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Lungenembolie (Blutgerinnsel in der Lunge)

Ein Blutgerinnsel kann in die Lunge gelangen, wenn sich ein Blutpfropf löst und mit dem Blut zur Lunge transportiert wird. Dort setzt es sich dann in einer Arterie fest und verstopft diese. Eine Lungenembolie kann je nach Ausmaß ein akuter Notfall sein!

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Fakten

  • Wenn sich ein Blutgerinnsel von dem Ort, wo es sich gebildet hat, löst und mit dem Blut zur Lunge transportiert wird, kann es dort ein Blutgefäß verstopfen: So entsteht eine Lungenembolie.
  • Das Blutgerinnsel setzt sich in einer Lungenarterie fest und blockiert den von dieser Arterie versorgten Anteil der Lunge.
  • Kleine Lungenembolien müssen nicht unbedingt Symptome zeigen oder äußern sich lediglich als stechender Schmerz, Husten oder mäßige Atembeschwerden.
  • Bei größeren Gerinnseln kommt es zu stärkeren Atembeschwerden oder Atemnot, Husten und Brustschmerzen, die beim Atmen stärker werden.
  • Der Verlauf hängt von der Größe des Blutgerinnsels und von der rechtzeitigen und wirksamen Therapie ab. Er kann von unkomplizierten, vorübergehenden Beschwerden bis hin zum plötzlichen Tod reichen.

Was ist eine Lungenembolie?

Bei einer Lungenembolie löst sich ein Blutpfropf (Blutgerinnsel) – meist in den Blutgefäßen (speziell den Venen) in Wade oder Becken – und wird mit dem Blut zur Lunge transportiert, wo er sich in einer Lungenarterie festsetzt und diese verstopft. Das Lungengewebe, das von dieser Arterie versorgt wird, stirbt ab, wenn die Blutversorgung plötzlich aufhört. Dadurch steht dieser Bereich der Lunge nicht mehr für die Aufnahme von Sauerstoff ins Blut zur Verfügung, was je nach Ausmaß zu den entsprechenden Symptomen führt.

Jährlich werden laut Daten aus 2013 etwa 55.000 Menschen in Deutschland wegen einer Lungenembolie im Krankenhaus behandelt. Durchschnittlich erkranken 100–200/100.000 Einw. pro Jahr an einer Lungenembolie; die Häufigkeit variiert jedoch deutlich in Abhängigkeit von dem Alter: Während bis zum Alter von 44 Jahren nur 16 pro 100.000 Einw. betroffen sind, sind es bei den über 64-Jährigen bereits 216 Patient*innen pro 100.000 Personen jährlich. Besonders häufig tritt eine Lungenembolie bei älteren Menschen auf, die wenig mobil sind; daher ist die Rate dieser Erkrankung in Pflegeeinrichtungen besonders hoch.

Welche Symptome treten auf?

Die Symptome bei einem Blutgerinnsel in der Lunge variieren je nach Ort und Größe des Gerinnsels. In der frühen Phase der Erkrankung kann eine Diagnose mitunter schwierig sein, weil die Beschwerden zu vielen Krankheiten passen können. Bei einem Blutgerinnsel in der Lunge treten folgende Symptome auf:

  • Plötzlicher, stechender Schmerz in der Brust, der beim tiefen Einatmen oder Husten beginnt oder sich verschlimmert, oft gefolgt von Atemnot
  • Plötzliche, unerklärliche Kurzatmigkeit, eventuell ohne Schmerzen
  • Husten, eventuell mit blutigem Auswurf
  • Hoher Puls, schnelle Atmung
  • Angst, Unruhe und Erschöpfung
  • In schweren Fällen Benommenheit bis zur Bewusstlosigkeit.

Bei vielen Betroffenen ist zudem ein deutlich geschwollenes Bein als Hinweis auf eine tiefe Beinvenenthrombose zu erkennen.

