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Mangel an Spermien (Azoospermie)

Azoospermie bedeutet, dass bei mindestens zwei Spermaproben im Ejakulat keine Spermien enthalten sind. Mögliche Ursachen hierfür sind eine fehlende Spermienproduktion oder ein Problem beim Transport der Spermien aus den Hoden (z. B. ein verschlossener Samenleiter).

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Was ist Azoospermie?

Azoospermie bedeutet, dass bei mindestens zwei Spermaproben im Ejakulat keine Spermien enthalten sind. Etwa 1 % aller Männer sind von Azoospermie betroffen; unter den Männern mit herabgesetzter Infertilität und Infertilitätsproblemen sind es 10–15 %. Infertilität bedeutet die verringerte Fähigkeit zur Fortpflanzung.

Ursachen

Azoospermie kann auf einen Fehler in der Produktion von Sexualhormonen, auf eine Erkrankung der Hoden oder Samenleiter oder auf Probleme beim Geschlechtsverkehr und Samenerguss zurückzuführen sein.

Verringerte Menge an Sexualhormonen

Eine verringerte Ausscheidung von stimulierenden Hormonen aus Hormondrüsen im Bereich des Gehirns (Gonadotropine aus dem Hypothalamus und der Hypophyse) führt dazu, dass die Produktion von Sexualhormonen niedrig bleibt (hypogonadotroper Hypogonadismus). Wegen der fehlenden Sexualhormone bleibt beim Mann die Entwicklung von Spermien aus. Eine medikamentöse Behandlung mit einem Gonadotropinpräparat verbessert die Spermienmenge und -qualität dieser Männer in der Regel.

Schädigung oder Erkrankung der Hoden

Eine Schädigung der Hoden kann zu einer sehr geringen oder ausbleibenden Spermienproduktion führen, obwohl dem Körper ausreichend Sexualhormone zur Verfügung stehen. Die Samenzellenproduktion bleibt dann zu gering, als dass Samenzellen in das Sperma gelangen könnten.

Ein häufiger Grund für die Azoospermie ist ein Hodenretention, bei der die Hoden nach dem embryonalen Stadium nicht vollständig aus dem Bauchraum in den Hodensack abgestiegen sind (Hodenhochstand). Bei 3–5 % aller männlichen Neugeborenen liegt eine Hodenretention vor. Sie kann bei etwa 20 % aller Männer, bei denen im Sperma keine Samenzellen nachgewiesen werden, als Ursache für die Azoospermie ausgemacht werden. Da sich die Hoden weiter oben im Unterleib bzw. im Leistenkanal befinden, sind die darin befindlichen, außerordentlich temperatursensiblen Keimzellen von höheren Temperaturen umgeben und sterben ab. Etwa 50 % der Männer mit einseitiger Hodenretention und 75 % der Männer mit doppelseitiger Hodenretention sind unfruchtbar.

Eine weitere Ursache für Hodenschäden ist das Auftreten einer Mumps-Erkrankung nach der Pubertät. Bei etwa 25 % der Männer, die an Mumps erkranken, tritt gleichzeitig eine Entzündung der Hoden (Orchitis) auf, die die Keimzellen in derartigem Ausmaß schädigen kann, dass im Ergebnis eine Azoospermie entsteht.

8–14 % der Männer mit Azoospermie haben verschiedene Chromosomenanomalien, während bezogen auf die Gesamtbevölkerung weniger als 1 % der Menschen solche Anomalien aufweisen. Die häufigste Variante ist das Klinefelter-Syndrom.

Auch Operationen am Hoden, Strahlentherapie oder Chemotherapie können zur Entstehung von Azoospermie führen. Daher ist es wichtig, dass Männer, bei denen eine solche Behandlung geplant ist, Informationen über die Möglichkeiten erhalten, Spermien vor Beginn der Behandlung zu entnehmen und einzufrieren. So ist eine spätere Kinderwunschbehandlung möglich.

Azoospermie kann auch auf Hodenkrebs  hinweisen. Können bei vorliegendem Hodenkrebs Samenzellen nur in Gewebeproben des befallenen Hodens nachgewiesen werden, sollte geprüft werden, ob diese bei einer späteren Behandlung einer eventuellen Infertilität genutzt werden können.

Mangelnder Samentransport oder fehlender Samenerguss

Männer mit diesen Beschwerden haben eine normale Hormon- und Spermienproduktion. Hier liegen für die Spermien auf dem Weg von den Hoden angeborene oder erworbene Hindernisse vor, die dazu führen, dass das Ejakulat keine Spermien enthält. Männern mit zystischer Fibrose (Mukoviszidose) fehlen normal ausgebildete Samenleiter. Nach einer Sterilisation mittels Vasektomie, bei der die Samenleiter durchtrennt und miteinander vernäht werden, gelangen die Spermien natürlich ebenfalls nicht nach außen.

Eine weitere häufige Ursache für eine Azoospermie ist ein fehlender Samenerguss. Ursachen hierfür sind die mangelnde Erektionsfähigkeit (erektile Dysfunktion), die fehlende Samenausschüttung oder eine Samenausschüttung in die Harnblase (retrograde Ejakulation) statt durch den Penis nach außen. Im letzteren Fall finden sich Spermien im Urin. 

Wichtige Ziele einer Untersuchung

Zur Vorbereitung einer detaillierten Diagnose gilt es zunächst herauszufinden, welche Art der Azoospermie vorliegt. Anschließend kann geprüft werden, ob Samenzellen zu finden sind, mit denen eine künstliche Befruchtung vorgenommen werden kann. Hierbei sind auch die Risiken einer solchen Behandlung zu beurteilen.

Selbst wenn man beim Mann fehlende Spermien feststellt, sollte auch bei der Frau die Fertilität untersucht werden. Das Ziel der Untersuchung liegt nicht darin, die Ursache der Infertilität festzustellen, sondern der Frau eine Schwangerschaft und dem Paar die Geburt eines gesunden Kindes zu ermöglichen. Können Spermien nachgewiesen werden, ist das Alter der Frau der wichtigste prognostische Faktor für eine Schwangerschaft und die Geburt eines gesunden Kindes.

Diagnose

Häufig liefern frühere Krankheiten oder Verletzungen Hinweise auf mögliche Ursachen. Bereiche, die geklärt werden sollten, sind frühere Operationen oder Verletzungen an Genitalien, Geschlechtskrankheiten, der Missbrauch von Anabolika und mögliche sexuelle Dysfunktionen. Ebenso muss geprüft werden, ob die Sexualhormone ausreichend produziert werden. Hoden, Nebenhoden und Samenleiter müssen lokalisiert und auf mögliche Veränderungen hin untersucht werden.

Hormonuntersuchungen (Blutuntersuchungen) können Informationen über die Art der vorliegenden Azoospermie liefern. Ebenso sollten routinemäßig eine Überprüfung des Genmaterials (Chromosomenanalyse) und ein Ultraschall des Hodensacks vorgenommen werden.

Bestätigt sich die Azoospermie, sollten das Ergebnis der Spermienuntersuchung mit dem Paar erörtert und die Möglichkeiten weiterer Untersuchungen und der Behandlung besprochen werden.

Operative Untersuchung

Operationen zum Nachweis von Samenzellen bei Azoospermie werden heute generell ambulant unter örtlicher Betäubung durchgeführt.

Ein Absaugen von Samenzellen (testikuläre Spermienaspiration) wird durchgeführt, um Spermien nachzuweisen. Diese Methode wird in erster Linie bei Azoospermie verwendet. Dabei wird eine feine Nadel in das Hodengewebe eingeführt, um eventuell vorhandene Spermien abzusaugen (Aspiration). Das gewonnene Material wird gleich anschließend mikroskopisch auf mögliche Spermien hin untersucht. Es gibt verschiedene, im Detail etwas unterschiedliche Methoden zur Spermien- oder Gewebegewinnung aus den Hoden, im Prinzip laufen diese Eingriffe jedoch wie beschrieben ab.

Behandlung der Infertilität

Findet man bei der Untersuchung reife Samenzellen, kann zu einem späteren Zeitpunkt eine künstliche Befruchtung vorgenommen werden. Bei einer Azoospermie ist die Anzahl der gewonnenen Spermien in der Regel jedoch zu gering, um Spermien in ausreichendem Umfang für eine spätere Behandlung einfrieren zu können. Ist aber die Produktion von Samenzellen nachgewiesen, bestehen gute Chancen, dass bei einer weiteren, etwas umfangreicheren Operation ausreichend Samenzellen gewonnen werden können.

Der Zeitpunkt für eine Behandlung hängt davon ab, wie die operative Untersuchung vorgenommen wurde. Konnten bei einer diagnostischen Spermienaspiration Samenzellen nachgewiesen werden, können bereits wenige Wochen später bei einem weiteren Eingriff Samenzellen entnommen und für eine künstliche Befruchtung genutzt werden. Bei anderen Methoden ist es empfehlenswert, zwischen den Eingriffen einige Monate vergehen zu lassen.

Die Wahrscheinlichkeit, bei einer Azoospermie infolge eines fehlenden Samenergusses Samenzellen zu finden, liegt prinzipiell bei 100 %, da hier eine normale Spermienproduktion vorliegt.

Bei Azoospermie infolge einer Erkrankung des Hodens oder Nebenhodens findet man bei der operativen Untersuchung in 20–60 % der Fälle reife Samenzellen. Die Chance auf eine Schwangerschaft und Geburt beträgt bei einer solchen Azoospermie etwa 65 % dessen, was sich in der Regel erreichen lässt, wenn man Samenzellen aus einer normal gewonnenen Spermienprobe künstlich in die entnommene Eizelle der Frau injiziert.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen