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Parvovirusinfektion während der Schwangerschaft

Das Parvovirus ist ein weit verbreitetes Virus, an dem viele Menschen bereits in der Kindheit erkranken und dann immun sind. Wenn allerdings eine Schwangere sich mit diesem Virus infiziert, besteht für das ungeborene Kind die Gefahr einer ernsthaften Krankheit, der sogenannte Hydrops fetalis.

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Was sind Parvoviren?

Parvoviren (darunter Parvovirus B19) sind kleine, einzelsträngige DNA-Viren. Die meisten mit diesem Virus infizierten Personen sind symptomfrei, oder sie haben leichte, unspezifische, erkältungsähnliche Symptome und/oder Ringelröteln und allgemeine Gelenkschmerzen.

Infiziert sich eine Frau in der Schwangerschaft mit Parvovirus B19, besteht die Gefahr, dass sich die Erkrankung auch auf das ungeborene Kind überträgt. Es kann zu schweren Schädigungen des Fötus kommen. Eine frühzeitige Diagnose und Therapie kann die Prognose für das Ungeborene verbessern.

Parvovirus und Ringelröteln

Ringelröteln werden durch das Parvovirus B19 verursacht und verlaufen in den meisten Fällen ohne eine Beeinträchtigung des Allgemeinzustandes und ohne Fieber. Ihr milder Verlauf kann in einigen Fällen von leichten Erkältungssymptomen begleitet sein. Sie machen sich insbesondere durch den charakteristischen Hautausschlag erkennbar, der ihnen zur englischen Bezeichnung „Slapped Cheak Disease" (Ohrfeigenkrankheit) verhalf.

Die Erkrankung ist schon etwa 1 Woche lang ansteckend, bevor sie sicher diagnostiziert werden kann. Zudem sind die Betroffenen auch noch 1 Woche nach Auftreten der ersten Symptome ansteckend. Insgesamt liegt die Inkubationszeit, die Zeit von einer Infektion bis zur Erkrankung, bei bis zu 20 Tagen – und in dieser Zeit kann man sich anstecken.

In Deutschland haben ca. 30 % der Frauen im gebärfähigen Alter noch keine Infektion durchgemacht und sind damit anfällig für eine Parvovirusinfektion. Das Infektionsrisiko liegt bei etwa 50 % bei Personen, die mit infizierten Menschen zusammenleben (z. B. Schwangere mit eigenem, infiziertem Kind); bei anderen Kontaktpersonen bei 20 % bis 30 % (Lehrkräfte, Tagesmütter).

Infektion während der Schwangerschaft

Rund 70 % der Frauen im gebärfähigen Alter haben bereits eine Infektion mit dem Parvovirus B19 durchgemacht, sind also immun. Für die übrigen jedoch besteht das Risiko, sich bei Kontakt mit einer infizierten Person anzustecken.

Daher wird Schwangeren, die viel Kontakt zu Kindergarten-/Schulkindern haben, empfohlen, ihren Immunstatus auf Parvovirus B19 überprüfen zu lassen. Dies ist anhand von Antikörpertests in einer Blutprobe leicht möglich, gehört aber nicht zu den Routineuntersuchungen während der Schwangerschaft (der Test ist nicht Teil der Mutterschaftsrichtlinien). Das Risiko für eine Infektion bei einer nicht-immunen Mutter mit einem Kind mit Ringelröteln liegt zwischen 50 und 90 %.

Das Parvovirus ist eine Gefahr für das ungeborene Kind und kann beim Fötus eine Infektion von Herz und Leber hervorrufen. Die möglichen Folgen einer solchen Infektion sind eine schwere Anämie beim Kind oder, bei direkter Infektion des Herzens, eine Myokarditis (Herzmuskelentzündung). Die Kombination von schwerer Anämie und Myokarditis kann zu Herzversagen und Hydrops fetalis (Flüssigkeitsansammlung im Körper des Kindes) führen. Es besteht die Gefahr für eine Fehlgeburt.

Falls die Mutter infiziert ist, wird das Virus allerdings nicht in jedem Fall auf das ungeborene Kind übertragen, und auch bei einer Infektion des Ungeborenen kommt es nur in wenigen Fällen zu Komplikationen.

Wird bei einer Schwangeren eine Parvovirusinfektion nachgewiesen, werden regelmäßige Untersuchungen durchgeführt, um Komplikationen beim Kind rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln. Ein Hydrops fetalis lässt sich per Ultraschall gut erkennen, und wird beim Fötus z. B. eine Anämie festgestellt, erfolgt je nach Schweregrad eine Bluttransfusion.

Eine Frau, die bereits eine Parvovirusinfektion durchgemacht hat, wird nicht erneut erkranken, egal ob die Infektion während der Schwangerschaft aufgetreten ist oder nicht. Eine Parvovirusinfektion ist nicht die Ursache für wiederholte Fehlgeburten.

Auswirkungen für das Neugeborene

Inzwischen gibt es Berichte zu Nachbeobachtungen bei Kindern bis zum Alter von 10 Jahren, die in der Schwangerschaft dem Parvovirus ausgesetzt waren. Wurde die Infektion während der Schwangerschaft behandelt und das Kind gesund geboren, sind langfristige Auswirkungen aufgrund der Infektion nicht zu befürchten.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen