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Hörschäden nach Meningitis

Durch eine Meningitis werden die Hirnhäute erheblich gereizt. Dies führt auch zur Reizung umgebender Strukturen, wie etwa der Hirnnerven oder des Innenohrs, was zu Schwerhörigkeit bis hin zu Taubheit eines oder beider Ohren führen kann.

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Was ist eine Meningitis?

Bis zu 30 % der Patient*innen können nach einer bakteriellen Meningitis einen Hörverlust erleiden, von leichten Hörschäden bis hin zur Taubheit.

Bei einer Meningitis handelt es sich um eine Infektion der Häute, die das Gehirn und Rückenmark umgeben. Die Meningitis kann durch Bakterien, Viren, Pilze oder Parasiten verursacht werden. Eine Infektion durch Viren ist die häufigste Ursache einer Meningitis. Sie führt seltener als Infektionen durch andere Krankheitserreger zu bleibenden Schäden, wie beispielsweise dem Hörverlust.

Da die Meningitis ein lebensbedrohliches Krankheitsbild darstellt, werden Patient*innen bei dem Verdacht auf eine bakterielle Ursache mit starken Antibiotika behandelt. Ebenso wie die Meningitis können auch einige Antibiotika Hörschäden verursachen. Diese Medikamente werden als ototoxisch bezeichnet – sie schädigen das Innenohr. Die Antibiotika, die üblicherweise bei erwachsenen Patient*innen mit Meningitisverdacht verabreicht werden, gehören jedoch nicht zu den ototoxischen Medikamenten.

Gehörschäden

Die Entzündungsreaktion, die an den Hirnhäuten als Reaktion auf die eingedrungenen Bakterien oder andere Krankheitserreger stattfindet, kann auf umgebende Strukturen übergreifen und zu einer vorübergehenden oder permanenten Schädigung führen. Die Struktur, die am häufigsten von einer Meningitis angegriffen wird, ist die Hörschnecke (Cochlea). Diese ist Teil des Innenohrs und beherbergt feine Haarzellen, die für die Tonwahrnehmung zuständig sind, indem sie Töne in elektrische Signale umwandeln. Werden die Haarzellen geschädigt, so tritt ein Hörverlust ein. Eine andere mögliche Ursache für einen Hörverlust durch eine Meningitis ist die Schädigung des Hörnervs, der Kontakt zu den Haarzellen hat und die elektrischen Impulse zum Hirn weiterleitet.

Bei Kindern mit einem Hörverlust nach einer Meningitis besteht in den Wochen und Monaten nach der akuten Erkrankung ein erhöhtes Risiko für eine übermäßige Knochenneubildung in der Cochlea, Ossifikation genannt. Diese kann den Hörverlust verschlimmern, wodurch die Behandlung des Hörverlusts erschwert wird oder weniger erfolgreich ist.

Neben dem Hörverlust können die Schäden im Innenohr auch zu Gleichgewichtsstörungen, Schwindel oder Tinnitus führen.

Eine schnelle Behandlung hilft

Eine frühzeitige Behandlung der Meningitis kann einen Hörverlust verhindern oder reduzieren. Sollte eine Beeinträchtigung des Hörvermögens eingetreten sein, macht sich diese meist in den ersten Krankheitstagen bemerkbar. Je schwerer der Hörverlust zu Beginn ausgeprägt ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit für eine bleibende Einschränkung des Hörvermögens. Im Verlauf werden mehrere Hörtests durchgeführt, da die Hörstörung auch erst verzögert auftreten kann. Bei einer bleibenden Hörstörung können in der HNO-Praxis weitere Tests durchgeführt werden, um den Bedarf für ein Hörgerät oder eine Hörprothese (Cochlea-Implantat) festzustellen. Dies ist vor allem bei Kindern frühzeitig wichtig, um eine möglichst uneingeschränkte Entwicklung zu gewährleisten.

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Marleen Mayer, Ärztin, Mannheim