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Asthma

Asthma ist eine chronische Entzündung der Atemwege mit wiederkehrender starker Schwellung der Bronchialschleimhaut und Verkrampfung der Muskeln in den Bronchialwänden. Dies führt zu (anfallsartigen) Atembeschwerden und Husten.

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Was ist Asthma?

Asthma ist eine chronische Entzündung der Atemwege mit anfallsartiger Schwellung der Bronchialschleimhaut und Verkrampfung der Muskeln in den Bronchialwänden. Die Folge ist eine vorübergehende Verengung der Atemwege: Die Betroffenen leiden unter Atemnot und starkem Husten. Diese Veränderungen treten typischerweise in Schüben, meist nach bestimmten Auslösern auf. In den Phasen dazwischen haben die meisten Betroffenen keine Beschwerden, die Bronchien sind wieder geweitet.

Typische Symptome sind Episoden mit Husten (oft nachts), pfeifenden Geräuschen (Giemen) beim Atmen und erschwerter Atmung (schnelle, flache Atemzüge) bis zu schwerster Atemnot. Das Ausatmen dauert länger und strengt an. Bei einem sehr schweren Asthmaanfall atmet die betroffene Person manchmal kaum noch (kein Husten oder Giemen), wird benommen und evtl. bewusstlos (Notfall!).

Die Diagnose wird auf der Grundlage typischer Symptome und der Messung der Lungenfunktion gestellt.

Asthma kann in jedem Alter auftreten – vom Säuglings- bis zum Rentenalter. Das Vorkommen von Asthma steigt an, die Rate schwerer Krankheitsverläufe ist aber abnehmend. Etwa 10 % der Kinder und Jugendlichen sowie 6 % der Erwachsenen in Deutschland leiden an Asthma. Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer.

Was sind die Ursachen für Asthma?

Die Ursachen für Asthma sind nicht vollständig geklärt. Es spielen wahrscheinlich mehrere Faktoren eine Rolle. Grundsätzlich wird allergisches Asthma von nichtallergischem Asthma unterschieden. Mischformen treten ebenfalls auf. Dazu kommen gesonderte Formen (z. B. Asthma bei Aspirin-Unverträglichkeit, anstrengungsinduziertes Asthma, eosinophiles Asthma).

Es wird angenommen, dass allergische Reaktionen der Atemwege bei Kindern eine wichtige Ursache sind, während bei Erwachsenen eher überempfindliche Atemwege ohne echte allergische Reaktion eine Rolle spielen. Beschwerden werden häufig durch Atemwegsinfekte ausgelöst.

Vererbung ist von Bedeutung: Häufig bekommen Kinder, deren Eltern an Asthma leiden, auch diese Krankheit. Darüber hinaus besteht ein Zusammenhang zwischen Asthma und anderen allergischen Krankheiten, z. B. Neurodermitis oder Heuschnupfen. Menschen mit Allergien oder allergischen Erkrankungen in der Familie tragen also ein größeres Risiko, Asthma zu entwickeln als andere.

(Passives) Rauchen und Virusinfektionen gelten als mögliche beitragende Ursachen und Auslöser für die Entwicklung von Asthma. Auch Raumklima und Luftverschmutzung spielen bei der Krankheit eine Rolle.

Wer übergewichtig ist, hat meist mehr Beschwerden, und die Symptome lassen sich nicht so wirksam behandeln wie bei normalgewichtigen Patient*innen.

Faktoren, die dazu beitragen können, dass Asthma entsteht, sind unter anderem eine allergische Reaktion auf Hausstaubmilben, Tierhaare, Pollen und andere. Berufsbedingtes Asthma ist ein wichtiges Gebiet in der Arbeitsmedizin; mögliche Ursachen sind z. B. Staub und bestimmte Chemikalien.

Auch weitere äußere Belastungen wie kalte Luft, körperliche Aktivität, Infektionen, die Einnahme bestimmter Medikamente oder psychische Faktoren können bei Asthma-Patient*innen einen Asthmaanfall auslösen.

Welche Untersuchungen sind wichtig?

Ärzt*innen werden Sie genau nach Ihren Beschwerden und möglichen Auslösern befragen; auch Informationen zu Allergien in der Familie sind wichtig. Neben einer körperlichen Untersuchung werden bestimmte Tests zur Beurteilung der Lungenfunktion (eine Spirometrie in der Hausarztpraxis und evtl. eine weitere Untersuchung der Lungenfunktion in einer Lungenfacharztpraxis) durchgeführt (Wie wird Asthma diagnostiziert). Auch Blutuntersuchungen und evtl. ein Röntgenbild der Lunge können zur Diagnostik gehören, unter anderem um andere Erkrankungen auszuschließen.

Bei Verdacht auf eine Allergie ist es wichtig, den genauen Auslöser (das Allergen) mit speziellen Untersuchungen (z. B. Prick-Test) zu identifizieren, damit die Betroffenen diesen möglichst meiden können. Den Auslöser zu finden, auch wenn es sich nicht um eine Allergie handelt, ist für Menschen mit Asthma entscheidend (sofern es einen Auslöser gibt). Beispielsweise führt Sport bei manchen Betroffenen zu Atemnot (Anstrengungsasthma).

Wie sieht die Behandlung aus?

Ziel der Behandlung

Ziel der Asthmabehandlung ist es, über einen langen Zeitraum eine gute Asthmakontrolle zu erreichen. Anfällen mit schwerer Atmung und Husten soll vorgebeugt und die Beschwerden sollen vermindert werden, wenn trotzdem ein Anfall eintritt. Lungenfunktion und körperliches Leistungsvermögen sollen so normal wie möglich sein. Zudem soll die Therapie die Betroffenen dabei unterstützen, dass das Asthma die körperliche, geistige und psychische Entwicklung bei Kindern sowie die körperlichen und sozialen Aktivitäten möglichst nicht beeinträchtigt. Vermieden werden sollen zudem, soweit wie möglich, Komplikationen der Krankheit sowie unerwünschte Wirkungen der Therapie.

Was können Sie selbst tun?

Es gibt einige Dinge, die die Patient*innen selbst unternehmen können, um die Situation zu verbessern:

  • Faktoren vermeiden, die einen Asthmaanfall auslösen können. Das sind Zigarettenrauch und kalte Luft, bei manchen Menschen auch z. B. HaustierePollen, bestimmte Medikamente (ASS, NSAR oder Betablocker) oder auch bestimmte Auslöser am Arbeitsplatz.
  • Körperliche Fitness wirkt sich grundsätzlich positiv aus und regelmäßiges Training ist deshalb wichtig (Vorsicht aber bei Anstrengungsasthma). 
  • Gewichtsabnahme bei Übergewicht ist ebenfalls hilfreich.
  • Tagebuch führen, um einen Überblick über die Anfälle und evtl. Auslöser zu bekommen.
  • Einem persönlichen Behandlungsplan folgen, der die Selbstkontrolle der Lungenfunktion einschließt.
  • In speziellen Schulungen können Sie sich über Ursachen und Folgen der Krankheit und über mögliche Therapiemöglichkeiten informieren.
  • Wichtig ist es zudem, die richtige Technik des Inhalierens bei Nutzung eines Sprays zu erlernen. Gerade für Kinder gibt es auch Inhalierhilfen, die die Anwendung der Medikamente erleichtern. Für alle Patient*innen ist die Auswahl der passenden Inhalierhilfe wichtig.
  • Mithilfe von Physiotherapeut*innen lassen sich bestimmte Atemtechniken und atemerleichternde Maßnahmen erlernen, die bei Atemnot hilfreich sind.

Medikamente

Hauptsächlich zwei Medikamentengruppen  werden bei Asthma verwendet. Man unterscheidet zusätzlich die sogenannten Reliever (Wirkstoffe, die akut auftretende Atembeschwerden lindern) von sogenannten Controllern (Wirkstoffe zur längerfristigen, vorbeugenden Therapie).

Reliever

Beta-2-Sympathomimetika (Spray oder Pulverinhalator) wirken entspannend auf die Muskulatur der Atemwege, erweitern also die Atemwege und erleichtern so den Luftstrom bei der Ein- und Ausatmung. Es gibt kurzwirksame Arten, die einige Stunden wirken, und langwirksame mit einer Wirkung von 12 bis über 24 Stunden. Die Wirkung setzt bei den kurzwirksamen Medikamenten nach wenigen Minuten ein, bei den langwirksamen kann die Wirkung schnell oder langsam einsetzen. Eine andere Art von Medikamenten, die die Atemwege erweitern, sind sogenannte kurzwirksame anticholinergische Wirkstoffe; diese kommen bei schwererem Asthma oder beim akuten Asthmaanfall zum Einsatz.
Als Reliever (Bedarfsmedikament) kann auch ein kombiniertes Spray mit einem Beta-2-Sympathomimetikum und einem niedrig dosierten Kortison verordnet werden.

Benötigt ein/e Patient*in häufiger als 2-mal pro Woche die Bedarfsmedikation, wird zusätzlich eine Langzeitmedikation (Controller) empfohlen.