Eine Lungenembolie, die nur kleine Blutgefäße und damit wenig Lungengewebe betrifft, muss nicht unbedingt Symptome zeigen oder äußert sich lediglich als stechender Schmerz, Husten oder mäßige Atembeschwerden. Bei größeren Gerinnseln kommt es zu meist plötzlich auftretenden stärkeren Atembeschwerden oder Atemnot, Husten und Brustschmerzen, die beim Atmen stärker werden. Die veränderte Durchblutung im Lungengewebe wirkt sich auch schädlich auf das Herz aus; es droht eine verringerte Herzfunktion.

Ursachen

Eine Lungenembolie tritt meist auf, nachdem sich ein Blutgerinnsel in einer der tiefen Bein- oder Beckenvenen gebildet hat und sich von dort ablöst. Blutgerinnsel im Bein entstehen in der Regel, wenn die Durchblutung in den Venen verlangsamt ist. Gefährdet sind deshalb Personen, die lange liegen (müssen) und sich kaum bewegen. Grundsätzlich entsteht ein Gerinnsel, wenn das Blut in den Venen sich „staut“ und dadurch leichter gerinnen kann.

Löst sich der Blutpfropf ganz oder teilweise von der Venenwand ab, wird er durch die relativ großen Venen mit dem Blut zum Herzen und von dort in die Lungengefäße transportiert. Die Blutgefäße innerhalb der Lunge werden auf dem Weg immer kleiner, und je nach Größe des Gerinnsels setzt es sich in einer Arterie fest und verursacht so eine Lungenembolie.

In selteneren Fällen kann sich ein Blutgerinnsel auch im Herz bilden (z. B. bei Vorhofflimmern) und von dort in die Lunge gelangen.

Ein hohes Risiko für eine Lungenembolie besteht

  • Nach Knochenbruch an Becken, Bein oder Fuß
  • Nach Krankenhausaufenthalt wegen Herzinsuffizienz oder Vorhofflimmern (in den vergangenen 3 Monaten)
  • Bei Hüft- oder Kniegelenksersatz
  • Nach einem Unfall mit schweren Verletzungen
  • Nach einem Herzinfarkt (in den vergangenen 3 Monaten)
  • Bei Verletzung des Rückenmarks
  • Vorausgegangene venöse Thromboembolie.

Faktoren, die zu einem mäßig erhöhten Risiko für eine Lungenembolie führen, sind:

  • Arthroskopische Knieoperation
  • Autoimmunerkrankung
  • Bluttransfusion
  • Zentraler Venenkatheter
  • Intravenöse Katheter und Zugänge
  • Chemotherapie
  • Herz- oder Lungeninsuffizienz
  • Schlaganfall mit Lähmung
  • Erythropoese-stimulierende Substanzen
  • Infektion (besonders Pneumonie, Harnwegsinfektion, HIV-Infektion)
  • Chronisch-entzündliche Darmerkrankung
  • Krebs (größtes Risiko bei Metastasierung)
  • In-vitro-Fertilisation
  • Einnahme oraler Kontrazeptiva ("Pille)
  • Hormonersatztherapie (abhängig von Zusammensetzung)
  • Wochenbett
  • Oberflächliche Venenthrombose.

Faktoren, die zu einem gering erhöhten Risiko für eine Lungenembolie führen, sind:

  • Bettlägerigkeit > 3 Tage
  • Diabetes mellitus
  • Bluthochdruck
  • Immobilität bedingt durch langes Sitzen (z. B. lange Auto- oder Flugreise)
  • Höheres Alter
  • Laparoskopische Operation (z. B. Cholezystektomie)
  • Adipositas
  • Schwangerschaft
  • Krampfadern.

Weitere andere Risikofaktoren erhöhen das Thrombose- und damit Embolierisiko dauerhaft, z.B. erbliche Blutkrankheiten/Gerinnungsstörungen mit erhöhter Neigung zur Bildung von Blutgerinnseln oder eine lang andauernde Krebskrankheit.

Diagnostik

Eine Diagnose kann schwierig sein, weil die Beschwerden oft nicht typisch sind, sondern auch Folge anderer Krankheiten sein können (darunter akuter Herzinfarkt, Lungenentzündung, Pneumothorax, Asthmaanfall, chronisch obstruktive Lungenerkrankung usw.).

Meist leiden die Patient*innen an plötzlich auftretenden Schmerzen im Brustraum, Kurzatmigkeit, beschleunigter Atmung sowie Husten, beschleunigtem Herzschlag, schmerzenden (geschwollenen) Beinen, Unruhe und Erschöpfung.

Selbst bei einem (leichten) Verdacht auf Lungenembolie werden die Betroffenen sofort ins Krankenhaus eingewiesen. Oft wird bereits im Rettungswagen Blutdruck, Puls und Sauerstoffversorgung überprüft sowie ein EKG angefertigt.

Zudem werden Blutproben entnommen und ggf. eine Röntgenaufnahme der Lunge angefertigt, damit andere Erkrankungen als Ursache der Beschwerden ausgeschlossen werden können. Die "klinische Wahrscheinlichkeit" einer Lungenembolie wird über den sog. Wells-Score eingeschätzt und bestimmt dann das weitere Vorgehen.

Ist eine Lungenembolie wahrscheinlich, so wird eine CT-Untersuchung mit Kontrastmittel erfolgen, um das betroffene Lungengefäß darzustellen. Falls eine CT-Untersuchung nicht durchgeführt werden kann, erfolgt ein Herzecho zur Beurteilung seiner Pumpfunktion.

Ist eine Lungenembolie eher unwahrscheinlich, kann sie durch eine Blutuntersuchung auf D-Dimere ausgeschlossen werden. D-Dimere sind bei Thrombosen erhöht, aber auch bei anderen Erkrankungen nachweisbar. Sie eignen sich daher nur zum Ausschluss, nicht zum Beweis einer Lungenembolie.

Im weiteren Verlauf lässt sich mit Ultraschall nachweisen, ob eine Thrombose in den Beinvenen als mögliche Ursache vorliegt.

Gibt es Hinweise auf eine erbliche Störung der Blutgerinnung, lässt sich dies mithilfe bestimmter Bluttests nachweisen.

Wie wird eine Lungenembolie behandelt?

Die Therapie erfolgt je nach Schwere der Symptome. Bei einer ausgeprägten Lungenembolie sind die betroffenen Personen oft sehr rasch benommen oder sogar bewusstlos, haben starke Luftnot und Kreislaufprobleme. Dies ist ein Notfall, der sofort behandelt werden muss!

Behandlung mit Medikamenten

Eine Lungenembolie wird mit blutverdünnenden Medikamenten behandelt, damit das Gerinnsel sich (mit der Zeit) auflöst und sich keine neuen Blutgerinnsel bilden können. Anfänglich werden die blutverdünnenden Medikamente direkt ins Blut verabreicht (Heparin). Nach einigen Tagen besteht die Therapie jedoch in der Regel aus der Gabe von Tabletten (Blutgerinnungshemmer ).

Die verschiedenen Medikamente haben jeweils Vor- und Nachteile; das ärztliche Personal wird mit Ihnen besprechen, welcher Wirkstoff für Sie am besten geeignet ist. Zum Beispiel sind zwar bei der Gabe von neuen/direkten Antikoagulanzien (sog. NOAK/DOAK) keine regelmäßigen Blutwertkontrollen nötig (INR-Wert, wie bei den Vitamin-K-Antagonisten). NOAK/DOAK können jedoch bei einer Nierenfunktionsstörung nicht oder nur bedingt eingesetzt werden.

In der Regel löst sich der Lungenthrombus unter der blutverdünnenden Therapie innerhalb von 1 Monat auf. Die Therapie sollte über mindestens 3 Monate oder länger, ggf. auch lebenslang fortgesetzt werden; die empfohlene Therapiedauer hängt vom Allgemeinzustand der betroffenen Person, Vorerkrankungen, bereits erlittener Lungenembolie und anderen Faktoren ab.

