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Prostataoperation

Manchmal ist die Prostatadrüse so groß (Prostatahyperplasie), dass eine medikamentöse Therapie nicht ausreicht und ein chirurgischer Eingriff notwendig sein kann. Auch bei Prostatakrebs ist die Operation eine Therapiemöglichkeit.

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Was ist die Prostata?

Die Prostata wird auch als Vorsteherdrüse bezeichnet. Sie befindet sich unterhalb des Ausgangs der Harnblase und stützt dadurch die Harnblase von unten. Die aus der Harnblase austretende Harnröhre verläuft quer durch die Prostata. Diese produziert ein Sekret, das die Samenzellen ernährt und das Ejakulat verflüssigt.

Die Prostatadrüse wächst in der Pubertät stark auf ihre normale erwachsene Größe. Bei vielen Männern, aber nicht bei allen, wächst die Drüse das ganze Leben weiter. Mit steigendem Alter können bei vielen Männern durch diese vergrößerte Prostata Beschwerden auftreten. Bei den meisten Männern kommt es zu einer gutartigen (benignen) und normalen Prostatavergrößerung, die als benigne Prostatahyperplasie bezeichnet wird. Die Prostata kann jedoch auch aufgrund einer Krebserkrankung (Karzinom) wachsen. Beim Prostatakarzinom (Prostatakrebs) handelt es sich um die häufigste Krebserkrankung bei Männern. Pro Jahr werden bundesweit etwa 60.000 Neuerkrankungen diagnostiziert. Etwa 40 % der Männer entwickeln im Laufe ihres Lebens ein Prostatakarzinom; 10 % erleiden Beschwerden und 3 % sterben an diesem Krebs. Das heißt, die meisten Männer leben trotz der Diagnose Prostatakrebs noch sehr lange weiter.

Die Beschwerden bei einer vergrößerten Prostata äußern sich deshalb, weil ein Teil der Harnröhre von der Prostata umgeben ist. Wächst die Drüse, wird dieser Bereich der Harnröhre etwas eingeklemmt und verengt sich somit. Dadurch schwächt sich der Urinstrahl in seiner Stärke ab. Nach und nach kann es zu einer solchen Verengung kommen, dass die Blase nicht vollständig entleert werden kann. Lässt sich die Blase nicht leeren, füllt sie sich schneller und ein häufigeres Urinieren ist die Folge. Bei vielen Männer äußert sich dies durch einen nächtlichen Harndrang. Zudem dauert es länger, die Blase zu leeren. Daher sind Schlafstörungen eine häufige Ursache dafür, dass Männer in dieser Frage ärztlichen Rat einholen.

Wann ist eine Operation angezeigt?

Die meisten Patienten mit Problemen aufgrund von Veränderungen der Prostata müssen keine Operation durchführen lassen. Bei einer benignen Prostatahyperplasie gibt es Medikamente, die das Wasserlassen erleichtern (siehe Artikel gutartige Prostatavergrößerung). Manchmal ist die Prostatadrüse jedoch so groß, dass eine medikamentöse Therapie nicht ausreicht und ein chirurgischer Eingriff (oder eine Abtragung von Prostatagewebe mittels Laser, Mikrowellen, Hitze etc.) notwendig wird.

Bei Prostatakrebs richten Ärzte sich, wie bei anderen Krebsarten, nach den regelmäßig von Expertengruppen aktualisierten Empfehlungen für die Diagnostik und Therapie. Die Therapie richtet sich nach Größe und Lokalisierung des Tumors, nach dem Alter und ggf. weiteren Krankheiten des Patienten sowie nach den zu erwartenden Nebenwirkungen und dem Wunsch des Patienten. Da neben der Operation auch verschiedene Bestrahlungstechniken und unterschiedliche medikamentöse Therapien möglich sind, wird der Arzt mit dem Patienten genau besprechen, welche Therapie infrage kommt. In vielen Fällen bietet die chirurgische Entfernung der Prostata eine erfolgreiche Therapiemöglichkeit.

Eine Operation der Prostata kann auf zwei verschiedene Weisen erfolgen: entweder über die Harnröhre oder mittels offener Operation oberhalb des Schambeins. Grundsätzlich gibt es zudem Roboter-gestützte Operationsverfahren.

Die Operation durch die Harnröhre stellt eine Option bei einer gutartigen Prostatavergrößerung dar und wird auch als TURP bezeichnet. Diese Abkürzung steht für transurethrale Resektion der Prostata. Mithilfe eines Resektoskops (einem dünnen Rohr) in der Harnröhre wird das Prostatagewebe chirurgisch entfernt, das den oberen Bereich der Harnröhre einfasst. Damit wird die Urinableitung erleichtert. Dieses Vorgehen ist üblich, wenn die Prostata nur mäßig vergrößert ist.

Ähnlich wie die TURP funktioniert die TUIP (transurethrale Inzision der Prostata): Hierbei wird in die Prostata eingeschnitten, wodurch sich jedoch nur weniger Gewebe als bei der TURP entfernen lässt.

Eine offene Operation bei einer gutartigen Vergrößerung unterscheidet sich maßgeblich von der bei Krebs. Bei einer gutartigen Vergrößerung wird lediglich der vergrößerte Prostatabereich entfernt, während bei einer Krebserkrankung die gesamte Drüse entnommen wird. Eine offene Operation ist ein umfassenderer Eingriff, er ermöglicht dem Operateur jedoch eine bessere Übersicht. Dies ist zur Beurteilung der Tumorausbreitung unerlässlich.

Zu welchen Beschwerden kommt es bei diesen Operationen?

TURP: Am Ende des Eingriffs wird ein Katheter in die Harnröhre zur Blase geschoben. Dieser wird verwendet, um die Blase frei von Blut zu spülen. Der Katheter wird nach ein oder zwei Tagen entfernt. Sobald das Urinieren einwandfrei funktioniert, erfolgt die Entlassung aus dem Krankenhaus. In den ersten Wochen nach dem Eingriff kann weiterhin Blut im Urin enthalten sein. Nach vier bis sechs Wochen sind die inneren Wunden in der Regel verheilt und es ist kein Blut mehr vorhanden. In dieser Zeit kann es bei vielen Männern noch zu Schmerzen und Beschwerden beim Wasserlassen kommen. Zudem besteht in diesem Zeitraum auch eine besondere Anfälligkeit für Harnwegsinfektionen. Bei Fieber oder einer plötzlichen Zunahme der Beschwerden beim Wasserlassen (Urinieren) ist ärztlicher Rat einzuholen und der Urin zu untersuchen.

Offene Operation: Auch bei diesem Eingriff wird in den ersten Tagen ein Katheter in die Harnblase geschoben. Zudem wird ein so genannter Drain von der Operationswunde am Bauch gelegt, der die Gewebeflüssigkeit des Operationsbereichs ableitet. Der Drain wird in der Regel nach ein bis zwei Tagen entfernt, während der Katheter nach zwei bis drei Tagen gezogen wird. In den ersten Tagen kann Blut durch den Urinkatheter fließen. Die Blase wird regelmäßig gespült, um sicherzustellen, dass das Blut nicht gerinnt. Doch auch hier normalisieren sich die Verhältnisse relativ schnell. Innerhalb der ersten sechs Wochen ist bei den meisten Männern ein normales und schmerzloses Urinieren möglich.

Beide Eingriffe erfolgen unter Spinalanästhesie (Anästhesie der Rückenmarksnerven) oder Vollnarkose.

Nachteilige Langzeitwirkungen

Sehr nahe im Bereich der Prostata verlaufen Nerven, die für die Kontinenz und die sexuelle Funktion entscheidend sind. Daher kommt es in den ersten Wochen nach dem Eingriff häufig zu einer Harninkontinenz. Dieser Zustand bessert sich aber im Laufe der Zeit, wenn die ersten Störungen abklingen. Allerdings leiden 10–20 % der Operierten auch noch nach einem Jahr an Harninkontinenz. Im Laufe der nachfolgenden Jahre scheint dieser Anteil dann noch zuzunehmen.

Zudem kann infolge der Operation eine Impotenz bzw. erektile Dysfunktion (also Probleme mit der Erektion) eintreten; dies betrifft durschnittlich 70 % der Männer nach Entfernung der Prostata.

Zur Therapie von Harninkontinenz oder Erektionsstörungen nach einer Prostataoperation gibt es verschiedene Methoden: Medikamente und chirurgische Verfahren. 

Selbst bei den Männern, bei denen die Potenz erhalten werden konnte, kann die Fertilität nachlassen. Der größte Teil der Samenflüssigkeit stammt aus der Prostata und wird in den Samenblasen an der Rückseite der Prostata gespeichert. Die Samenblasen entleeren ihr Sekret für das Sperma (Ejakulat, Samen) über feine Kanäle durch die Prostata in die Harnröhre (Urethra). Bei beiden Eingriffen werden diese Kanäle zerstört, sodass der Samen in die Harnblase (retrograde Ejakulation) entleert wird. Somit erfolgt der Orgasmus nahezu „trocken“ (fehlender sichtbarer Samenerguss), auch wenn ansonsten ein normales sexuelles Erlebnis vorliegt. Beim ersten Urinieren nach dem Orgasmus ist der Urin daher hellgelb, weil er Samenflüssigkeit enthält.

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Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen