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Benigne Prostatahyperplasie (gutartige Prostatavergrößerung)

Eine gutartige Zunahme des Gewebes in der Prostata wird medizinisch als benigne Prostatahyperplasie (BPH) bezeichnet. Im Laufe der Zeit führt das zu einer Vergrößerung der Prostata mit dem Risiko, dass der Harnabfluss behindert wird.

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Was ist eine gutartige Prostatavergrößerung?

Eine gutartige Zunahme des Gewebes in der Prostata wird medizinisch als benigne Prostatahyperplasie (BPH) bezeichnet. Im Laufe der Zeit führt das zu einer Vergrößerung der Prostata mit dem Risiko, dass der Harnabfluss behindert wird, da die Harnröhre durch die Prostata hindurch verläuft.

Typische Symptome einer Prostatahyperplasie, die Beschwerden verursacht, sind:

  • plötzlicher und starker Harndrang
  • häufiges Wasserlassen in kleinen Mengen
  • nächtlicher Harndrang
  • Schmerzen bei voller Blase und unfreiwilliger Harnabgang.

Zusammengefasst spricht man dann von Symptomen des unteren Harntrakts (Lower Urinary Tract Symptoms, LUTS). Weitere Beschwerden sind:

  • Startschwierigkeiten beim Urinieren
  • ein schwacher Urinstrahl
  • das Gefühl einer unzureichenden Entleerung
  • das Bedürfnis zu pressen
  • Nachtröpfeln
  • Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen.

Entleerungsprobleme können zu einer Überfüllung der Blase mit allmählich zunehmendem Druck und Schmerzen in der Blasenregion führen.

Eine BPH kommt mit zunehmendem Alter häufiger vor. Die Hälfte aller Männer über 60 Jahren sind betroffen. Jeder vierte Mann zwischen 50 und 60 hat dabei Beschwerden.

Ursachen

Die Harnröhre verläuft von der Blase durch die Prostata, in den Penisschaft und mündet an der Spitze des Penis. Wenn die Prostata sich zunehmend vergrößert, wird die Harnröhre zusammengedrückt, was zu einer Harnabflussstörung und den o. g. Blasenentleerungssymptomen führt. Die unvollständige Entleerung führt zu Restharn in der Blase und damit zu einer Blasenreizung. Dies wiederum führt zu vermehrtem Harndrang.

Diagnostik

Die Ärztin/der Arzt beurteilt die vorhandenen Symptome und untersucht die Prostata. Der Grad der Beschwerden kann festgestellt werden, indem der Patient Fragen beantwortet, die nach einem Punktesystem bewertet werden.

Bei der ärztlichen Untersuchung kann die Prostata mit einem Finger im Enddarm ertastet werden. Auf diese Weise können unter Umständen Anhaltspunkte dafür gewonnen werden, ob eine gutartige Prostatavergrößerung vorliegt oder weitere Untersuchungen notwendig sind, beispielsweise um Prostatakrebs auszuschließen. Bei einer vollen Harnblase kann die Ärztin/der Arzt die Blase im unteren Bauchraum ertasten.

Ferner werden Urin- und Blutuntersuchungen durchgeführt. Manchmal können bei BPH auch andere Untersuchungen notwendig werden. Solche Untersuchungen können sein:

  • Urografie: Röntgenuntersuchung der Harnwege mit Kontrastmitteln
  • Ultraschall: Bildgebung der Nieren und Prostata. Durch diese Untersuchung kann die Größe der Prostata berechnet werden.
  • Zystoskopie: Bei dieser Untersuchung wird unter lokaler Betäubung ein spezielles Untersuchungsgerät durch die Harnröhre in die Blase eingeführt. So können krankhafte Veränderungen im Harnleiter, in der Prostata und der Harnblase erkannt und Gewebeproben aus der Prostata entnommen werden.
  • Biopsie: Um zu beurteilen, ob eine gutartige Zunahme des Prostatagewebes vorliegt oder ein Prostatakarzinom, werden aus der Drüse Gewebeproben entnommen. Dazu wird unter lokaler Betäubung eine Nadel wenige Millimeter weit in die Drüse geführt. Die Gewebeproben werden später unter dem Mikroskop untersucht, um die Zellverbände zu beurteilen, aus denen die Prostata besteht.

Behandlung

Die Behandlung zielt darauf ab, Beschwerden zu lindern, die Lebensqualität zu verbessern und Komplikationen vorzubeugen. Es gibt einige Dinge, die Sie selbst unternehmen können, um die Situation zu verbessern.

Was können Sie selbst tun?