Controller

Der Verbrauch an Bedarfsmedikamenten kann durch eine langfristige antientzündliche Therapie verringert werden. In der Regel wird hier inhalatives Kortison (Pulver oder Spray) eingesetzt, das eine entzündungshemmende und vorbeugende Wirkung gegen Anfälle hat. Die Wirkung dieses Medikamentes setzt langsam ein. Inhalatives Kortison in je nach Schweregrad verschieden hoher Dosierung bildet die Basis dieser Langzeittherapie und wird je nach Schweregrad des Asthmas mit weiteren Medikamenten kombiniert.

Als Controller kommen auch langwirksame Beta-2-Sympathomimetika sowie langwirksame Anticholinergika zum Einsatz.

Kombinationen

Von vielen Herstellern sind jeweils mehrere der genannten Medikamente z. B. in einem Spray bereits kombiniert, sodass die Anwendung für die Patient*innen einfacher ist. Für manche Patient*innen bietet sich auch eine fixe Kombination aus einem langwirksamen Beta-2-Sympathomimetikum (Formoterol) und einem inhalativen Kortison in niedriger Dosis als Langzeitmedikation an, die zusätzlich auch als Akutmedikation bei Bedarf eingesetzt werden kann.

Monoklonale Antikörper

Für Patient*innen mit besonders starken Beschwerden stehen weitere Wirkstoffe zur Verfügung, die die Bronchien erweitern oder noch spezifischer die Entzündungsreaktion bekämpfen (sog. monoklonale Antikörper). Diese müssen nur bei wenigen Betroffenen angewandt werden.

Optimale Medikation

Grundsätzlich geht es darum, für die Patient*innen sowohl bei einem Anfall rasch wirksame Wirkstoffe bereit zu haben als auch (wenn nötig) eine Dauertherapie gegen die Veränderungen in den Bronchien zur Verfügung zu stellen. Bei sehr schwachem Asthma mit eher seltenen Beschwerden kann eine Behandlung mit kurzwirksamen Medikamenten zur Erweiterung der Atemwege nur bei Bedarf ausreichen. Alternativ kann ein kombiniertes Spray mit einem Beta-2-Sympathomimetikum und einem niedrig dosierten Kortison bei Bedarf eingesetzt werden. Sonst wird eine entzündungshemmende, vorbeugende Dauertherapie zusätzlich empfohlen. Wenn Sie Kortison als Spray nutzen, ist es sehr wichtig, nach der Einnahme den Mund mit Wasser auszuspülen (Kortison hemmt lokal die Abwehr und kann deshalb zu Pilzinfektionen im Mund führen, was sich durch das Ausspülen verhindern lässt).

Wenn diese Therapie nicht ausreicht, werden langwirksame Medikamente zur Erweiterung der Atemwege oder Anticholinergika dazu kombiniert. Bei schweren Anfällen können auch Kortison in Tablettenform oder noch speziellere Wirkstoffe gegeben werden.

Grundsätzlich gibt es genaue Empfehlungen für Ärzt*innen, wie Asthma je nach Schweregrad der Symptome mit welchen Medikamenten zu behandeln ist (Stufenplan). Es ist zum einen wichtig, die Medikamente so einzunehmen, dass die Beschwerden möglichst gut kontrolliert sind. Zum anderen achten Ärzt*innen darauf, diese Kontrolle mit möglichst wenigen Wirkstoffen in der jeweils geringstmöglichen Dosis zu erreichen, um unerwünschte Wirkungen möglichst zu vermeiden. Im Verlauf wird die Therapie also ggf. häufig wieder neu angepasst, daher sind regelmäßige Atemtests (Peak Flow) zu Hause und ärztliche Kontrolluntersuchungen wichtig. Lungenfunktionstests spielen auch für die langfristige Prognose eine wichtige Rolle und sollten auch während der Therapie regelmäßig mindestens einmal pro Jahr erfolgen. Nach einem akuten Asthmaanfall wird empfohlen, sich möglichst bald erneut sorgfältig untersuchen zu lassen.

Impfungen

Impfungen, v. a. gegen Pneumokokken und Grippeviren sind für Menschen mit Asthma besonders wichtig.

Allergisches Asthma

Liegt nachgewiesenermaßen ein allergisches Asthma (bekannter Auslöser) vor, wird die Therapie der Exposition gegenüber dem Auslöser angepasst, z. B. dem Pollenflug. Zudem kann, wenn die Symptome unter der Therapie mit Spray/Tabletten gut unter Kontrolle sind, eine sog. spezifische Immuntherapie erfolgen. Hier wird unter ärztlicher Kontrolle über mindestens 3 Jahre regelmäßig ein Substrat des individuellen Auslösers (Allergens) als Tablette gegeben oder in die Haut gespritzt. Ziel der Therapie ist es, das Immunsystem „tolerant“ zu machen (also an den Auslöser zu gewöhnen), sodass keine übermäßigen Reaktionen mit Atemnot mehr auftreten.

Wenn ein Notfall eintritt

Hält ein Anfall an und verschlechtert sich die Atmung trotz Einsatz von geeigneten Sprays, ist es notwendig, notärztliche Hilfe zu rufen. In diesen Fällen ist häufig eine Krankenhauseinweisung nötig. Dort können die Ärzt*innen weitere Medikamente verabreichen und die Atmung per Sauerstoffmaske unterstützen.

Wie sieht die Prognose aus?

Kinder mit leichtem Asthma haben eine gute Prognose. Bei bis zu der Hälfte der betroffenen Kinder verschwinden die Symptome in der Pubertät. Bei einigen Erwachsenen können sich mit der Zeit bleibende Veränderungen in den Atemwegen entwickeln, sodass die Verengungen chronisch werden. Menschen mit Asthma, die rauchen, sind besonders gefährdet, eine chronische Erkrankung zu entwickeln (COPD).

Wer über viele Jahre auch mit Kortisonpräparaten behandelt wird, wird bei den ärztlichen Untersuchungen auch daraufhin untersucht, ob sich dadurch Veränderungen im körpereigenen Kortisonhaushalt ergeben haben, die rechtzeitig behandelt werden sollen. Bei Kindern kann eine langfristige Therapie mit hohen Kortisondosen zu einer Wachstumsverzögerung führen, auch dies wird regelmäßig überprüft. Da jedoch die meisten Patient*innen mit Asthma Kortison nicht als Tablette, sondern in Form eines Sprays zum Inhalieren einnehmen und das Kortison daher praktisch nur in der Lunge wirkt, sind entsprechende Nebenwirkungen sehr selten. 

Mit Asthma leben

Je nach Häufigkeit und Stärke der Anfälle beeinflusst das Asthma den Alltag der Betroffenen. Die meisten jedoch können ganz normal an Arbeit und Freizeitaktivitäten teilnehmen. Es ist wichtig für die Patient*innen, diese Krankheit genau zu verstehen und damit umgehen zu lernen.

Sie sollten Ihre behandelnden Ärzt*innen bitten, Ihnen Ursache und Folge sowie Therapie von Asthma genau zu erklären; zudem ist es oft hilfreich, an speziellen Schulungskursen für Menschen mit Asthma teilzunehmen.

Während der und nach den Anfällen sollen sich die Betroffenen ausruhen und sich nicht körperlich anstrengen; einige Patient*innen müssen zudem immer mal wieder für eine kurze Zeit krankgeschrieben werden. Nach und nach lernen die meisten aber Umstände und Faktoren zu vermeiden, die bei ihnen Asthmaanfälle auslösen oder verschlimmern können. Dadurch verringert sich die Häufigkeit der Anfälle.

Darüber hinaus ist es wichtig, die verordneten Medikamente  richtig einzunehmen bzw. zu verwenden, um zu verhindern, dass sich Asthmabeschwerden entwickeln oder um sie zu lindern, wenn ein Anfall eintritt. Es stehen, wie oben beschrieben, ganz verschiedene Wirkstoffe zur Verfügung, die einzeln oder kombiniert unterschiedlich eingesetzt und dosiert werden können, um die geeignete Therapie zu finden. Ihr/e Ärzt*in wird Sie entsprechend beraten und die Wirkung der Therapie regelmäßig überprüfen.

Es gibt kleine Geräte, mit denen Sie regelmäßig selbst zu Hause prüfen können, ob Sie kräftig genug ausatmen können (Peak-Flow-Messung, PEF). Diese Kontrollen sind wichtig und hilfreich. Inzwischen gibt es zudem verschiedene Apps oder andere hilfreiche Tools, um z. B. ein Symptomtagebuch noch genauer zu führen, die Atmung zu checken oder an die Einnahme der Medikamente erinnert zu werden.

Während der ersten Zeit nach der Diagnose ist es wichtig, in der Arztpraxis über die Symptome und die Ergebnisse der PEF-Messungen zu berichten und sich zu informieren, um die medikamentöse Behandlung richtig einzustellen. 

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden
  • Marlies Karsch-Völk, Dr. med. Fachärztin für Allgmeinmedizin, München
  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen