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HIV-Infektion, Diagnose

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Warum sollten Sie sich auf HIV testen lassen?

Bei einer Infektion mit dem HI-Virus kann es viele Jahre dauern, bis sich die ersten Symptome entwickeln. Deswegen kann eine körperliche Untersuchung während dieser Phase keinen Aufschluss darüber geben, ob eine HIV-Infektion vorliegt. Um eine Infektion auszuschließen oder zu bestätigen, erfolgen HIV-Tests, für die Blutproben erforderlich sind.

Falls der Test positiv ausfällt, kann die richtige Behandlung eingeleitet und weitere Menschen vor Ansteckung geschützt werden.

Falls Sie HIV-positiv sind und schwanger sind oder schwanger werden möchten, gibt es Therapien, die das Risiko einer Übertragung auf das Kind fast völlig ausschließen.

Wie viel Zeit muss nach einer Infektion vergehen, bis der HIV-Test positiv ausfällt?

Es gibt verschiedene HIV-Tests. Normalerweise kommen Kombinationstests zum Einsatz, die sowohl Viruspartikel als auch Antikörper gegen HIV nachweisen. Die Viruspartikel finden sich schon relativ kurz nach einer Ansteckung nach durchschnittlich 16–18 Tagen im Blut. Das Erbgut des HI-Virus lässt sich schon nach etwa 11 Tagen nachweisen. Die Antikörper werden in Reaktion auf das Virus produziert, diese Produktion läuft aber nur langsam an, sodass sich Antikörper erst 3–6 Wochen nach der Ansteckung nachweisen lassen, manchmal früher, manchmal auch noch später.

Kombinationstests fallen in der Regel 2–3 Wochen, andere Tests spätestens 6 Wochen nach einer Ansteckung positiv aus. Man kann sich also ca. 6 Wochen nach einer Risikosituation meist auf die Aussage des Testergebnisses verlassen.

Bei allen positiven Testergebnissen wird erneut ein Test durchgeführt mit einer frischen Blutprobe, bei dem andere Analyseverfahren als beim ersten Test zum Einsatz kommen. So kann man evtl. falsche Testergebnisse berichtigen.

Bei einm Schnelltest liegt das Ergebnis bereits nach wenigen Minuten vor. Schnelltests sind aber nicht so zuverlässig wie die Tests, die zur Untersuchung in Labore eingesendet werden.

Wie wird die HIV-Infektion diagnostiziert?

ELISA

HIV kann durch eine Blutuntersuchung nachgewiesen werden. Dabei gibt es verschiedene Verfahren. Eine Methode, bei dem Antikörper gegen HIV (Proteine, die vom Körper gegen das Virus gebildet werden) im Blut nachgewiesen werden, nennt sich ELISA. Hier ist ein Zeitfenster von 12 Wochen festgelegt, um eine HIV-Infektion sicher zu diagnostizieren oder auszuschließen.

Antigentest

Beim Verdacht auf eine sog. akute HIV-Infektion, die ungefähr 2–6 Wochen nach der Ansteckung entsteht, kann ein anderes Testverfahren eingesetzt werden. Dieses Verfahren wird als Antigentest bezeichnet – man sucht dabei nach Bestandteilen des Virus selbst. Der Antigentest fällt bei einer akuten HIV-Infektion positiv aus.

Kombinationstest

Inzwischen kommt meist, wie oben erwähnt, ein Kombinationstest zum Einsatz, mit dem sowohl Antikörper gegen HIV als auch HIV-Antigene ermittelt werden können. Die Antigene lassen sich nachweisen, bevor sich Antikörper entwickelt haben. Somit lässt sich eine HIV-Infektion auch in einem frühen Stadium diagnostizieren.

Was bedeutet ein positives HIV-Testergebnis?

Ein positiv ausfallender HIV-Test bedeutet, dass Sie das HIV-Virus in sich tragen und auch möglicherweise auf andere Personen übertragen können. Der positive Test bedeutet aber nicht, dass Sie AIDS haben. Ob die Krankheit AIDS vorliegt, hängt davon ab, welche Beschwerden bzw. Folgekrankheiten Sie wegen HIV haben.

Direkt nach der Ansteckung mit HIV beginnt das Virus, das Immunsystem anzugreifen, das mit seinen Zellen eigentlich den Schutz gegen Infektionen gewährleisten soll. Dabei handelt es sich aber um einen langsamen Prozess, und es dauert oft viele Jahre, bevor er sich auf die Gesundheit auswirkt. Außerdem gibt es effektive Medikamente, mit denen Sie viel länger gesund bleiben können, auch wenn Sie sich bereits mit HIV infiziert haben.

Maßnahmen nach einem positiven Test

Viruslastmessung

Bei diesem Test wird die Menge an Kopien von Erbmaterial des Virus (HIV-RNA) im Blut gemessen. Anhand des Testergebnisses kann man feststellen, wie gut der Körper mit der HIV-Infektion zurechtkommt. Wenn die Viruslast hoch ist, befinden sich viele Viren im Körper – die Immunabwehr kommt also schlecht mit der HIV-Infektion zurecht. Wenn die Viruslast gering ist, hat das Immunsystem das HI-Virus gut unter Kontrolle. Solche Messungen erfolgen regelmäßig im Abstand von einigen Monaten, um die Entwicklung der Erkrankung zu verfolgen. Auch bei einem Wechsel der HIV-Medikamente oder wenn sich der Gesundheitszustand verschlechtert, sollte ein solcher Test erfolgen. Ärzt*innen nutzen die Werte der Viruslast, um zu bestimmen, wann die medikamentöse Behandlung beginnen soll, oder vor einem möglichen Wechsel der Präparate. Bei einer erfolgreichen Therapie ist die Viruslast gering, möglicherweise lässt sich das Virus auch überhaupt nicht nachweisen. Dabei geht man davon aus, dass bei weniger als 50 Viruskopien pro ml Blut die Therapie erfolgreich ist und unverändert fortgeführt werden kann.

CD4-Bestimmung

Die CD4-Zellen (eine Gruppe der T-Lymphozyten), auch als T-Helferzellen bezeichnet, sind ein wichtiger Teil des Immunsystems und tragen dazu bei, Infektionen zu bekämpfen. HIV zerstört CD4-Zellen. Je weniger CD4-Zellen vorhanden sind, desto stärker hat HIV das Immunsystem angegriffen. Bei gesunden Menschen befinden sich normalerweise etwa 1.000 CD4-Zellen in einem Milliliter Blut, die Variationsbreite ist aber hoch. Mit sinkender Zahl an CD4-Zellen steigt die Anfälligkeit für Infektionen und gewisse Krebsarten. Die Ärzt*innen bestimmen anhand der CD4-Zahl, welche Therapie am besten eingesetzt werden sollte.

Wenn Sie mehr als 500 CD4-Zellen/ml haben, ist das Risiko für Folgeinfektionen gering. Bei einer Zahl zwischen 350 und 500 Zellen/ml ist die Gefahr für Infektionen wahrscheinlich erhöht, aber nicht so hoch, dass eine Behandlung ohne Weiteres empfehlenswert wäre. Wenn die CD4-Zahl unter 350 Zellen/ml liegt, wird das Immunsystem als so geschwächt beurteilt, dass generell eine Behandlung empfohlen wird.

Andere Blutuntersuchungen

Neben den typischen oben beschriebenen HIV-Bluttests werden weitere Blutuntersuchungen durchgeführt, um den allgemeinen Gesundheitszustand zu überprüfen.

Es kann auch sinnvoll sein, auf andere sexuell übertragbare Krankheiten zu testen, z. B. Chlamydien, Gonorrhö und Syphilis. Eine weitere Infektion, die immer mehr HIV-Positive betrifft, ist Hepatitis C. Da HIV-Medikamente die Funktion der Leber beeinträchtigen können, ist es wichtig, die Hepatitis-C-Erkrankung zu behandeln, solange die Leber noch nicht in ihrer Funktion eingeschränkt ist.

Unter Umständen werden auch Röntgenaufnahmen der Lunge gemacht, um zu erkennen, ob eine Tuberkulose vorliegt – eine Erkrankung, die im Zusammenhang mit einer HIV-Infektion erneut aktiv werden kann.

Impfungen zum Schutz vor Infektionen

HIV zerstört nach und nach das Immunsystem, also die Zellen, die gegen Infektionen ankämpfen. Um den Schutz gegen Infektionskrankheiten zu stärken, können Impfungen gegen einige Infektionen sinnvoll sein, die bei einer fortgeschrittenen HIV-Erkrankung zu Problemen führen könnten. Das betrifft Hepatitis B, Hepatitis A, Influenza (jährlich), eventuell humanes Papillomavirus und Pneumokokken (eine häufige Ursache für Lungenentzündungen).

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Markus Plank, MSc BSc, Medizin- und Wissenschaftsjournalist, Wien
  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen
  • Natalie Anasiewicz, Ärztin, Freiburg i. Br.