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Lungenentzündung durch Mykoplasmen

Mykoplasmen sind zellwandlose Bakterien, die in etwa 10 % die Ursache für eine Lungenentzündung ausmachen. Im Gegensatz zu Lungenentzündungen (Pneumonien), welche durch andere Bakterien verursacht werden, hat die Mykoplasmen-Pneumonie einen deutlich milderen Verlauf.

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Fakten

 

Was ist eine durch Mykoplasmen verursachte Pneumonie?

Definition

Pneumonie ist der Fachbegriff für eine Lungenentzündung. Mykoplasmen sind Bakterien, die sich von anderen Bakterien dadurch unterscheiden, dass sie keine Zellwände haben und somit dem häufig eingesetzten Antibiotikum Penicillin trotzen können. Sie sind nicht besonders gefährlich, und die Immunabwehr des Körpers kann den Erreger in der Regel gut bekämpfen. Die Mykoplasmen-Pneumonie ist daher meist eine milde Lungenentzündung.

Symptome

Bei der Mykoplasmen-Pneumonie beginnen die Symptome schleichend. Typisch ist ein hartnäckiger Husten, der sich über Wochen halten kann. Es besteht ein allgemeines Krankheitsgefühl mit Abgeschlagenheit und ggf. Kopfschmerzen mit leichtem Fieber. Manchmal können auch Hals- und Ohrenschmerzen zeitgleich auftreten. Im Vergleich zu Lungenentzündungen durch andere Erreger sind die Symptome deutlich milder. Sehr häufig kommt es gar nicht zu einer Entzündung der Lunge (tiefe Atemwege), sondern die Infektion bleibt auf die oberen Atemwege beschränkt.

Häufigkeit

Eine durch Mykoplasmen verursachte Pneumonie kann in allen Altersgruppen auftreten, ist aber häufiger bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Mykoplasmen machen etwa 10 % der außerhalb des Krankenhauses erworbenen Lungenentzündungen aus.

Mykoplasmen sind ansteckend. Daher kann sich die Krankheit besonders gut in Gruppen auf engem Raum verbreiten, wie in der Schule, in der Familie oder in Pflegeeinrichtungen. Von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit vergehen meist 1–3 Wochen (Inkubationszeit).

Untersuchungen

In der ärztlichen Praxis wird eine körperliche Untersuchung durchgeführt, und Ihre Lungen werden abgehört. Das Abhören ermöglicht eine Beurteilung, ob die Lungen von der Infektion stark betroffen sind. In den meisten Fällen ist dies nicht der Fall.

Bei Epidemien kann man oft die Diagnose aufgrund des langwierigen Verlaufs und der relativ geringen Beschwerden stellen. Weitere Untersuchungen sind dann nicht notwendig. Ggf. kann eine Blutuntersuchung erfolgen, um die Entzündungszeichen zu kontrollieren. Eine Diagnose lässt sich daraus allerdings nicht stellen. In den meisten Fällen kann auch auf eine Röntgenaufnahme verzichtet werden.

Die einzige Möglichkeit, um den Erreger zu diagnostizieren, ist mittels eines Nasen-Rachen-Abstriches und anschließender Untersuchung im Labor, die einige Tage dauert. Bei einem milden Verlauf ist dies allerdings nicht erforderlich.

Behandlung

In der Regel heilt die Mykoplasmen-Pneumonie von alleine aus, ist aber ohne Therapie langwierig. Eine Behandlung mit Antibiotika wird bei Erregernachweis empfohlen. Dabei ist zu beachten, dass aufgrund der Beschaffenheit der Mykoplasmen Penicilline nicht wirksam sind. Zur Behandlung erhalten Sie daher Antibiotika mit einem anderen Wirkmechanismus wie Doxycyclin oder Erythromycin. Vor allem Letzteres wird bei Kindern unter 9 Jahren verordnet. Die Behandlung dauert normalerweise 5–7 Tage.

Was können Sie selbst tun?

Während des Krankheitsverlaufs ist anstrengendes körperliches Training zu vermeiden. Nach der Genesung können Sie allmählich Ihre sportlichen Leistungen wieder steigern. Wie bei anderen Infektionen ist auch hier eine ausreichende Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme wichtig. Vorbeugend sollten Sie sich, gerade bei Kontakt mit anderen Menschen, häufig die Hände waschen.

Prognose

Der Krankheitsverlauf ohne Behandlung ist oft langwierig, ca. 3 bis über 4 Wochen. Mit der Behandlung tritt in der Regel innerhalb einer Woche eine spürbare Besserung ein.

Die Mykoplasmen-Pneumonie ist in den meisten Fällen weniger ernst als die am häufigsten vorkommende Lungenentzündung, die durch Pneumokokken oder Streptokokken verursacht wird. Die Beschwerden sind meist nur mäßig ausgeprägt. Die allermeisten Infizierten werden wieder völlig gesund. Äußerst selten kann es zu Komplikationen kommen, die bei älteren Menschen mit bereits vorhandenen Erkrankungen auftreten können. 

Bei ausbleibender Besserung nach einer antibiotischen Therapie und Verschlechterung des Allgemeinzustandes sollten Sie sich nochmals ärztlich vorstellen.

Weitere Informationen

Autorin

  • Natalie Anasiewicz, Dr. med, Ärztin, Davos

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Mykoplasmen-Pneumonie. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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