in bestimmten Situationen zu bevorzugen.

Bei Patient*innen, die bereits eine TIA aufgrund verengter Halsgefäße hatten, haben frühzeitige Eingriffe, also innerhalb von zwei Wochen nach der Attacke, bessere Ergebnisse gezeigt als spätere Eingriffe. Manche Expert*innen befürworten auch bei einem Schlaganfall eine frühzeitige Operation, unter der Voraussetzung, dass die Patient*innen stabil sind und nur begrenzte neurologische Ausfälle haben. Auf jeden Fall ist bei dieser Patientengruppe eine schnelle und effektive Untersuchung sehr wichtig. Die Art der Therapie hängt aber auch z. B. vom Alter der Patient*innen, dem allgemeinen Gesundheitszustand, Begleiterkrankungen und natürlich auch dem Wunsch der Betroffenen ab. Grundsätzlich ist die Entscheidung für oder gegen eine Operation bei Patient*innen mit Karotisstenose für jede einzelne Person genau zu überlegen.

Prognose

Bei symptomatischen Karotisstenosen ist das Risiko für Schlaganfall oder Tod höher als bei der asymptomatischen. Nach Operation oder Intervention liegt das Risiko für Schlaganfall, Herzinfarkt oder Tod innerhalb der nächsten 4 Jahre bei 5–8 %. Restenosierungen, also eine erneute Verengung der Blutgefäße, treten bei 6 % der Patient*innen auf.

Durch eigene Maßnahmen und passende Medikamente kann das Risiko für diese Komplikationen verringert werden.

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Hannah Brand, Cand. med., Berlin
  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen