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Mobbing

Mobber sind Personen, die unschöne Dinge tun oder sagen, um sich Macht über andere zu verschaffen. Mobbing umfasst nicht nur Schläge, Stöße oder Fußtritte, sondern auch verbale Beleidigungen.

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Was ist Mobbing?

Mobbing bezeichnet regelmäßige und in der Regel vorsätzliche Handlungen, die einer Person, ihrem Ansehen oder ihrer Situation in Schule/Beruf Schaden zufügen sollen. Es handelt sich um eine spezifische Form der Austragung von Konflikten vor allem in öffentlichen Lebensbereichen (z. B. Schule, Arbeitsplatz). Die körperliche und seelische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen kann durch Mobbing beeinträchtigt werden.

Gelegentliches Ärgern und Hänseln anderer Kinder gehört dagegen zu den „normalen", meist harmlosen Verhaltensweisen.

Wie häufig kommt Mobbing vor?

In Deutschland sind Schätzungen zufolge von den gegenwärtig 11,5 Millionen Schülern an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen ungefähr 500.000 von Mobbing betroffen. Laut einer Mobbingstudie  des Zentrums für Angewandte Gesundheitswissenschaften (ZAG) der Leuphana hat mehr als die Hälfte aller Schüler Erfahrungen mit Mobbing. Fast jeder dritte Schüler (31,2 %) wurde innerhalb von drei Monaten mindestens einmal von anderen schikaniert und jeder zehnte Schüler wurde Opfer von Gewalt auf dem Schulgelände oder Schulweg. 37 % der Befragten gaben an, selbst Täter von Mobbinghandlungen zu sein.

Obwohl es verschiedene Varianten gibt, ist Mobbing ein Phänomen, das in allen Ländern, wenn auch unterschiedlich häufig, vorkommt.

Mobbing geschieht in der Regel in der Schule oder auf dem Schulweg. Mobbing tritt am häufigsten in der Grundschule auf und nimmt ab, wenn die Kinder in weiterführende Schulen kommen. Jungen verüben häufiger Mobbing als Mädchen, und Jungen greifen meist zu körperlicher und verbaler Gewalt, während Mädchen häufiger andere ausgrenzen, isolieren oder verleumden.

Was ist ein Mobber?

Mobbing geschieht oft durch Kinder, die älter, stärker oder größer sind und richtet sich gegen körperlich oder seelisch angreifbare Kinder. Mobber sind Personen, die unschöne Dinge tun oder sagen, um sich Macht über andere zu verschaffen. Sie sind häufig impulsiv und leicht reizbar, haben ein übertriebenes Selbstbewusstsein und übernehmen selten oder gar keine Verantwortung für ihr Handeln. Sie haben Schwierigkeiten, Regeln zu befolgen und verhalten sich auch gegenüber Erwachsenen häufig unverschämt. Mobber können sich nur schwer in die Gefühle anderer hineinversetzen. Häufig haben sie selbst Probleme, auch in der Familie.

Mobbing beschränkt sich nicht nur auf Schläge, Stöße oder Fußtritte, sondern umfasst auch Beleidigungen oder das Verbreiten von Gerüchten über andere. Mobbing kann auch bedeuten, dass das betroffene Kind nicht an Spielen oder Sport teilnehmen darf oder man sich weigert, mit diesem Kind zu sprechen. Einige Kinder verbreiten falsche Gerüchte über andere Kinder, bedrohen sie, nehmen ihnen Dinge weg oder zwingen sie, Dinge gegen ihren Willen zu tun.

Warum werden manche Kinder Opfer von Mobbing?

Mobbing kann jeden treffen, aber die Forschung zeichnet ein ziemlich klares Bild von denjenigen, die gefährdet sind, Opfer von Mobbing zu werden. Opfer von Mobbing weisen häufig, wenn auch nicht immer, eines oder mehrere der folgenden Merkmale auf. Der häufigste gemeinsame Nenner ist, dass sie passiv oder unterwürfig sind.

  • Diese Schüler sind in der Regel ruhig, vorsichtig, sensibel und fangen eventuell schnell an zu weinen.
  • Sie sind unsicher und haben ein geringes Selbstwertgefühl (negatives Selbstbild).
  • Meist provozieren sie die Angriffe nicht und verteidigen sich nur selten, wenn sie angegriffen oder gedemütigt wurden.
  • Betroffene Jungen haben kein Interesse daran, sich zu prügeln und sie sind oft körperlich schwächer als ihre Klassenkameraden.
  • Sie haben nur wenige oder keine Freunde.
  • Meist fällt ihnen der Umgang mit Erwachsenen (Eltern, Lehrer) leichter als der mit ihren Altersgenossen.
  • Übergewichtige und körperlich behinderte Kinder sind häufig Opfer von Mobbing.
  • Oft haben die Kinder schon andere Traumata erlebt oder ein schwieriges Elternhaus.
  • Mobbingopfer tragen ein höheres Risiko für die Entwicklung von psychosomatischen Beschwerden oder psychischen Problemen.

