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HIV-Übertragung von der Mutter auf das Kind

In den Industrieländern gibt es etablierte Verfahren und gut funktionierende Therapien für Schwangere mit HIV. Daher tritt eine Übertragung von der Mutter auf das Kind vor oder nach der Geburt hierzulande sehr selten auf.

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Schutz vor der Infektion und HIV-Test

Dank besserer Erkenntnisse über die Infektion mit dem humanen Immundefizienzvirus (HIV) und einer effektiven Therapie ist das Risiko einer HIV-Übertragung von der Mutter auf ihr Kind während der Schwangerschaft in den westlichen Ländern sehr selten geworden. Der Schutz vor einer Infektion besteht aber nur, wenn die Mutter eine wirksame Behandlung erhält und regelmäßig die Medikamente einnimmt, mit der die Virusmenge im Blut bis zur Geburt auf ein so geringes Niveau wie möglich gesenkt wird.

Es ist wichtig, dass HIV-infizierte Frauen zu einem frühen Zeitpunkt der Schwangerschaft die Diagnose ihrer HIV-Infektion bekommen, falls die Infektion noch nicht vorher bekannt ist. Daher wird allen Schwangeren ein HIV-Test angeboten. Ist das Risiko für eine Ansteckung mit HIV bei der Schwangeren erhöht, wird ihr ein HIV-Test meist auch noch einmal angeboten, wenn der erste keine Infektion gezeigt hat.

Infektionsrisiko während der Schwangerschaft

Der größte Risikofaktor für eine Infektion des Kindes mit HIV ist die Viruslast der Mutter, d. h. die Menge der im Blut und anderen Körperflüssigkeiten befindlichen Viren. Wenn keine Maßnahmen erfolgen und die Mutter keine Behandlung erhält, besteht für das Kind ein recht hohes Risiko einer Ansteckung in der Schwangerschaft oder bei der Entbindung. Auch wenn eine unbehandelte Mutter ihr Baby stillt, kann dieses sich mit HIV anstecken.

Bei Schwangeren mit HIV-Infektion kann das Virus durch die Nabelschnur auf das Kind übertragen werden, dies kommt aber nur sehr selten vor. Das größte Infektionsrisiko besteht in der letzten Phase der Schwangerschaft und im Zusammenhang mit der Entbindung oder beim Stillen. Eine Therapie mit antiretroviralen Medikamenten verringert das Ansteckungsrisiko deutlich. Wenn die Viruslast der Mutter infolge der Therapie vor der Entbindung unter die Nachweisgrenze gesunken ist (< 50 Kopien des viralen Erbmaterials pro ml Plasma), liegt das Risiko bei weniger als 1 %. Die Viruslast wird daher während der gesamten Schwangerschaft ärztlich kontrolliert.

Maßnahmen zur Verringerung des Infektionsrisikos

Drei Maßnahmen können zur Verringerung des Infektionsrisikos beitragen:

  1. Medikamente
  2. Kaiserschnitt
  3. Nicht stillen.

Medikamente

Die medikamentöse Therapie kann zwei Ziele haben: Behandlung der HIV-Infektion der Schwangeren und vorbeugende Behandlung von Mutter und Kind, um eine Infektion des Kindes zu verhindern. Die vorbeugende Behandlung besteht meist aus drei Komponenten:

  1. HIV-Medikamente in Tablettenform während der gesamten Schwangerschaft oder in bestimmten Abschnitten der Schwangerschaft
  2. intravenöse Behandlung mit HIV-Medikamenten während der Entbindung
  3. und eine kurzzeitige Behandlung des Kindes mit HIV-Medikamenten nach der Geburt.

Eine eventuelle Behandlung des Kindes beginnt direkt nach der Entbindung und erstreckt sich in der Regel über 4 Wochen. Das hängt auch davon ab, wie hoch das geschätzte Infektionsrisiko ist, also von der Viruslast der Mutter und der erfolgten Therapie während der Schwangerschaft.

Ist die HIV-Infektion der Frau bereits vor der Schwangerschaft bekannt, wird eine entsprechende Therapie gleich zu Beginn empfohlen. Wird die Infektion erst am Anfang der Schwangerschaft neu diagnostiziert, soll eine Behandlung so rasch wie möglich, spätestens aber zu Beginn des 2. Trimenons begonnen werden. Von den zur Verfügung stehenden Medikamenten gegen HIV eignen sich bestimmte auch für Schwangere. Die Entscheidung, ob die Behandlung nach der Entbindung wieder abgesetzt werden kann, wird von Ärzt*innen und Patientinnen gemeinsam getroffen.

Kaiserschnitt

Idealerweise erfolgt die Entbindung mit Kaiserschnitt frühestens in der 37. Schwangerschaftswoche, also möglichst nah am berechneten Entbindungsdatum. Eine vaginale Geburt kann in gewissen Fällen möglich sein, wenn die Behandlung der Mutter gut wirkt und ihre Viruslast unter 50 Kopien/ml liegt. Es dürfen auch keine anderen Risikofaktoren vorliegen, die für Komplikationen bei der Geburt sorgen könnten. Wenn die Viruslast der Mutter höher liegt, erfolgt die Entbindung per Kaiserschnitt.

Hat die Schwangere aus welchen Gründen auch immer während der Schwangerschaft keine Therapie gegen HIV erhalten, werden ihr (und damit auch dem Neugeborenen) wenn möglich kurz vor dem Kaiserschnitt entsprechende Medikamente intravenös verabreicht. Dadurch lässt sich das Infektionsrisiko für das Kind noch senken.

Stillen

Beim Stillen besteht das Risiko einer Übertragung des HI-Virus. Frauen mit HIV-Infektion und einer Viruslast > 50 Kopien/ml wird empfohlen, auf das Stillen zu verzichten. Zwar senkt eine Therapie das Übertragungsrisiko deutlich, aber die Muttermilch ist mit Medikamenten belastet. Liegt die Viruslast unter 50 Kopien/ml, werden die Vor- und Nachteile des Stillens von Ärzt*innen und der Patientin gemeinsam abgewogen. Unter bestimmten Voraussetzungen ist dann ein sicheres Stillen möglich.

Nach der Entbindung

Wenn die Therapie einer HIV-infizierten Mutter erfolgreich ist und ihre Viruslast während der gesamten Schwangerschaft unter 50 Kopien/ml liegt, kann auf eine medikamentöse Behandlung des Kindes verzichtet werden. Ansonsten bekommt das Kind für 4 Wochen antivirale Medikamente, bei besonders hohem Risiko auch eine Kombination mehrerer Medikamente. Antikörper gegen HIV werden vor der Geburt von der Mutter auf das Kind übertragen, daher sind Antikörpertests zur HIV-Diagnose im Neugeborenen nicht aussagekräftig. Positive Nukleinsäuretests werden anhand einer 2. Blutabnahme beim Neugeborenen bestätigt.

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Markus Plank, MSc BSc, Medizin- und Wissenschaftsjournalist, Wien
  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen
  • Natalie Anasiewicz, Ärztin, Freiburg