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Hodenentzündung (Orchitis)

Eine Orchitis ist eine Entzündung des Hodens, die in Verbindung mit Mumps auftritt.

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Was ist eine Hodenentzündung?

Definition

Eine Orchitis ist eine Entzündung des Hodens, die fast nur bei Patienten mit Mumps auftritt. Bei einer Entzündung der Hoden ist in 70 % der Fälle nur ein Hoden betroffen. Die Entzündung führt zu einer Schwellung und teilweise zu einer Zerstörung der Drüsenstrukturen im Hoden. Nach der Infektion kann der Hoden dauerhaft geschädigt sein, häufig ist er zudem deutlich kleiner als davor.

Symptome

Mumps führt in 60–70 % der Fälle zu einer schmerzhaften Schwellung der Ohrspeicheldrüse (Glandula parotis). Zusätzlich treten Fieber und allgemeine Krankheitssymptome auf. 4–8 Tage nach dem Beginn kann es zu einer Entzündung eines oder beider Hoden kommen. In 30 % der Fälle ist innerhalb von 1–9 Tagen auch der andere Hoden betroffen. Die Mumps-Orchitis zeigt sich durch akut einsetzende Hodenschmerzen und eine akut einsetzende Hodenschwellung. Die Hodenentzündung besteht für etwa 1–2 Wochen. In Verbindung mit der Orchitis kann es zu einem erneuten Fieberanstieg kommen. Die Hoden können gerötet und wund sein. Die Schmerzen lassen nach, wenn die Hoden hochgelagert werden (anders als bei der Hodentorsion).

Ursachen

Mumps ist eine Virusinfektion, die vor allem eine Entzündung der Ohrspeicheldrüse (Glandula parotis) bewirkt, was zur charakteristischen Schwellung der Wange vor dem Ohr führt. Das Mumpsvirus kann auch in anderen Speicheldrüsen der Kehle sowie in der Bauchspeicheldrüse Infektionen verursachen und darüber hinaus zu einer Hirnhautentzündung führen. Ebenso kann das Virus eine Hodenentzündung verursachen.

Häufigkeit

Eine Hodenentzündung tritt seit der Einführung der Mumps-Masern-Röteln-Impfung (MMR-Impfung) nur selten auf. Sie betrifft 15–30 % aller Männer, die nach der Pubertät an Mumps erkranken. Vor der Pubertät kommt es nur selten zu einer Hodenentzündung.

Untersuchungen

  • Die Diagnose wird anhand der typischen Symptome sowie durch Blutuntersuchungen gestellt.
  • Eine Ultraschalluntersuchung der Hoden kann zur Bestätigung der Orchitis sowie zum Ausschluss einer Hodentorsion durchgeführt werden.
  • Die Infektion mit dem Mumpsvirus kann durch einen Antikörpertest oder einen PCR-Test zum Nachweis von viralem Genmaterial aus einem Rachenabstrich oder dem Urin bestätigt werden.
  • Es sollten ggf. auch Tests auf sexuell übertragbare Erkrankungen durchgeführt werden.

Behandlung

  • In der Regel erfolgt eine symptomatische Behandlung mit Ruhe und Entlastung sowie der Hochlagerung des entzündeten Hodens in Ruheposition.
  • Bei Bedarf können Schmerzmittel eingenommen werden.
  • Die Entzündung geht von selbst vorüber. Andere Medikamente können die Genesung nicht beschleunigen.
  • Die Patienten sollen Bettruhe halten. Kalte Kompressen können die Beschwerden lindern.
  • Die Impfung im Säuglings- und Kleinkindalter beugt Mumps und Orchitis zu ca. 90 % vor.
    • Der Mumps-Impfstoff ist ein Lebendimpfstoff und enthält abgeschwächte Mumpsviren.
    • Eine Altersbegrenzung für die Gabe der Impfung existiert nicht.

Prognose

  • Nach der akuten Phase gehen Schwellung und Schmerzen innerhalb von 1–2 Wochen zurück.
  • Die Krankheit kann dazu führen, dass in etwa 50 % der Fälle die Hoden kleiner werden und in etwa 25 % die Samenproduktion im betroffenen Hoden geschädigt wird. Dadurch kann die Fertilität sinken.
  • Infertilität tritt selten auf, ist aber nach einer beidseitigen Infektion möglich.

Weitere Informationen

Autor

  • Markus Plank, Msc Bsc, Medizin- und Wissenschaftsjournalist, Wien

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Mumps-Orchitis. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Terry N. Orchitis. Medscape, last updated Sep 11, 2015. emedicine.medscape.com 
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  4. Masarani M, Wazait H, Dinneen M: Mumps orchitis: J R Soc Med. 2006;99(11):573-575. www.ncbi.nlm.nih.gov 
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