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HIV/AIDS, allgemeine Informationen

Die HIV-Infektion ist eine Infektion mit dem humanen Immundefizienzvirus. Dabei handelt es sich um eine Erkrankung, die ein Leben lang bestehen bleibt. Mit den heutigen Medikamenten kann man allerdings das sonst tödliche Ausmaß der Krankheit eindämmen und eine fast normale Lebenserwartung erreichen. Falls keine Behandlung erfolgt (oder die Therapie nicht wirkt), wird das Immunsystem allerdings nach und nach so angegriffen und geschwächt, dass sich AIDS entwickelt.

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Was ist HIV/AIDS?

HIV steht als Abkürzung für das humane Immundefizienzvirus. Die meisten HIV-Infizierten stecken sich durch ungeschützten Sex an, also Sex ohne Kondom mit einer Person, die infiziert und somit Träger*in des HI-Virus ist. Auf lange Sicht zerstört HIV das Immunsystem, sodass die Abwehr gegen andere Infektionen geschwächt wird und das Immunsystem Krankheiten nicht mehr abwehren kann, die ein gesundes Immunsystem ohne Weiteres abwehren könnte. In diesem Fall spricht man von AIDS, was als Abkürzung für die englische Bezeichnung Acquired Immune Deficiency Syndrome steht (erworbenes Immundefizienzsyndrom).

Während noch vor einigen Jahren die Behandlungsmöglichkeiten begrenzt waren, gibt es heutzutage effektive medikamentöse Therapien, mit denen der Ausbruch von AIDS verhindert werden kann. Selbst wenn es bereits zum Ausbruch von AIDS gekommen ist, bestehen gute Chancen, den weiteren Verlauf der Krankheit mit Medikamenten zu stoppen. Es gibt allerdings keine Therapie, mit der die HIV-Infektion geheilt werden könnte. Mit entsprechender medikamentöser Behandlung können HIV-Infizierte aber bei stabiler Gesundheit bleiben und eine ebenso lange Lebenserwartung erreichen wie andere Menschen mit chronischen Krankheiten.

Das normale Immunsystem

Die Aufgabe des Immunsystems ist der Schutz gegen Infektionen. Viren, Bakterien, Pilze und Parasiten sind Beispiele für Mikroorganismen, die Krankheiten verursachen können. Wenn Krankheitserreger in den Körper eindringen, versucht das Immunsystem, dagegen vorzugehen.

Das Immunsystem besteht aus vielen verschiedenen Typen von Immunzellen bzw. weißen Blutkörperchen. Diese befinden sich unter anderem im Blut und sind dafür zuständig, Infektionen zu bekämpfen.

Immunzellen eines bestimmten Typs, die sog. CD4-Zellen (eine Gruppe der T-Lymphozyten), senden vereinfacht ausgedrückt eine Anweisung an andere Zellen, krankheitsauslösende Viren zu zerstören. Es kann aber viele Tage dauern, bis das Immunsystem einen bestimmten Krankheitserreger erfolgreich eindämmen kann.

Das Immunsystem bei einer HIV-Infektion

HIV gehört zu einem als Retrovirus bezeichneten Virustyp: Wenn diese Viren in Immunzellen eindringen, bauen sie sich in das Erbmaterial der Zellen ein und verbleiben dort das gesamte Leben. Das bewirkt, dass das Immunsystem nicht erfolgreich gegen das Virus kämpfen und es beseitigen kann, wie es das normalerweise tun würde.

Wenn sich HIV in die CD4-Zellen eingebaut hat, kann es dort viele Jahre unauffällig bleiben. Früher oder später aber zwingt das HI-Virus die Zelle, Tausende von Viruskopien herzustellen. Diese neuen Viren verlassen und zerstören gleichzeitig Schritt für Schritt immer neue CD4-Zellen. Das führt dazu, dass die Anzahl der CD4-Zellen im Blut auf ein sehr niedriges Niveau sinkt. Mit zu wenigen dieser T-Helferzellen im Blut kommt es leichter zur Ausbreitung von Infektionen und/oder Tumorerkrankungen. Damit ist die HIV-Infektion in das Stadium AIDS übergegangen.

