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Affenpocken

Eine seltene von Tieren auf Menschen übertragene Infektion mit dem Affenpockenvirus. Die Erkrankung ist nicht sehr ansteckend und verursacht in der Regel keine schweren Krankheitsverläufe. Eine wichtige Maßnahme ist die Isolierung von erkrankten Personen.

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Was sind Affenpocken?

Definition

Affenpocken sind eine seltene von Tieren auf Menschen übertragene Infektion mit dem Affenpockenvirus (Monkeypox Virus, MPX). Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist möglich.

Das Affenpockenvirus ist verwandt mit dem Pockenvirus (Variola, Smallpox), das 1980 ausgerottet wurde, und dem Kuhpockenvirus.

Das Virus kann Tage bis Monate auf Oberflächen oder Stoffen überleben.

Symptome

Affenpocken haben eine Inkubationszeit (Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Erkrankung) von 5 bis 21 Tagen (in Einzelfällen auch kürzer).

Zunächst treten meist allgemeine Krankheitssymptome wie Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Erschöpfung und geschwollene Lymphknoten auf. Die Lymphknotenschwellungen sind ein wichtiges Unterscheidungskriterium zu Windpocken und Gürtelrose (Zoster), bei denen es in der Regel nicht dazu kommt.

Nach 1 bis 3 Tagen erscheinen Hautveränderungen mit typischen Bläschen, Pusteln oder Quaddeln, die erst verkrusten und dann abfallen; Beginn häufig im Gesicht, danach Ausbreitung auf andere Körperteile. Die Hautveränderungen können schmerzhaft sein und/oder stark jucken.

Erkrankte Menschen sind ansteckend, bis die Symptome vollständig abgeklungen sind, d. h. 2 bis 4 Wochen.

Wie wird das Virus übertragen?

Das Affenpockenvirus ist nicht sehr ansteckend (weniger ansteckend als das Pockenvirus) und verursacht in aller Regel keine schweren Krankheitsverläufe.

Vermutlich wird das Virus von Nagetieren auf den Menschen übertragen, und zwar durch:

  • Kontakt zu Hautverletzungen, Blut oder Ausscheidungen infizierter Tiere
  • Bisse von infizierten Tieren
  • Zubereiten und Verzehren von nicht ausreichend erhitztem Fleisch erkrankter Tiere.

Eine Übertragung des Virus von Mensch zu Mensch ist vor allem bei engem (Körper-)Kontakt möglich:

  • durch Körperflüssigkeiten oder Schorf von Erkrankten, vermutlich bei sexuellen Kontakten (in Europa v. a. bei Männern, die Sex mit Männern haben, und Personen mit mehreren Sexualpartner*innen)
  • durch Atemwegssekrete infizierter Menschen beim Husten und Niesen (Das kann schon vor dem Auftreten des Ausschlages vorkommen.)
  • durch Speichel bei Wunden im Mund
  • beim Zusammenleben in einem Haushalt
  • durch Kontakt mit infiziertem Material, z. B. Bettzeug, Handtücher, Essgeschirr oder Kleidung erkrankter Menschen
  • Auch eine Virusübertragung von der Mutter auf das ungeborene Kind oder nach der Geburt ist dokumentiert.

Häufigkeit

  • Vor allem in den Regenwaldregionen der west- und zentralafrikanischen Länder (Nigeria, Demokratische Republik Kongo, Republik Kongo, Kamerun, Zentralafrikanische Republik, Elfenbeinküste, Liberia, Sierra Leone, Gabun, Südsudan) kommt das Affenpockenvirus vor.
  • Zunehmende Erkrankungsfälle weltweit und in Deutschland (seit Mai 2022)
  • Das Risiko ist gering, dass Reiserückkehrer*innen oder Säugetiere die Affenpocken nach Deutschland bringen.
  • Die genauen Zahlen der weltweit Erkrankten ist unbekannt, ebenso die Anzahl der unbemerkt infizierten Menschen.
  • Das RKI schätzt die Gefährdung der Bevölkerung hierzulande als gering ein.

Untersuchungen

Die allgemeinen Krankheitssymptome mit geschwollenen Lymphknoten und die typischen Hautveränderungen (rote Flecken, Quaddeln, Bläschen, Pusteln, ) weisen auf die Erkrankung hin.

Bei Reiserückkehrer*innen aus (West-)Afrika oder bei Kontakt mit erkrankten Personen erhärtet sich der Verdacht auf Affenpocken. Dann wird nach Absprache mit dem Konsiliarlabor für Pockenviren des Robert Koch-Instituts ein Abstrich aus Bläscheninhalt oder Schorf zum Virusnachweis ins Labor geschickt. Das Affenpockenvirus gehört in Deutschland zur Risikogruppe 3, deshalb ist eine Untersuchung nur in Laboren mit dieser Schutzstufe möglich (z. B. Konsiliarlabor für Pockenviren des RKI).

Behandlung

Ziele der Behandlung sind, den Krankheitsverlauf zu verkürzen, Komplikationen wie Wundinfektionen zu vermeiden sowie eine Weiterverbreitung der Krankheit zu verhindern.

Wenn nötig, werden Beschwerden wie Fieber oder Schmerzen behandelt. Der juckende Hautausschlag kann mit Zinkschüttelmixtur zum Auftragen behandelt werden. In Ausnahmefällen kann Tecovirimat eingesetzt werden, ein Medikament, das zur Behandlung von Pockenvirusinfektionen zugelassen ist.

 Die Ärzt*innen entscheiden, ob die Behandlung und Isolierung der Patient*innen zu Hause oder in der Klinik erfolgen sollen.

In der Regel heilt die Erkrankung von selbst aus.

Was können Sie selbst tun?

  • Beachten Sie die Hygienemaßnahmen beim Umgang mit erkrankten Menschen.
  • Vermeiden Sie engen Kontakt zu möglicherweise infizierten, erkrankten oder toten Tieren in Endemiegebieten.

Vorbeugung

Impfung

  • Personen, die vor über 40 Jahren gegen Pocken geimpft wurden, haben vermutlich einen gewissen Schutz gegen eine (schwere) Erkrankung mit Affenpocken.
  • Dennoch ist ein Schutz vor der Infektion notwendig!
  • In der EU ist ein Pockenimpfstoff mit dem modifizierten Vacciniavirus Ankara (MVA) ab 18 Jahren auch für die Impfung gegen Affenpocken zugelassen (Imvanex). Er ist bisher nur eingeschränkt verfügbar.
  • Dieser Impfstoff ist besser verträglich als ältere Pockenimpfstoffe.
  • Die STIKO empfiehlt eine Impfung gegen Affenpocken für Personen, die engen Kontakt mit einer erkrankten Person hatten und für Menschen mit erhöhtem Risiko, also für Männer, die Sex mit Männern haben und für Laborpersonal, dass mit Virusproben arbeitet.

Isolierung

  • In den meisten Fällen ist eine Isolierung zuhause möglich (in Absprache mit den behandelnden Ärzt*innen).
  • Erkrankte sollten sich isolieren, bis die Hautveränderungen komplett abgeheilt sind und der letzte Schorf abgefallen ist. Dies kann bis zu 4 Wochen dauern.
  • In dieser Zeit kein Kontakt zu immungeschwächten Menschen und Haustieren
  • Keine sexuellen Aktivitäten (auch kein geschützter Sexualkontakt), kein enger Körperkontakt
  • Bettzeug und Haushaltsgegenstände nicht mit anderen Personen teilen, am besten im eigenen Zimmer bleiben und, wenn möglich, ein separates Badzimmer benutzen.
  • Das Krankenzimmer sollte regelmäßig gereinigt und desinfiziert werden (handelsübliche Reinigungsmittel. ggf. Flächendesinfektionsmittel mit begrenzt viruzider Wirksamkeit laut Etikett).
  • Bettzeug und Kleidung nicht aufschütteln. Wäsche und Handtücher bei mindestens 60 Grad waschen.
  • Siehe auch den RKI-Flyer Häusliche Isolierung bei bestätigter Affenpocken-Infektion .

Maßnahmen für Kontaktpersonen

  • Bei ungeschütztem Kontakt (ohne Schutzausrüstung) zu einem bestätigten Affenpocken-Fall oder zu infektiösem Material: 21 Tage häusliche Quarantäne
  • Bei geschütztem Kontakt: aktive Überwachung für 21 Tage
  • Bei Kontakt zu einer erkrankten Person in der Inkubationszeit (5–21 Tage): Lokales Gesundheitsamt benachrichtigen (tools.rki.de/plztool ).
  • Wenn sich Symptome zeigen: kein Kontakt zu anderen Personen, Hausarztpraxis kontaktieren.
  • Enge Kontaktpersonen sollen bis 21 Tage nach dem letzten Kontakt zu einem Krankheitsfall auf die Entwicklung von Symptomen achten.
    • in dieser Zeit keine Blut-, Knochenmark- oder Organspende

Hygienemaßnahmen für medizinisches Personal/Pflegende

  • Wunden von infizierten Menschen nicht ohne Handschuhe berühren.
  • Einmalhandschuhe verwenden.
  • Strikte Händehygiene einhalten (Händedesinfektionsmittel mit mindestens begrenzt viruzider Wirksamkeit).
  • FFP2-Maske, Schutzbrille und Haube tragen.
  • Einen wasserdichten Schutzkittel verwenden.
  • Bettzeug und Kleidung nicht aufschütteln (infektiöses Wundmaterial)!

Meldepflicht

Prognose

  • In den meisten Fällen ist die Prognose gut, und es treten keine schweren Krankheitsverläufe auf.
  • Schwere (oder sogar tödliche) Verläufe sind möglich, vor allem bei Neugeborenen, Kindern, alten Menschen, immungeschwächten Personen (z. B. HIV-Infektion, nach Organtransplantation) und Schwangeren.
  • In schweren Fällen ist eine ausgeprägte Narbenbildung möglich.
  • Laut WHO liegt die Gesamtsterblichkeit bei ca. 3–6 %.

Weitere Informationen

Autorinnen

  • Ulrike Boos, Redakteurin Deximed, Freiburg
  • Marlies Karsch-Völk, Dr. med., Fachärztin für Allgemeinmedizin, München