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Echinokokkose

Der Echinococcus granulosus, auch Hundebandwurm genannt, ist ein kleiner Bandwurm, der weltweit in Gebieten mit niedrigen hygienischen Standards bei der Haustierhaltung vorkommt und von Hunden auf Menschen übertragen wird. Eine weitere Variante ist der Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis), der in Deutschland heimisch ist und zu einer gefährlichen Erkrankung führen kann.

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Was ist eine Echinokokkose?

Definition

Echinokokkose ist eine durch Parasiten der Gattung Echinococcus hervorgerufene Infektionskrankheit. Echinococcus ist ein kleiner, 4–7 Millimeter langer Wurm. Zwar gibt es mehrere Unterarten dieses Wurms, aber es sind insbesondere zwei bestimmte Arten, die Erkrankungen beim Menschen verursachen können: der Hundebandwurm (E. granulosus) und der Fuchsbandwurm (E. multilocularis). Besonders die letztgenannte Art kann beim Menschen gefährliche Erkrankungen verursachen.

Symptome

Hundebandwurm

Viele Patient*innen zeigen keine Symptome und auch Spontanheilungen sind möglich. Gelangt der Parasit in den Körper, setzt er sich meist in der Leber fest, wo er eine mit Flüssigkeit gefüllte Blase (Zyste) bildet (zystische Echinokokkose). Große Zysten in der Leber können die normale Leberleistung stören und zu Bauchschmerzen, einer Entzündung der Gallengänge und Gelbfärbung der Haut (Ikterus) führen. Zusätzliche bakterielle Infektionen mit Abszessbildung können auftreten. Wird die Lunge befallen, können Husten, blutiger Auswurf, Brustschmerzen, Pleuritis oder Atembeschwerden auftreten. Geplatzte Zysten können akute allergische Reaktionen oder andere Hypersensitivitätsreaktionen auslösen. Zysten außerhalb von Leber oder Lunge sind sehr selten und meist asymptomatisch, können aber je nach Lokalisation zu unterschiedlichen Symptomen führen.

Aufgrund der langen Inkubationszeit und des langsamen Zystenwachstums wird die Erkrankung häufig erst spät diagnostiziert oder fällt als Zufallsbefund (z. B. im Ultraschall) auf. Die Infektion erfolgt wahrscheinlich häufig bereits im Kindesalter, zeigt sich aber erst im Erwachsenenalter, teilweise bis zu 50 Jahre später.

Fuchsbandwurm

Der Fuchsbandwurm ist für den Menschen deutlich gefährlicher, da der Wurm sich von der Leber aus im ganzen Körper ausbreiten und zu einer tumorähnlichen Erkrankung führen kann (alveoläre Echinokokkose). Die Larven verursachen langsam wachsende, geschwulstähnliche, zystische, infiltrierende Veränderungen von geleeartiger Struktur, die sich sowohl kontinuierlich auch als metastasenähnlich ausbreiten können, v. a. in Lunge und Gehirn. Dadurch werden die Organe in ihrer Funktion gestört. Unbehandelt kann eine Infektion mit dem Fuchsbandwurm zum Tode führen.

Die Infektion bleibt oft für 10–15 Jahre asymptomatisch. Danach treten unspezifische Symptome wie Druckgefühl im Oberbauch, Schmerzen, Übelkeit, Fieber und je nach Lage der Zysten Gelbsucht oder eine Entzündung der Gallengänge auf.

Ursachen

Der Hauptwirt für Echinokokken sind Wildtiere. Sie können diese Parasiten im Darm tragen, ohne selbst krank zu werden. Reife Würmer legen Eier, die mit dem Kot ausgeschieden werden. Die Larven können erst schlüpfen, wenn sie in einen neuen Wirt gelangen. Dies kann beispielsweise dann geschehen, wenn andere Tiere oder Menschen Gras, Beeren oder Pilze zu sich nehmen, die durch den Kot des Hauptwirts verunreinigt sind. Die Ansteckung mit dem Hundebandwurm erfolgt meist durch infizierte Hunde, die die Eier in ihrem Fell tragen oder mit dem Kot ausscheiden. Dabei werden die Hunde durch verunreinigte Nahrung angesteckt, wie z. B. durch infizierte Schlachtabfälle vom Schaf.

Häufigkeit

E. granulosus kommt weltweit vor, v. a. in Gebieten mit niedrigen hygienischen Standards bei der Haustierhaltung. In Gebieten, wo Schafzucht betrieben wird und die Schlachtabfälle an Hunde verfüttert werden, ist das Risiko einer Ansteckung besonders groß. In Deutschland tritt die Krankheit kaum noch als einheimische Infektion auf. Die meisten Betroffenen stecken sich in ihrem Heimatland oder auf Reisen an. Es sind aber auch Infektionen durch importierte Hunde möglich.

Der Fuchsbandwurm (E. multilocularis) ist in Deutschland, der Schweiz, Österreich und in Ostfrankreich heimisch. Als Endwirt gilt der Fuchs, der den Waldboden, Pilze und Waldbeeren durch seinen infizierten Kot verunreinigen kann.

Die Echinokokkose ist in Deutschland meldepflichtig. 2014 wurden 63 Erkrankungsfälle an zystischer Echinokokkose (E. granulosus) in Deutschland gemeldet, 2018 83 Fälle. Unter den 83 Fällen, die 2018 gemeldet wurden, waren 6 Fälle, die wahrscheinlich in Deutschland erworben wurden. Auch von alveolärer Echinokokkose treten in Deutschland jährlich etwa 50 Fälle auf. Die Echinokokkose kann in allen Altersgruppen auftreten, häufig wird sie jedoch wegen der langen Inkubationszeit und des langsamen Wachstums der Zysten erst im mittleren oder höheren Alter diagnostiziert.

Untersuchungen

  • Für die Diagnose werden die Beschwerden der Patient*innen abgefragt und die klinische Symptomatik untersucht.
  • Die Echinokokkose kann zu veränderten Blut- und Leberwerten führen. Die Tests zeigen jedoch nur an, ob ein Kontakt mit Echinokokken stattgefunden hat, nicht jedoch, ob eine aktive Erkrankung vorliegt.
  • Häufig werden Zysten beim Ultraschall entdeckt, bei dem sich der Zysteninhalt gut darstellen lässt.
  • CT und MRT können die Leber und die Auswirkungen von Veränderungen auf wichtige Strukturen noch genauer darstellen.
  • Eine Probenentnahme aus der Zyste und genetische Untersuchung davon kann eine Infektion ebenfalls nachweisen. Beim Eingriff ist allerdings das Risiko einer allergischen Reaktion oder Ausbreitung der Krankheit zu beachten.

Behandlung

  • Eine Infektion mit dem Hundebandwurm bedarf oft keiner Behandlung.
  • Wenn Sie zum ersten Mal Symptome einer Infektion entwickeln, sollten Sie sich unbedingt behandeln lassen.
  • Während der Schwangerschaft und Stillzeit sollte eine Behandlung mit speziellen Medikamenten erfolgen.
  • Eine Infektion mit dem Fuchsbandwurm muss immer so schnell wie möglich behandelt werden, um die Ausbreitung des Parasiten zu verhindern.
  • Ist eine Operation möglich, werden die durch die Echinokokken hervorgerufenen Zysten/Geschwulste entfernt.
  • Eine Lebertransplantation kann bei weit fortgeschrittenen Erkrankungen ohne Fernmetastasen erfolgen. Die medikamentöse Therapie sollte noch 2 Jahre nach der Transplantation fortgeführt werden.

Vorbeugung

  • Gute Hygiene ist der beste Schutz vor einer Infektion.
  • Kochen Sie Wasser aus Bächen und Seen ab.
  • Tragen Sie immer Schutzhandschuhe bei Kontakt mit Füchsen und mit jeglichen toten Tieren.
  • Waschen Sie Ihre Hände nach einem Kontakt mit Fuchs, Hund (und Hundegeschirr) oder Katze.
  • Waschen Sie Ihre Hände vor Mahlzeiten und nach dem Aufenthalt in Wäldern.
  • Achten Sie darauf, Pilze und Beeren gut zu waschen oder abzukochen.
  • Tiere, die als Zwischenwirt für E. granulosus (insbesondere Schafe, aber auch Rentiere und Großrinder) infrage kommen, werden nach dem Schlachten untersucht. Infizierter Schlachtabfall darf nicht als Hundefutter verwendet werden.
  • Hunde, die aus südlichen Ländern importiert werden, sollten entwurmt werden.

Prognose

  • Eine Infektion mit E. granulosus verläuft häufig ein Leben lang asymptomatisch.
  • Aktivität, Größe, Anzahl und Lokalisation der Zysten sind für den Verlauf der Krankheit ausschlaggebend, oft werden sie auch spontan inaktiv.
  • Es kann zu Komplikationen wie Entzündungen der Gallengänge, zusätzlichen bakteriellen Infektionen oder allergischen Reaktionen bei verletzten Zysten kommen.
  • Die Sterblichkeit nach einer Infektion mit E. granulosus ist insgesamt niedrig und liegt wahrscheinlich unter 2–4 %.
  • Die Infektion mit E. multilocularis hat in der Regel eine initial symptomfreie Periode von 10–15 Jahren.
  • Es können verschiedene Komplikationen der Gallengänge und Leber auftreten, bis hin zum Leberversagen.
  • Eine fortgeschrittene Erkrankung kann sich auf andere Organe ausbreiten und Metastasen bilden.
  • Ohne Behandlung liegt die Sterblichkeit nach einer Infektion mit E. multilocularis bei 90 %.
  • Die Infektion wird heute jedoch meist rechtzeitig erkannt und behandelt. Mit Therapie sind 30 % der Fälle heilbar.
  • Behandelte Patient*innen sollten mindestes 10 Jahre in regelmäßiger Nachsorge verbleiben. Kontaktpersonen von infizierten Tieren (z. B. Hund, Fuchs, Katze) sollten 4 Wochen sowie 6, 12 und 24 Monate nach dem wahrscheinlichen Kontakt untersucht werden, um im Falle einer Infektion eine frühzeitige Überwachung und ggf. rechtzeitige Therapie einzuleiten.

Autor*innen

  • Markus Plank, MSc BSc, Medizin- und Wissenschaftsjournalist, Wien
  • Natalie Anasiewicz, Ärztin, Freiburg i. Br.