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Syphilis

Syphilis ist eine sexuell übertragbare Krankheit, die durch Bakterien verursacht wird. Eine unbehandelte Syphilis kann zu einem langwierigen und schwerwiegenden Krankheitsverlauf führen. Die Erkrankung kann vor allem im Frühstadium mit Antibiotika geheilt werden; deswegen ist eine Früherkennung wichtig.

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Was ist Syphilis?

Die Syphilis ist eine sexuell übertragbare Krankheit, die vom Bakterium Treponema pallidum verursacht wird. Sie wird auch als Lues bezeichnet. Eine unbehandelte Syphilis kann einen langwierigen Verlauf über Jahre hinweg nehmen und dauerhafte Schäden nach sich ziehen, z. B. des Gehirns oder der Blutgefäße. Die Krankheit verläuft in Stadien. Die Symptome können je nach Stadium unterschiedlich und auch nur gering ausgeprägt sein, sodass die Erkrankung in manchen Fällen nicht bemerkt wird. Da die Syphilis insbesondere in frühen Stadien mit Antibiotika wie Penicillin geheilt werden kann, sollte sie frühzeitig erkannt und behandelt werden. Deshalb ist es wichtig, die Symptome der Erkrankung zu kennen und bei einem Krankheitsverdacht ärztliche Hilfe aufzusuchen.

Die Syphilis ist keine seltene Erkrankung. 2018 wurden in Deutschland 7.332 Syphilisfälle gemeldet, das entspricht einer Fallzahl von 8,8 pro 100.000 Einwohner*innen. Nach einem Anstieg der Zahlen seit 2010 stagniert die Häufigkeit seit 2017 auf hohem Niveau.

Syphilis tritt um ein Vielfaches häufiger bei Männern als bei Frauen auf. Zur Gruppe mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko zählen Männer, die Geschlechtsverkehr mit Männern haben. Nicht selten tritt eine Syphilis bei gleichzeitig HIV-infizierten Personen auf.

Ansteckung

Die Bakterien befinden sich bei infizierten Personen in Körperflüssigkeiten, auf Schleimhäuten und im Blut. Meist erfolgt die Ansteckung durch sexuellen Kontakt, z. B. bei Vaginal-, Anal- oder Oralverkehr. Durch kleine Wunden in der Haut oder Schleimhaut kann der Erreger in den Körper eindringen. Das Risiko, an Syphilis zu erkranken, beträgt nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr mit einer an Syphilis im Frühstadium erkrankten Person ca. 20–30 %.

Syphilis kann auch durch verunreinigte Nadeln beim Drogenkonsum übertragen werden. Da Blutprodukte viele Tests durchlaufen, ist die Übertragung durch Bluttransfusionen extrem selten. Zu beachten ist, dass die Syphilis in der Schwangerschaft über die Plazenta von der werdenden Mutter auf das ungeborene Kind übertragen werden kann. Man spricht dann von einer angeborenen Syphilis.

Stadien und Symptome

Die Syphilis verläuft in mehreren Stadien, zwischen denen Monate bis Jahre mit nur geringen oder gar keinen Symptomen vergehen können. Die einzelnen Stadien haben charakteristische Anzeichen. Infektionen können auch komplett ohne Symptome verlaufen. In diesem Fall kann es zur unbemerkten Weiterverbreitung der Erkrankung kommen. Ungefähr 30 % der unbehandelten Syphilisfälle heilen spontan ab.

Syphilis im Primärstadium (Lues I)

In der ersten Phase der Erkrankung kann zunächst ein hirsekorngroßes Knötchen an der Eintrittsstelle auftreten, z. B. in der Scheide, an den Schamlippen, am Penis, am Rektum oder im Mund. Anschließend entsteht daraus eine schmerzarme Wunde mit randständiger Verhärtung. Dieser sogenannte harte Schanker (Ulcus durum) tritt ca. 10 Tage bis 10 Wochen, meist ca. 3 Wochen nach der Infektion auf. Bei 70–80 % der Betroffenen sind die benachbarten Lymphknoten vergrößert, aber schmerzarm. Der Hautdefekt heilt meist innerhalb von 6 Wochen bis 6 Monaten ab.

Flüssigkeit, die aus der Wunde austritt, enthält die bakteriellen Erreger, die sich mit einem Abstrich aus der Wunde nachweisen lassen (z. B. mittels Mikroskopie oder PCR-Test). Serologische Tests, die Antikörper gegen den Erreger nachweisen, sind häufig positiv. Somit wird bestätigt, dass die betroffene Person Kontakt zum Erreger hatte. Das Ergebnis hängt allerdings vom zeitlichen Verlauf der Erkrankung ab und kann zunächst negativ ausfallen. Unter Umständen muss der Test nach 2 Wochen wiederholt werden.

Syphilis im Sekundärstadium (Lues II)

Wenn die Syphilis im Primärstadium nicht behandelt wird, kann sich das Bakterium im Laufe der folgenden Monate über den Blutweg ausbreiten und im Sekundärstadium vielfältige, manchmal auch nur unspezifische Symptome verursachen. Die Syphilis wird deshalb auch als Chamäleon der Medizin bezeichnet. Die Betroffenen haben eventuell erkältungsähnliche Symptome wie Fieber, Müdigkeit, Kopf-, Gelenk- oder Muskelschmerzen. Dies kann mit einer Lymphknotenschwellung am ganzen Körper einhergehen. Anschließend kann ein Hautausschlag am ganzen Körper, klassischerweise an Handflächen und Fußsohlen auftreten. Die Rachenmandeln können anschwellen sowie rötlich verfärbt sein und es kann zu Haarausfall kommen. Im Bereich von Vagina, Penis oder Rektum können warzenähnlichen Veränderungen, sogenannte Condylomata lata, entstehen. Unter Umständen sind weitere Organe von der Infektion betroffen, beispielsweise die Leber, Nieren oder Augen.

Im Sekundärstadium sind die Patient*innen äußerst ansteckend. In serologischen Tests wird häufig ein positives Ergebnis festgestellt. Innerhalb von 6 Monaten nach der Erstinfektion können die Symptome auch ohne Therapie zurückgehen.

Latente Syphilis

Treten keine Symptome auf, wird die Syphilis als latent bezeichnet. Der Bluttest fällt jedoch weiterhin positiv aus. Bis ein Jahr nach der Infektion spricht man von einer frühen latenten, anschließend von einer späten latenten Syphilis. Das latente Stadium kann zwischen einigen Monaten und mehreren Jahren dauern, aber auch das ganze Leben anhalten.

Spätsyphilis (Lues III)

Eine latente Syphilis kann jederzeit erneut zu Krankheitssymptomen führen. Ohne vorherige Behandlung besteht hierfür ein Risiko von ca. 30 %. Diese sogenannte Spätsyphilis wird auch als Tertiärstadium bezeichnet. Dank der oft frühzeitigen Behandlung ist dieses Stadium eher selten.

Bei einer Syphilis im Tertiärstadium können sich gummiartige Geschwülste auf der Haut oder an anderen Organen bilden, welche auch als Gummen bezeichnet werden. Die Blutgefäße können von der Syphilis beeinträchtigt sein und sich aussacken, wodurch Aneurysmen, z. B. ein Aortenaneurysma, entstehen. Diese können aufplatzen (Aneurysmaruptur), was lebensgefährliche Blutungen verursachen kann.

Eine der schwerwiegendsten Ausprägungen der Syphilis ist die Neurosyphilis. Dabei kann es unter anderem zu einschießenden Schmerzen in Bauch und Beinen, Empfindungsstörungen, Krampfanfällen, psychischen Störungen und Demenz kommen.

HIV-Infektion und Syphilis

Die Schleimhautwunde, die klassischerweise im Primärstadium der Syphilis entsteht, begünstigt eine Infektion mit dem HI-Virus. Ein effektiver Schutz durch Kondome ist deshalb besonders wichtig.

Besteht bereits vor der Infektion mit dem Syphiliserreger eine HIV-Infektion, kann die Syphilis einen schwereren Verlauf nehmen. Ebenso kann sich eine vorbestehende HIV-Erkrankung durch eine Syphilis verschlimmern.

Diagnose

Bei der Vorstellung in der Arztpraxis wird nach der Anamnese eine körperliche Untersuchung durchgeführt. Besteht der Verdacht auf eine Syphilisinfektion, wird meist Blut abgenommen. Im Blut können mit serologischen Tests Antikörper nachgewiesen werden, die darauf hinweisen, dass Kontakt mit dem Erreger bestand bzw. besteht. Der Erreger lässt sich auch durch einen Abstrich aus der Wundflüssigkeit nachweisen, z. B. im Mikroskop oder durch einen PCR-Test. Fallen die serologischen oder anderen Tests positiv aus, wird die Therapie eingeleitet.

Syphilisinfektionen werden an das Robert Koch-Institut  gemeldet, allerdings, ohne den Namen der betroffenen Person zu nennen.

Therapie

Die Syphilis ist durch eine Behandlung mit Antibiotika heilbar. Bereits bestehende Organschäden können allerdings nicht mehr geheilt werden. Meist wird Penicillin in den Muskel gespritzt oder bei schweren Verläufen auch über die Vene verabreicht. Wenn Patient*innen auf Penicillin allergisch sind, können auch andere Antibiotika gegeben werden.

Manche Patient*innen reagieren auf die Behandlung mit einer sog. Jarisch-Herxheimer-Reaktion, die innerhalb von 24 Stunden nach der Antibiotikagabe auftreten kann. Hierbei entsteht eine Entzündungsreaktion auf die abgestorbenen Bakterienbestandteile. Die Symptome sind Fieber, Schüttelfrost, Abgeschlagenheit, Kopf- oder Muskelschmerzen. Da es sich um keine Allergie auf das Antibiotikum handelt, wird die Antibiotikatherapie fortgesetzt. Allerdings werden die betroffenen Patient*innen in einer Klinik überwacht.

Vorsichtsmaßnahmen

Da Syphilis eine sexuell übertragbare Krankheit ist, sollte solange auf Sex verzichtet werden, bis die Therapie beendet ist. Das ärztliche Personal kann Auskunft darüber geben, wann Sex ohne Übertragungsgefahr wieder möglich ist. Es ist zudem wichtig, Sexualpartner*innen der letzten 12 Monate über die Erkrankung zu informieren . Diese sollten sich auf Syphilis untersuchen lassen, um eine mögliche Infektion frühzeitig behandeln zu können.

Zur Vorbeugung von Syphilis und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten bieten Kondome einen sehr guten Schutz. Sie reduzieren das Risiko einer Übertragung, schützen allerdings nicht vollständig vor Syphilis, da diese auch über andere Hautläsionen übertragen werden kann.

Sprechen Sie mit Ihren behandelnden Ärzt*innen, wenn Sie auch auf andere sexuell übertragbare Krankheiten (einschließlich HIV) getestet werden wollen.

Prognose

Wird die Erkrankung frühzeitig behandelt, ist die Prognose gut. Ohne Behandlung heilt eine Syphilis bei 1/3 der Patient*innen spontan aus, bei 1/3 besteht die latente Phase lebenslang und bei 1/3 entwickelt sich eine Syphilis im Tertiärstadium.

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Markus Plank, MSc BSc, Medizin- und Wissenschaftsjournalist, Wien
  • Marleen Mayer, Ärztin, Mannheim