HIV gehört außerdem zu den sog. Lentiviren (lentus = langsam). Dies bedeutet, dass eine lange Zeit zwischen der Ansteckung und dem Ausbruch der Krankheit vergeht. Man kann das HI-Virus viele Jahre in sich tragen, bevor sich die Infektion auf das Immunsystem auswirkt und sich zu AIDS entwickelt. Mit einer effektiven medikamentösen Behandlung gegen HIV kann man die opportunistischen Infektionen vermeiden, die sonst auftreten würden. Die Medikamente gegen HIV hindern das Virus daran, die CD4-Zellen anzugreifen.

HIV-Übertragung

Das HI-Virus wird über Körperflüssigkeiten übertragen. Blut enthält die meisten Viruspartikel. Wenn infiziertes Blut über eine Transfusion in eine fremde Blutbahn gelangt, wird das Virus zu 90–100 % übertragen. Bei Männern ist HIV in der Samenflüssigkeit enthalten – das Virus kann über analen, vaginalen und oralen Geschlechtsverkehr übertragen werden. Bei Frauen findet sich HIV im Scheidensekret und in der Muttermilch. Am häufigsten wird das Virus durch ungeschützten Sex mit einer infizierten Person übertragen. Die Ansteckungsgefähr ist dabei am größten in den ersten 3 Monaten der Neuinfektion oder im Stadium AIDS, wenn eine hohe Viruslast messbar ist.

HIV kann über Schnittwunden, andere offene Wunden und Einstiche in die Haut ins Blut gelangen. Dabei stellt das Benutzen der gleichen Nadel bei Drogenkonsum ein sehr hohes Risiko dar. Das Virus dringt auch über die dünnen Schleimhäute im Analbereich, im Enddarm und in der Vagina in den Körper ein, insbesondere wenn diese kleine Verletzungen aufweisen. HIV kann jedoch im Normalfall nicht durch intakte, normale äußere Haut gelangen. Wenn Blut einer HIV-infizierten Person auf die unverletzte Haut einer anderen gelangt, ist eine Infektion sehr unwahrscheinlich.

Eine HIV-Infektion ist möglich:

  • durch Sexualkontakt
  • durch Teilen von Nadeln und Spritzen
  • durch einen versehentlichen Stich mit einer Nadel, der infiziertes Blut anhaftet, z. B. bei ärztlichem Personal
  • von der Mutter auf das Kind kurz vor und während der Geburt sowie über die Muttermilch beim Stillen
  • über Blut, Blutprodukte sowie Gewebe- und Organtransplantationen. Inzwischen werden aber alle Blutkonserven und Spender auf HIV getestet, sodass dieses Risiko praktisch nicht mehr existiert.

HIV ist ein sehr empfindliches Virus, das außerhalb des Körpers sehr schnell abstirbt. Das Virus wird z. B. nicht über Berührungen, Umarmungen oder Küsse übertragen. HIV überträgt sich auch nicht über die Verwendung des gleichen Handtuchs oder durch Trinken aus demselben Glas, ebenso wenig über Speichel, Tränenflüssigkeit, Kot oder Urin und auch nicht über die Luft, über Speisen, Wasser, Insekten oder andere Tiere.

Die Hauptübertragungswege gemäß den Zahlen des Robert Koch-Instituts sind:

  • homosexueller Geschlechtsverkehr unter Männern: ca. 73 %
  • heterosexueller Geschlechtsverkehr: Frauen ca. 10 %, Männer ca. 5 %
  • intravenöser Drogenkonsum: ca. 11 %
  • Übertragung kurz vor, während oder nach der Geburt: 1 %.

Häufigkeit

HIV und AIDS in Deutschland

Laut Modellrechnungen lebten im Jahr 2019 in Deutschland rund 90.700 Menschen mit HIV oder AIDS. Etwa 10.800 davon sind noch nicht diagnostiziert. In ärztlicher Behandlung befinden sich ca. 96 % der Menschen mit diagnostizierter HIV-Infektion. Pro Jahr werden etwa 2.600 neue Fälle diagnostiziert. Die jährliche Anzahl derjenigen, die sich durch Spritzen beim Drogenmissbrauch infiziert haben, liegt bei etwa 360 Personen. Diese vergleichsweise niedrige Zahl ist Folge eines leichteren Zugangs zu sterilem Spritzbesteck und eines veränderten Injektionsverhaltens.

Immer noch ist Sex zwischen Männern hierzulande der häufigste Übertragungsweg (ca. 1.600 pro Jahr), während sich durch heterosexuellen Geschlechtsverkehr ca. 650 Personen pro Jahr anstecken.

