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Pfeiffer-Drüsenfieber (Mononukleose)

Das Pfeiffer-Drüsenfieber (Mononukleose) ist eine Erkrankung, die durch Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus (EBV) verursacht wird. Die meisten Erwachsenen haben bereits eine Infektion mit dem EBV-Virus durchlebt, jedoch kommt es nicht immer zur manifesten Erkrankung. Typische Symptome sind Halsschmerzen, hohes Fieber und geschwollene Lymphknoten am Hals. Die Erkrankung geht üblicherweise innerhalb weniger Wochen von allein vorüber.

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Was ist das Pfeiffer-Drüsenfieber?

Das Pfeiffer-Drüsenfieber, auch Pfeiffersches Drüsenfieber oder Mononukleose genannt, ist eine Erkrankung, die durch das Epstein-Barr-Virus (EBV) aus der Familie der Herpesviren verursacht wird. Das Virus wird durch Speichel übertragen.

Die Erkrankung äußert sich typischerweise in Halsschmerzen, Fieber und geschwollenen Lymphknoten. Meist verschwinden die Beschwerden im Laufe weniger Wochen, allerdings kann es manchmal mehrere Monate dauern, bis man sich wieder vollkommen gesund fühlt.

Häufigkeit

Die Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus ist sehr häufig, und fast die gesamte erwachsene Bevölkerung hat sich bereits mit dem Virus angesteckt. Durch eine Untersuchung auf Antikörper gegen das Virus lässt sich nachweisen, ob sich ein Mensch im Laufe des Lebens mit dem Virus infiziert hat. Diese Antikörper finden sich bei 90–95 % der Bevölkerung. Ca. 95 % der Weltbevölkerung gelten als infiziert (seropositiv).

Zu einer manifesten Erkrankung mit den typischen Beschwerden des Pfeiffer-Drüsenfiebers kommt es nicht bei jeder Infektion. Viele Betroffene haben keine Beschwerden (asymptomatischer Verlauf). Das Pfeiffer-Drüsenfieber tritt insbesondere in der Altersgruppe der 16- bis 20-Jährigen auf. Etwa ein Drittel der infizierten Personen entwickelt ein manifestes Pfeiffer-Drüsenfieber. Insgesamt geht man davon aus, dass die Erkrankung mit einer Häufigkeit von 6–8 pro 1.000 Personen im Jahr auftritt. Das Geschlecht und die Jahreszeit scheinen keine Rolle zu spielen.

Ursachen

Das Pfeiffer-Drüsenfieber wird durch das Epstein-Barr-Virus aus der Familie der Herpesviren verursacht. Die Ansteckung geschieht durch Übertragung mit dem Speichel, z. B. beim Trinken aus der gleichen Flasche oder beim Küssen. Daher wird die Erkrankung auch Kusskrankheit (oder engl. Kissing Disease) genannt. Auch Virusträger*innen ohne Symptome können andere Personen anstecken. Etwa 12–25 % der gesunden, seropositiven Erwachsenen tragen EBV im Rachenraum.

Nach Übertragung breitet sich das Virus im Körper aus und befällt insbesondere das Lymphgewebe. Die Inkubationszeit, d. h. die Zeit zwischen Ansteckung und den ersten Krankheitssymptomen, liegt bei etwa 2–7 Wochen. Jugendliche haben ein erhöhtes Risiko, eine klinisch manifeste EBV-Infektion zu entwickeln.

Nach einer durchgemachten Erkrankung verbleibt das Virus bei den meisten Erwachsenen für den Rest ihres Lebens in speziellen Zellen des Immunsystems, den sog. B-Zellen. Außerdem ist EBV in oberflächlichen Zellen der Rachenschleimhaut und in Ausführungsgängen der Ohrspeicheldrüse nachweisbar. Von dort gelangt das Virus in den Speichel.

Bei abwehrgeschwächten Menschen ist eine Reaktivierung des Virus möglich. Bei ihnen erzeugt EBV Krebserkrankungen und ist mit Lymphomen assoziiert.

Symptome

Ein Pfeiffer-Drüsenfieber verläuft in den meisten Fällen mit einer Kombination aus Halsschmerzen, hohem Fieber und geschwollenen Lymphknoten am Hals. Die Lymphknoten sind in der Regel nicht schmerzhaft, aber empfindlich beim Abtasten. Die Sprache ist kloßig und nasal. Bei stark geschwollenen Gaumenmandeln sind das Schlucken und Atmen erschwert. Als unspezifische Begleitsymptome treten insbesondere zu Krankheitsbeginn Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit und ein allgemeines Krankheitsgefühl auf. Weitere mögliche Beschwerden sind Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Muskel- und Gelenkbeschwerden, Husten, Übelkeit und ein vorübergehender Hautausschlag.

Bei der Untersuchung des Rachens sind meistens große und entzündete Gaumenmandeln, oft mit flächigem weiß-grauem Belag, zu sehen. In 25–50 % treten kleine Hauteinblutungen (Petechien) am Übergang zwischen weichem und hartem Gaumen auf.