  • Bei nächtlichem Harndrang am Abend weniger trinken.
  • Bei einer Neigung zur Restharnbildung Dreifachmiktion versuchen, das heißt:
    1. Lassen Sie wie gewohnt Wasser.
    2. Warten Sie einige Minuten und versuchen Sie, erneut Wasser zu lassen.
    3. Wenn als ein Zeichen der weiteren Entleerung Harn kommt, urinieren Sie noch einmal.

Auch das Ausstreichen der Harnröhre nach dem Urinieren kann dem Nachträufeln des Harns vorbeugen. Sie können Ihre Harnröhre nicht nur im Verlauf des Penis auspressen, sondern sich am hinteren Teil Damms beginnend, den Damm entlang nach vorne arbeiten. Dieses Manöver können Sie mehrmals wiederholen, bis das Nachtröpfeln versiegt.

Medikamentöse Therapie

Es gibt zwei hauptsächliche Medikamententypen – sogenannte Alphablocker und Finasterid/Dutasterid. Patienten mit symptomatischer gutartiger Prostatahyperplasie und einer Symptombewertung von 8–19 Punkten können mit Medikamenten behandelt werden. In der Regel führt das zu einer gewissen Symptomlinderung. Für viele Patienten ist es sinnvoll, zunächst eine medikamentöse Behandlung zu versuchen und einen operativen Eingriff nur im Fall der Wirkungslosigkeit oder bei zunehmenden Beschwerden zu wählen.

Alphablocker bewirken, dass der Blasenhals geöffnet wird, sodass Urin leichter aus der Blase in die Harnröhre fließt. Der Effekt tritt nach etwa einer Woche auf, beeinflusst aber nicht die Größe der Prostata. Nebenwirkungen dieses Medikaments treten in etwa 10 % aller Fälle auf und umfassen unter anderem Schwindel, Müdigkeit,  Samenentleerung in umgekehrter Richtung, das heißt in die Blase, und niedriger Blutdruck. Bei solchen Nebenwirkungen ist die Dosis zu reduzieren. 

Finasterid oder Dutasterid verkleinern die Prostata, Dieser Effekt tritt mit Verzögerung ein. Es kann bis zu sechs Monate dauern, bevor der Patient eine Wirkung verspürt. Zu diesem Zeitpunkt wird die Größe der Prostata durchschnittlich um 20–30 % verringert. Mit dieser Behandlung vermindert sich das Risiko, dass das Wasserlassen ganz ausbleibt (Harnverhalt). Unter Umständen kann damit eine sonst notwendige Operation vermieden werden. Diese Medikamente werden auch bevorzugt, wenn der Betroffene nur milde Beschwerden und eine große Prostata (> 40 ml) hat.

Wenn die beschriebenen Medikamente nicht zum Erfolg führen, kann nach sorgfältiger Abwägung evtl. auch eine spezielle Behandlung der Harnblasenwand mit Botulinumtoxin („Botox") infrage kommen.

Operative Therapie

Eine Operation ist indiziert, wenn sehr belastende Beschwerden, oder eine chronische Überfüllung der Blase vorliegen oder ein vollständiger Harnverhalt auftritt. Es gibt verschiedene Verfahren. Die häufigste ist die sogenannte transurethrale Prostataresektion (TUR-P), bei der die Chirurgin/der Chirurg ein dünnes, biegsames Rohr in die Harnröhre einführt und die Teile der Prostata, die den Abfluss behindern, entfernt.

Eine Prostatektomie, eine Entfernung der Prostata wird bei sehr großen Drüsen (> 100 ml) angewendet. Weniger invasive Techniken wie Mikrowellen (TUMT), Laser, Ultraschall und Stents können je nach individueller Situation ebenfalls eingesetzt werden.

Prognose

Die BPH entwickelt sich langsam, die Symptome sind oft belastend. Unbehandelt nehmen die Beschwerden in etwa der Hälfte aller Fälle zu, bei 30 % verändert sich die Situation nicht, während 20 % eine Besserung erleben. Bei manchen Betroffenen wird mit der Zeit eine Operation notwendig, wobei die Operationsergebnisse gut sind.

Die BPH an sich ist keine lebensbedrohliche Krankheit. Es können jedoch gelegentlich Komplikationen wie Blasensteine, Harnwegsinfektionen, Harnstauungsniere mit Nierenfunktionsstörungen, selten bis hin zum Nierenversagen auftreten. Das Risiko für Prostatakrebs ist bei Männern mit einer gutartig vergrößerten Prostata nicht erhöht.

Probleme mit nächtlichem Wasserlassen können den Schlaf stören und eine Belastung für den Betroffenen darstellen.

Weitere Informationen

Autoren

  • Thomas M. Heim, Dr. med., Wissenschaftsjournalist, Freiburg
  • Natalie Anasiewicz, Ärztin, Freiburg i. Br.