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Schlaganfall, Notfalltherapie

Bei einem akuten Schlaganfall kommt es zu plötzlichen neurologischen Funktionsausfällen, die auf einer Gehirnschädigung durch eine Durchblutungsstörung beruhen. Eine schnelle Versorgung und frühe Diagnose sind von enormer Bedeutung, um nach Möglichkeit bedrohte Gehirnareale vor einer dauerhaften Schädigung zu bewahren. Die Prognose eines Schlaganfalls hängt u. a. von der schnellen Notfallbehandlung ab.

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Was ist ein Schlaganfall?


Bei einem Schlaganfall kommt es durch eine verminderte Durchblutung bestimmter Teile des Gehirns zu plötzlich auftretenden Funktionsausfällen. Diese können von Lähmungen, Gefühlsstörungen und Sprachstörungen bis zur Bewusstlosigkeit reichen. In 80–85 % der Fälle ist die Ursache für die Minderdurchblutung ein Gerinnsel in einem der Blutgefäße des Gehirns. Lediglich bei 10–15 % handelt es sich um eine Hirnblutung. Wenn die Symptome nur vorübergehend auftreten und sich innerhalb von 24 Stunden von alleine zurückbilden, spricht man von einer transitorischen ischämischen Attacke (TIA). In der Regel hält eine TIA weniger als eine Stunde an.

Symptome

Die Symptome, die durch einen Schlaganfall verursacht werden können, sind vielfältig und umfassen häufig einzelne oder mehrere der folgenden neurologischen Ausfälle:

  • Schwäche bzw. Lähmungen in einem Arm/Bein oder einer Körperhälfte
  • Gefühlsstörungen, wie z. B. Taubheit einer Körperhälfte
  • Sprechstörungen mit verwaschener Sprache (Dysarthrie)
  • Störungen des Sprachverständnis oder der Sprachproduktion (Aphasie)
  • Reduziertes Gleichgewichtsgefühl und ungeschickte Bewegungen
  • Schluckbeschwerden
  • Schwierigkeiten beim Erinnern, Denken und beim Lösen von Problemen
  • einseitige Veränderungen des Sehvermögens.

FAST-Test

Mithilfe eines einfachen Tests, dem sogenannten FAST-Test, können medizinische Laien typische Schlaganfall-Symptome schnell erkennen. Die Abkürzung FAST steht für die englischen Worte Face (Gesicht), Arms (Arme), Speech (Sprache) und Time (Zeit):

Face (Gesicht) – Bitten Sie die betroffene Person zu lächeln. Ist das Gesicht einseitig verzogen?

Arms (Arme) – Fordern Sie die betroffene Person auf, beide Arme gleichzeitig zu heben, die Handflächen nach oben zu drehen, und die Arme so für einige Sekunden zu halten. Sinkt ein Arm ab?

Speech (Sprache) – Bitten Sie die betroffene Person, einen einfachen Satz nachzusprechen. Ist sie dazu nicht in der Lage, oder ist die Aussprache undeutlich?

Time (Zeit) – Sollte die betroffene Person mit einer der genannten Aufgaben Probleme haben, zählt jede Minute! Je schneller die Person behandelt wird, desto geringer sind die zu erwartenden Folgeschäden. Rufen Sie in diesem Fall den Notruf 112!

Notfalltherapie des Schlaganfalls

Bei einem Schlaganfall handelt es sich um einen Notfall, der möglichst früh im Krankenhaus behandelt werden sollte. Die Symptome können den Betroffenen selbst, den Angehörigen oder medizinischem Personal auffallen, die dann den Rettungsdienst verständigen. Ziel einer schnellen Behandlung ist es, den entstandenen Hirnschaden zu begrenzen und weitere Schlaganfälle zu verhindern. Bei der Behandlung wird zwischen der Notfalltherapie und der Behandlung nach der Akutphase unterschieden.

Erstmaßnahmen

Häufige Erstmaßnahmen vor Ort sind die Bestimmung der Vitalparameter und ggf. die Stabilisierung des Kreislaufs. Patient*innen mit Verdacht auf einen Schlaganfall werden dann unmittelbar mit dem Rettungsdienst in ein nahegelegenes Krankenhaus gebracht. Dort erfolgt eine zielgerichtete neurologische Untersuchung, bei der Kraft, Gefühl, Sehfähigkeit und Sprache beurteilt werden, um einen ersten Hinweis auf Lokalisation und Ausmaß des Schlaganfalls zu erlangen. Zusätzlich wird mittels Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) ein Bild vom Gehirn gemacht, um herauszufinden, ob der Schlaganfall durch einen Gefäßverschluss oder eine Blutung verursacht wird und welches Areal betroffen ist.

Thrombolyse

Das Vorgehen in der Notfallsituation ist abhängig von der Ursache des Schlaganfalls. Bei einem Hirninfarkt durch Minderdurchblutung gilt es, die Durchblutung des betroffenen Hirnareals so schnell wie möglich wiederherzustellen. In der Frühphase besteht die Möglichkeit einer Behandlung mit stark blutgerinnselauflösenden Medikamenten (Thrombolyse), sofern keine Gegenanzeigen vorliegen. Wenn diese Maßnahme innerhalb der ersten Stunden nach Eintritt des Schlaganfalls durchgeführt wird, lässt sich eine deutliche Verbesserung bewirken. Die besten Ergebnisse erzielt eine Behandlung innerhalb der ersten 3 Stunden.

Thrombektomie

Seit einigen Jahren können zudem größere verschlossene Hirngefäße über einen Kathetereingriff (Thrombektomie) wiedereröffnet werden. In den meisten Fällen wird eine solche Thrombektomie nach begonnener Thrombolyse durchgeführt. Besteht der Schlaganfall bereits zu lange und ist das Hirngewebe schon unwiderruflich geschädigt, steigt das Risiko von Komplikationen, weshalb ein schnelles Handeln unabdinglich ist.

Maßnahmen bei Hirnblutung

Beruht der Schlaganfall auf einer Hirnblutung, so erfolgt eine engmaschige, ggf. sogar intensivmedizinische Überwachung unter Kontrolle einiger wichtiger Parameter, z. B. des Blutdrucks. In seltenen, schweren Fällen wird eine Operation durchgeführt, um für eine Druckentlastung zu sorgen.

Behandlung auf der Stroke Unit

Die weitere Akuttherapie erfolgt meist auf spezialisierten Schlaganfall-Stationen, sog. Stroke Units. Dort erfolgt die Behandlung durch ein interdisziplinäres Team aus speziell geschulten Pflegekräften, Ärzt*innen und verschiedenen Therapeut*innen. Die Monitorüberwachung wird dort über einige Zeit fortgeführt. Um einen weiteren Schlaganfall zu verhindern, wird ein Blutplättchenhemmer verabreicht, in der Regel Acetylsalicylsäure (ASS). Patient*innen, die keine Acetylsalicylsäure vertragen, können alternativ Clopidogrel erhalten. In den ersten 3 Wochen kann auch eine Kombination beider Medikamente genutzt werden, um das Risiko für Schlaganfälle weiter zu senken. Auch Cholesterinsenker und blutdrucksenkende Medikamente werden eingesetzt, um das Risiko zu senken. Weitere Maßnahmen können erforderlich sein, wenn durch Untersuchungen eine Schlaganfallursache identifiziert werden kann.

Weiteres Vorgehen

In den Tagen nach einem Schlaganfall wird im Krankenhaus auf mögliche Ursachen, wie z. B. Vorhofflimmern und Ablagerungen in den Halsschlagadern (Karotisstenose) untersucht. Nach einem Schlaganfall hat die Rehabilitation einen hohen Stellenwert und wird bereits im Krankenhaus begonnen.

Bei einer Hirnblutung unterscheidet sich die Behandlung in einigen Punkten. Häufig ist zusätzlich zu der Monitorüberwachung eine medikamentöse Senkung des Blutdrucks notwendig. In sehr schweren Fällen kann eine neurochirurgische Operation notwendig sein.

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden
  • Jonas Klaus, Arzt in Weiterbildung, Neurologie, Freiburg im Breisgau