Zum Hauptinhalt springen

Diphtherie

Diphtherie ist eine Infektionskrankheit, die in der Vergangenheit sehr verbreitet war. Seit der allgemeinen Einführung von Impfstoffen ist die Erkrankung stark zurückgegangen. Heutzutage werden in Deutschland und anderen westlichen Ländern nur noch sehr selten Erkrankungsfälle gemeldet.

Zuletzt aktualisiert:

Zuletzt überarbeitet:



Was ist Diphtherie?

Diphtherie ist eine akute Infektionskrankheit, die durch Diphtheriebakterien (Corynebacterium diphtheriae) ausgelöst wird. Die Bakterien verursachen eine Schleimhautentzündung im Rachen, oft auch direkt am Kehlkopf und in den Luftwegen. Gelegentlich kommt es auch zu einer Infektion von vorbestehenden Wunden der Haut. Ein von den Bakterien produziertes Gift kann sich über die Blutbahn im Körper verteilen und Komplikationen an Herz und Gehirn nach sich ziehen.

Wie erfolgt die Ansteckung?

Die Ansteckung erfolgt durch Tröpfcheninfektion über Erkrankte, beispielsweise durch Husten, gemeinsame Benutzung von Gläsern, Küssen usw. Auch über infizierte Wunden ist eine Ansteckung möglich. Es gibt auch Träger der Bakterien, die selbst gar keine Symptome aufweisen, aber ansteckend sind. Die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Symptome beträgt 2–5 Tage.

Ausbreitung

Die Infektionskrankheit war in der Vergangenheit recht verbreitet, nicht selten kam es zu großen Epidemien mit vielen Todesfällen. Die letzte große Epidemie trat während des Zweiten Weltkriegs auf.

Vor allem in den westlichen Ländern liegt die Impfquote heute bei 90–95 %, sodass Diphtherie in vielen Ländern nur noch sehr selten auftritt.

Aber in zahlreichen Gegenden der Welt ist die Erkrankung auch heute noch verbreitet, v. a. in Afrika, Asien, Südpazifik und Osteuropa. Es besteht daher das Risiko einer Infektion mit Diphtherie-Bakterien, wenn sich ungeimpfte Personen in Risikozonen aufhalten und Menschen in Länder reisen, in denen die Erkrankung vorkommt.

Ein Typ der Corynebakterien (C. ulcerans) wird auch heutzutage noch etwas häufiger in westlichen Ländern gemeldet; die Infektion erfolgt über Haustiere und Nutztiere innerhalb des Heimatlandes.

Welche Symptome treten auf?

Die Bakterien verursachen eine Schleimhautentzündung vor allem in Hals und Bronchien. Leichte Krankheitsverläufe äußern sich ähnlich wie eine normale Mandelentzündung. Es sind jedoch auch schwere Krankheitsverläufe möglich. Charakteristisch hierfür sind gelblich-grauweiße Beläge auf den Schleimhäuten. Diese Beläge sitzen sehr fest: Wenn man versucht, sie abzustreifen, beginnt die Schleimhaut zu bluten. Die Patient*innen leiden unter FieberHusten, Heiserkeit und Schmerzen in Hals und Rachen. Ist der Kehlkopf mitbetroffen, kommt es zu dem typischen bellenden Husten (Krupp-Husten), Atemnot, Unruhe, Angst und evtl. Bewusstlosigkeit. Die Betroffenen können ohne Therapie wegen dieser Symptomatik ersticken. Kleinkinder und Personen, die älter als 40 Jahre sind, sind besonders gefährdet.

Das von den Bakterien produzierte Gift kann zum Herzen und ins Gehirn gelangen, mit der Folge von Herzversagen und Lähmungserscheinungen.

Therapie

Besteht der Verdacht auf eine Diphtherie, sollte die betroffene Person rasch in eine Klinik aufgenommen, überwacht und sofort mit einem wirksamen Gegengift (Antitoxin) behandelt werden. Darüber hinaus wird eine Antibiotikatherapie empfohlen. Befallene Hautstellen können lokal antibiotisch bzw. desinfizierend behandelt werden. 

Möglicherweise müssen die Beläge im Rachen chirurgisch entfernt werden. Falls die Infektion zu einer Blockade der Luftwege führt, kann eine Intensivversorgung erforderlich werden. Mit einer modernen Therapie bestehen sehr gute Heilungschancen.

Kontaktpersonen von Erkrankten sollten ebenfalls mit Antibiotika behandelt werden, um einer Infektion vorzubeugen. Alle Träger von Diphtherie-Bakterien (Erkrankte und gesunde Träger*innen) sollten sofort Gemeinschaftseinrichtungen (Schule, Kindergarten etc.) fernbleiben und zu Hause oder in der Klinik isoliert behandelt werden. Von ihnen genutzte Räume und Gegenstände müssen entsorgt bzw. ausreichend desinfiziert werden, um eine weitere Verbreitung zu stoppen. Erst nach Abschluss der Antibiotikatherapie, wenn 24 Stunden später in 2 Blutkulturen keine Bakterien mehr nachweisbar sind, können die Betroffenen wieder aus der Isolation entlassen werden. 

Eine durchgemachte Diphtherie bewirkt keine langanhaltende Immunität.

Impfung

Die wichtigste Maßnahme zur Vorbeugung der Erkrankung ist die Impfung. Die Impfung gegen Diphtherie ist seit langem Teil des deutschen Impfprogramms .

Für die Grundimmunisierung wird ein Sechsfach-Impfstoff empfohlen, der gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Polio, Haemophilus influenzae Typ b und Hepatitis B wirkt. Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat ihre Empfehlung für die Sechsfachimpfung im Säuglingsalter aktualisiert und empfiehlt statt dem bisherigen 3+1-Impfschema das reduzierte „2+1-Impfschema". Das heißt, für die Grundimmunisierung soll nur noch zweimal statt dreimal im Abstand von 2 Monaten geimpft werden, gefolgt von einer weiteren Impfung nach mindestens 6 Monaten. 

Auffrischimpfungen sollten im Alter von 5–6 Jahren und von 9–17 Jahren erfolgen, weitere Auffrischungen werden alle 10 Jahre empfohlen. Eine Auffrischimpfung sorgt für einen vollständigen Schutz auch dann, wenn seit der Grundimmunisierung viele Jahre vergangen sind.

Weitere Informationen

Quellen

Literatur

  1. Pressemitteilung des Robert Koch-Instituts: 2+1 statt 3+1: eine Impfstoffdosis weniger bei der Grundimmunisierung von Säuglingen. Epidemiologisches Bulletin 26/2020.www.rki.de