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Instabile Angina pectoris

Als instabile Angina pectoris (Brustenge) bezeichnet man einen Anfall von Brustschmerzen, der stärker ist als gewöhnlich und oft zunächst nicht von einem Herzinfarkt zu unterscheiden ist.

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Was ist eine instabile Angina pectoris?

Bei der instabilen Angina pectoris (Brustenge) handelt es sich um einen Notfall von außergewöhnlich starken und anhaltenden Brustschmerzen. Im Gegensatz zu Anfällen von stabiler Angina pectoris treten die Beschwerden auch in Ruhe bzw. bei geringer Belastung auf oder werden im Verlauf stärker und/oder häufiger. Wie bei der stabilen Form ist die Ursache für die Anfälle eine Unterversorgung des Herzmuskels mit Sauerstoff, meist aufgrund von Einengung der Herzkranzgefäße durch Arterienverkalkung (Arteriosklerose). Beim Herzinfarkt wird ein Gefäß vollständig verschlossen, wodurch das von diesem Gefäß versorgte Herzmuskelgewebe abstirbt. Die instabile Angina pectoris stellt die Vorstufe zu einem Herzinfarkt dar, dabei wird das Herzmuskelgewebe noch nicht akut geschädigt. Da sich beide Krankheitsbilder zunächst oft nicht unterscheiden lassen, werden sie unter dem Begriff akutes Koronarsyndrom zusammengefasst. Rund 10 % der Patient*innen, die mit akuten Brustschmerzen in eine Notaufnahme gebracht werden, leiden an instabiler Angina pectoris.

Diagnose

Der wichtigste Hinweis für die Diagnose einer instabilen Angina pectoris ist die Schilderung der Beschwerden durch die Betroffenen. Wenn Sie schnell zunehmende Brustschmerzen oder ungewöhnlich starke Brustschmerzen verspüren, sollten Sie ärztliche Hilfe holen. Wählen Sie im Zweifel den Notruf 112. Personen mit instabiler Angina pectoris werden meist notfallmäßig ins Krankenhaus eingewiesen. Elektrokardiogramm (EKG) und Blutwerte wie Troponin sind entscheidend für die Unterscheidung von einem Herzinfarkt und das weitere Vorgehen. Außerdem werden oft ein Ultraschall des Herzens (Echokardiografie) und gelegentlich weitere Untersuchungen wie Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) durchgeführt. Eine Herzkatheter-Untersuchung bietet den Vorteil, dass nicht nur Engstellen der Herzkranzgefäße direkt sichtbar gemacht werden können, sondern dass im gleichen Schritt auch eine Behandlung erfolgen kann (s. u.).

Behandlung

Die Behandlung soll die Beschwerden lindern und das Fortschreiten zu einem Herzinfarkt verhindern. Die Akuttherapie kann bereits in der Hausarztpraxis begonnen werden. Da es sich um ein lebensbedrohliches Ereignis handelt, werden die Patient*innen anschließend auf einer Intensivstation oder einer auf Brustschmerzen spezialisierten Abteilung („Chest Pain Unit“) eines Krankenhauses überwacht. Zur Linderung der Beschwerden werden nitrohaltige Medikamente, Betablocker und evtl. starke Schmerzmittel wie Morphin eingesetzt. Oft erhalten Betroffene auch Sauerstoff über einen Schlauch zur Nase oder eine Maske. Um die Bildung von Blutgerinnseln im verengten Gefäß zu verhindern, werden sog. Plättchenhemmer wie Acetylsalicylsäure (ASS) und Ticagrelor sowie blutgerinnungshemmende Medikamente (Fondaparinux oder Heparin) gegeben.

Je nach Ausprägung der Beschwerden, Befunden in den Untersuchungen und Risiko der betroffenen Person wird im Krankenhaus eine perkutane Koronarintervention durchgeführt. Hierbei führt man einen dünnen Draht (Katheter) in ein Blutgefäß der Leiste oder des Handgelenks ein. Dieser wird bis zu den Herzkranzgefäßen vorgeschoben. Durch Gabe von Kontrastmittel und Röntgen werden die Einengungen der Herzkranzgefäße gezeigt. Das verengte Blutgefäß wird durch Aufblasen eines Ballons geweitet. Durch Einsetzen eines Stents, eines Röhrchens aus Drahtgeflecht, versucht man, das Gefäß dauerhaft offenzuhalten. Die Patient*innen sind beim Eingriff bei Bewusstsein. Im Anschluss sollen die Patient*innen zusätzlich zu ihren bisherigen Medikamenten Plättchenhemmer für 12 Monate einnehmen, um ein Verschließen des Stents zu verhindern. ASS wird häufig als Dauertherapie verordnet.

Weitere Behandlung und Prognose

Entscheidend für den Verlauf des Notfalls ist das schnelle Erkennen und die rechtzeitige Behandlung, um das Fortschreiten der instabilen Angina pectoris zu einem Herzinfarkt zu verhindern. Eine Gefahr stellen auch Störungen des Herzrhythmus dar, die in den ersten Stunden nach Beginn des Anfalls ausgelöst werden können. 

Auch wenn die größte Gefahr also in den ersten Stunden der Beschwerden besteht, so haben Betroffene auch in den Monaten nach einem Anfall von instabiler Angina pectoris noch ein erhöhtes Risiko, an einem Herzinfarkt zu versterben. Für die Prognose als auch die Linderung der Beschwerden ist deshalb die Behandlung der koronaren Herzkrankheit wichtig, die Änderungen des Lebensstils (Rauchstoppmehr Bewegunggesunde ErnährungGewichtsabnahme, Stressabbau) und vorbeugende Medikamente umfasst. 

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden
  • Dietrich August, Arzt, Freiburg im Breisgau