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Onchozerkose

Bei der Onchozerkose (Flussblindheit) handelt es sich um eine Infektion mit dem parasitären Fadenwurm Onchocerca volvulus. Die Krankheit ist in bestimmten Regionen der Welt, vor allem in Subsahara-Afrika, eine der Hauptursachen für Erblindung.

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Was ist Onchozerkose?

Die Onchozerkose (Flussblindheit) ist eine Infektion mit dem parasitären Fadenwurm Onchocerca volvulus und eine der wichtigsten Ursachen für Blindheit in tropischen Gebieten. Bei dieser Erkrankung siedeln sich fadendünne Würmer im Körper an. Die Mikrofilarien sind Larven des weiblichen Wurmes, die über Blut von Insekten (Kriebelmücken) übertragen werden können. Es treten Knötchen unter der Haut auf, die die erwachsenen Würmer enthalten, und Haut- und Augenveränderugen, die von toten oder sterbenden Mikrofilarien verursacht werden.

Mehr als 30 Millionen Menschen in Afrika südlich der Sahara und Lateinamerika sind mit Onchocerca infiziert. Allein in Tansania leiden drei bis vier Millionen Patienten an Hauterkrankungen, 500.000 an Sehstörungen und 270.000 an Blindheit durch Onchozerkose. Die Erkrankung ist eine häufige Ursache für Erblindung in Subsahara-Afrika, die verhindert werden kann. In Gebieten mit der größten Verbreitung der Krankheit sind mehr als 40 % der Bevölkerung im Alter von über 40 Jahren blind. 

Das Infektionsmuster ist je nach Vegetationszone (Savanne oder Regenwald) unterschiedlich. In den westafrikanischen Savannen kommt die Augeninfektion, vor allem der vorderen Augenabschnitte, und somit die Blindheit häufig vor. In den Regenwaldgebieten Afrikas dominiert die Hautinfektion, eine Augeninfektion ist seltener, und dann sind eher die hinteren Augenabschnitte betroffen. 

Bei Reisenden ist die Onchozerkose selten, da für die Infektion Langzeitaufenthalte von über zwölf Monaten in endemischen Gebieten notwendig sind.

Ursache

Onchozerkose ist eine chronische Filariose-Erkrankung, die durch Onchocerca volvulus verursacht wird, fadendünne, parasitäre Würmer, die in den menschlichen Körper eindringen. Mikrofilarien sind Larven des weiblichen Wurms, und sie können durch das Blut von Insekten übertragen werden.

Der Mensch ist der einzige wichtige Wirt für diese Wurmerkrankung. Die Krankheit wird durch Kriebelmücken (auch Black Flies genannt) übertragen, die tagsüber beißen und sich vor allem an Flussufern aufhalten und vermehren. Die Mücken sind Vektoren (Infektionsüberträger), weil sie das Blut von infizierten Menschen aufsaugen und dann die Larven, die die Mücken mit einsaugen, auf gesunde Menschen übertragen. Nach sechs bis zwölf Tagen sind die Larven in der Mücke ansteckend (infektiös) geworden und können mit der nächsten Blutmahlzeit auf gesunde Menschen übertragen werden. Die Larven reifen innerhalb eines Jahres zu weiblichen und männlichen Würmern heran und befinden sich in Knötchen unter der Haut (Onchozerkomen). Weibliche Würmer produzieren im Laufe ihres Lebens, das bis zu 14 Jahren dauern kann, Millionen von Mikrofilarien, das erste Stadium der Larven. Die beweglichen Mikrofilarien dringen in die Haut, Unterhaut, in das Lymphgewebe und in die Augen ein; in Ausnahmefällen können sie im Urin gefunden werden, aber nur selten im Blut oder in der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit.

Wolbachia sind Bakterien, die symbiotisch mit den meisten der den Menschen befallenden Filarien-Arten leben. Die Bakterien scheinen essenziell für die Fruchtbarkeit der Fadenwürmer zu sein. Antibiotika vermindern die Anzahl der Wolbachia-Bakterien und hemmen dadurch die Entwicklung der Embryonen bei den weiblichen Würmern. Daher werden Antibiotika wie Tetrazykline, Rifampicin und Chloramphenicol eingesetzt, um aktiv gegen Wolbachia und somit gegen die Wurminfektion vorzugehen.

Symptome

Der Zeitraum zwischen der Ansteckung und dem Auftreten der ersten Symptome kann ein bis drei Jahre lang sein.

Erwachsene Würmer, die bis zu 14 Jahre alt werden können, befinden sich oft in Knötchen der Unterhaut, die schmerzlos und beweglich sind und einen Durchmesser von 0,5–3 cm haben. Viele Knoten befinden sich jedoch tief im Bindegewebe oder im Muskelgewebe und lassen sich von außen nicht ertasten. Diese Knötchen in der Unterhaut (Onchozerkome) finden sich vor allem über Knochenvorsprüngen, je nach geografischer Region an unterschiedlichen Körperregionen.

