Symptome von ADHS

Die Abkürzung ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung. Es handelt sich um eine psychische Störung, die überwiegend in der Kindheit beginnt und häufig bis in das Erwachsenenalter bestehen bleibt.

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Zwei Kardinalsymptome

Die Symptome von ADHS lassen sich in zwei Hauptkategorien einteilen: Unaufmerksamkeit und Hyperaktivität-Impulsivität.

Die Diagnose obliegt spezialisierten Ärzten und ist nur mit Vorsicht zu treffen. Normalerweise spricht man davon, dass ein Kind ADHS hat, wenn es in einer der Kategorien über sechs Monate lang mindestens sechs charakteristische Symptome aufweist. Diese Symptome müssen die Funktionsfähigkeit des Kindes in mindestens zwei sozialen Bereichen in hohem Maße beeinträchtigen – in der Regel zu Hause und in der Schule. Diese Diagnosevorgabe soll vor Fehldiagnosen schützen, denn auch nicht medizinische Ursachen können für die Probleme verantwortlich sein, wie z. B. problematische Beziehungen zwischen dem Kind und den Eltern oder personelle Schwierigkeiten in der Schule. Kinder, die Probleme in der Schule haben, zu Hause aber gut zurechtkommen, sind in der Regel nicht von ADHS betroffen. Bei den meisten Kindern treten die Symptome erstmals im Alter von vier bis sechs Jahren auf, auch wenn sich die Symptome manchmal auch früher zeigen können.

Symptome und Anzeichen von ADHS

Unaufmerksamkeit

  • Es fällt dem Kind häufig schwer, die Aufmerksamkeit zu halten, wenn es Aufgaben durchführt oder spielt.
  • Das Kind scheint häufig nicht zu hören, dass jemand mit ihm spricht.
  • Das Kind folgt Anweisungen häufig nicht vollständig und schafft es nicht, Schulaufgaben oder andere Aufgaben zu Ende zu führen.
  • Es fällt dem Kind häufig schwer, Aufgaben oder Aktivitäten zu organisieren.
  • Das Kind zeigt häufig deutliche Abneigung gegen Aufgaben, die durchgängige geistige Aktivität erfordern, wie beispielsweise Schularbeiten oder Hausaufgaben, und vermeidet sie nach Möglichkeit.
  • Das Kind verliert häufig Dinge, die für Aktivitäten benötigt werden, wie Bücher, Stifte, Spielzeug oder Werkzeug.
  • Das Kind lässt sich häufig leicht ablenken.
  • Das Kind vergisst häufig vieles.

Hyperaktivität

  • Das Kind fuchtelt und zappelt häufig mit Händen und Füßen oder rutscht auf dem Stuhl herum.
  • Das Kind verlässt im Klassenzimmer oder in anderen Situationen, in denen es sitzen bleiben soll, häufig seinen Platz.
  • Das Kind rennt oder klettert, auch wenn dies nicht situationsgemäß ist. Im Jugendalter kommt das möglicherweise nicht mehr vor, jugendliche Betroffene fühlen sich aber womöglich ständig unruhig.
  • Das Kind hat häufig Schwierigkeiten, leise zu spielen.
  • Das Kind platzt häufig mit Antworten auf Fragen heraus, bevor die Frage vollständig gestellt wurde.
  • Das Kind hat häufig Schwierigkeiten zu warten, bis es an der Reihe ist.
  • Das Kind unterbricht häufig die Gespräche oder Spiele von anderen oder mischt sich darin ein.

Wann spricht man von ADHS?

Unaufmerksamkeit

Die meisten gesunden Kinder zeigen von Zeit zu Zeit viele Verhaltensmerkmale, die auch bei ADHS auftreten. Die Befürchtungen mancher Eltern, dass ihr drei Jahre altes Kind ADHS haben könnte, wenn es einer Geschichte nicht von Anfang bis Ende zuhören oder eine Zeichnung nicht fertigstellen kann, kann man in den meisten Fällen ausräumen. Kinder in diesem Alter haben normalerweise einfach eine kürzere Aufmerksamkeitsspanne als ältere Kinder und können sich nicht so lange auf eine Tätigkeit konzentrieren. Dies bedeutet nicht, dass sie unter einer psychischen Störung leiden.

Auch bei älteren Kindern und Jugendlichen ist es das Interesse für die aktuelle Tätigkeit, von dem es abhängt, wie lange sie konzentriert bleiben können. Die meisten Jugendlichen können stundenlang Musik hören oder mit ihren Freunden reden, sind aber möglicherweise viel weniger auf ihre Hausaufgaben konzentriert.

Hyperaktivität

Die gleichen Sachverhalte gelten auch für Hyperaktivität. Kleine Kinder sind von Natur aus energiegeladen. Häufig ermüden sie ihre Eltern, bevor sie selbst erschöpft sind, und häufig sind sie sogar noch aktiver, wenn sie müde, hungrig, ängstlich oder in einer neuen Umgebung sind. Kinder haben unterschiedliche Aktivitätsniveaus, und bei vielen Kindern ist ein hohes Aktivitätsniveau ein Teil ihrer ganz natürlichen Persönlichkeit.

Kinder mit ADHS

Kinder mit ADHS dagegen sind besonders empfindlich für Reize in Form von Seh- und Höreindrücken sowie Berührungen. Wenn sie überstimuliert werden, verlieren sie schnell die Kontrolle, sind aufgedreht und manchmal auch aggressiv und können dann körperlich übergriffig oder verbal beleidigend werden. Kinder mit ADHS wirken unter Umständen so, als ob sie in ihre eigenen Gedanken versinken oder den Kontakt mit dem Geschehen in ihrer Umgebung verlieren.

Bei den meisten Kindern mit ADHS treten nicht alle diese Zeichen der Erkrankung auf. Außerdem können sich die Symptome zwischen Jungen und Mädchen unterscheiden. Jungen sind häufig hyperaktiver, während Mädchen häufig eher unaufmerksam sind. Unaufmerksame Mädchen neigen zu Tagträumen, während unaufmerksame Jungen eher dazu tendieren, ziellos zu spielen oder herumzulaufen. Jungen neigen auch eher zu Ungehorsam gegenüber Lehrern und anderen Erwachsenen, was ihr Verhalten auffälliger für die Umgebung macht. Bei Mädchen wird zu Beginn häufig fälschlicherweise eine Depression, eine Angststörung oder eine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert bevor man an ADHS denkt. 

Weitere Informationen

Autoren

  • Natalie Anasiewicz, Ärztin, Freiburg i. Br.

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel ADHS/Hyperkinetische Störung. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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