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Chronische Prostatitis – Schmerzsyndrom des Beckens

Chronische Prostatitis ist eine Erkrankung mit anhaltenden Schmerzen und Beschwerden der Harnwege und der Genitalien. Es ist unklar, ob die Symptome von der Prostata ausgehen. Nur selten liegt eine Infektion vor.

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Chronische Prostatitis oder Schmerzsyndrom des Beckens

Die chronische Prostatitis oder das chronische Schmerzsyndrom des Beckens ist durch eine Reihe von Symptomen gekennzeichnet, die von den Harnwegen und den männlichen Genitalien ausgehen und sich häufig als anhaltende Schmerzen im Beckenbereich manifestieren. Um die Diagnose zu stellen, ist es erforderlich, dass die Symptome innerhalb der letzten 6 Monate mindestens 3 Monate lang bestanden. Obwohl die Bezeichnung „Prostatitis“ geläufig ist, ist unklar, inwieweit die Symptome von der Prostata (Vorsteherdrüse) ausgehen. Die alternative Bezeichnung, chronisches Schmerzsyndrom des Beckens, veranschaulicht die Unsicherheit, die in Bezug auf die Ursache der Symptome herrscht.

Das Prostatitis-Syndrom wird in folgender Weise eingeteilt:

  1. akute bakterielle Prostatitis
  2. chronische bakterielle Prostatitis
  3. chronische Prostatitis/chronisches Beckenschmerzsyndrom („Chronic Pelvic Pain Syndrome“), unterteilt in:
    • entzündlich 
    • nicht-entzündlich 
  4. asymptomatische entzündliche Prostatitis (Entzündung ohne Symptome).

Die chronische Prostatitis ist eine sehr häufige Erkrankung. Die Grenzen zu normalen Beschwerden sind fließend. Laut einiger Studien sind 210 % aller Männer daran erkrankt. Die chronische nicht-bakterielle Prostatitis, also das chronische Schmerzsyndrom des Beckens, ist die häufigste Form (90 %). Eine chronische bakterielle Prostatitis ist selten und betrifft nur 10–15 % aller chronischen Prostatitis-Erkrankungen. Die chronische Prostatitis kommt überwiegend bei jüngeren Männern und Männern mittleren Alters vor. Das durchschnittliche Alter beträgt 42 Jahre.

Ursachen

Die Ursache der chronischen Prostatitis/des chronischen Schmerzsyndroms des Beckens ist unbekannt. Obwohl eine bakterielle Infektion als Ursache vermutet wird, sind Bakterien nur selten nachweisbar. Viele Experten glauben, dass sowohl die entzündliche als auch die nicht-entzündliche Form keine infektiöse, durch Mikroorganismen verursachte Erkrankung ist. Psychischer Stress wie Angst und Sorgen über eine mögliche schwerwiegende Erkrankung kommen offenbar häufig bei Männern mit diesen Symptomen vor und können zur Erkrankung beitragen. Wahrscheinlich geht die chronische, nicht-bakterielle Prostatitis nicht von der Prostata aus, sondern ist eher zur Gruppe chronischer Muskel- und Sehnenschmerzen des Beckens zu zählen. Auch Autoimmunprozesse können zur Entstehung einer nicht-bakteriellen Prostatitis beitragen.

Eine chronische bakterielle Prostatitis hingegen wird durch verschiedene Mikroorganismen wie Chlamydien, Mykoplasmen oder humane Papillomaviren (HPV) verursacht. Diese breiten sich vermutlich von der Harnröhre zur Prostata aus. Begünstigende Faktoren sind u. a. eine vorhandene Vorhaut, eine Verengung der Harnröhre, eine gutartige Prostatavergrößerung, frühere sexuell übertragbare Erkrankungen, Katheterisierung und retrograde Ejakulation (Samenerguss in die Harnblase).

Symptome

Die chronische Prostatitis/Beckenschmerzsyndrom wird als chronische Beckenschmerzen definiert, die innerhalb der vorangegangenen 6 Monate mindestens 3 Monate lang auftraten, ohne dass andere zugrunde liegende Erklärungen nachweisbar sind. Es handelt sich also um eine Ausschlussdiagnose, Fieber oder Bakterien im Urin treten nicht auf.

Patienten mit bakterieller Prostatitis haben dagegen oft leichtes Fieber.

Die Symptome variieren und sind schwer von normalen Erscheinungen abzugrenzen. Patienten, die eine Arztpraxis aufsuchen, erleben häufig einen länger andauernden Krankheitsverlauf mit schwankenden Beschwerden. Bei älteren Patienten kann es schwierig sein, die Symptome von einer gutartigen Prostatavergrößerung zu unterscheiden. Eine psychische Komponente ist oft vorhanden; es ist z. B. typisch, dass diese Patienten häufig nur in WC-Kabinen urinieren, da sie sich im Beisein anderer Personen ausgesprochen unwohl fühlen. Es gibt Ähnlichkeiten zu anderen Schmerzsyndromen wie dem Reizdarmsyndrom, dem chronischen Erschöpfungssyndrom und Fibromyalgie. Häufig liegen gleichzeitig psychische Störungen wie Depression oder Angststörungen vor.

Die häufigsten Symptome sind:

  • Schmerzen am Damm (Bereich zwischen After und Penis) oder hinter dem Schambein, die bis zum Hodensack, Penis und Rücken, in die Leiste und den Bauch ausstrahlen können.
  • Häufig treten Schmerzen während oder nach der Ejakulation auf (mehr als 90 %).
  • Schmerzen beim Wasserlassen, Blasenentleerungsstörung, nächtliches Wasserlassen und plötzlicher Harndrang, eventuell mit Harnverlust
  • Eine chronische Prostatitis ist mit einer erschwerten Durchführung der täglichen Aktivitäten, Depressionen und verminderter Lebensqualität verbunden.
  • Eine chronische Prostatitis/Schmerzsyndrom des Beckens kann mit Erektionsstörungen einhergehen.

Diagnostik

Häufig wird die Diagnose auf der Basis der Krankengeschichte gestellt, die Erkenntnisse der ärztlichen Untersuchung sind jedoch ebenfalls wichtig. Andere Erkrankungen sollen ausgeschlossen werden. Prostata, Hoden und Leistengegend werden gründlich untersucht. Um die Prostata zu untersuchen, führt der Arzt einen Finger in den Enddarm ein und ertastet die Prostata. Im Zuge dieser Untersuchung kann die Prostata massiert werden, sodass einige Tropfen des Prostatasekrets aus der Harnröhre treten. Eine mikroskopische Untersuchung dieser Flüssigkeit zeigt, ob eine Entzündung der Prostata vorliegt. Auch der Urin wird auf Bakterien untersucht. In einer Blutuntersuchung werden die Entzündungswerte (CRP) bestimmt. Eine Ultraschalluntersuchung dient der bildlichen Darstellung der Prostata. Bei Schwierigkeiten bei der Blasenentleerung kann eine umfassende Untersuchung der Blasenfunktion sinnvoll sein.

Das Ergebnis der Untersuchung kann eine der folgenden Diagnosen sein:

  • Bakterielle Prostatitis – Bakterien werden nachgewiesen.
  • Nicht-bakterielle Prostatitis – im Prostatasekret sind entzündliche Veränderungen nachweisbar, jedoch keine Bakterien.
  • Chronisches Schmerzsyndrom des Beckens – es werden weder Bakterien noch entzündliche Veränderungen nachgewiesen.

Behandlung

Vermeiden Sie eine Auskühlung des Unterleibs und der Füße sowie langes Sitzen und Radfahren. Lokale Wärme kann die Symptome mildern, z. B. ein heißes Bad oder ein Aufenthalt in einem Land mit einem warmen Klima. Ein aktives Sexualleben/regelmäßige Masturbation fördert den Schleimabfluss aus der Prostata und kann der Tendenz zu Prostataentzündungen entgegen wirken. Wenn Sie feststellen, dass bestimmte Lebensgewohnheiten die Beschwerden verschlimmern, sollten Sie versuchen, diese zu vermeiden. Körperliche Aktivität hat sich als günstig bei dieser Erkrankung erwiesen.

Die chronische Prostatitis bzw. das Schmerzsyndrom des Beckens erfordert eine individualisierte Behandlung. Die Erkrankung ist gutartig, kann jedoch eine wesentliche Verringerung der Lebensqualität beinhalten. In den meisten Fällen ist keine aktive Behandlung notwendig. Kurative Behandlungsformen stehen nicht zur Verfügung, und es gibt keinen klaren Konsens unter den Experten, wie die Erkrankung zu behandeln ist.

Alphablocker können in Kombination mit Antibiotika verabreicht werden. Die Dauer der Behandlung beträgt mehrere Wochen, die Wirkung ist unsicher.

Injektionen mit Botulinumtoxin in die Prostata können die Schmerzen verringern.

Auch Akupunktur reduziert nachweislich die Symptome. Die Wirkung von anderen Behandlungen ist wenig untersucht und vermutlich gering.

Eine chronische bakterielle Prostatitis wird mit Antibiotika behandelt.

Prognose

Der Verlauf ist häufig wechselhaft. Die Dauer der Beschwerden kann sich über mehrere Jahre erstrecken. In seltenen Fällen kann sich die Erkrankung aus einer akuten Prostatitis entwickeln.

Die chronische Prostatitis ist psychisch sehr belastend und kann die Lebensqualität stark einschränken. Die meisten Patienten können aber normal am sozialen und Arbeitsleben teilnehmen.

Weitere Informationen

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden