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COPD, chronisch obstruktive Lungenerkrankung

COPD ist ein Sammelbegriff für eine Gruppe chronischer Lungenerkrankungen mit zunehmender Einschränkung der Lungenfunktion (Atmung), insbesondere der Ausatmung. Die häufigste Einzelursache für die COPD ist das Rauchen.

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Zusammenfassung

 

COPD ist ein Sammelbegriff für eine Gruppe chronischer Lungenerkrankungen, die zu einer zunehmenden Einschränkung der Lungenfunktion (Atmung) führen, v. a. der Ausatmung.

 

COPD entwickelt sich über viele Jahre hinweg und tritt meist erst im Alter von über 40 Jahren auf.

 

Die Krankheit macht sich durch Atemnot/Kurzatmigkeit, Husten, häufige Infektionen der Atemwege und eine Beeinträchtigung der körperlichen Leistungsfähigkeit bemerkbar.

 

Die häufigste Einzelursache für die COPD ist das Rauchen. Über 70 % der Patienten mit der Diagnose COPD sind oder waren Raucher.

 

Das Ziel der Behandlung ist es, die Beschwerden so weit wie möglich zu reduzieren. Darüber hinaus strebt man auch eine Normalisierung der Lungenfunktion bzw. eine möglichst gute Lungenfunktion an.

 

Eine Heilung ist nicht möglich; durch die Therapie lassen sich jedoch die Symptome lindern und die Lungenfunktion länger stabil halten.

Lunge

Die Lunge besteht aus zwei schwammartigen Organen in der Brust, die von einer dünnen, feuchten Haut umgeben sind, der sogenannten Pleura. Der rechte Lungenflügel besteht aus drei Lappen und der linke Lungenflügel aus zwei Lappen. Die Lungen sind zu 90 % mit Luft gefüllt, den Rest macht das Lungengewebe aus.

Wenn wir einatmen, strömt Luft durch die Nase und den Rachen in die Luftröhre (Trachea) und in die beiden Hauptbronchien der Lunge. Die Hauptbronchien führen zu den beiden Lungenflügeln und verzweigen sich dort wie ein Baum in zahlreiche Äste, die Bronchiolen genannt werden. Die Bronchiolen enden in mikroskopisch kleinen traubenförmig angeordneten Luftsäcken, den sogenannten Alveolen. In der Lunge befinden sich über 300 Millionen dieser Alveolen. Jede Alveole ist von einer dünnen Membran umgeben, die an sehr feine Blutgefäße (die Kapillaren) grenzt. Die Kapillaren sind die dünnsten Blutgefäße des Körpers. Über die Alveolen wird Sauerstoff aus der Luft in das Blut abgegeben. Gleichzeitig wird Kohlendioxid aus dem Blut an die Alveolen abgegeben und dann ausgeatmet.

Das Blut tritt über zur Lunge führende Blutgefäße aus der rechten Herzkammer in die Lunge ein und wird dann über andere Gefäße in die linke Herzkammer geleitet. Von dort aus wird das mit Sauerstoff angereicherte Blut in den Rest des Körpers gepumpt.

Was ist COPD?

Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) ist ein Sammelbegriff für eine Gruppe chronischer Lungenerkrankungen, die zu einer zunehmenden Einschränkung der Lungenfunktion (Atmung) führen. Obstruktion bedeutet hier, dass durch die Schädigung des Lungengewebes vor allem die Ausatmung erschwert ist. Infolgedessen macht aber natürlich auch das Einatmen Probleme. Die häufigsten Untergruppen der COPD sind die chronische obstruktive Bronchitis und das Emphysem.

COPD entwickelt sich über viele Jahre hinweg und tritt meist erst im Alter von über 40 Jahren auf. Patienten mit Asthma haben ein erhöhtes Risiko, COPD zu entwickeln, aber reines Asthma wird nicht als COPD betrachtet. Wenn Asthma-Medikamente nicht mehr die erwartete Wirkung entfalten, kann das daran liegen, dass sich das Asthmaleiden zur COPD entwickelt hat.

Die Erkrankung betrifft v. a. Menschen, die älter als 40 Jahre sind und rauchen. Sie ist eine häufige Erkrankung und tritt bei 10–20 % der Erwachsenen auf, meist in fortgeschrittenem Alter. Männer sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Frauen. Experten schätzen jedoch, dass viele Personen an einer COPD leiden, ohne dass dies bereits diagnostiziert wurde.

Weltweit ist die COPD im Vergleich zu anderen Krankheiten für eine sehr hohe Anzahl an Patienten und Todesfällen verantwortlich. In Deutschland werden bis zum Jahr 2030 schätzungsweise knapp 8 Millionen Menschen mit COPD leben, im Jahr 2011 sind Schätzungen zufolge mehr als 25.000 Personen in Deutschland an COPD gestorben. Weltweit sterben jedes Jahr etwa 2,5 Millionen Menschen an dieser Lungenkrankheit.

Eine chronisch obstruktive Bronchitis geht mit einer anhaltenden Reizung der Atemwege mit vermehrter Schleimproduktion und Husten einher; Betroffene leiden zunächst an geringer Atemnot/Kurzatmigkeit nur bei körperlicher Belastung, später aber auch in Ruhe. Durch die Schädigung des Lungengewebes wird schließlich auch die Durchblutung der Lunge erschwert, und es kann sich ein Bluthochdruck und eine Herzmuskelschwäche entwickeln. Infektionen der Lunge sind häufig.

Emphysem bezeichnet eine permanente Erweiterung bzw. Zerstörung der kleinsten Bronchiolen und Alveolen der Lunge als Folge des geschädigten Lungengewebes. Die feinen Membranen der Alveolen, die für den Gasaustausch bei der Atmung essenziell sind, gehen mehr und mehr verloren. Dadurch verliert die Lunge zunehmend die Fähigkeit, Sauerstoff ins Blut abzugeben und Kohlendioxid aufzunehmen und auszuatmen. Das Lungengewebe verliert zudem seine Elastizität, d. h. auch dadurch wird die Lungenfunktion zunehmend eingeschränkt. Dies ist der Grund für die unten genannten Beschwerden.

Symptome

Charakteristische Anzeichen der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung sind:

  • Atemnot
  • Husten, meist mit Auswurf
  • ggf. häufige Infektionen der Atemwege
  • ggf. eine reduzierte körperliche Leistungsfähigkeit.

Die chronisch obstruktive Bronchitis ist durch Atembeschwerden gekennzeichnet. Darüber hinaus treten oft Husten, Auswurf und wiederkehrende Infektionen der Atemwege auf. Das Befinden der Patienten verschlechtert sich, wenn sie liegen, und sie müssen oft halb aufrecht sitzen, um schlafen zu können. Bei fortgeschrittener Erkrankung können die Patienten unter Sauerstoffmangel leiden, was letztendlich zu Herzversagen führen kann.

Patienten, die an einem Emphysem leiden, haben häufig bereits zwischen 50 % und 70 % des Lungengewebes verloren, wenn die Symptome auftreten. In der Regel kommt es zuerst zu Atembeschwerden. Am Anfang treten häufig leichter Husten und Auswurf auf, und bei körperlicher Aktivität machen sich Atembeschwerden bemerkbar. Mit der Zeit tritt schon bei geringer körperlicher Belastung und in Ruhe Atemnot auf. Bei einer weit fortgeschrittenen Erkrankung sind ausgeprägte Atemprobleme mit schneller Atmung und Atemnot ständig vorhanden. Durch die erweiterte Lunge und vermehrte Atemarbeit ist der Brustkorb der Patienten oft stark erweitert (Fassthorax).

Die Symptome werden je nach Ausprägung in verschiedene Schweregrade eingeteilt. Viele Patienten leiden zusätzlich an Phasen, in denen sich die Beschwerden z. B. infolge eines Virusinfekts oder aufgrund von Luftverschmutzung verstärken (Exazerbation).

Hinzu kommen Begleiterkrankungen, etwa eine Herzinsuffizienz (Herzmuskelschwäche), andere Lungenkrankheiten, Krebs, psychische Krankheiten, Krankheiten des Verdauungstrakts, der Muskeln und Knochen etc., die die Gesamtsymptomatik und den allgemeinen Gesundheitszustand der Betroffenen ebenfalls deutlich beeinflussen.

Ursachen

Die Hauptursache der COPD ist das jahrelange Einatmen von Staub und kleinsten Schmutzpartikeln in der Luft. Hier spielt Rauchen eine wichtige Rolle: Über 70 % der Patienten mit COPD rauchen oder haben geraucht. Nach etwa 20 Jahren Nikotinkonsum leiden 5–20 % der Raucher an einer COPD; insgesamt entwickelt die Hälfte der Raucher diese schwere Lungenkrankheit.

Etwa ein Viertel der COPD-Patienten sind jedoch Nichtraucher. Hier kommen als Ursachen das Einatmen von belasteter Luft am Arbeitsplatz oder auch im Haus (Passivrauch oder bei Holzverbrennung im offenen Kamin im Haus, häufig in Entwicklungsländern) oder der Außenluft (hohe Verkehrsdichte) infrage; auch andere zugrunde liegende Lungenkrankheiten spielen eine Rolle (s. u.).

Langjähriges Rauchen bzw. das Einatmen verschmutzter Luft löst dauerhafte entzündliche Prozesse in der Lunge aus, die das Gewebe im Verlauf der Zeit irreversibel schädigen. Dies führt zur Bildung von (festem) Bindegewebe und zu einer Verengung der Atemwege und somit zu einer erschwerten Atmung. Darüber hinaus entsteht oft viel zäher Schleim, der die Atmung weiter behindert und das Risiko von Atemwegsinfektionen erhöht.

Weitere Ursachen für die Entwicklung die chronischen Lungenkrankheit sind angeborene und andere erworbene Lungenkrankheiten, sehr häufige Lungeninfekte während der Kindheit oder auch ein eingeschränktes Lungenwachstum des Fetus während Schwangerschaft.

Beim Emphysem geht außerdem Lungengewebe verloren und die Elastizität der Lunge lässt nach. Dies beeinträchtigt ihre Fähigkeit, Sauerstoff aus der Luft ins Blut abzugeben.

Diagnostik

Die Krankengeschichte ist charakteristisch mit meist langjährigem Rauchen und Husten, der sich ab einem Alter von 40 Jahren verschlimmert. Die Patienten entwickeln schließlich eine mühsame, erschwerte Atmung, und die körperliche Leistungsfähigkeit wird beeinträchtigt. Häufig treten auch wiederkehrende Atemwegsinfektionen auf. Schweregrad und Entwicklung der Beschwerden sowie evtl. vorliegende Symptome anderer Krankheiten wird die Ärztin/der Arzt genau erfragen. Zudem erfolgt eine sorgfältige körperliche Untersuchung; v. a. werden die Ärztin/der Arzt Herz und Lungen genau abhören und die Atmung beurteilen. Zudem wird die körperliche Belastbarkeit der Patienten überprüft, z. B. anhand eines einfachen Gehtests. 

Auch die Funktion des Herzmuskels wird untersucht (Abhören, EKG) und dabei auch darauf geachtet, ob die Patienten an Wassereinlagerung (Ödeme) v. a. an den Unterschenkeln leiden.

Lungenfunktionsmessungen (v. a. die Spirometrie) bestätigen die Diagnose. Bei dieser Messung atmen Sie in ein Gerät ein und aus, das die Geschwindigkeit des Luftstroms in den Atemwegen und die Gesamtmenge der Luft misst, die Sie ein- und ausatmen können. Damit kann auch gemessen werden, wie verschiedene Arzneimittel die Lungenfunktion beeinflussen.

Röntgenaufnahmen der Lunge können völlig normal aussehen und sind nicht erforderlich, um die Diagnose zu stellen. Solche Aufnahmen werden jedoch häufig angefertigt, um andere Ursachen für Husten und Atembeschwerden ausschließen zu können, wie Tumoren oder Lungenentzündungen.

Zudem wird die Ärztin/der Arzt wahrscheinlich Blutuntersuchungen sowie Messungen der Sauerstoffsättigung im Blut verordnen.

Behandlung

Das Ziel der Behandlung ist es, die Entwicklung der Krankheit so weit wie möglich zu verlangsamen und die Beschwerden auf ein Minimum zu reduzieren. Es gibt keine die Krankheit heilende (kurative) medikamentöse Behandlung.

