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Herzgeräusche bei Erwachsenen

Beim Abhören des Herzen mit einem Stethoskop kann man bei jedem Herzschlag zwei Töne vernehmen, den ersten Herzton und den zweiten Herzton. Herzgeräusche hingegen sind außergewöhnliche Geräusche, die zusätzlich vorhanden sind und ein Zeichen für eine Herzerkrankunge sein können.

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Was sind Herzgeräusche?

  • Beim Abhören des Herzen mit einem Stethoskop kann man bei jedem Herzschlag zwei Töne vernehmen, den ersten Herzton und den zweiten Herzton. Zwischen den beiden Herztönen ist es im Normalfall völlig still.
  • Der erste Herzton („Muskelanspannungston") entsteht durch eine Kompression des Blutes in den Herzkammern durch das Zusammenziehen des Herzens.
  • Der zweite Herzton („Klappenschlusston") kommt zustande durch den Schluss der Herzklappen, welche Hauptschlagader (Aorta, Aortenklappe) beziehungsweise Lungenschlagader (Pulmonalarterie, Pulmonalklappe) von den Herzkammern trennen.
  • Herzgeräusche sind hörbare Geräusche zwischen dem ersten und zweiten Ton oder nach dem zweiten Ton (also zwischen dem zweiten und dem nächsten, ersten Ton).

Typische Bezeichnungen

  • Systolisches Herzgeräusch
    • ein Nebengeräusch zwischen dem ersten und dem zweiten Herzton
    • Entsteht während der Kontraktion des Herzen, wenn dieses das Blut in die große Körperschlagader (Aorta) und die Lungenpulsader pumpt (Systole).
  • Diastolisches Herzgeräusch
    • ein Nebengeräusch nach dem zweiten Herzton, also zwischen dem zweiten und dem ersten Ton
    • Entsteht, wenn das Herz entspannt ist und das Blut von den Vorhöfen in die Herzkammern strömt (Diastole).
  • Stenose
    • Eine Verengung. Eine Aortenklappenstenose ist beispielsweise eine Verengung der Aortenklappe (s. u.).
  • Insuffizienz
    • Ein Leck zwischen undichten Herzklappen. Die Ventilfunktion der Herzklappen ist defekt – Blut fließt wieder dorthin zurück, wo es her kam.

Wie kommt es zu Herzgeräuschen?

  • Wenn Blut das Herz ungehindert durchströmt, fließt es ruhig und gleichmäßig. Wenn die Blutzirkulation auf ein Hindernis stößt, wie zum Beispiel eine Verengung oder ein Leck einer Herzklappe, entstehen Wirbelströme – wie in einer Stromschnelle – und verursachen Geräusche.
  • Diese Wirbelströme können infolge von Herzklappenschäden oder Veränderungen am Herzen entstehen. Aber auch eine höhere Durchlaufgeschwindigkeit als normal oder dickflüssigeres Blut kann Wirbelströme verursachen, ohne dass dabei andere Fehler vorliegen.

Vorkommen

  • Die meisten Herzgeräusche bei Erwachsenen werden zufällig entdeckt und kommen oft erst bei einer ärztlichen Untersuchung zum Vorschein.
  • Viele Erwachsene mit Herzgeräuschen haben ein gesundes Herz.
  • Das häufigste Herzgeräusch bei Erwachsenen ist ein systolisches Herzgeräusch, also wenn das Herz Blut in die Arterien pumpt. In vielen Fällen ist dies nur ein Zeichen dafür, dass das Herz eine größere Menge Blut als normal durch den Kreislauf pumpt, wie bei Fieber, hohem Stoffwechsel, Schwangerschaft oder bei Blutarmut.
  • Ein Herzgeräusch kann aber auch ein Zeichen auf eine Herzerkrankung sein, beispielsweise ein Herzklappendefekt.

Ursachen

Häufige Ursachen

  • Herzgeräusche aufgrund einer erhöhten Blutzirkulation
    • Dies ist die häufigste Ursache.
    • Erhöhte Blutzirkulation ist möglich bei Blutarmut, bei Schilddrüsenüberfunktion, Schwangerschaft, Fieber, bei hohem Puls oder sehr langsamem Puls von Hochleistungssportlern.
  • Steifheit und Verkalkung der Herzklappen, insbesondere der Aortenklappe, durch Arteriosklerose
    • Dies trifft auf 25 % der Personen über 65 Jahre und 35 % der Personen über 70 Jahre zu.
    • Bei nur 2–3 % der Personen ist eine deutliche Verengung der Herzklappen (Aortenklappenstenose) nachweisbar.
    • Man spricht auch von einer Aortenklappensklerose.
  • Aortenklappenstenose
    • Hierbei handelt es sich um eine Verengung der Aortenklappen, welche am Übergang von der linken Herzkammer zur Hauptschlagader (Aorta) ist. 
    • Der Blutfluss aus dem Herzen wird behindert.
    • Führt zu einem systolischen Herzgeräusch.
    • Die Erkrankung führt bei Anstrengung eventuell zu Brustschmerzen (Angina pectoris), Atemnot bei Anstrengung oder Schwindelanfällen.
  • Mitralklappeninsuffizienz
    • Undichte Herzklappe zwischen dem linken Vorhof und der linken Herzkammer
    • Ein Teil des Blutes aus der linken Herzkammer fließt, wenn es in die Hauptschlagader gepumpt werden soll, fälschlicherweise zurück in den Vorhof.
    • Dies führt zu einem systolischen Herzgeräusch.
    • Das Herz muss also mehr Arbeit leisten.
    • Dieser Defekt kann sich über viele Jahre nicht bemerkbar machen, bevor er zu Herzschwäche (Herzinsuffizienz) mit Atemnot führen kann.
  • Aorteninsuffizienz
    • Undichte Herzklappe zwischen der Hauptschlagader (Aorta) und der linken Herzkammer
    • Ein Teil des Blutes fließt aus der Hauptschlagader zurück ins Herz
    • Führt zu einem diastolischen Herzgeräusch
    • Dieser Zustand kann zu Angina pectoris und Herzinsuffizienz mit Atemnot führen.
  • Perikarditis
    • Entzündung des Herzbeutels
    • Diese Erkrankung entsteht oft nach einem Herzinfarkt oder nach Atemwegsinfektionen durch Viren, seltener durch Nierenversagen, Krebs, Bindegewebserkrankungen oder als Komplikation in der offenen Herzchirurgie.
    • Verbunden sind oft Fieber sowie zentrale Brustschmerzen, die sich beim Atmen und im Liegen verschlimmern. Eine Linderung tritt ein, wenn man sich nach vorn beugt.
    • Beim Abhören des Herzens kann man ein Reibegeräusch vernehmen.

Seltene Ursachen

  • Mitralklappenstenose
    • Eine Verengung der Herzklappe zwischen dem linken Vorhof und der linken Herzkammer.
    • Der Blutfluss vom Vorhof in die Kammer wird behindert.
    • Früher trat sie häufig nach rheumatischem Fieber auf. Da dieses heutzutage sehr selten ist, tritt auch dieser Klappendefekt nur noch selten auf.
    • Sie führt zu einem diastolischen Herzgeräusch.
    • Die Erkrankung kann zu Vorhofflimmern und Atemnot führen.
  • Angeborene Herzfehler
  • Weitere und seltenere Formen von Herzklappenfehlern

Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?

  • Ein Herzgeräusch wird oft nur zufällig vom Arzt entdeckt, ohne dass Sie Symptome einer Herz-Kreislauf-Erkrankung haben müssen. In solchen Fällen beurteilt die Ärztin/der Arzt, ob eine Herzklappenerkrankung vorliegt und veranlasst, wenn notwendig, weitere Untersuchungen. Wenn bei der ärztlichen Untersuchung keine nennenswerte Herzklappenerkrankung nachgewiesen wurde, werden Sie künftig lediglich zu regelmäßigen Nachkontrollen bestellt.
  • Wenn Sie wissen, dass Sie Herzgeräusche haben und unter Beschwerden wie Brustschmerzen oder Atemnot leiden, sollten Sie eine Ärztin/einen Arzt aufsuchen.

Wie geht der Arzt vor?

Anamnese

Er wird Ihnen eventuell folgende Fragen stellen:

  • Lassen sich die Herzgeräusche bei Ihnen in irgendeiner Weise erklären?
    • Schwangerschaft, Fieber, hoher Stoffwechsel, langsamer Puls bei Hochleistungssportlern?
    • Blutarmut?
  • Sind in Ihrer Familie Herz-Kreislauf-Erkrankungen bekannt?
  • Hatten Sie in letzter Zeit eine andere, schwere Erkrankung?
  • Hatten Sie als Kind Herzklappenprobleme?
  • Fällt Ihnen die Atmung schwerer als normal?
  • Haben Sie Brustschmerzen?

Ärztliche Untersuchung

  • Bei Verdacht auf eine Herzklappenerkrankung führt die Ärztin/der Arzt eine gründliche Untersuchung des Herzens durch, misst Puls und Blutdruck und sucht nach Hautveränderungen bzw. ob Ihre Leber vergrößert ist.

Andere Untersuchungen

  • Blutuntersuchungen haben für die Feststellung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen nur selten einen Wert.
  • Ein EKG liefert wichtige Informationen über das Herz.
  • Die Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiografie) ist wichtig zur Bewertung des Schweregrads und einer eventuellen Einschränkung der Herzfunktion durch einen Klappenfehler.

Überweisung an einen Spezialisten oder ein Krankenhaus

  • Wenn der Verdacht besteht, dass Ihre Beschwerden durch einen Herzklappenfehler ausgelöst werden, werden Sie meist an einen Spezialisten (Kardiologen) überwiesen.

Weitere Informationen

Autoren

  • Dietrich August, Arzt, Freiburg im Breisgau