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Von CDC, USA
Von CDC, USA

Bandwürmer

Bandwürmer sind eine Klasse der Plattwürmer, die als erwachsene Parasiten im menschlichen Verdauungstrakt leben können. Es gibt eine Reihe unterschiedlicher Arten von Bandwürmern. Sie können mehrere Meter lang werden.

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Was sind Bandwürmer?

Bandwürmer sind eine bestimmte Art von Plattwürmern, die als Parasiten im menschlichen Verdauungstrakt leben. Es gibt verschiedene Arten von Bandwürmern. Einige befallen vor allem den Menschen, während andere Bandwürmer Tiere als ihren natürlichen Wirt haben – aber auch diese können Infektionen beim Menschen verursachen. Die wichtigsten Bandwurm-Infektionen sind die Taeniasis (vor allem durch Rinderbandwürmer), die Zystizerkose (durch Larven des Schweinebandwurms) und die Echinokokkose (durch Fuchs- und Hundebandwurm).

In Mitteleuropa ist der Rinderbandwurm am bedeutsamsten. In Deutschland kommen Infektionen durch Bandwürmer nur selten vor und werden am ehesten durch den Verzehr von rohem/halbgarem Rindfleisch verursacht. Die Zystizerkose durch den Schweinebandwurm tritt laut Robert Koch-Institut in Deutschland gar nicht mehr auf. Weltweit betrachtet erhöhen unzureichende sanitäre und hygienische Bedingungen das Infektionsrisiko.

Die weltweit häufigste Bandwurminfektion erfolgt mit der Art Hymenolepis nana. Die Ansteckung kann von Mensch zu Mensch erfolgen und wird durch unzureichende hygienische Bedingungen begünstigt.

Ein ausgewachsener Bandwurm besteht aus einem Kopf, Hals und einer Kette von einzelnen Gliedern/Segmenten (Proglottiden), in denen die Eier heranreifen. Jedes Glied enthält einen vollständigen zwittrigen Geschlechtsapparat. Bandwürmer können aus Hunderten bis Tausenden von Gliedern bestehen. Je weiter man sich dem Ende des Wurms nähert, desto weiter sind die Glieder entwickelt. Mit fortschreitendem Reifungsprozess enthalten die Glieder eine zunehmende Menge an Eiern. Bei einigen Arten wie Taenia können sich die äußersten Glieder vom übrigen Körper abschnüren; diese Glieder oder die in ihnen enthaltenen Eier werden mit dem Darminhalt ausgeschieden. Bei anderen Arten, wie Hymenolepiasis, bilden sich die Glieder im Wirt so weit zurück, dass sich nur noch die Eier im Kot befinden. Der Kopf des Bandwurms ist mit einer Saugvorrichtung, einem Hakenkranz oder Vertiefungen (je nach der Art des Wurms) ausgestattet, mittels derer sich der Wurm an die Darmwand heftet.

Die Bandwurmgattung Taenia

Es gibt zwei Arten von Taenia, für die der Mensch der Endwirt ist. Diese sind der Rinderbandwurm (Taenia saginata) und der Schweinebandwurm (Taenia solium). Der Rinderbandwurm kommt weltweit vor, ist aber am häufigsten in Europa und Teilen Asiens anzutreffen. Der Schweinebandwurm ist in Lateinamerika, den afrikanischen Tropen und Zentralasien weit verbreitet. In Europa soll er noch auf den iberischen Halbinseln, in Polen sowie im Balkan vorkommen.

Menschen aller Altersgruppen können sich mit Taenia infizieren, jedoch sind Infektionen bei Säuglingen und Kleinkindern, die kein Fleisch essen, selten.

Die Länge ausgewachsener Taenia-Bandwürmer kann 10 bis 12 Meter betragen, in manchen Fällen sogar 25 Meter oder mehr. Die meisten Infektionen beim Menschen erfolgen durch einzelne oder wenige erwachsene Bandwürmer.

Lebenszyklus des Taenia-Bandwurms

Die Eier eines Bandwurms gelangen über die menschlichen Ausscheidungen ins Wasser oder in den Boden mit seinen Pflanzen. Von dort werden sie von Rindern oder Schweinen (sog. Zwischenwirte) aufgenommen. Im Darm der Tiere lösen sich die Eihüllen auf, wodurch der Embryo freigesetzt wird. Dieser bohrt sich in die Darmwand ein und gelangt mit dem Blut vorwiegend in die Muskulatur. In der stark beanspruchten Muskulatur wie Herz- und Kaumuskeln sterben diese oft schon nach einigen Monaten ab, während sie in der Skelettmuskulatur jahrelang bleiben können.  Dieser Entwicklungsschritt der Würmer in der Muskulatur wird Finnen genannt. Die Bandwurmanlage (Protoskolex) befindet sich dabei in einer flüssigkeitsgefüllten Blase (Zystizerkus). Nach durchschnittlich 10 Wochen ist die Finne etwa 0,5 cm groß und infektionsfähig. Zur Weiterentwicklung muss der Zystizerkus vom Tier in den Darm des Menschen (Endwirt) gelangen. Dies geschieht oral über die Nahrungsaufnahme. Im Verdauungstrakt des Menschen stülpen sich die Zystizerken aus, und die Vorstufe des reifen Bandwurmes heftet sich mit Saugnäpfen und Haken an die Darmwand. Vom Kopf ausgehend wächst der Wurm, indem er neue Glieder mit männlichen und weiblichen Geschlechtsorganen bildet. Der Reifungsprozess im menschlichen Darm erstreckt sich über einen Zeitraum von 2–4 Monaten.

