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HIV-Infektion im Alltag

Wie einzelne Betroffenen mit ihrer Situation als HIV-Infizierte umgehen, ist individuell sehr unterschiedlich, und alle Betroffenen müssen einen eigenen Weg finden, mit der HIV-Infektion zu leben. Deutschland hat im Vergleich zu vielen anderen Regionen der Welt den Vorteil eines gut funktionierenden Gesundheitssystems und ein ausgebautes Netz zur Kontrolle und Behandlung der HIV-Infektion.

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HIV-Infektion

Viele HIV-positive Menschen begegnen im Alltag immer wieder starken Vorurteilen. Nicht alle wissen, wie HIV übertragen wird, und noch immer glauben viele, dass eine HIV-Infektion eine lebensbedrohliche Erkrankung ist, die unweigerlich zum Tod führt.

Eine Ansteckung durch den alltäglichen sozialen Umgang mit einer HIV-positiven Person ist praktisch ausgeschlossen. HIV wird durch den Austausch der Körperflüssigkeiten Blut, Sperma und Vaginalsekret sowie durch das Stillen übertragen. Es ist ungefährlich, Essen, Geschirr, Waschmaschinen, Badezimmer und Schlafzimmer mit HIV-Infizierten zu teilen. Kleidung, Bettwäsche, Handtücher, Geschirr und Besteck werden so wie in gewöhnlichen Haushalten gereinigt. Die Benutzung von Rasierern und Zahnbürsten kann allerdings zu kleinen Haut- bzw. Zahnfleischblutungen führen. Aus diesem Grund sollten Rasierer und Zahnbürsten nicht gemeinsam genutzt werden.

Kontakt mit Blut vermeiden

HIV-infizierte Personen sollten gewisse Vorsichtsmaßnahmen befolgen, um das Risiko einer Übertragung der Infektion auf andere zu minimieren. Mögliche Schnitte und Kratzer sollten mit Pflastern abgedeckt werden. Mit Blut verunreinigtes Material (Pflaster, Verbandmaterial und dergleichen) sollte in eine Plastiktüte gepackt und im Hausmüll entsorgt werden. Dies gilt auch für Tampons und Binden. Personen, die Blut, Erbrochenes, Urin oder Stuhl von HIV-Infizierten entsorgen, müssen Handschuhe tragen und desinfizierende Reinigungsmittel verwenden.

Bei einer fortgeschrittenen HIV-Infektion und beeinträchtigtem Immunsystem sind HIV-Positive anfälliger für normale Infektionskrankheiten als andere. Daher sollten Familie und Freund*innen auf gute Hygiene achten, damit sie keine Krankheiten, z. B. Atemwegsinfekte, auf die Betroffenen übertragen.

Safer Sex

Es ist nicht ungewöhnlich, dass HIV-Infizierte in der ersten Zeit, nachdem sie von ihrem positiven Testergebnis erfahren haben, keine Lust auf Sex haben. Das Leben kehrt aber allmählich in normale Bahnen zurück, und bei den meisten kommt die Freude an Intimkontakten mit anderen zurück. Kondome bieten guten Schutz gegen eine HIV-Infektion und andere sexuell übertragbare Infektionen wie Herpes, Gonorrhö, Syphilis und Chlamydien. Frauen können ein Femidom anwenden. Das größte Risiko einer HIV-Übertragung besteht beim Analverkehr, etwas weniger beim vaginalen Geschlechtsverkehr. Nur ein sehr geringes Risiko besteht bei Oralsex ohne Ejakulation in den Mund, ein gewisses Risiko besteht aber trotzdem. Beim Geschlechtsverkehr ist die aufnehmende Person deutlich stärker infektionsgefährdet als die eindringende Person. Sperma und Vaginalsekret auf intakter (unverletzter) Haut und auch das Küssen stellen hingegen kein Infektionsrisiko dar.

HIV-Übertragung unter Paaren

Paare, von denen eine Person HIV-infiziert ist, müssen beim vaginalen und analen Geschlechtsverkehr und auch beim Oralsex immer Kondome verwenden, um eine Ansteckung zu verhindern. Auch wenn beide HIV-positiv sind, sollten Kondome verwendet werden, unter anderem, um eine Neuinfektion auszuschließen, da es verschiedene Virusstämme gibt. Eine Person, die bereits infiziert ist, könnte so Gefahr laufen, sich mit einer anderen Variante des Virus zu infizieren. Außerdem hat HIV auch die Tendenz, sich laufend zu ändern (Mutationen). Falls es bei einer Person, die eine antivirale Therapie erhält, zu HIV-Mutationen kommt, kann sich unter Umständen eine resistente Virenvariante entwickeln. So wäre es dann möglich, dass eine bereits HIV-positive Person mit einem resistenten Virus infiziert wird. Außerdem schützen Kondome auch gegen andere sexuell übertragbare Infektionen.

Reisen mit HIV-Infektion

Wenn Sie seit langer Zeit mit HIV infiziert sind, ist das Immunsystem beeinträchtigt, und Sie sind anfälliger für Krankheiten. Daher sollten Sie sich ärztlich beraten lassen, bevor Sie eine Reise planen. Außerdem sollten die allgemeinen und speziellen Reisetipps für verschiedene Länder besonders sorgfältig beachtet werden. Die häufigsten Infektionen auf Reisen werden über Lebensmittel oder Wasser übertragen und verursachen Symptome wie Durchfall, Übelkeit und Erbrechen. Vorbeugende Medikamente gegen Malaria oder Tuberkulose können wichtig sein, wenn Sie in Regionen mit hoher Verbreitung dieser Krankheiten reisen.

Sie sollten sich über eine Auffrischung (Booster) der Impfungen gegen Diphtherie, Tetanus,Polio oder auch Typhus bei Reisen ins Ausland informieren. Es ist wichtig, ggf. rechtzeitig mit den Impfungen zu beginnen, weil es mehrere Wochen dauern kann, bis der Körper ausreichend Antikörper gebildet hat, um sich wirksam gegen die Krankheit zu schützen.

Wenn Sie Medikamente gegen die HIV-Infektion oder andere Erkrankungen nehmen, sollten Sie ausreichende Mengen für die gesamte Reise einpacken und außerdem ein ärztliches Attest über die Verschreibung mitnehmen, unter Umständen auch in englischer Übersetzung. Für ein normales Touristenvisum ist ein HIV-Test in der Regel nicht erforderlich, aber möglicherweise müssen Sie sich einem Test unterziehen, wenn Sie in einem anderen Land studieren, arbeiten oder sich niederlassen möchten. Einige wenige Länder verweigern HIV-Infizierten die Einreise. Erkundigen Sie sich daher genau, welche Regelungen für das jeweilige Land gelten. Oft ist eine normale Auslandskrankenversicherung ausreichend, die aber nicht die Kosten für bekannte chronische Erkrankungen abdeckt, die bereits bei der Abreise behandlungsbedürftig waren. Für solche Fälle kann eine Zusatzversicherung abgeschlossen werden, die bei einer Verschlechterung der Erkrankung während der Reise die Kosten der medizinischen Behandlung abdeckt.

HIV in Kindergärten und Tagesbetreuung

Angesichts heutiger Erkenntnisse gibt es keinen Grund für die Annahme, dass ein HIV-positives Kind ein Ansteckungsrisiko für andere Kinder oder Erwachsene in seiner Umgebung darstellt. Daher können HIV-positive Kinder genau wie andere in die Tagesbetreuung, in den Kindergarten und die Schule gehen. Die Leitung der Einrichtung, in die das Kind geht, sollte, falls erforderlich, über die HIV-Infektion des Kindes informiert werden. Darüber hinaus muss niemand über den HIV-Status des Kindes informiert werden. Falls durch Verhaltensprobleme des Kindes ein erhöhtes Risiko besteht, dass andere Kinder infiziertem Blut ausgesetzt sein könnten (z. B. Beißen und Kratzen), oder wenn das Kind spezielle Hautprobleme hat, die für das Betreuungspersonal ein erhöhtes Risiko darstellen, sollte die Situation vor Aufnahme in Kindergarten und Schule nach medizinischen und pädagogischen Maßstäben bewertet werden. Dies gilt auch, wenn sich beim Kind AIDS entwickelt hat.

Kontrollen

Bei einem positiven Testergebnis erhalten Sie regelmäßige Termine in der fachärztlichen Abteilung eines Krankenhauses oder bei einer entsprechenden Facharztpraxis (HIV-Schwerpunktpraxis), wo ein spezialisiertes Team die erforderliche Unterstützung leisten kann. Dort haben Sie Kontakt zu Fachärzt*innen, Pflegekräften und Sozialarbeiter*innen. Wenn Sie das wünschen, können Sie Gespräche mit Psycholog*innen führen. Möglicherweise ist es hilfreich, bei den ersten Terminen eine vertraute Person dabei zu haben.

Auch wenn Sie sich gesund fühlen, müssen Sie sich regelmäßig ärztlich untersuchen lassen. Dabei wird Ihr Gesundheitszustand kontrolliert und anhand von Blutuntersuchungen überprüft, wie sich die HIV-Infektion auf Ihr Immunsystem auswirkt.

Durch eine Bestimmung der sog. Viruslast wird gemessen, wie viele Kopien des Viruserbmaterials (HIV-RNA) sich in einer kleinen Menge Blut befinden. Das Ergebnis ist ein aussagekräftiger Hinweis darauf, wie gut der Körper mit dem HI-Virus zurechtkommt. Solche Messungen der Viruslast erfolgen regelmäßig, um die Entwicklung der Erkrankung zu verfolgen.

Die sog. CD4-Zellen (eine Gruppe der T-Lymphozyten), auch als T-Helferzellen bezeichnet, sind ein wichtiger Teil des Immunsystems, das Infektionen abwehren soll. Anhand einer Messung der Anzahl an CD4-Zellen im Blut kann man erkennen, wie sich das Virus auf das Immunsystem auswirkt. Je mehr Zellen vorhanden sind, desto stärker ist das Immunsystem.

Neben den typischen oben beschriebenen HIV-Bluttests werden noch weitere übliche Blutuntersuchungen und ggf. andere Untersuchungen durchgeführt, um den allgemeinen Gesundheitszustand zu überprüfen.

Impfung

Nach der Diagnose HIV/AIDS sollten sich Betroffene über Impfungen gegen andere Krankheiten informieren. Denn sobald sich das Virus entwickelt hat und das Immunsystem geschwächt ist, können die Impfstoffe ihre Wirkung nicht mehr so gut entfalten. Dies liegt daran, dass der Körper dann nicht mehr oder nicht mehr so gut in der Lage ist, Antikörper gegen die Krankheit zu bilden, gegen die sich der Impfstoff richtet. Die Empfehlungen lauten, sich gegen Hepatitis A und B und Grippe impfen zu lassen, ggf. auch gegen HPV. Impfungen gegen Masern, Röteln und Mumps (MMR-Kombinationsimpfstoff) und Gelbfieber sowie andere sog. Lebendimpfstoffe sind bei einem geschwächten Immunsystem problematisch. Diese Impfstoffe verursachen Erkrankungen, wenn das körpereigene Immunsystem nicht stark genug ist, und werden bei HIV daher nicht empfohlen.

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Markus Plank, MSc BSc, Medizin- und Wissenschaftsjournalist, Wien
  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen
  • Natalie Anasiewicz, Ärztin, Freiburg i. Br.