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Lungenentzündung durch Chlamydien

Diese Lungenentzündung wird durch die Bakterien Chlamydophila pneumoniae oder Chlamydophila psittaci verursacht. Sie macht etwa 5–15 % aller Lungenentzündungen aus, die sich außerhalb von Krankenhäusern entwickeln.

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Was ist eine durch Chlamydien verursachte Lungenentzündung?

Es handelt sich um eine Lungenentzündung (Pneumonie), die durch Chlamydien-Bakterien verursacht wird. Chlamydien sind kleine Bakterien; der Typ Chlamydophila pneumoniae vermehrt sich im Gegensatz zu anderen Bakterien nur innerhalb der Zellen des Erkrankten. Das Bakterium kommt in drei Formen vor: Chlamydophila pneumoniae, trachomatis und psittaci. Von diesen Erregern ausgelöste Lungenentzündungen werden auch als atypische Pneumonien bezeichnet. 

  • Chlamydophila pneumoniae gilt als Ursache für 5–15 % der Pneumonien bei Patienten, die sich außerhalb des Krankenhauses mit einem Erreger anstecken (= ambulant erworbene Pneumonie). Sie kann auch die Ursache für Verschlechterungen der Symptome mit Fieber bei Patienten mit chronischer Bronchitis oder COPD sein. Die Ansteckung erfolgt meist in Tröpfchenform von Person zu Person, also durch Speichel, Husten oder Ähnliches. In der Regel dauert es 3–4 Wochen von der Ansteckung bis zum Auftreten von Symptomen (Inkubationszeit).
  • Chlamydophila psittaci ist wesentlich seltener; in Deutschland wurden beispielsweise 2016 nur 9 Fälle gemeldet, wahrscheinlich wurden einige Infektionen mit diesem Bakterium aber nicht erkannt. Chlamydophila psittaci ist unter Vögeln verbreitet, und man geht davon aus, dass die Ansteckung in irgendeiner Form durch den Kontakt mit Vögeln bzw. Vogelkot entsteht. Daher stammt auch die Bezeichnung Ornithose oder Psittakose (Papageienkrankheit). Von Mensch zu Mensch ist die Ansteckung wohl auch möglich, aber untypisch. Die Inkubationszeit beträgt hier meist etwa 10 Tage, manchmal auch weniger.
  • Chlamydophila trachomatis kann Ursache einer Lungenentzündung eines Säuglings sein, der sich während der Geburt angesteckt hat. 

Durch Chlamydien verursachte Pneumonien vermutet man typischerweise bei Jugendlichen und jüngeren Erwachsenen, aber sie kommen auch bei älteren Menschen vor, v. a. wenn diese an chronischen Grunderkrankungen leiden.

Symptome

Die Krankheit beginnt typischerweise mit Husten, Heiserkeit, Halsschmerzen, auch Kopfschmerzen, rascher Ermüdbarkeit/Erschöpfung und ein wenig Fieber. Die Symptome entwickeln sich langsam, die Patienten leiden aber oft unter einer schmerzhaften und anhaltenden Heiserkeit und hartnäckigem Husten (unbehandelt über mehrere Monate). Es können auch Ohrenschmerzen und eine Infektion der Nasennebenhöhlen hinzukommen, manche Betroffene klagen auch über Gliederschmerzen oder Bauchschmerzen. Die Beschwerden sind in der Regel nicht so intensiv wie bei einer typischen Lungenentzündung, die oft hohes Fieber auslöst und bei der man plötzlich sehr krank und geschwächt ist. Je nach Gesundheitszustand des Betroffenen können die Symptome aber auch bei einer Chlamydien-Pneumonie stark ausgeprägt oder auch kaum bemerkbar sein. Der Krankheitsverlauf kann zwischen einem leichten und einem ernsthaften Verlauf variieren.

Diagnostik

Bei der Untersuchung hört der Arzt in vielen Fällen beim Abhören der Lungen auffällige Geräusche. Dies ist jedoch nicht immer der Fall. Die Diagnose kann durch eine Untersuchung des Speichels auf den Erreger oder eine Blutprobe (Antikörpertest) bestätigt werden, aber oft wecken eine langwierige Erkrankung (Husten), bei der Penicillin keine Wirkung zeigt, den Verdacht auf Pneumonie aufgrund von Chlamydien. Hier kommen aber auch andere Erreger atypischer Pneumonien in Betracht, z. B. Mykoplasmen. Ein Röntgenbild der Lunge zeigt oft Veränderungen, die für eine Lungenentzündung (Pneumonie) sprechen und hilft somit bei der Diagnosestellung. Die Messung von erhöhten Entzündungswerten im Blut bestätigt, dass eine Infektion vorliegt.

Behandlung

Viele Patienten haben neben dem Husten nur geringfügige allgemeine Beschwerden, und vermutlich suchen sie aus diesem Grund keinen Arzt auf. Die Infektionen gehen von selbst vorüber.

Wenn eine Behandlung notwendig wird, dann kommen Antibiotika zum Einsatz. Penicillin ist gegen dieses Bakterium wirkungslos, daher wird ein anderes Antibiotikum verschrieben. Meist verschreibt der Arzt z. B. Azithromycin oder Doxycyclin (Letzteres wird jedoch nicht für Kinder verschrieben, stattdessen z. B. Erythromycin) oder ähnliche Antibiotika. Die übliche Therapie ist die Gabe von Antibiotika als Tabletten über etwa 1 Woche je nach Präparat.

Bestehen Atemprobleme, können bronchienerweiternde Sprays (sogenannte Betamimetika) hilfreich sein.

Zusätzlich ist es sinnvoll, viel zu trinken, sich nicht kühlen Temperaturen auszusetzen und sich allgemein zu schonen. Um Menschen in der Umgebung nicht anzustecken, ist sorgfältige Händehygiene wichtig und man sollte die Umgebung beim Husten und Niesen nicht mit Speichel „besprühen“. Im Fall von Chlamydophila psittaci ist es wichtig, sich von Vögeln, Vogelgehegen und Vogelkot/-staub fernzuhalten. Ist der Kontakt unumgänglich, so sollte man Handschuhe und Mundschutz beim Säubern des Käfigs tragen und viel Seifenwasser verwenden, damit möglichst wenig Staub aufgewirbelt wird.

Prognose

Die Krankheit ist oft langwierig und ein Verlauf von 2 Wochen trotz Therapie oder auch länger keine Seltenheit. Eine Chlamydien-Pneumonie ist meist weniger schwerwiegend als andere Formen der Lungenentzündung. Das basiert vor allem auf dem milderen Verlauf mit geringerem Fieber. Es können jedoch Komplikationen eintreten, besonders bei älteren Personen mit gleichzeitig anderen Erkrankungen, wodurch sich die Genesung verzögert.

Während des Krankheitsverlaufs ist anstrengendes Training zu vermeiden, aber leichte körperliche Aktivitäten, wenn möglich, wirken sich positiv auf die Genesung aus. Wie bei anderen Infektionen ist auch hier eine ausreichende Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme wichtig, denn der Körper braucht ausreichend Nährstoffe zur Bekämpfung der Infektion!

Weitere Informationen

Autoren

Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen