Tics und Tourette-Syndrom (TS)

Zusammenfassung

  • Definition:Entwicklungsstörungen mit einer Dauer von mehr als 1 Jahr. Die Hauptsymptome sind motorische und/oder vokale Tics (= unwillkürliche Bewegungen bzw. Lautäußerungen).
  • Häufigkeit:Vorübergehende Tics sind normal und werden bei 15‒25 % aller Kinder beobachtet. Das Tourette-Syndrom weist eine Häufigkeit von ca. 1 % in der Altersgruppe 5‒18 Jahre auf. Jungen sind 3- bis 4-mal häufiger betroffen als Mädchen.
  • Befunde:Unwillkürliche motorische oder vokale Tics, neurologische Untersuchung ohne pathologischen Befund.
  • Diagnostik:Ausführliche Anamnese; körperliche und neurologische Untersuchung zum Ausschluss anderer Ursachen. Weitere Untersuchungen (z. B. Symptomskalen) können durch Kinder- und Jugendpsychiater*in durchgeführt werden.
  • Therapie:Tics können durch eine Therapie nicht geheilt werden. In vielen Fällen reicht eine ausführliche Aufklärung (Psychoedukation) als Behandlung aus, in schweren Fällen kann eine medikamentöse Therapie erwogen werden.

Allgemeine Informationen

Definition

  • Der gesamte Abschnitt basiert auf dieser Referenz.1
  • Tics werden entsprechend ihrer Qualität in motorische und vokale und entsprechend ihrer Komplexität in einfache und komplexe Tics unterteilt.
  • Motorische Tics sind unwillkürliche, abrupt einsetzende, nicht rhythmische, in Art, Intensität, Häufigkeit und Lokalisation über die Zeit wechselnd auftretende Bewegungen, die nicht zweckgebunden sind.
    • Am häufigsten finden sie sich im Gesicht und am Kopf (etwa Augenblinzeln, Kopfnicken).
    • Insbesondere bei schweren Formen treten komplexe motorische Tics auf unter der Beteiligung zahlreicher Muskelgruppen oder mit scheinbar absichtlichen Bewegungen (etwa im Kreis drehen, hüpfen).
    • Besondere Formen komplexer motorischer Tics stellen die Kopropraxie (unwillkürliche, obszöne Gesten wie Herausstrecken der Zunge) und die Echopraxie (automatisches Nachahmen von Handlungen) dar.
  • Vokale Tics sind durch das unwillkürliche Hervorbringen von Lauten und Geräuschen gekennzeichnet (häufig räuspern und schniefen, seltener laute Schreie).
    • Als komplexe vokale Tics werden die Koprolalie (obszöne Wörter), die Echolalie (Nachsprechen der Wörter der Gesprächspartner*innen) und die Palilalie (eigene Wörter werden wiederholt) bezeichnet. 
  • Das Tourette-Syndrom ist definiert durch das Vorliegen multipler motorischer sowie mindestens eines vokalen Tics.
  • Die Erkrankung wurde erstmalig vom französischen Neurologen Georges Gilles de la Tourette 1885 beschrieben.

Diagnostik

Therapie

Verlauf, Komplikationen und Prognose

Patienteninformationen