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Langfristige Perspektiven bei Anorexie (Magersucht)

Je früher die Betroffenen Hilfe bekommen, desto größer ist die Chance, wieder gesund zu werden.

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Was ist Anorexie (Magersucht)?

Bei der Anorexie (Magersucht) handelt es sich um eine Essstörung, die zu den psychischen Erkrankungen gezählt wird. Die Anorexie ist durch einen absichtlich selbst herbeigeführten Gewichtsverlust charakterisiert. Die Betroffenen nehmen sich selbst als übergewichtig wahr, obwohl das Körpergewicht normal oder geringer ist, als für das Alter, das Geschlecht und den Entwicklungsstand mindestens zu erwarten wäre. Es besteht eine intensive Angst davor, zuzunehmen. Um weiter an Gewicht zu verlieren, unterziehen sich die Betroffenen extremen gewichtsreduzierenden Maßnahmen: Sie schränken ihre Nahrungsaufnahme ein, treiben übermäßig viel Sport, erbrechen nach der Nahrungsaufnahme oder verwenden Medikamente zur Gewichtsreduktion, z. B. abführende (Laxanzien) oder entwässernde Mittel (Diuretika). Diese Maßnahmen werden oft auch kombiniert eingesetzt. Die Erkrankung kann teils schwerwiegende körperliche Probleme (Funktionsstörungen von Leber, Niere sowie eine dauerhafte Verminderung der Knochendichte/Osteoporose) nach sich ziehen.

Prognose

Eine Anorexie ist prinzipiell eine heilbare Erkrankung. In den meisten Fällen dauert die Behandlung der Magersucht aber recht lange und erfordert viel Motivation. Bis die Krankheit überstanden ist, können viele Monate oder gar Jahre vergehen. Selbst, wenn die Krankheit überstanden ist, kann es sein, dass die Denkmuster sowie die Fixierung auf das Essen und das Gewicht beibehalten werden. In manchen Fällen geht die Magersucht in eine andere Essstörung, wie eine Binge-Eating-Störung, über.

Wer an Magersucht leidet, braucht in der Regel eine professionelle Unterstützung und Therapie von Fachärzten und anderen Experten. Der Verlauf und Schweregrad der Anorexie ist individuell unterschiedlich.

Rund 50 % der Patienten werden wieder vollständig gesund. Bei 30 % bessert sich der Zustand, wobei ein Teil der Beschwerden erhalten bleibt. In 20 % der Fälle nimmt die Erkrankung einen langwierigen (chronischen) Verlauf mit dauerhaftem Untergewicht. Bei einigen Patient/innen wird die Therapie aber auch erst nach sehr langer Zeit wirksam: Einer Langzeitstudie mit jugendlichen Frauen (12–17 Jahre) zufolge waren rund drei Viertel nach 10 Jahren geheilt, wobei nach 1 Jahr erst 1 % wieder gesund war. Die Teilnehmerinnen dieser Studie konnten jedoch auch eine sehr gute Therapie in Anspruch nehmn.

In 1–8 % der Fälle verläuft die Erkrankung tödlich. Die Todesursache ist in der Regel eine Unterernährung mit Komplikationen oder Suizid.

Bei einem chronischen Verlauf ist die Sterblichkeit erhöht, da lebenswichtige Organe durch die dauerhafte Mangelernährung geschädigt werden. Besteht die Erkrankung bereits seit Langem und sind zahlreiche Krankenhausaufnahmen erfolgt, ist die Prognose ungünstig. Bei vielen Betroffenen kommt es zu Rückfällen.

Faktoren, die die Magersucht aufrecht erhalten

Eine Anorexie kann langwierig (chronisch) verlaufen. Es gibt mehrere Faktoren, die zu einem chronischen Verlauf beitragen können:

  • Zunächst treten durch die Mangelernährung Veränderungen des Hunger- und Sättigungsgefühls auf (Hormone und Stoffwechsel), die den Fortbestand der Krankheit begünstigen.
  • Durch die Unterernährung entstehen oft Bauchbeschwerden wie Verstopfung oder Blähungen, was den geringen Appetit eher noch verstärkt.
  • Menschen, die an Anorexie leiden, empfinden ihren fortgesetzten Gewichtsverlust als positiv und belohnend. Selbst kleine Gewichtszunahmen kommen einem Kontrollverlust gleich und werden mit allen Mitteln vermieden.
  • Betroffene Patienten, die bereits längere Zeit erkrankt sind, können sich oft nur noch auf das Thema Nahrung und ihr Körpergewicht konzentrieren. Andere Lebensinhalte wie Schule, Freunde, Hobbys werden in den Hintergrund gedrängt. 
  • Aus dem Umfeld kann ein sekundärer Krankheitsgewinn gezogen werden, d. h. die Betroffenen empfinden die verstärkte Aufmerksamkeit oder Zuneigung als schön und halten ihr Verhalten deshalb aufrecht, um weiterhin wahrgenommen zu werden.
  • Ungelöste familiäre Konflikte können den Krankheitsverlauf verschlimmern. 

Faktoren, die die Prognose verbessern können

Die folgenden Faktoren können die Prognose verbessern:

  • Die Betroffenen sind nicht extrem untergewichtig.
  • Die Betroffenen sind im pubertären Alter.
  • Die Betroffenen leiden erst seit kurzer Zeit unter Magersucht.
  • Die Therapie wurde frühzeitig eingeleitet.
  • Eine Therapie war bereits früher bei dem Patienten wirksam.
  • Die Betroffenen haben ein gutes Verhältnis zu ihrer Familie.
  • Die Betroffenen erbrechen nicht.
  • Es lagen keine Entwicklungsstörungen vor dem Einsetzen der Magersucht vor.

Eine Therapie sollte zu jedem Krankheitszeitpunkt eingeleitet werden, unabhängig von der Dauer der Erkrankung.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen
  • Marleen Mayer, Ärztin, Mannheim
  • Julia Trifyllis, Dr. med., Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Münster/W.