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Typhus und Paratyphus

Typhus und Paratyphus verursachen einen starken Magen-Darm-Infekt und werden z. B. durch verunreinigtes Obst, Wasser und Fleisch übertragen. In Deutschland kommt die Erkrankung heutzutage fast nur noch als Reisekrankheit vor, insbesondere in Ländern mit unzureichenden hygienischen Bedingungen.

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Was sind Typhus und Paratyphus?

Definition

Typhus und Paratyphus sind Darminfektionen, die von zwei Bakterientypen verursacht werden, Salmonella typhi und Salmonella paratyphi. Sie verursachen eine akute Magen-Darm-Infektion mit Fieber und starkem Krankheitsgefühl. Die Erkrankung wird am häufigsten durch mit Fäkalien verschmutzte Lebensmittel übertagen. Typhus sollte nicht mit der in Deutschland häufig vorkommenden Salmonellose verwechselt werden. Diese wird durch einen andere Salmonellenart verursacht.

Symptome

Die Salmonellen verursachen eine starke Entzündung der Magen-Darm-Schleimhaut. Zunächst gibt es neben hohem Fieber nur wenige Beschwerden. Später kommen Bauchschmerzen, Gewichtsabnahme, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall oder auch Verstopfung hinzu. Weitere Beschwerden können Kopfschmerzen, Schüttelfrost, Husten, Muskelschmerzen und Nasenbluten sein. Im Laufe der zweiten Krankheitswoche bildet sich bei einigen Patient*innen ein nichtjuckender Ausschlag am Körper. Ein schwerer Verlauf tritt bei 10–15 % der Betroffenen auf und beginnt meist in der 3. und 4. Krankheitswoche. Er geht mit Blutungen und Verletzungen im Magen-Darm-Trakt einher. Manche Patient*innen entwickeln zusätzlich Erkrankungen am Nervensystem, u. a. Entzündungen oder psychiatrische Symptome.

Ursachen

Die meisten Betroffenen stecken sich beim Verzehr von Getränken oder Lebensmitteln an, z. B. Obst, das in verunreinigtem Wasser gewaschen und roh gegessen wurde. Infizierte Personen scheiden die Bakterien wiederum mit ihrem Stuhl oder Urin aus. Ab ungefähr 1 Woche nach Erkrankungsbeginn werden die Salmonellen auf diesem Wege übertragen. Die Keimausscheidung bleibt über mehrere Wochen bestehen. 5 von 100 erkrankten Personen scheiden die Bakterien lebenslang aus.

Häufigkeit

Infektionen mit Salmonella Typhi oder Paratyphi kommen weltweit vor. Am stärksten verbreitet sind sie auf dem indischen Subkontinent, in Südostasien und im tropischen Afrika. Jedes Jahr erkranken ca. 14 Millionen Menschen an Typhus, ca. 10 Millionen von ihnen leben auf dem indischen Subkontinent.

In Deutschland ist die Erkrankung sehr selten. Die Betroffenen sind überwiegend nicht geimpfte Personen, die sich in Indien oder Pakistan angesteckt haben. Todesfälle kamen in Deutschland in den letzten Jahren nicht vor.

Untersuchungen

  • Blutuntersuchung
    • Die Entzündungsparameter und Leberwerte können gering erhöht sein.
  • Der auslösende Erreger kann in verschiedenen Körperflüssigkeiten nachgewiesen werden:
    • Blut, Harn, Stuhl, Sekret aus dem Zwölffingerdarm oder Knochenmark
    • Die Stuhlprobenuntersuchung dauert lange. Das Ergebnis liegt häufig erst nach 2 bis 3 Wochen vor.

Behandlung

  • Betroffene mit Typhus oder Paratyphus werden mit Antibiotika behandelt.
    • Welches Antibiotikum verwendet wird, hängt davon ab, welcher der Wirkstoffe beim Einzelnen Wirkung zeigt. Die Bakterien werden hierfür im Labor untersucht (Resistenztestung).
    • Die Therapie dauert in der Regel 5 bis 14 Tage.
  • Bei einer Flüssigkeitsansammlung in der Lunge (Lungenödem) wird manchmal zusätzlich ein Steroid eingesetzt.
  • Patient*innen, die das auslösende Bakterium auch nach Heilung von der Erkrankung weiterhin ausscheiden (sog. Dauerausscheider*innen), bekommen eine intensivierte Antibiotikatherapie.

Was können Sie selbst tun?

  • Halten Sie besondere hygienische Regeln ein (das ärztliche Personal wird Sie informieren).
  • Beachten Sie Beschäftigungsverbote: An Typhus Erkrankte und Dauerausscheider*innen dürfen nicht beim Herstellen, Behandeln oder Inverkehrbringen von Lebensmitteln oder in Küchen/Kantinen arbeiten.
    • Eine Wiederzulassung zu Schulen und sonstigen Gemeinschaftseinrichtungen bzw. zu beruflicher Tätigkeit ist nach Heilung und nach 3 aufeinander folgenden negativen Stuhlbefunden möglich.

Vorbeugung

  • In den Gebieten, wo die Erkrankung häufig vorkommt, sollten Sie keine ungekochten oder ungeschälten Lebensmittel essen.
    • Die häufigsten Ansteckungsquellen sind Wasser, Salate, rohes Gemüse, Saucen, rohe Meeresfrüchte, nichtpasteurisierte Milch, ungeschältes Obst, Eiswürfel aus verunreinigtem Wasser, eihaltige Speisen wie Mayonnaise und Saucen, nicht ausreichend durchgegartes Fleisch.
  • Waschen Sie sich regelmäßig die Hände.
  • Säubern Sie Ihr Geschirr und Besteck.
  • Halten Sie Abstand von Stellen, die kontaminiert sein könnten, z. B. Orte, wo menschliche Ausscheidungen vergraben werden oder an bestimmten Wasserstellen.
  • Trinken Sie nur sauberes Wasser.

Schutzimpfung

  • Es gibt zugelassene Impfstoffe gegen Typhus (nicht gegen Paratyphus).
  • Die Impfung ist nicht immer wirksam, wird aber dennoch in bestimmten Situationen empfohlen:
    • bei allen Reisen nach Pakistan, Indien, Nepal, Afghanistan, Bangladesch
    • bei Reisen unter einfachen Aufenthaltsbedingungen (Trekking, Hilfseinsätze) nach Asien, Afrika, Mittel- und Südamerika.
  • Die Reisenden tragen die Kosten für die Impfung selbst.
  • Die Impfung sollte mindestens 2 Wochen vor der Abreise erfolgen.

Prognose

  • Bei 15 von 100 Patient*innen tritt die Erkrankung erneut auf.
  • 2–5 % der an Typhus Erkrankten werden zu Dauerausscheider*innen.
  • Typhus verläuft schwerer als Paratyphus.
    • Unbehandelt versterben 10 von 100 der Betroffenen.
    • Mit Behandlung verstirbt 1 von 100 Betroffenen.

Weitere Informationen

Autorin

  • Hannah Brand, Dr. med. Ärztin, Berlin

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Typhus und Paratyphus. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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  3. Robert Koch-Institut. Epidemiologisches Bulletin 30/2019. Zugriff 22.4.2020. www.rki.de 
  4. Robert Koch-Institut: Infektionsepidemiologisches Jahrbuch für 2019, Berlin, 2020. www.rki.de 
  5. Robert Koch-Institut. Typhus abdominalis, Paratyphus. RKI-Ratgeber für Ärzte. Stand 2008. Letzte Aktualisierung November 2019. www.rki.de 
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