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Leishmaniose

Leishmaniose ist eine Infektionskrankheit, die sich auf verschiedene Weise äußern kann – von einem relativ milden Verlauf bis zu einer schweren, lebensgefährlichen Erkrankung. Weltweit kostet diese Krankheit jährlich bis zu 30.000 Menschen ihr Leben.

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Was ist Leishmaniose?

Leishmaniose ist eine Infektionskrankheit, die sich durch lokale Hautveränderungen bis hin zu Symptomen des ganzen Körpers äußern kann. Sie wird durch den Stich der Sandmücke/Schmetterlingsmücke von Tieren auf Menschen übertragen. Damit ist sie eine Zoonose, also eine Tierkrankheit, die auf Menschen übertragen werden kann. Die Sandmücke beißt u. a. Hunde und Nagetiere, von denen der Infektionserreger über Mückenstiche auf den Menschen übertragen wird.

Die Krankheit selbst wird durch Protozoen, einzellige Organismen, verursacht. Das Leishmania-Protozoon nisten sich in fremden Zellen ein – d. h., es handelt sich um Parasiten. Die sogenannte viszerale Leishmaniose (Kala-Azar, „Schwarzes Fieber") kann auch von Mensch zu Mensch übertragen werden (bei der Geburt von der Mutter auf ihr Kind oder durch Blut- oder Organspenden).

Leishmaniose kann sich auf unterschiedliche Weise äußern, von Hautwunden, die spontan heilen, zu einer schweren, lebensgefährlichen Erkrankung der inneren Organe (viszerale Leishmaniose). Verschiedene Arten dominieren in verschiedenen Regionen der Welt.

Drei verschiedene Typen treten auf:

  • Viszerale Leishmaniose (Kala-Azar) – viszeral bedeutet in den inneren Organen
  • Kutane Leishmaniose (in der Haut, als einzelne Wunde; aber auch diffus über große Teile des Körpers)
  • Mukokutane Leishmaniose (auf der Haut sowie auf der Schleimhaut von Mund und Nase).

Häufigkeit

Die Häufigkeit der Krankheit wird weltweit auf etwa 12 Millionen betroffene Personen geschätzt. Jedes Jahr sterben ca. 20.000–30.000 Menschen an Leishmaniose. Jährlich gibt es etwa 0,7–1 Million neue Krankheitsfälle, und die Zahl der Neuerkrankungen steigt.

Die Krankheit ist in tropischen und gemäßigten Zonen weit verbreitet: in Nordafrika, im Mittleren Osten, außerdem in Teilen Europas und Mittel- und Südamerikas. Etwa 70 % aller Fälle von kutaner Leishmaniose treten in Afghanistan, Pakistan, Syrien, Saudi-Arabien, Algerien, Äthiopien, Iran, Sudan, Brasilien, Kolumbien, Costa Rica und Peru auf. Etwa 90 % aller Fälle von viszeraler Leishmaniose treten in Brasilien, Äthiopien, Indien, Kenia, Somalia, Südsudan und Sudan auf.

In Deutschland treten jährlich ca. 20 eingeschleppte Erkrankungen auf.

Ursachen

Leishmaniose wird durch eine Infektion mit einem Protozoon verursacht. Es handelt sich um eine Zoonose, die durch den Biss der Schmetterlingsmücke übertragen wird. Menschen sind Zufallswirte. Zwischenwirte sind u. a. Nagetiere und Hunde. Die viszerale Leishmaniose (Kala-Azar, „Schwarzes Fieber”) wird auch von Mensch zu Mensch übertragen (bei der Geburt von der Mutter auf ihr Kind oder durch Blut- oder Organspenden).

Die Inkubationszeit (Zeitspanne zwischen Infektion und Ausbruch der Erkrankung) kann Wochen bis Monate dauern, und der beschriebene Krankheitsverlauf kann sehr langwierig sein. Leishmaniose kann in Form einer „schlafenden” (latenten) Infektion auftreten, die bei einer eventuellen Immunschwäche, z. B. bei AIDS-Patienten, zu einem viel späteren Zeitpunkt ausbricht.

Symptome

Viszerale Leishmaniose

Die Inkubationszeit beträgt in der Regel 2 Wochen bis 8 Monate. Es treten oft zweimal täglich Fieberschübe sowie zunehmend stärkere Allgemeinsymptome auf. An der Stichstelle kann ein Knötchen entstehen, bevor die Patienten erkranken. Die Krankheit kann unbehandelt innerhalb von 2 Jahren tödlich sein, oft auf der Basis einer weiteren, komplizierenden Infektion.

Kutane Leishmaniose

Hautveränderungen treten 2 Wochen bis mehrere Monate nach der Infektion auf. Allgemeinsymptome gibt es selten, aber leichtes, kurz anhaltendes Fieber ist möglich. Bei komplexeren Formen können Hautläsionen am ganzen Körper auftreten. Die Hautveränderungen heilen oft spontan nach einigen Monaten ab.

Mukokutane Leishmaniose

Zunächst entstehen Läsionen an den Einstichstellen ähnlich zur kutanen Leishmaniose. Im Verlauf kommt es zusätzlich zu Veränderungen an der Nasen- oder Mundschleimhaut.

Diagnostik

Die Diagnose wird auf der Grundlage der (Reise-)Anamnese und etwaiger Hautveränderungen, Lymphknotenvergrößerungen und einer vergrößerten Leber und Milz gestellt.

Bei der kutanen Leishmaniose werden Hautproben entnommen. Bei Verdacht auf viszerale Leishmaniose kann eine Blutanalyse die Diagnose bestätigen. Falls der Verdacht bei unauffälliger Blutuntersuchung weiter besteht, wird Knochenmark oder Gewebe bzw. Gewebeflüssigkeit mikroskopisch und durch Gennachweis des Erregers untersucht.

Bei viszeraler Leishmaniose werden weitere Bluttests sowie Ultraschall des Bauchraums, Röntgen der Lunge sowie, mit Einverständnis der Patientin/des Patienten, ein HIV-Test.

Behandlung

Die Behandlung ist anspruchsvoll und erfordert Arzneimittel, die den Körper belasten können. Bei Leishmaniose wird die Einweisung in ein Krankenhaus empfohlen.

Bei einer einzelnen Hautwunde ist eine Salbenbehandlung oder auch Abwarten auf spontanes Abheilen möglich.

Prävention

Impfstoffe gegen viszerale Leishmaniose befinden sich gegenwärtig in Entwicklung, aber noch ist kein wirksamer Impfstoff gefunden worden.

Bei Reisen in Endemiegebiete ist ein individueller Schutz vor Insektenstichen durch körperbedeckende Oberbekleidung, Repellents und feinmaschige Moskitonetze (möglichst mit Insektiziden präpariert) erforderlich.

Prognose

Die kutane Leishmaniose bildet sich meist innerhalb von 3–6 Monaten selbstständig zurück, hinterlässt jedoch häufig Narben. Sie spricht sehr gut auf Therapie an und heilt dann häufig narbenfrei ab.

Viszerale Leishmaniose (Kala-Azar) weist unbehandelt eine hohe Sterberate auf. Durch eine frühzeitige Diagnose und Behandlung kann die Letalität auf ca. 5 % reduziert werden.

Bei viszeraler Leishmaniose gibt es teilweise Rückfälle, am häufigsten im Laufe der ersten 6 Monate nach Behandlungsende, selten auch später.

Weitere Informationen

Autoren

  • Markus Plank, Medizin- und Wissenschaftsjournalist, Wien