Die große Mehrheit der 2019 gemeldeten neuen HIV-Infektionen waren Männer mit 2.200 Fällen gegenüber Frauen mit etwa 480 Fällen.

Der wirksamste Schutz vor einer HIV-Infektion ist das Nutzen von Kondomen, insbesondere bei Sex mit wechselnden Partner*innen, sowie für Drogenkonsument*innen der Gebrauch von sterilen Nadeln und Spritzen.

Die weltweite Lage

HIV-Infektionen wurden inzwischen in sämtlichen Ländern der Erde nachgewiesen. Die Organisation UNAIDS gibt an, dass 2019 ungefähr 38 Millionen Menschen mit einer HIV-Infektion lebten, davon ca. 1,8 Millionen Kinder unter 15 Jahren. Etwa 70 % aller HIV-Infizierten leben in afrikanischen Ländern südlich der Sahara.

Weltweit infizieren sich mehr als 2 Millionen Menschen jährlich mit HIV. Offiziellen Angaben zufolge sind im Jahr 2019 690.000 Menschen an AIDS gestorben. Die Anzahl an AIDS-Toten sinkt Jahr für Jahr, da immer mehr Entwicklungs- und Schwellenländer Zugang zu wirksamen Therapien haben.

Der Verlauf der weltweiten HIV-Epidemie lag gegen Ende der 1990er-Jahre auf dem höchsten Niveau und hat sich seitdem stabilisiert. Die Zahl neuer HIV-Fälle hat seit Ende der 1990er-Jahre nach und nach abgenommen, ebenso verhält es sich mit den Todesfällen im Zusammenhang mit AIDS. Die Anzahl derer, die weltweit mit einer HIV-Infektion leben, steigt weiter, vor allem, weil viel mehr Menschen Zugang zu Therapien haben. Jahr für Jahr wird am 1. Dezember der Welt-AIDS-Tag begangen.

Verlauf von HIV zu AIDS

AIDS ist ein Sammelbegriff für verschiedene bestimmte Infektionen und Tumoren, die sich bei einer unbehandelten HIV-Infektion entwickeln können. Bei einer HIV-Infektion dauert es häufig sehr lange, bis das Immunsystem so weit angegriffen ist, dass man erkrankt. Die symptomfreie Zeit, bevor die ersten Anzeichen für ein geschwächtes Immunsystem auftreten, kann sich über 10–30 Jahre erstrecken. Solche Anzeichen können z. B. eine ausgedehnte Gürtelrose, ein Ekzem im Gesicht oder Pilzinfektionen im Mund sein. Diesen Symptomen können später dann sog. opportunistische Infektionen folgen. Dabei handelt es sich um Infektionen, die entstehen, wenn sich die weit fortgeschrittene Immunschwäche zu AIDS entwickelt.

Es lässt sich nur sehr schwer festschreiben, wie viel Zeit zwischen der Infektion mit HIV und dem Auftreten opportunistischer Infektionen vergehen kann. Im Durchschnitt dauert es aber 7–12 Jahre, bis sich aus einer unbehandelten HIV-Infektion das AIDS-Vollbild entwickelt. Mit einer geeigneten Behandlung kann diese Phase mehr als 20 Jahre dauern, in manchen Fällen kommt es nicht zur Ausbildung von AIDS. Das ist individuell aber ganz unterschiedlich. Manche Menschen bleiben über viele Jahre gesund, bei anderen kommt es schon nach wenigen Jahren zu opportunistischen Infektionen. Mit neuen Medikamenten konnte das Risiko für opportunistische Infektionen erheblich reduziert werden. Möglicherweise lassen sich solche Infektionen oder der Ausbruch von AIDS auch vollständig verhindern. HIV/AIDS wird inzwischen als chronische Erkrankung mit guter Prognose betrachtet. Mit den modernen Kombinationstherapien kann die HIV-Infektion über lange Zeit unterdrückt und das Immunsystem selbst bei Patient*innen, die bereits AIDS entwickelt haben, gestärkt werden. Es ist davon auszugehen, dass die Lebenserwartung bei Patient*innen, die die Therapie gut vertragen und konsequent einhalten, derjenigen bei anderen chronischen Erkrankungen wie z. B. Diabetes entspricht.

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Markus Plank, MSc BSc, Medizin- und Wissenschaftsjournalist, Wien
  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen
  • Natalie Anasiewicz, Ärztin, Freiburg i. Br.