Nicht selten kommt es im Rahmen der Erkrankung zu einer Vergrößerung der Milz (Splenomegalie). Bei 50–63 % der Patient*innen bleibt sie über die Dauer von etwa 1 Monat bestehen. Die Leber ist bei 1/3 der Betroffenen vergrößert (Hepatomegalie). Die vergrößerten Organe sind nur schwer in der körperlichen Untersuchung nachweisbar und werden am ehesten bei einer Ultraschalluntersuchung diagnostiziert. Ältere Erwachsene haben etwas seltener als jüngere eine Rachenentzündung und vergrößerte Lymphknoten, dafür aber häufiger eine vergrößerte Leber und Gelbsucht (Ikterus).

Diagnostik

Die Diagnose wird anhand der geschilderten Beschwerden und den Ergebnissen der körperlichen Untersuchung gestellt. Zur Routine-Labordiagnostik gehören das Differenzialblutbild (typischerweise sind die Lymphozyten erhöht), Entzündungsparameter und Leberparameter. 

Zur Bestätigung der Diagnose sind der EBV-Schnelltest, der EBV-Antikörpertiter und ein Blutausstrich hilfreich. Der EBV-Schnelltest ist in der ersten Krankheitswoche häufig noch negativ (bei Kindern in bis zu 25 % der Fälle) und auch die Antikörperbestimmung kann in der ersten Krankheitswoche noch negativ ausfallen. Bei unkompliziertem Verlauf sind die EBV-spezifischen Untersuchungen selten notwendig. Bei Hochrisikopatient*innen (z. B. bei Immunschwäche) kann die Antikörperantwort fehlen, sodass bei ihnen ein Virus-DNA-Nachweis aus Rachenspülwasser, einem Rachenabstrich oder aus einer Blutprobe erfolgt.

Gelegentlich wird die Diagnosestellung durch Tests auf Streptokokken ergänzt, da sich eine Mandelentzündung durch Streptokokken ähnlich äußern kann.

Zur Beurteilung der Milz- und Lebergröße wird eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt.

Therapie

Es gibt kein Medikament, das direkt gegen das Pfeiffer-Drüsenfieber wirkt. Die Behandlung zielt daher darauf ab, die Beschwerden zu lindern und Komplikationen zu vermeiden.

Folgende bewährten Hausmittel werden bei Halsschmerzen empfohlen:

  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr
  • Körperliche Schonung
    • Insbesondere bei erschöpftem Allgemeinzustand, hohen Leberenzymen oder vergrößerter Leber/Milz werden Ruhe und evtl. Bettruhe empfohlen.
    • Von körperlicher Aktivität wird in den ersten 3 Wochen abgeraten.
    • Starke Belastung und Kontaktsport sollte für 3–4 Wochen vermieden werden.
  • Rauchen Sie nicht, und vermeiden Sie auch Passivrauchen.
  • Verzichten Sie auf Alkohol.
  • Wadenwickel zur Fiebersenkung
  • Lutschtabletten aus der Apotheke.

Als medikamentöse Behandlung stehen bei starken Halsschmerzen Rachentherapeutika (z. B. Lutschtabletten) mit Lokalanästhetika oder NSAR (z. B. als Lutschtabletten, Gurgellösung oder Rachenspray) zur Verfügung. Gegen Fieber, Muskelschmerzen, Schluckbeschwerden werden fiebersenkende und entzündungshemmende Medikamente wie Ibuprofen empfohlen. Paracetamol wird über die Leber verstoffwechselt und sollte daher beim Pfeiffer-Drüsenfieber vermieden werden. Kleinere Kinder sollten kein ASS erhalten, da ein Risiko für das Reye-Syndrom besteht.

Nur bei konkreten Hinweisen auf eine gleichzeitige, behandlungsbedürftige bakterielle Infektion wird die Einnahme von Antibiotika empfohlen, denn Beta-Lactam-Antibiotika (z. B. Amoxicillin) führen bei 70–100 % der Patient*innen zu einem Hautausschlag (Arzneimittelexanthem).

Verlauf

Die Prognose beim Pfeiffer-Drüsenfieber ist in der Regel gut. Langandauernde Verläufe mit Müdigkeit und Abgeschlagenheit sind möglich, aber ein Zusammenhang mit dem chronischen Erschöpfungssyndrom ist nicht gesichert. Komplikationen beim Pfeiffer-Drüsenfieber sind sehr selten, aber möglich:

  • Milzruptur (Milzverletzung): potenziell lebensgefährlich
  • Verlegung der Atemwege durch massive Schwellung der Mandeln: Indikation für eine operative Entfernung der Mandeln
  • Zytopenie (Verminderung der Anzahl an Zellen im Blut)
  • Neurologische Symptome: Hirnnervenausfälle, Entzündung des Gehirns oder der Hirnhaut, Schädigung einzelner Nerven oder von Nervenwurzeln, Sehnerventzündung
  • Akute interstitielle Nephritis
  • Austrocknung (Dehydration).

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Hannah Brand, Ärztin, Berlin
  • Jonas Klaus, Arzt, Freiburg i. Br.