Die wichtigsten Maßnahmen zur Behandlung können Sie selbst durchführen:

  • COPD ist ein guter Grund, das Rauchen aufzugeben – immerhin ist das die einzige Maßnahme, die das Fortschreiten der Krankheit eindeutig verlangsamt. Für diese entscheidende Maßnahme gibt es viele Methoden und unterstützende Angebote. Fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt danach. 
  • Auch regelmäßige körperliche Aktivität hat einen positiven Effekt.
  • Vermeiden Sie Quellen der Luftverschmutzung wie verrauchte Räume, Abgase usw.
  • Ernähren Sie sich ausgewogen, um sowohl Untergewicht als auch Übergewicht zu vermeiden.
  • Beachten Sie die Empfehlungen zur Impfung, z. B. gegen Grippeviren und Pneumokokken.
  • Informieren Sie sich über die Krankheit und die Durchführung der Behandlung.

Arzneimittel werden eingesetzt, um die Symptome der COPD zu lindern.

  • Arzneimittel zur Erweiterung der verengten Atemwege (Beta-2-Sympathomimetika oder Anticholinergika) sind die wichtigsten und am häufigsten verwendeten Medikamente.
  • Entzündungshemmende Medikamente (Kortison in Form von Spray oder mittels Inhalationsgerät) sind in Zeiten mit besonders ausgeprägten Beschwerden und auch für Menschen mit schwerer COPD von großer Bedeutung.
  • Schleimlösende Medikamente in Tablettenform oder als Sirup können in manchen Fällen wirksam sein.
  • Antibiotika werden bei bakteriellen Atemwegsinfektionen angewendet. Wichtig ist allerdings: Die sogenannten Chinolone (z. B. Levofloxacin) sind mit schweren Nebenwirkungen verbunden, wie im Frühjahr 2019 bekannt wurde. Daher wird diese Gruppe Antibiotika bei leichten/mittelschweren Lungeninfekten von COPD-Patienten nicht mehr eingesetzt.
  • Eine andere wichtige Behandlungsmöglichkeit ist die Atemphysiotherapie, um das Abhusten des Schleims zu unterstützen.
  • Bei einer akuten Aufnahme ins Krankenhaus kann es auch notwendig werden, Sauerstoff zu geben. Dies ist auch zuhause oder unter bestimmten Umständen (z. B. Flugreisen) möglich.

Eine entscheidende Bedeutung hat die Sauerstofftherapie bei der COPD. Patienten können z. B. vorübergehend in bestimmten Situationen Sauerstoff benötigen, dauerhaft zu Hause ein Beatmungsgerät nutzen oder ein mobiles Gerät mitführen oder müssen auf der Intensivstation künstlich beatmet werden.

Bei ausgeprägtem Lungenemphysem stehen verschiedene Operationsmöglichkeiten zur Verfügung, die darauf abzielen, erweitertes funktionsloses Lungengewebe zu entfernen. In seltenen Fällen können die Ärzte auch eine Lungentransplantation in Erwägung ziehen.

Exazerbationen werden je nach Symptomatik mit Sauerstoff (evtl. künstliche Beatmung), Antibiotika und höherer Dosierung der üblichen Medikamente gegen COPD behandelt. Leidet der Patient nach langem Verlauf der Krankheit an einem lebensbedrohlichen Lungenversagen, so kommen verschiedene Maßnahmen und Medikamente zur Linderung der Atemnot, Schmerzen und Angst zum Einsatz.

Begleitend stehen betroffenen Patienten verschiedene Maßnahmen zur Rehabilitation zur Verfügung (dazu gehören Ernährungsberatung, körperliches Training, Atemtherapie, Ergotherapie, Informationen zur medikamentösen Therapie, Versorgung mit Hilfsmitteln und psychosoziale Betreuung).

Viele Betroffene leiden zusätzlich zur COPD noch an weiteren Krankheiten; auch diese werden natürlich möglichst effektiv therapiert.

Prognose

Die COPD ist eine chronische Krankheit, die allmählich zu einer verschlechterten Lungenfunktion führt. Mit Raucherentwöhnung und entsprechender Behandlung kann diese Entwicklung jedoch erheblich verzögert werden. Die Anfälligkeit für Erkältungen und Grippe ist deutlich erhöht. Daher sollte jeweils im Herbst eine Grippeimpfung erfolgen und bei vielen Patienten ebenfalls eine Impfung gegen Bakterien, die eine Lungenentzündung verursachen (Pneumokokken).

Ohne aktive Maßnahmen zur Verbesserung der Situation entwickeln COPD-Patienten nach einiger Zeit Herzkrankheiten oder ein vollständiges Lungenversagen.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen