Streptokokken-Infektion (Gruppe-A-Streptokokken)

Infektionen mit Gruppe-A-Streptokokken gehören zu den häufigsten bakteriellen Infektionen. Halsschmerzen, Ohrenschmerzen und Nebenhöhlenentzündungen werden u. a. von ihnen verursacht. Neben solchen eher harmlosen Infektionen mit Gruppe-A-Streptokokken gibt es auch seltene gefährliche Verläufe.

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Was sind Gruppe-A-Streptokokken?

Streptokokken sind kugelige Bakterien (Kokken), die Reihen bilden (griech. Streptos = Halskette). Sie haben viele Unterarten mit weiteren Subtypen, die jeweils unterschiedliche Infektionen auslösen können. Beta-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A (oft kurz GAS genannt) sind für eine sehr große Zahl an Infektionen weltweit verantwortlich. Die Infektionen können in allen Gewebetypen auftreten, am häufigsten sind jedoch Haut oder Rachen betroffen.

Streptokokken sind nicht grundsätzlich gefährlich. Manche Menschen tragen sie ohne Beschwerden auf ihren Mund- und Nasenschleimhäuten oder auf der Haut. Wann genau es zur Infektion, d. h. zur Entwicklung typischer Krankheitssymptome kommt, ist nicht ganz geklärt. Auf jeden Fall spielen die Abwehrlage und Stress eine Rolle.

Die Infektionen mit Gruppe-A-Streptokokken lassen sich in verschiedene Gruppen aufteilen: die häufigen und meist harmlosen Infektionen von Haut und Schleimhäuten des Hals-Nasen-Ohren-Bereichs, seltene gefährliche Entzündungen von tiefer liegenden Weichteilen, toxinvermittelte Krankheitsbilder (z. B. Scharlach) sowie immunologisch bedingte Folgeerkrankungen.

Die Infektion erfolgt meist über direkten oder indirekten Kontakt, oft auch über Tröpfchen beim Niesen, Husten oder Küssen. Da die Schleimhäute von Mund, Rachen, Mittelohr, Nase und Nebenhöhlen miteinander verbunden sind, können die Erreger so Rachen-, Mandel-, Nebenhöhlen- oder Mittelohrentzündungen verursachen. Einige der Streptokokken, die eine Rachenentzündung auslösen, tragen das Scharlach-Toxin in sich. Dieser Giftstoff führt zu Scharlach. Auch an der Haut, besonders wenn diese vorgeschädigt ist, können Gruppe-A-Streptokokken Infektionen hervorrufen, allen voran die Borkenflechte (Impetigo contagiosa) bei Kindern, Wundinfektionen und die Wundrose (Erysipel).

Nur selten, unter besonderen Umständen oder bei vorerkrankten Personen, kommt es zu schwerwiegenden GAS-Infektionen wie Wochenbettfieber, eitrigen Lungen-, Hirnhaut- und Bauchfellentzündungen, Blutvergiftung (Sepsis) und heftigen Entzündungen des Unterhaut- oder Muskelgewebes (nekrotisierende Fasziitis). 

In allen Fällen kommen Antibiotika zum Einsatz. Der am häufigsten verwendete Wirkstoff ist nach wie vor Penicillin, das zuerst entdeckte Antibiotikum überhaupt. Bei den lebensbedrohlichen Weichteilinfektionen ist oft eine chirurgische Behandlung des Infektherdes notwendig.

Krankheiten aufgrund von Gruppe-A-Streptokokken

Infektion des Rachens und/oder der Mandeln (Pharyngitis, Tonsillitis)

  • Häufiger Auslöser von Halsschmerzen (geschätzt 11,5 Millionen pro Jahr in Deutschland), v. a. bei Kindern von 6–12 Jahren. Noch häufiger aber sind Viren für Halsschmerzen verantwortlich.
  • Gehäuftes Auftreten in Kindergärten und Schulen, v. a. in den Wintermonaten
  • Symptome: Halsschmerzen, Schluckbeschwerden und Fieber (38–40 °C)
  • Wichtig für die Unterscheidung von viral bedingten Halsschmerzen: Meist bestehen keine Erkältungssymptome wie Husten und Schnupfen.
  • Symptome bei Kleinkindern: Sie verweigern unter Umständen die Nahrungsaufnahme, sind matt, haben Fieber, Bauchschmerzen und leiden unter Übelkeit und Erbrechen.
  • Scharlach: In einigen Fällen kommt es zu einem Hautausschlag mit einer deutlichen Rötung im Gesicht und markanter Blässe um den Mund. Der Ausschlag kann sich auf Hals, Oberkörper und Leiste ausweiten. Typisch ist eine Veränderung im Aussehen der Zunge, die als „Himbeerzunge" beschrieben wird.
  • Diagnostik: Erhebung der Krankengeschichte und körperliche Untersuchung (Blick in den Rachen und in die Ohren, Tasten von geschwollenen Halslymphknoten, Suche nach Scharlach-Zeichen), bei Kindern eventuell Streptokokken-Schnelltest mittels Rachenabstrich.
  • Therapie: Wenn die Wahrscheinlichkeit einer GAS-Infektion groß ist, entscheiden Ärzt*innen und Patient*innen (ggf. zusammen mit Eltern) gemeinsam über eine Antibiotikatherapie. Diese kann auch erst nach 3–5 Tagen begonnen werden, wenn sich die Beschwerden nicht bessern. Bei Scharlach ist eine Antibiotikatherapie ratsam. Weiterhin können Schmerzmittel die Beschwerden lindern.
  • Prognose: Krankheitsdauer ca. 1 Woche. Penicillin verkürzt die Dauer um ca. 1 Tag. Bei 6 und mehr GAS-Mandelentzündungen pro Jahr kann eine operative Mandelentfernung in Betracht gezogen werden.
  • Komplikationen: Abszessbildung an den Mandeln (Peritonsillarabszess), Abszess im Rachenraum, selten Poststreptokokken-Erkrankung als Nierenerkrankung (Glomerulonephritis) oder rheumatisches Fieber.
  • Gemeinschaftseinrichtungen: Kinder können einen Tag nach Beginn der Penicillintherapie den Kindergarten/die Schule wieder besuchen, sofern kein Fieber über 38 °C besteht oder der Allgemeinzustand beeinträchtigt ist. 
  • Andere Erkrankungen: Ausführlichere Informationen finden Sie in den Artikeln Nebenhöhlenentzündung (Sinusitis), Mittelohrentzündung (Otitis media), Lungenentzündung (Pneumonie).

Haut- und Weichgewebeinfektionen

Borkenflechte

  • Ansteckende Borkenflechte (Impetigo contagiosa) ist eine oberflächliche Hautinfektion.
  • Im Gesicht (besonders an Mund und Nase) oder an den Beinen treten eitrige Bläschen auf, die verkrusten. Der Allgemeinzustand ist gut und es besteht kein Fieber.
  • Bei Kleinkindern kann sich die Erkrankung rund um den After als perianale Dermatitis zeigen. Der rote Ausschlag ist schmerzhaft und kann zu Verstopfung führen.
  • Zur Behandlung werden lokal desinfizierende Mittel angewendet, bei schweren Verlaufsformen auch Antibiotika.

Wundrose (Erysipel)

  • Infektion der Haut, Unterhaut und dort lokalisierter Lymphgefäße
  • Der betroffene Hautbereich ist stark gerötet. Häufig tritt Fieber auf und der Allgemeinzustand ist beeinträchtigt.
  • Die Erkrankung tritt in der Regel bei (älteren) Erwachsenen auf.
  • Die Therapie kann in den meisten Fällen ambulant mit Antibiotika zum Einnehmen durchgeführt werden.

Schwerwiegende Infektionen

Die drei schwerwiegendsten Infektionen mit Gruppe-A-Streptokokken, die aber äußerst selten vorkommen, sind die nekrotisierende Fasziitis, das Streptokokken-induzierte toxische Schocksyndrom und die primäre Myositis. Die Behandlung erfolgt im Krankenhaus.

Nekrotisierende Fasziitis

  • Aggressive und schmerzhafte Infektion der Haut, die die Muskeln umhüllt (Muskelfaszien) und/oder des Unterhautgewebes.
  • Eintrittsquelle der Streptokokken ist meist eine Hautverletzung.
  • Schneller Verlauf innerhalb von Stunden oder wenigen Tagen.
  • Die Haut über dem entzündeten Gewebe verfärbt sich bläulich-rot.
  • Das infizierte Gewebe kann unwiederbringlich absterben (Nekrose).
  • Die Betroffenen sind insgesamt sehr krank mit Schmerzen, Fieber und Schüttelfrost.
  • Es besteht die Gefahr, dass sich eine Blutvergiftung (Sepsis) bzw. ein Streptokokken-induziertes toxisches Schocksyndrom ausbildet.
  • Therapie: Antibiotika zusammen mit chirurgischem Eingreifen.
  • Prognose: 20–30 % der Patient*innen sterben. Ein schneller Therapiebeginn ist entscheidend für die Verbesserung der Prognose.

Streptokokken-induziertes toxisches Schocksyndrom

  • Schwerwiegende Form einer Sepsis mit Kreislaufversagen, die häufig in Kombination mit nekrotisierender Fasziitis auftritt.
  • Teilweise tritt sie auf bei Frauen, die einen Tampon über Tage in der Scheide vergessen haben. Der Tampon bietet einen idealen Nährboden für GAS.
  • Prognose: hohe Sterblichkeit von 30–85 % der Betroffenen.

Primäre Myositis

  • Sehr seltene, aggressive Infektion des Muskelgewebes
  • Patient*innen haben sehr starke Schmerzen, hohes Fieber, Schüttelfrost, aber keine sichtbaren Veränderungen an der Haut.
  • Es besteht die Gefahr, dass sich eine Blutvergiftung (Sepsis) bzw. ein Streptokokken-induziertes toxisches Schocksyndrom ausbildet.
  • Therapie: Antibiotika zusammen mit chirurgischem Eingreifen. 

Andere Erkrankungen

Ausführlichere Informationen: Blutvergiftung (Sepsis)

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden
  • Dorit Abiry, Doktorandin am Institut für Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Streptokokken-Infektionen (GAS). Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Robert Koch Institut. Infektionskrankheiten A-Z. Übersicht zu Scharlach (Streptococcus pyogenes). Stand 2018. www.rki.de
  2. RKI Ratgeber Streptococcus pyogenes-Infektionen. Stand 2018. www.rki.de
  3. Oliver J, Wadu EM, Pierse N et al. Group A Streptococcus pharyngitis and pharyngeal carriage: A meta-analysis. PLoS Negl Trop Dis 2018. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  4. Stevens DL. Invasive grup A streptococcus infections. Clin Infect Dis 1992; 14: 2-13. PubMed
  5. The working group on severe streptococcal infections. Defining the group A streptococcal shock syndrome: rationale and consensus definition. JAMA 1993; 269: 390-1. PubMed
  6. Altmeyer P. Dermatologie-Enzyklopädie. Streptokokkendermatitis perianale L30.3. Stand 2020. www.enzyklopaedie-dermatologie.de
  7. Stevens DL. The flesh-eating bacterium: what's next? J Infect Dis 1999; 179 (suppl 2): 366-74. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  8. Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin. Halsschmerzen. AWMF-Leitlinie Nr. 053-010, Stand 2020. www.awmf.org
  9. Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie e.V. (PEG). Kalkulierte parenterale Initialtherapie bakterieller Erkrankungen bei Erwachsenen - Update 2018. AWMF-Leitlinie Nr. 082-006. Stand 2017 www.awmf.org