Beim Rinderbandwurm besteht etwa 1/5 des Wurmes aus reifen, ausgewachsenen Gliedern (zwischen 200 und 400). Sie werden täglich abgestoßen. Monatlich produziert ein Bandwurm etwa 400 reife Glieder mit je 100.000 Eiern. In jedem befruchteten Ei wächst eine Larve mit 6 Haken heran. Diese Eier werden mit dem Kot ausgeschieden und können im Wasser, im Boden oder an Pflanzen sehr lange überleben.

Der Zwergbandwurm Hymenolepis

Die weltweit häufigste Bandwurminfektion erfolgt mit dem Zwergbandwurm (Hymenolepis nana). Er ist 30 bis 40 mm lang und hat einen Durchmesser von 1 mm. Eine Ansteckung ist auf schlechte Hygiene zurückzuführen, und eine Übertragung kann von Mensch zu Mensch erfolgen. Er tritt am häufigsten bei Kindern auf, die in warmen Klimazonen und unter unzureichenden hygienischen Bedingungen leben.

Ansteckung

Sie können den Wurm durch den Verzehr von rohem (häufig getrocknetem) oder halb-durchgebratenem Rindfleisch oder Schweinefleisch aufnehmen. Einige Arten können selten in rohen oder gebeizten Süßwasserfischen vorkommen. Bei Zwergbandwürmern ist die Mensch-zu-Mensch-Übertragung beschrieben.

Im Rahmen der amtlichen Fleischuntersuchungen wird in Deutschland Rinderfleisch untersucht, allerdings ist nicht ganz auszuschließen, dass auch infektiöses Fleisch in den Verkehr gelangt. Zur sicheren Abtötung des Erregers muss das Fleisch für mindestens 5 Minuten bei 70 °C erhitzt oder alternativ auf –18 °C durchgefroren werden. Der Verzehr von tiefgefrorenem Rinderhackfleisch ist in Deutschland unbedenklich. Es darf hierzulande nur verkauft werden, wenn es ausreichend durchgefroren wurde.

Symptome

Bandwürmer verursachen in der Regel keine Symptome. Wenn Krankheitserscheinungen auftreten, dann sind sie häufig unspezifisch und können Magen-, Darm- und Gallenwegserkrankungen vortäuschen. Am häufigsten wird über ein „Wühlen im Leib“ (vorwiegend in der Bauchnabelregion) und Juckreiz in der Analgegend berichtet. In absteigender Häufigkeit treten Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung, Durchfälle, spastische Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme, allgemeine Schwäche, Müdigkeit, Kopfschmerzen und Schwindelgefühl auf. Komplikationen wie eine Blinddarmentzündung oder ein Darmverschluss sind sehr selten.

Diagnostik

Die Diagnose wird auf der Grundlage von Nachweisen des Wurms gestellt, dabei können die einzelnen oder zusammenhängenden Bandwurmsegmente im Stuhl oder in der Unterwäsche zu sehen sein. Im Zweifel kann eine mikroskopische Stuhluntersuchung zum Nachweis von Bandwurmsegmenten oder -eiern erfolgen. In den ersten 2 bis 3 Monaten nach Infektion kann der Nachweis negativ ausfallen, da sie sich die Würmer noch im Entwicklungsstadium befinden.

Therapie

Wenn Sie befürchten, mit Würmern infiziert zu sein, sollten Sie zur Abklärung Ihre Ärztin oder Ihren Arzt aufsuchen. Wenn mehrere Familienmitglieder Anzeichen einer Infektion zeigen, sollte der gesamte Haushalt gleichzeitig behandelt werden.

Medikamentöse Behandlung

Das häufigste Medikament ist das spezifische Bandwurmmittel Niclosamid. Für Taeniasis reicht die Einmalgabe von vier Tabletten aus (reduzierte Dosierung bei Kindern). Bei Zwergbandwürmern ist eine wiederholte Behandlung sinnvoll. Niclosamid hemmt die innere Atmung des Parasiten, sodass zuerst der Kopf und anschließend die Glieder absterben. Der Bandwurm verliert seinen Halt und wird mit dem Stuhl ausgeschieden.

Ein alternatives Medikament ist Mebendazol, das auch gegen Rundwürmer eingesetzt wird. Die Behandlung dauert 3 bis 4 Tage und kann wiederholt werden. Praziquantel ist eine andere Alternative. Das Medikament ist auch für die Behandlung der Zystizerkose zugelassen.

Was können Sie selbst tun?

Darüber hinaus müssen Sie sich einige Routinen einprägen, damit nicht weitere Personen angesteckt werden. Diese sind:

  • ausreichende Händehygiene, besonders nach jedem Toilettengang
  • tägliche Dusche oder Bad
  • Nägel schneiden und gründlich reinigen.
  • häufige Wechsel der Unterwäsche, Bettwäsche, Nachtwäsche und Handtücher
  • Nicht die Finger in Nase, Mund, Augen usw. führen.
  • gründliche Reinigung von WC, Bettwäsche, Teppichen und dergleichen
  • Ausscheidungen dürfen nicht ungeklärt auf Wiesen oder Weiden gelangen (keine „wilde Toilette“).

Weitere Informationen

Autoren

  • Hannah Brand, Cand. med., Berlin