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Lichen sclerosus bei Männern

Der Lichen sclerosus ist eine chronische Hautentzündung, die zu weißen Hautflecken und dünner, leicht verletzlicher Haut führt. Bei Männern ist von den Hautveränderungen oft der Penis betroffen.

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Was ist Lichen sclerosus?

Der Lichen sclerosus ist eine chronische Hautentzündung, die zu weißen Hautflecken und dünner, leicht verletzlicher Haut führt. Die Erkrankung kann zu Hautveränderungen an den Geschlechtsorganen und an anderen Stellen führen, wobei der Penis fünfmal stärker betroffen ist als andere Körperstellen. Durch die Hautveränderungen kann es zu einer Vorhautverengung (Phimose) kommen. Man kennt die Erkrankung auch unter dem Namen Balanitis xerotica obliterans oder Lichen sclerosus et atrophicus. Ist v. a. der Penis betroffen, spricht man auch von Craurosis penis.

Woher diese Erkrankung stammt ist unbekannt, sie ist zudem recht selten. Lichen sclerosus tritt bei Frauen und Männern auf, ist aber bei Frauen (im Bereich der Schamlippen) wesentlich häufiger als bei Männern (6:1). Die Diagnose wird entweder bereits vor der Pubertät gestellt oder die Beschwerden entwickeln sich erstmals zwischen 30 und 50 Jahren.

Ursachen

Die genaue Ursache ist unbekannt. Wahrscheinlich spielen genetische Faktoren bzw. die Vererbung eine Rolle; etwa 10 % der Betroffenen haben Verwandte, die auch an Lichen sclerosus leiden. Wahrscheinlich handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung.

Symptome und Beschwerdebilder

Lichen sclerosus am Penis kann sich durch Juckreiz ankündigen, aber auch durch eine Vorhautverengung (Phimose), die schnell entstehen kann, obwohl sich die Vorhaut bis dahin leicht zurückziehen ließ. In einigen Fällen kann die Vorhaut so eng werden, dass dem Patienten das Wasserlassen schwer fällt. Die Hautveränderungen können weiß, rot, pigmentiert, geschwollen oder vernarbt sein. In manchen Fällen wirken sie sich störend beim Geschlechtsverkehr aus und können auch Schmerzen verursachen. Lichen sclerosus an anderen Körperstellen führt oftmals nicht zu Symptomen, kann aber Juckreiz verursachen.

Diagnose

Die Diagnose wird ausgehend von der Krankengeschichte sowie durch die typischen Hautveränderungen gestellt. Andere Untersuchungen sind selten erforderlich. Da die Hautveränderungen manchmal nicht ganz typisch sind bzw. anderen Krankheiten ähneln können, ist manchmal die Entnahme einer Gewebeprobe erforderlich, die dann genau untersucht wird. Dabei lässt sich auch erkennen, ob evtl. Krebszellen vorliegen, was aber selten vorkommt.

Die Erkrankung äußert sich in Form von weißen, unregelmäßigen Punkten (Papeln), die zu größeren Bereichen (Plaque) zusammenfließen. Die Größe der Plaques kann stark variieren, d. h. von wenigen Millimetern bis zu beachtlicher Größe, wenn sie sich am Körper befinden. Bei Lichen sclerosus gleicht die Haut vom Aussehen her einem „Zigarettenpapier“, also dünn, weiß und faltig. In manchen Fällen kann die Entzündung so stark sein, dass sich Blasen bilden.

Die Hautveränderungen am Penis betreffen normalerweise die Eichel und die Vorhaut. Ein Hautausschlag am Peniskörper ist ungewöhnlich und am Hodensack selten. Im Rahmen der Hautveränderungen kann es zu Vernarbungen (weißlicher harter Ring am Rand der Vorhaut mit nachfolgender Phimose), kleinen Rissen oder Wunden kommen. Manchmal ist auch der Bereich um den Anus betroffenen. Der Hautausschlag kann sich auch an anderen Körperstellen zeigen (extragenital) und betrifft dann oft die Schultern und den Rücken.

Behandlung

Die Behandlung zielt darauf ab, die Beschwerden zu lindern. Wenn der Lichen sclerosus an anderen Stellen als dem Penis auftritt, ist meistens keine Behandlung erforderlich.

Gegen Hautausschlag am Penis werden fetthaltige Cremes, milde Seifen und eine Kortisonsalbe empfohlen. Die Salbe wird täglich aufgetragen, bis die Beschwerden bzw. die Hautveränderungen sich zurückgebildet haben; in der Regel dauert das etwa 3 Monate.

Clobetasol ist eine starke Kortisonsalbe, die zur Linderung der Beschwerden eingesetzt werden kann. Mometason ist eine Alternative. Gegen Ende der Therapie wird die Dosis langsam reduziert. Bei Rückfällen kann die Dosis für einige Wochen auf ein- bis zweimal täglich erhöht werden. Weiteres Mittel gegen die Beschwerden ist z. B. Pimecrolimus. Dieser Wirkstoff ist jedoch nicht bei Lichen sclerosus zugelassen, daher liegt es im Ermessen der Ärztin/des Arztes, diese Creme zu verordnen.

Auch eine chirurgische Beschneidung, bei der die Vorhaut entfernt wird, kann sich positiv auswirken: Die Phimose wird beseitigt und die veränderte Haut entfernt. Die Ärztin oder der Arzt wird mit Ihnen besprechen, ob eher eine solche Operation (Zirkumzision) oder die Therapie mit Kortison infrage kommt. Wird eine Zirkumzision früh durchgeführt, reicht dies oft als Therapie aus, manchmal ist jedoch trotzdem eine weitere Therapie mit Kortisonsalbe notwendig.

Vermeiden Sie intensives Abtrocknen der Haut nach dem Duschen oder Baden. Verwenden Sie eine Feuchtigkeitscreme oder Öl. Halten Sie eine gute Hygiene, vermeiden Sie Reizstoffe und Allergene, tragen Sie Baumwollunterwäsche und vermeiden Sie eng sitzende Kleidung. Auch ein weicher Sattel wird empfohlen, wenn Sie Fahrrad fahren. Wenn der Juckreiz und die Beschwerden nach dem Sex stärker werden, wird eine zeitweilige Enthaltsamkeit geraten. Sexuelle Enthaltsamkeit kann auch zu Beginn der Behandlung erforderlich sein.

Prognose

Die Erkrankung kann bei manchen Personen chronisch oder wiederkehrend sein. Sie kann durch schmerzhafte Erektionen, Schwierigkeiten beim Wasserlassen, verengter Vorhaut und in seltenen Fällen (2–3 %) Peniskarzinom verkompliziert werden.

Die Heilungschancen sind jedoch gut; starke Beschwerden können aber die sexuelle Funktion beeinträchtigen. Die Behandlung der Erkrankung zeigt oft bereits vor Ablauf eines Monats gute Fortschritte.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen