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HIV – wenn der Test positiv war

Heute ist eine Infektion mit HIV nicht mehr so bedrohlich, wie dies noch vor einigen Jahren der Fall war. Dank moderner Medikamente können HIV-Infizierte ein fast völlig normales Leben führen.

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Ein positiver Test

Zu erfahren, dass man sich mit HIV infiziert hat, ist eine Nachricht, die erstmal sehr beunruhigt. Oftmals schwingen die alten Ängste und Befürchtungen mit, dass eine HIV-Infektion eine tödliche Krankheit sei. Dies war vor einigen Jahren noch der Fall. Doch dank moderner Medikamente ist davon auszugehen, dass die Betroffenen die gleiche Lebenserwartung haben wie Menschen mit anderen chronischen Erkrankungen, z. B. mit Diabetes.

Informieren Sie sich!

Jeder Mensch reagiert anders, wenn er/sie ein positives Testergebnis erhält. Viele Betroffene reagieren mit Schock und erleben Scham und Schuldgefühle. Das Leben hat plötzlich eine neue Richtung eingeschlagen, und in der Regel dauert es längere Zeit, sich an die neue Situation anzupassen. Dabei hilft es, gut informiert über das Virus und die Folgen einer Infektion zu sein. Ärzt*innen oder Beratungszentren, die sich auf HIV und AIDS spezialisiert haben, können hierbei wertvolle Hilfestellung geben. Diese Zentren bieten Beratung, verfügen über großes Know-how und können auch an andere Stellen verweisen. Die eigentliche Behandlung der HIV-Infektion liegt in der Hand von Fachärzt*innen und spezialisierten Abteilungen in Krankenhäusern.

Sprechen Sie mit anderen!

Freund*innen und Familie sind in der Regel eine gute Stütze und können dabei helfen, den Mut zu bewahren; aber auch andere HIV-Infizierte oder HIV-Spezialist*innen unterschiedlicher Art können eine große Unterstützung sein. HIV- und AIDS-Beratungszentren sind gute Treffpunkte, die Begegnungen mit anderen Menschen in der gleichen Situation bieten, die von ihren Erfahrungen berichten möchten. HIV wirkt sich auf fast alle Aspekte des Lebens aus, und Informationen aus erster Hand von anderen HIV-Positiven oder ihren Angehörigen können daher sehr wertvoll sein. Nicht selten entstehen aus einer solchen Vernetzung neue Ideen, Inspiration und Zuversicht.

Recht auf Hilfe

Heute ist eine Infektion mit HIV nicht mehr so bedrohlich, wie dies noch vor einigen Jahren der Fall war. Dank moderner Medikamente können HIV-Infizierte in entwickelten Ländern oft ein fast völlig normales und gut funktionierendes Leben führen. Dennoch verändert sich das Leben auch für die HIV-Infizierten, bei denen keine Symptome und Beschwerden auftreten. Die HIV-Infektion ist weiterhin eine Infektion, die lebenslang bestehen bleibt und mit dem Risiko verbunden ist, andere Menschen anzustecken. Zudem kann es belastend sein, ständig Medikamente einnehmen zu müssen. Daher ist es wichtig, dass Betroffene ihren Lebensmut und die Zuversicht in eine gute Zukunft behalten. Wer mit der neuen Lebenssituation nicht aus eigener Kraft zurechtkommt, kann die Hilfe von Psycholog*innen und Beratungsstellen in Anspruch nehmen.

Offenheit oder Geheimhaltung?

Möglicherweise wollen Sie nicht, dass andere von Ihrer HIV-Infektion erfahren. Aber um die Ausbreitung von HIV zu verhindern, ist es einerseits wichtig, den Infektionsweg zurückzuverfolgen, und andererseits zu ergründen, ob man selbst möglicherweise andere infiziert haben könnte. Den Infektionsweg zurückzuverfolgen, hilft beim Kampf gegen HIV.

Mögliche Ansteckungskontakte können Sie entweder selbst informieren oder diese Aufgabe dem medizinischen Fachpersonal übertragen. Offenheit ist das beste Mittel, um das Risiko einer Weiterverbreitung der HIV-Infektion so gering wie möglich zu halten. Daher sollten Sexualpartner*innen immer informiert werden. Selbst wenn Sie Safer Sex praktizieren, kann es zu „Unfällen“ kommen. Es liegt an Ihnen selbst, wie offen Sie gegenüber Ihrer Familie, Ihren Freund*innen und Ihrem sozialen Umfeld sein wollen. In Deutschland machen viele HIV-Infizierte die Erfahrung, dass es von Vorteil ist, offen zu sein.

HIV-Infektion und Arbeitsrecht

Die HIV-Infektion wird einer Behinderung gleichgesetzt und fällt daher unter das Antidiskriminierungsgesetz. Das bedeutet, dass HIV-Positive als Beschäftigte oder Arbeitssuchende hinsichtlich Qualifikationen, Berechtigungen, Autorisierungen, Registrierungen, Genehmigungen usw., die für die Berufsausübung erforderlich oder wichtig sind, nicht diskriminiert werden dürfen. Weder die Arbeitsstätte noch die Schule darf verlangen, über den HIV-Status informiert zu werden. Wenn einer Person eine Anstellung aus dem Grund verweigert wird, weil sie entweder keinen HIV-Test durchführen lassen oder keine Auskunft über ihren HIV-Status geben möchte, ist das ein Grund für eine Klage wegen Diskriminierung. Dies gilt natürlich auch für Kündigungen oder Versetzungen mit HIV als Grund.

HIV-Infektionen in der Gesundheitsversorgung

Ärzt*innen sowie Zahnärzt*innen und andere medizinische Fachkräfte müssen wissen, ob Patient*innen HIV-positiv sind, weil sie bei möglichen Behandlungen Rücksicht auf die Infektion nehmen müssen. Medizinisches Fachpersonal ist zur Geheimhaltung verpflichtet.

Der Abschluss von Lebensversicherungen, Berufsunfähigkeitsversicherungen oder Zusatzkrankenversicherungen ist nach einem positiven HIV-Test unter Umständen nicht mehr möglich. Als Mitglied in einer Berufsgenossenschaft oder Gewerkschaft und über die Arbeitsstätte kann es jedoch möglich sein, Arbeitsunfähigkeits-, Berufsunfähigkeits- und Lebensversicherungen ohne Gesundheitsauskünfte abzuschließen.

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Markus Plank, MSc BSc, Medizin- und Wissenschaftsjournalist, Wien
  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen
  • Natalie Anasiewicz, Ärztin, Freiburg