Eine andere Art von Mobbingopfern sind diejenigen, die Irritationen bei denjenigen hervorrufen, die sie schikanieren. Die gemeinsamen Merkmale solcher Mobbingopfer sind weniger häufig als die der passiven oder unterwürfigen Mobbingopfer. Typische Merkmale der provozierenden Mobbingopfer sind:

  • Sie sind oft hitzköpfig und versuchen, sich zur Wehr zu setzen, wenn sie angegriffen oder beleidigt werden, meist jedoch ohne großen Erfolg.
  • Sie sind oft rastlos, ungeschickt, unreif, unkonzentriert und werden allgemein als schwierig im Umgang empfunden.
  • Einige dieser Schüler können als hyperaktiv bezeichnet werden (ängstlich, unruhig mit Konzentrationsstörungen etc.).
  • Aufgrund ihres irritierenden Verhaltens sind sie oft auch bei Erwachsenen wenig beliebt, z. B. bei Lehrern.
  • Sie versuchen eventuell selbst, schwächere Schüler zu schikanieren.

Mobbing aufgrund der Tatsache, dass ein Mensch auf die eine oder andere Art anders ist, z. B. einen anderen Kleidungsstil, eine andere Haarfarbe, eine Brille oder einen anderen Dialekt hat als der Rest der Klasse, kommt nicht so häufig vor, wie von vielen oft angenommen wird. 

Warum stellt Mobbing ein Problem dar?

Einige Erwachsene glauben, dass Mobbing ein normaler Teil des Erwachsenwerdens sei. Das ist jedoch nicht wahr. Mobbing führt dazu, dass Kinder sich einsam fühlen, traurig sind und Angst entwickeln. Es kann Kinder dazu bringen, zu glauben, dass etwas mit ihnen nicht stimmt. Es kann dazu führen, dass Kinder nicht zur Schule gehen wollen oder nicht mit anderen Kindern spielen wollen. Einige Kinder, die Opfer von Mobbing werden, können davon sogar krank werden.

Anzeichen von Mobbing

Einige Kinder, die gemobbt werden, versuchen, bestimmte Dinge, Personen oder Orte zu meiden. Sie fehlen oft in der Schule oder haben Probleme, ihre Hausaufgaben zu erledigen. Oft leiden sie unter Kopfschmerzen, ständigen Bauchschmerzen oder an Schlafstörungen. Manchmal nässen sie auch nachts ein (Bettnässen).

Einige Kinder werden infolge des Mobbings sehr still und ziehen sich zurück. Sie haben häufig nur wenige Freunde. Einige Kinder, die gemobbt werden, verursachen Probleme in der Schule oder zu Hause. Manche Kinder sind oder klingen ängstlich, oder wollen nicht reden, wenn man sie anspricht oder ihnen eine Frage stellt.

Zerrissene oder „verlorene“ Kleidungsstücke können ein Anzeichen dafür sein, dass ein Kind gemobbt wird. Dasselbe gilt für Wunden, Abschürfungen und Kratzer, die das Kind nicht erklären kann oder will.

Bei Jugendlichen kann auch vermehrter Alkohol- oder Drogenkonsum ein Anzeichen für Mobbing oder andere Probleme sein.

Kinder, die erzählen, dass sie gemobbt werden, müssen ernst genommen werden. Sie haben richtig gehandelt, indem sie davon erzählt haben.

Wie können Sie einem Kind helfen, das gemobbt wird?

Sie können dem Kind erklären, dass es nicht seine Schuld ist. Versuchen Sie, dem Kind beizubringen, an sich selbst zu glauben. Zeigen Sie dem Kind, wie es seine Rechte behaupten kann. Aber bringen Sie ihm nicht bei, sich an den Mobbern zu rächen. Sagen Sie dem Kind, es solle versuchen, den Mobber zu ignorieren.

Sagen Sie dem Kind, dass das Problem gelöst werden kann, aber erwarten Sie nicht, dass das Kind dies selbst schafft. Sagen Sie dem Kind, dass es sehr gut ist, um Hilfe zu bitten. Wenn das Mobbing in der Schule stattfindet, ermutigen Sie das Kind, Lehrer oder andere Erwachsene um Hilfe zu bitten. Versuchen Sie, sich in der Schule des Kindes zu engagieren und herauszufinden, ob die Schule ein Aktionsprogramm gegen Mobbing hat. Wenn das Kind einer Sportmannschaft oder einer anderen Art von Verein oder Aktivität beitritt, kann dies ebenfalls hilfreich sein.

Kinder sollten früh lernen, Konflikte zu lösen und mit Frustration, Wut und Stress angemessen umzugehen.

Wie kann ich mein Kind davon abhalten, andere zu schikanieren?

Lassen Sie nicht zu, dass Ihr Kind andere Kinder schikaniert! Stellen Sie klare Regeln auf und stellen Sie sicher, dass Ihr Kind diese befolgt. Belohnen Sie positives Verhalten. Stellen Sie sicher, dass Sie wissen, was Ihre Kinder tun und wo sie sich aufhalten. Sie sollten wissen, was sie im Fernsehen sehen, welche Filme sie sich ansehen und welche Computerspiele sie spielen.

Denken Sie daran, dass Sie als Elternteil Ihrem Kind ein Vorbild sein müssen. Haben Sie sich stets unter Kontrolle und greifen Sie nicht zu körperlicher Bestrafung oder unangemessenen Worten. Achten Sie auf Warnsignale im Verhalten Ihres Kindes wie z. B. Wutanfälle, Prügeleien, Streitigkeiten mit anderen Kindern, Bosheit gegenüber Tieren, Anzünden von Gegenständen oder Konsum von Alkohol oder anderen Drogen. Wenn Sie eines dieser Anzeichen bemerken, sollten Sie Schulpsychologen, Schulkrankenschwestern oder Ihren Hausarzt kontaktieren.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden
  • Julia Trifyllis, Dr. med. Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Münster/W