Mikrofilarien lösen die typischen Krankheitssymptome aus, wie chronische Hautentzündungen und Hautschäden, chronischen Juckreiz, Entzündung und Schwellung der Lymphknoten, Vermehrung des Bindegewebes und Augenveränderungen (Sehstörungen, Juckreiz und eine Augenentzündung, die zur Erblindung führen kann).

Erkrankte Touristen können auch nur eine Hautentzündung ohne andere Krankheitsanzeichen bekommen, und es kann deswegen schwierig sein, die Mikrofilarien zu erkennen. 

Diagnostik

Die Information, dass die Patienten sich in einem endemischen Gebiet aufhalten oder aufgehalten haben, könnte den Onchozerkose-Verdacht wecken. Der Befund von Knötchen unter der Haut bestärkt den Verdacht.

Die Diagnose wird gestellt durch den Nachweis von Würmern oder Mikrofilarien in einer Hautbiopsie. Der Ort der Biopsie sollte je nach Region spezifisch gewählt werden, um die meisten Mikrofilarien nachzuweisen: In Zentralamerika über dem Schulterblatt oder Beckenkamm, in Afrika Beckengürtel, Gesäß oder Oberschenkelaussenseite, im Jemen die Wade. Mikrofilarien können auch im Auge gefunden werden oder auch erwachsene Würmer in den Knötchen unter der Haut. Da die Reifung der Würmer ungefähr 9–15 Monate dauert, bis genügend Mikrofilarien freigesetzt werden, um sie nachzuweisen, können im Frühstadium häufig keine Erreger nachgewiesen werden.

Bluttests können eine Infektion nachweisen. Es kann aber vorkommen, dass sich Kreuzreaktionen zwischen den verschiedenen Formen der Filariose zeigen. Die Tests können auch nicht zwischen einer früheren oder aktuellen Infektion unterscheiden. 

Eine Ultraschalluntersuchung kann tiefer liegende Knötchen mit Würmern zeigen. Mikrofilarien im Auge können bei einer Augenuntersuchung mit einer Spaltlampe festgestellt werden.

Behandlung

Die Behandlung ist eine Kombination aus vorbeugenden Maßnahmen gegen die weitere Ausbreitung, der Massenbehandlung in endemischen Gebieten und der individuellen Behandlung von Einzelpersonen. Als präventive Maßnahme werden Insektizide verwendet, um die Kontrolle über die Kriebelmücken zu gewinnen, die die Infektion übertragen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterstützt ein umfassendes Programm zur Massenverteilung des Medikamentes Ivermectin, um Kontrolle über die Flussblindheit zu gewinnen. Insgesamt nehmen inzwischen 54 Millionen Menschen in 19 Ländern an diesem Programm teil. Eine deutliche Verminderung der Krankheitssymptome, insbesondere der Hautveränderungen, wurde erreicht. In einigen Ländern konnte die Flussblindheit bereits ausgerottet werden (Burundi, Tschad, Ätiopien) oder die vollständige Beseitigung steht kurz bevor (Elfenbeinküste, Malawi, Mali, Uganda, Niger, Senegal). Da sich zunehmend Resistenzen gegen Ivermectin entwickeln, wird nach alternativen Medikamenten geforscht.

Ivermectin wird zusammen mit Wasser als Einzeldosis verabreicht und reduziert innerhalb von zwei bis drei Tagen die Anzahl der Mikrofilarien in der Haut. Diese Eindämmung hält jedoch nur ca. sechs Monate lang an. Danach tauchen die Mikrofilarien erneut auf, und es wird empfohlen, die Behandlung alle sechs Monate und nach einigen Jahren einmal im Jahr zu wiederholen. Erst nach einer Behandlungsdauer von 12–15 Jahren ist die Krankheit dauerhaft bezwungen. Dieser Punkt erweist sich als schwierig, weil u. a. die Motivation für die Behandlung nicht so groß ist, wenn die Symptome nachgelassen haben. Ivermectin sollte nicht in der Schwangerschaft eingenommen werden. Außerdem liegen keine Erfahrungen bzgl. der Behandlung von Kleinkindern vor.

Das Antibiotikum Doxycyclin führt über die Bekämpfung der Wolbachia-Bakterien zur Verringerung der Mikrofilarien, daher ist die heutige Standardtherapie eine Kombinationstherapie von Ivermectin und Doxycyclin.

Bei Symptomen an den Augen kann zu Beginn der Behandlung zusätzlich einige Tage lang Kortison verabreicht werden.

Prognose

Im Durchschnitt nehmen die Beschwerden nach ca. drei Jahren Behandlung ab, können aber auch bis zu zehn Jahre lang bestehen bleiben. Die Komplikationen der Erkrankung sind vor allem Schäden an den Augen, bis hin zur Erblindung. Außerdem können chronisch juckende Hautentzündungen auftreten. 

Mit Behandlung ist die Prognose zufriedenstellend. Es ist eine Herausforderung die Behandlung aufrecht zu erhalten, nachdem die Symptome verschwunden sind. 

Weitere Informationen

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden
  • Lara-Marie Reißmann, Dr. med., Ärztin und Journalistin, Hannover