ADHS – wann sollten Sie ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen?

In den letzten Jahren gab es eine deutliche Zunahme an ADHS-Fällen.

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Der Grund für die Zunahme an ADHS-Diagnosen ist wahrscheinlich, dass dem Phänomen ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndrom) in den Medien größere Aufmerksamkeit gewidmet wird, was wiederum dazu geführt hat, dass mehr Eltern ärztlichen Rat einholen. Dies bedeutet gleichzeitig, dass mehr Kinder mit ADHS die notwendige Behandlung erhalten. Allerdings besteht auch ein Risiko, dass Kinder, die nicht von ADHS, sondern von anderen Problemen wie Depressionen, Angstzuständen, Lernschwierigkeiten und Schlafstörungen betroffen sind, eine falsche Diagnose und Behandlung erhalten.

Was ist zu beachten?

Wenn das Kind Schwierigkeiten hat, sich zu konzentrieren, stillzusitzen oder sein Verhalten zu kontrollieren und dies zu Hause und in der Schule für große Probleme sorgt, dann sollten Sie ärztlichen Rat einholen. Die Auswirkungen der ADHS-Symptome sind im Schulalter am größten, die Kinder fallen dann häufig in ihrem Verhalten auf. Dies führt schnell zu unterdurchschnittlichen schulischen Leistungen und Problemen im sozialen Umgang mit anderen Kindern. Aber schon bei kleinen Kindern treten Symptome wie Hyperaktivität und Impulsivität auf. Eine starke Hyperaktivität bei Kindern im Vorschulalter ist ein Risikofaktor für das spätere Auftreten ausgeprägter Schwierigkeiten, auch wenn die Hyperaktivität im Laufe der Jugend häufig abnimmt.

Der Arzt kann entweder selbst eine gründliche Beurteilung des Kindes durchführen oder das Kind zu Fachleuten wie Kinderpsychiatern, Psychologen oder Kinderärzten überweisen. Es ist absolut entscheidend, eine gründliche Beurteilung des Kindes durchzuführen und andere Erklärungen auszuschließen, bevor die Diagnose gestellt wird und die Behandlung beginnt.

Schwierige Diagnose

Auch wenn in manchen Fällen Kinder im Vorschulalter Symptome von ADHS aufweisen, ist es schwierig, bei kleinen Kindern eine sichere Diagnose zu stellen. Es besteht die Gefahr, dass Entwicklungsprobleme, wie z. B. eine späte Sprachentwicklung und Anpassungsschwierigkeiten, als ADHS fehlinterpretiert werden. Aus diesem Grund ist es bei kleineren Kindern viel wichtiger, dass sie von Spezialisten untersucht werden, als das bei größeren Kindern der Fall ist. Die Diagnose ADHS kann sicher erst ab dem Alter von 4 Jahren gestellt werden.

Verlaufskontrolle während der Therapie

Bei Kindern mit schwerer ADHS-Symptomatik ist eine gute Kontrolle und Begleitung durch Angehörige der Gesundheits- und Sozialberufe erforderlich. Kinder, die eine medikamentöse Therapie erhalten, also Kinder mit ausgeprägten Symptomen, sollten regelmäßig zur ärztlichen Untersuchung kommen. Es ist üblich, eine Überprüfung alle sechs Monate zu empfehlen. Möglicherweise ist es auch zu empfehlen, alle paar Jahre eine erneute vollständige Beurteilung durchzuführen, je nachdem, wie alt das Kind ist und wie gut es ihm geht.

Bei den Medikamenten kann es zu Nebenwirkungen kommen, was ebenfalls ein Grund ist, den Arzt aufzusuchen. Beispiele für solche Nebenwirkungen sind Appetitlosigkeit, Schlafstörungen und erhöhte Reizbarkeit. Im Laufe der Zeit verlieren einige der Kinder, die Psychostimulanzien einnehmen, an Gewicht und wachsen weniger. Auch dies ist ein Grund, warum regelmäßige Kontrollen wichtig sind.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel ADHS/Hyperkinetische Störung. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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