In bestimmten Fällen ist es im Krankenhaus auch nötig bzw. möglich, das Gerinnsel mit Medikamenten direkt und sehr rasch aufzulösen (Thrombolyse).

Was sollten Sie bei der Therapie mit Blutverdünnern beachten?

Blutverdünnende Medikamente, sei es Acetylsalicylsäure, Cumarine, Vitamin-K-Antagonisten oder auch sog. neue oder direkte Antikoagulanzien, erhöhen die Gefahr von Blutungen. Daher ist besondere Vorsicht bei Verletzungen geboten sowie auch bei kleineren oder größeren chirurgischen Eingriffen. Falls ein solche zahnärztliche oder ärztliche Behandlung geplant ist, informieren Sie das ärztliche Personal rechtzeitig darüber, ob und welche Blutverdünner Sie einnehmen. Je nach Art des Eingriffs, Ihrer Medikation und Ihrem Risiko für Blutgerinnsel bzw. Blutungen wird man genau abwägen, ob Sie vor dem Eingriff ggf. Ihr Medikament vorübergehend absetzen sollten. So lässt sich das Blutungsrisiko minimieren.

Chirurgischer Eingriff

Bei einer lebensbedrohlichen Embolie kann das Blutgerinnsel auch operativ oder interventionell aus dem Blutgefäß entfernt werden, wenn andere Therapieformen nicht angeschlagen haben.

Prognose

Der Verlauf hängt von der Größe des Blutgerinnsels ab, auch vorliegende Begleitkrankheiten wie etwa ein Krebsleiden spielen hier eine Rolle. Eine Lungenembolie kann unkompliziert verlaufen und schnell effektiv zu behandeln sein, aber auch langwierige Beschwerden verursachen oder auch zum plötzlichen Tod führen.

Von den Betroffenen, die die akute Phase einer Lungenembolie überleben, werden viele nach der Verabreichung von blutverdünnenden Medikamenten wieder ganz gesund. Rückfälle sind allerdings möglich.

Selten kann es durch die blutverdünnende Therapie zu einer Blutung kommen, wobei kleinere Blutungen meist gut zu stoppen sind, schwere Blutungen oder z. B. Blutungen im Gehirn jedoch ernsthafte Folgen haben können. Daher wird die Dosis der blutverdünnenden Therapie genau auf die einzelnen Betroffenen angepasst.

Man wird Sie genau über die Art, Dosis und die möglichen Nebenwirkungen der Therapie informieren.

Prävention

Frauen, die bereits eine Lungenembolie erlitten haben, sollten nicht mit der „Pille" verhüten und auch auf eine Hormontherapie in der Menopause verzichten.

Patient*innen, die an Blutgerinnungsstörungen leiden, sollten bestimmte Medikamente meiden und Vorsichtsmaßnahmen berücksichtigen. Außerdem sollten sie vorbeugend Blutverdünner verwenden, wenn sie längere Zeit im Bett verbringen oder, z. B. nach einer Verletzung, ein Bein ruhig halten müssen.

Wer schon einmal eine Lungenembolie hatte und Blutverdünner nimmt, sollte zudem gut informiert darüber sein, welche Wirkungen und Wechselwirkungen diese mit anderen Medikamenten haben können.

Grundsätzlich ist es wichtig, dass Sie sich regelmäßig bewegen, denn Blutgerinnsel entstehen oft, wenn Sie länger stillsitzen, z. B. auf langen Flugreisen. Aus diesem Grund wird operierten oder schwer kranken Patient*innen auch empfohlen, nur eine möglichst kurze Zeit im Bett zu liegen (frühe Mobilisation). Falls das nicht möglich ist, wird ärztliches Personal auch in diesem Fall für einen kurzen Zeitraum vorbeugend Blutverdünner verschreiben.

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Hannah Brand, Cand. med., Berlin
  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen