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Aortenaneurysma

Bei einem Aortenaneurysma ist die Gefäßwand der Hauptschlagader (Aorta) in einem begrenzten Abschnitt aufgedehnt bzw. erweitert. Bei recht großen Aneurysmen besteht eine erhöhte Gefahr einer lebensbedrohlichen Blutung, weil die Gefäßwand einreißen kann.

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Was ist ein Aortenaneurysma?


Bei einem Aortenaneurysma ist die Gefäßwand der Hauptschlagader (Aorta) des Körpers im Bauchraum in einem begrenzten Abschnitt aufgedehnt bzw. erweitert. Der ausgeweitete Bereich muss laut Definition dabei mindestens 1,5-mal breiter als der angrenzende normale Bereich der Aorta sein. Konkret bedeutet das eine Ausweitung der Hauptschlagader in der Bauchhöhle auf mehr als 3 cm. Das Aneurysma kann spindel- oder sackförmig ausgeprägt sein.

Grundsätzlich wird zwischen einem Aneurysma der Aorta im Bereich des Brustkorbs (thorakal) und einem Aneurysma der Aorta im Bauchraum (abdominal) unterschieden. Bauchaortenaneurysmen sind häufiger.

Laut Schätzungen leiden etwa 1–2 % aller Männer an einem Bauchaortenaneurysma. Frauen sind deutlich seltener betroffen. Die Häufigkeit der Erkrankung nimmt mit dem Lebensalter deutlich zu, ab 85 Jahren sind 22 % der Männer und 6,2 % der Frauen betroffen.

Ursachen

Eine Aussackung der Gefäßwand entsteht durch Veränderungen der inneren Gewebeschicht der Aorta. Risikofaktoren für die Ausbildung eines Aneurysmas sind Arteriosklerose, Bluthochdruck, koronare Herzkrankheit, Diabetes, eine familiäre Vorgeschichte mit Bauchaortenaneurysmen und vor allem Rauchen.

Aortenaneurysmen im Brustkorb treten darüber hinaus häufiger bei Bindegewebserkrankungen (z. B. Marfan-Syndrom), Anlagestörungen der Aortenklappe, genetischen Veränderungen der Gefäßmuskelzellen und nach Entzündungen der Aorta auf.

Symptome und Diagnostik

Welche Beschwerden können auftreten?

Die meisten Aneurysmen sind normalerweise symptomlos, falls sie sich nicht rasch ausweiten oder reißen. Beschwerden können aber auf dem Druck beruhen, den das Aneurysma auf die umgebenden Strukturen ausübt. So kann ein Bauchaortenaneurysma zu Rücken- und Bauchschmerzen führen, die häufig lange anhalten. Manchmal kommt es zu Schmerzen im Gesäß, in der Leiste oder im Bein, weil sich kleine Blutgerinnsel vom Aneurysma lösen und im Blut zu den unteren Extremitäten mitgenommen werden und dort kleine Gefäße verstopfen. Ein Aneurysma im Brustanteil der Aorta kann zu Brustschmerzen oder zu Symptomen führen, die durch den Druck gegen die Speiseröhre, den Stimmbandnerv oder die großen Hohlvenen bedingt sind. Infolgedessen kommt es möglicherweise durch zusammengedrückte Atemwege oder Bronchien zu blutigem Husten oder zu Heiserkeit durch den Druck auf den Stimmbandnerv auf der linken Seite.

Wie wird ein Aneurysma entdeckt?

Ein Bauchaortenaneurysma kann zufälligerweise als pulsierende Geschwulst im Bauch entdeckt werden. Ein schnell wachsendes Aneurysma kann zu Bauchschmerzen führen. Ein Aneurysma im Brustanteil der Aorta ist häufig ein Zufallsbefund bei einer Röntgenuntersuchung des Brustkorbs.

Eine Ultraschalluntersuchung der Aorta wird allen Männern ab dem 65. Lebensjahr als Vorsorgeuntersuchung empfohlen. Die Kosten dieser Untersuchung werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Die Untersuchung wird auch Frauen über 65 empfohlen, die rauchen oder früher geraucht haben.

Die Ultraschalluntersuchung kann die Größe und Ausdehnung des Aneurysmas zeigen. Vor allem Bauchaortenaneurysmen sind im Ultraschall deutlich zu erkennen. Die Untersuchung dient auch zur Kontrolle, ob es eventuell zu einer Zunahme gekommen ist. Zur Diagnose eines Aortenaneurysmas im Brustraum wird eine Echokardiografie durchgeführt. Mit einer Computertomografie (CT) ist eine präzise Messung möglich. Sie zeigt die genauen anatomischen Gegebenheiten und ist daher eine mögliche Alternative.

Ein Aortenaneurysma-Riss ist ein Notfall!

Falls ein Aortenaneurysma reißt, kommt es akut zu heftigen Schmerzen und meist Schock der Betroffenen, und es besteht wegen der starken Blutung Lebensgefahr. Die Patient*innen sollen notfallmäßig ins Krankenhaus gebracht werden.

Wie wird ein Aneurysma behandelt?

Behandlungsziele

Das Ziel der Behandlung ist die Wiederherstellung einer normal funktionierenden Aorta, falls die Gefahr eines Risses besteht. Dies ist in der Regel der Fall, wenn ein Bauchaortenaneurysma breiter als 5,0–5,5 cm (bei Frauen weniger) ist oder wenn es sich recht schnell ausdehnt (>1 cm/Jahr). Auch wenn das Aneurysma zu Beschwerden führt, wird meist eine Therapie empfohlen. Wenn das Aneurysma bereits gerissen ist, muss sofort in einer Notfalloperation versucht werden, das Leben der betroffenen Person zu retten. Kleinere Aneurysmen, die keine Beschwerden verursachen, sollten regelmäßig überwacht werden.

Operation

Die Behandlung besteht in einer Operation, die entweder durch Verstärkung des Gefäßes von innen oder als offener gefäßchirurgischer Eingriff erfolgt. Bei einer offenen Operation wird der zerstörte Teil der Aorta entfernt und durch ein künstliches Gefäß, eine sogenannte Gefäßprothese, ersetzt. Einige Aneurysmen lassen sich durch eine Verstärkung von innen mit einem sogenannten Stent behandeln, der über ein Gefäß in der Leiste vorgeschoben und dann eingesetzt wird. Ob eine solche Stent-Behandlung möglich ist, ist abhängig von der Ausformung des Aneurysmas, von der Lokalisation und der Erfahrung des Krankenhauses mit diesem Operationsverfahren.

Beide Verfahren können auch bei einer Undichtigkeit oder einer Rissbildung des Aneurysmas zum Einsatz kommen. Weitere Gründe für eine operative Behandlung können Schmerzen oder ein Blutgerinnsel sein, das vom Aneurysma abgegangen ist. Wenn bei Kontrollen festgestellt wird, dass das Aneurysma wächst (mehr als 1 cm pro Jahr) oder dass seine Größe 5,5 cm überschreitet, ist auch dies ein Grund für eine Operation.

Es handelt sich um große, umfassende Eingriffe mit hohem Risiko für Komplikationen. Die folgenden Faktoren sprechen aufgrund des hohen Komplikationsrisikos eher gegen eine operative Behandlung: ein Herzinfarkt in den letzten Monaten, unbehandelte Angina pectoris, chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) mit stark eingeschränkter Lungenfunktion und Nierenversagen. Nach der Operation sollten regelmäßige Kontrolluntersuchungen durchgeführt werden.

Arteriosklerose

Ein Aortenaneurysma ist bei den meisten Betroffenen ein Anzeichen dafür, dass auch Blutgefäße in anderen Bereichen des Körpers durch Arteriosklerose geschädigt sind. Daher ist es sehr wichtig, diese zunehmende Verengung der Gefäße mit allen verfügbaren Mitteln zu bremsen. Das bedeutet unter anderem, dass es besonders wichtig ist, mit dem Rauchen aufzuhören. Dies ist nicht nur wichtig, um die weitere Entwicklung der Erkrankung positiv zu beeinflussen, sondern auch, um den Körper in Hinsicht auf eine mögliche Operation zu stärken. Außerdem sind eine cholesterinsenkende Behandlung mit Statinen, eine sorgfältige Blutdrucktherapie bei erhöhtem Blutdruck und eine Behandlung mit Blutverdünnern zu empfehlen.

Prognose

Ein Aortenaneurysma kann über das gesamte Leben symptomfrei bleiben. Große Aneurysmen, die sich weiter ausweiten, können aber mit der Zeit zu Schmerzen im Rücken/Oberbauch oder zu Symptomen führen, die darauf beruhen, dass die großen Hohlvenen des Körpers, die Speiseröhre oder die Luftröhre zusammengedrückt werden. Wenn das Aneurysma größer wird, kommt es oft zu einem Riss, und die dadurch entstehende Blutung ist akut lebensgefährlich!

Die Langzeitprognose beruht auf der Größe und der Lokalisation des Aneurysmas. Bei einem Bauchaortenaneursyma unter 5 cm Ausdehnung besteht keine sehr große Gefahr, dass es reißt. Größere abdominale Aneurysmen gehen mit einem höheren Risiko einher, bei einer Ausdehnung über 7 cm reißen statistisch gesehen 6,3 % innerhalb eines Jahres. Bei einem Aortenaneurysma im Bereich des Brustkorbs besteht eine deutlich erhöhte Rupturgefahr ab einer Ausdehnung von 6 cm. Mit einem erfolgreich operierten Aneurysma bestehen die gleichen Überlebenschancen wie in der Normalbevölkerung, vorausgesetzt, dass die Patient*innen nicht gleichzeitig unter anderen schweren Krankheiten leiden.

Komplikationen eines Aneurysmas sind lebensbedrohliche Blutungen, unzureichende Blutzufuhr zu anderen Brust- und Bauchorganen (Herz, Niere, Darm) oder auch Schlaganfall. Komplikationen bei einer Operation sind u. a. Blutgerinnsel, Durchblutungsstörungen, eine Infektion der Gefäßprothese, Narbenbrüche und Undichtigkeiten der Gefäßprothese. Da es sich in der Regel um eine komplizierte Operation handelt, ist auch das Sterberisiko im Vergleich zu anderen Eingriffen relativ hoch. 

Empfehlungen für Patient*innen

Patient*innen mit einem Aortenaneurysma sollten schweres Heben, Krafttraining und Leistungssport meiden, mäßig anstrengender Ausdauersport ist jedoch erlaubt. Rauchen ist ein starker Risikofaktor: Insbesondere Personen, deren enge Verwandte an Gefäßkrankheiten leiden, sollten nicht rauchen. 

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden
  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen